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7 Gründe für Naturkosmetik

Chemie auf der Haut? Synthetik im Haar? Nein Danke! Immer mehr Verbraucher greifen zu kontrolliert-zertifizierter Naturkosmetik. 7 Gründe, warum diese Entscheidung goldrichtig ist.

30.09.2013 vonBettina Leveck

Klar: Wer morgens Bio-Brot frühstückt und seine Kleidung fair trade kauft, will sich am Abend nicht mit Chemie unter die Dusche stellen. Aber welche Vorteile bringt Naturkosmetik eigentlich? Was zeichnet natürliche Kosmetik aus? Die Zeiten, in denen allein das Anmischen im eigenen Mörser und Cremetiegel als Garant für reine Kosmetik galt, sind lange vorbei. An die hundert Jahre ist es her, dass Branchen-Pioniere erste Naturkosmetik-Pflege in den Handel brachten. Zahlreiche Hersteller folgten dieser Linie und bringen heute noch beständig Innovationen auf den Markt. Auch konventionelle Anbieter locken mit grüner Verpackungsoptik, dekoriert mit Blüten und Blättern. Alles Natur? Oder eher Schein als Sein? Wer kein Studium der Biochemie absolviert hat, kann die Inhaltsstoffe auf Kosmetikverpackungen schwierig beurteilen.

Orientierung im großen Angebotsdschungel bieten die Verbände der Hersteller von Naturkosmetik mit kontrollierten Siegeln, die echte Naturkosmetik von Nachahmern unterscheiden. Die Label, beispielsweise von BDIH*, Natrue, Ecocert, Cosmebio, ICEA** oder Demeter folgen strengen Richtlinien und Qualitätsgrundlagen: Sie alle stehen für hochwertige Rohstoffauswahl, den Verzicht auf reizende oder gar schädigende Inhaltsstoffe, schonende Verarbeitungsmethoden, umweltfreundliche Verpackung und den Schutz der Tiere.

1. Rohstoffe: Natur mehr als nur ein Schlagwort

Naturkosmetik baut auf Natur. Auch konventionell hergestellte Kosmetik nutzt natürliche Inhaltsstoffe. Allerdings sind diese durch chemische Prozesse oft so verändert, dass von der Natur nur noch der Name bleibt. Bei zertifizierter Naturkosmetik soll genau das nicht der Fall sein. In Tiegel und Cremetopf landen möglichst naturbelassene Rohstoffe ohne Beimischung von chemischen Zusatzstoffen. Die Palette ist groß: Neben Mineralien und traditionellen Heilpflanzen, wie zum Beispiel Ringelblume, Kamille und Salbei, entdeckt die Natur­kosmetik neue Ingredienzien, wie die Mittagsblume aus Südafrika oder die Acai-Frucht aus Brasilien. In möglichst sanften Verfahren wird den Naturstoffen ihr Bestes entlockt, sie landen als Öl, Fett, Wachs oder Extrakt in der Kosmetik. Dabei setzen die Hersteller soweit wie möglich auf biologischen Anbau und zertifizierte Wildsammlungen. Wem es wichtig ist, sollte die Kennzeichnung beachten: Der Anteil bio im Produkt reicht von 10 bis mehr als 95% Rohstoffen aus Bio-Anbau.

Naturkosmetik-Liste: Über 600 zertifizierte Naturkosmetika für Deutschland sind in der Datenbank von Natrue gelistet: www.natrue.org

2. Mineralölprodukte: Paraffine und Silikone sind bei Naturkosmetik tabu

Abfallprodukte aus der Mineralölindustrie zweitverwertet? Kaum zu glauben, aber in vielen konventionell hergestellten Kosmetikprodukten ist es so. Synthetisches Glycerin wird aus dem Gas Propen bei der Erdölverarbeitung gewonnen und in Gesichts- und Handcremes eingesetzt. Paraffine bleiben bei der Erdöldestillation zurück. Sie bilden auf der Haut einen wasserundurchlässigen Film und werden häufig in Lippenstiften verwendet, kommen aber auch in Cremes zum Einsatz, weil sie die Haut optisch praller wirken lassen. Ebenso ist es bei Silikonen, die zum Beispiel in Shampoos als Weichmacher eingesetzt werden. Die synthetischen Stoffe entstehen aus Silicium, Sauerstoff und chloriertem Kohlenwasserstoff. Dauerhaft schaden die billigen Füllstoffe Haut und Haaren, denn sie legen sich über die Zellen und stauen dort die Feuchtigkeit. Das macht die Haut spröde und Haare brüchig. Naturkosmetik hat andere Basiszutaten: Für Pflege und Geschmeidigkeit sorgen hier pflanzliche Öle und Wachse.

Pflanzliches Glyzerin: Nur dieses kommt in Naturkosmetik zum Einsatz. Der Extrakt dringt in die Haut ein und hilft dort, Feuchtigkeit zu binden.

3. Konservierung: Augenmerk Allergien

Jährlich erkranken bis zu 80.000 Menschen an einer Kontaktallergie gegen Kosmetik, so der Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK). Immer neue Inhaltsstoffe stellen Dermatologen dabei vor Rätsel: Die Suche nach dem Allergieauslöser wird zur Detektivaufgabe. Ein besonders hohes Risiko als Allergieauslöser haben synthetische Konservierungsmittel, zum Beispiel Isothiazolinone. Sie wirken antibakteriell, können aber bereits in niedrigen Konzentrationen schaden. Parabene – in Dänemark bereits in Kosmetik für Kleinkinder verboten – tragen zwar kaum ein Allergierisiko, stehen aber aufgrund ihrer hormonähnlichen Wirkung in der Kritik. Ebenso umstritten: Der Emulgator Polyethylenglykol (PEG), der die Haut durchlässiger für Wirkstoffe und damit auch Schadstoffe macht. In der Naturkosmetik sind alle diese Stoffe verboten. Hier kommen pflanzliche und naturidentische Konservierungsmittel, wie Benzoesäure, Salicylsäure oder Sorbinsäure, zum Einsatz. Verträglichkeitstests bescheinigen diesen Stoffen ein sehr niedriges Allergiepotenzial.

Pflanzliche Konservierung: Bio-Alkohol, Heilpflanzenauszüge und ätherische Öle wirken antibakteriell. Sie machen Naturkosmetik effizient haltbarer.

4. Duft und Farbe in Naturkosmetik

Ob Zitrusaroma oder Meeresbrise – synthetische Duftstoffe reizen. Laut Studien leidet rund zwei Prozent der Bevölkerung unter einer Duftstoffallergie. Einmal ausgebrochen, kann sie das Leben Betroffener sehr einschränken, denn Duftstoffe sind allgegenwärtig. In der zertifizierten Naturkosmetik darf nur duften und färben, was diese Eigenschaften von Natur aus mitbringt. Für die Farbe in Lippenstiften und Make-up sorgen Pflanzenauszüge und mineralische Pigmente, wie zum Beispiel Rote Bete, Ultramarin oder Eisenoxide. Für den angenehmen Duft ätherische Öle, Blütenwässer oder Kräuterextrakte. Auch diese können zwar bei sensiblen Nasen und empfindlicher Haut zu allergischen Reaktionen führen. Doch die Naturkosmetik sorgt vor: Die ätherischen Öle werden nur in sehr kleinen Konzentrationen zwischen 0,5 und 1 Prozent eingesetzt. In diesen Mini-Mengen sind die natürlichen Duftstoffe meist gut verträglich. Kontaktallergien zeigten sich häufiger auf isolierte Duftstoffe, weniger auf Gemische wie in ätherischen Ölen der Fall. Dennoch gilt auch hier: Wer empfindlich ist, sollte vorsichtig testen.

Der BDIH testete: Auf synthetisches Geraniol reagierte von 50 Allergikern jeder vierte, auf die ätherische Variante dagegen niemand.

