Kosmetik

Naturkosmetik-Siegel kurz erklärt

Wo „natürlich“ draufsteht, ist oft wenig Natur drin. Sicherheit geben die Siegel für zertifizierte Naturkosmetik. Wir stellen sie vor.

Immer mehr Frauen – und auch Männer – greifen zu zertifizierter Naturkosmetik. Davon wollen auch die Hersteller herkömmlicher Kosmetik profitieren und schminken ihre Produkte auf Natur und Bio. Das ist erlaubt, denn der Begriff „Bio“ ist nur für Lebensmittel geschützt, und für „Naturkosmetik“ gibt es gar keine gesetzliche Definition.

Auch der Blick auf die Zutatenliste hilft da nicht immer weiter. Denn die ist in INCI verfasst, der lateinisch-englischen „Fachsprache“ der Kosmetikindustrie. Da klingt manches pflanzliche Tensid gefährlich chemisch, etwa das sehr hautverträgliche Sodium Cocoyl Glutamate. Paraffinum Liquidum hingegen ist kein lateinischer Pflanzenname, er steht für ein aus Erdöl gewonnenes Fett.

Dafür stehen die Siegel der Naturkosmetik-Hersteller

Um sich vor Trittbrettfahrern zu schützen, haben seriöse Naturkosmetik-Hersteller, Bio-Verbände und Zertifizierer schon vor Jahren eigene Standards entwickelt. So gibt es heute mehrere Siegel, die für kontrollierte Naturkosmetik stehen. „Kontrolliert“ heißt es deshalb, weil externe Zertifizierer regelmäßig prüfen, ob die Unternehmen und ihre Produkte die Standards auch tatsächlich einhalten. Dies sind die wichtigsten Naturkosmetik-Siegel :

„Cosmos Standard“

Cosmos ist ein europäischer Standard für Naturkosmetik, auf den sich 2010 fünf nationale Standardgeber geeinigt haben. Zu ihnen zählt auch der deutsche Branchenverband BDIH mit seinem Siegel für kontrollierte Naturkosmetik. Cosmos garantiert, dass die Produkte ohne Inhaltsstoffe aus Erdölchemie hergestellt wurden. Nicht erlaubt sind zudem gentechnisch gewonnene Zutaten, Nanoteilchen (mit einer Ausnahme für mineralische UV-Filter) sowie Tierversuche. Cosmos-Naturkosmetik besteht aus pflanzlichen und mineralischen Rohstoffen, die mit physikalischen oder schonenden chemischen Verfahren hergestellt wurden. Beträgt der Bio-Anteil der verwendeten Pflