Umwelt

Böden vor dem Burn-out

Boden ist Leben. Ohne ihn keine Landwirtschaft, kein Essen. Doch unsere Böden stehen vor dem Kollaps. So können wir sie retten.

Ein Mann mit Brille vor grauem Hintergrund
Leo Frühschütz

Europas Böden stehen unter Stress, warnt die Umweltorganisation WWF. Allein durch Starkregen würden EU-weit jedes Jahr rund 970 Millionen Tonnen fruchtbarer Boden weggeschwemmt. Hinzu kämen die Erosion durch Wind, abgelagerte Schadstoffe aus Industriekaminen sowie der Flächenverbrauch durch neue Siedlungen und Straßen. Allein in Deutschland würden jeden Tag 60 Hektar unbebaute Fläche zubetoniert, das entspricht etwa 100 Fußballfeldern. Die Umweltorganisation fordert deshalb von der EU-Kommission eine Bodenrahmenrichtlinie, also EU-weite rechtliche Vorgaben für den Schutz der Böden. Eine solche wollte die EU-Kommission 2014 schon einmal auf den Weg bringen, war damals aber unter anderem am Widerstand Deutschlands gescheitert.

So will die EU die Böden bis 2030 gesünder machen

Nun unternimmt sie einen erneuten Anlauf – allerdings in ihrem Tempo. Nachdem sie im Herbst 2020 einen Fahrplan für eine Bodenstrategie veröffentlicht und Kommentare dazu eingesammelt hatte, wird jetzt an der Strategie gearbeitet. Ziel ist es, bis 2030 den Anteil gesunder Böden auf 75 Prozent zu steigern. Derzeit sind es weniger als 40 Prozent. Die Strategie selbst erwarten die Umweltverbände für das dritte Quartal 2021. Derweil hat die EU-Kommission eine Bodenbeobachtungsstelle eingerichtet, die den Zustand der Böden europaweit überwachen und Wissenslücken füllen soll. Gesunde Böden gibt es auch schneller. Der biologische Landbau mit seiner organischen Düngung und den vielfältigen Fruchtfolgen erhält die Fruchtbarkeit des Bodens und baut Humus auf. Der Umweltverband NABU vergibt deshalb unter dem Motto „Gemeinsam Boden gut machen“ Förderpreise an Landwirte, die gerade auf Bio umstellen. Im Jahr 2021 förderte er zehn Betriebe aus sechs Bundesländern. Unterstützt wird der NABU dabei von mehreren Unternehmen aus der Bio-Branche.

Aktion: Bürger testen Böden

Teebeutel vergraben, drei Monate warten, ausbuddeln und auswerten. „Expedition Erdreich“ heißt die Citizen-Science-Aktion des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Thema Bodengesundheit. Sie soll den Boden als Lebensraum, Kohlenstoffspeicher und wichtige Grundlage für die Produktion von Lebensmitteln stärker in das Bewusstsein der Menschen rücken. Mitmachen kann jeder: Dazu einfach das kostenlose Aktions-Kit anfordern und die Teebeutel vergraben. Die Idee dahinter: Im Boden verlieren die Beutelchen an Gewicht, da die Teeblätter durch Mikroorganismen zersetzt werden. Anhand des Gewichtsunterschieds wird der sogenannte Tea-Bag-Index berechnet, der wiederum Aufschluss über die Qualität des Bodens gibt. Begleitend zur Aktion gibt es ein Infoheft sowie Lehrmaterial für Schulen.

Mitmachen

Warum und wie Humus Böden rettet

Übrigens: Obwohl die Humus-Schicht des Bodens nur einen geringen Anteil ausmacht – nämlich rund ein bis vier Prozent bei den meisten Ackerböden, zwei bis acht Prozent bei Waldböden und vier bis fünfzehn Prozent bei Grünland – ist sie enorm wichtig. Ackerflächen mit hohem Humusgehalt binden mehr CO2 aus der Luft. Eine gesunde Humusschicht wirkt sich auch auf die Fähigkeit des Bodens aus, Wasser zu speichern und macht sie fruchtbarer. Lest, was Bauern und Hobbygärtner tun, um mehr Humus in den Boden zu bekommen.

Mehr Humus braucht das Land
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