5. Ethik: Fair zum Tier

Seit März diesen Jahres dürfen in der EU keine Produkte mehr verkauft werden, die in Tierversuchen getestet wurden. Doch es gibt Schlupflöcher: Das Verbot gilt nur für Substanzen, die ausschließlich für Kosmetika entwickelt wurden. Inhaltsstoffe, die auch in anderen Produkten, wie zum Beispiel Medikamenten, eingesetzt werden, dürfen weiterhin in Tierversuchen getestet werden. So richtig sicher kann der Käufer sich bei konventioneller Kosmetik weiterhin nicht sein. Bei zertifizierter Naturkosmetik können Verbraucher dagegen auf verbindliche ethische Regeln vertrauen. Die Hersteller setzen keine Zutaten ein, die nach dem 01. Januar 1998 an Tieren getestet wurden. Ein transparentes, sorgfältig ausgewähltes Lieferantennetz sorgt für tierische Rohstoffe, wie Milch und Honig, nach hohen Standards. Der Einsatz von Rohstoffen aus toten Tieren (tierische Fette, Nerzöl, Murmeltierfett, Collagen oder Frischzellen) ist im Gegensatz zur konventionellen Kosmetik nicht erlaubt. In den letzten Jahren gehen zudem immer mehr Naturkosmetik-Hersteller dazu über ihre Produktlinien vegan herzustellen.

Klar erkannt: Die Veganblume zertifiziert Produkte, die weder an Tieren getestet wurden noch tierische Substanzen enthalten.

6. Produktion: Klare Regeln vereinbart

Klar, die verwendeten Rohstoffe müssen, soweit möglich, aus Bio-Anbau und zertifizierten Wildsammlungen stammen. Aber auch eine schonende Produktion ist Pflicht. Die Prüfkriterien des BDIH beispielsweise geben der Naturkosmetik-Branche klare Vorgaben: Während konventionelle Kosmetikhersteller Rohstoffe und Produkte zum Beispiel radioaktiv bestrahlen lassen um Keime abzutöten, ist das in der Naturkosmetik ein absolutes Tabu. Nicht nur der Gesundheits- und Umweltschutz stehen im Fokus der kontrollierten Naturkosmetik, sondern auch der Mensch: Viele Hersteller fördern neue landwirtschaftliche Kooperativen in Entwicklungsländern und geben Hilfe zur Selbsthilfe. Stärken statt ausbeuten ist die ethische Grundregel für alle nachhaltigen Produktionsgemeinschaften. In Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Umweltschutzorganisationen sollen die Bedingungen vor Ort nachhaltig verbessert werden. Faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter stecken den Rahmen dafür.

Sozial und fair: Der BDIH lässt Hersteller unterschreiben, dass sie sich für faire Arbeitsbedingungen einsetzen.

7. Verpackung: Aufwand und Nutzen ausbalanciert

Eine riesengroße Verpackung und ein winzig kleines Produkt: Immer wieder geraten Mogelverpackungen in die Kritik. Allzu häufig stehen Aufwand und Nutzen bei der Art der Verpackung nicht in Relation. Naturkosmetik folgt dagegen der Devise: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Viele Produkte sind recycelbar und so hergestellt, dass sie schadstoffarm in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden können. Für PET-Verpackungen wird möglichst auf wiederverwertete Rohstoffe zurückgegriffen. Die Hersteller entwickeln zudem ständig neue Verfahren, um Verpackungen noch dünner und ressourcenschonender werden zu lassen. Erste Hersteller bieten auch einen Rücknahme-Service für leere Produktverpackungen an, um sie direkt ins hauseigene Recycling zu speisen. Die Zukunft der Branche liegt im cradle-to-cradle-System. Das bedeutet, Produkte sollen so hergestellt werden, dass sie keinen Abfall mehr erzeugen, entweder zu einhundert Prozent kompostierbar oder für die Weiterverwendung geeignet sind.

Gut fürs Klima: Für jedes eingesparte Kilogramm Plastik dringen zwei Kilogramm weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre.

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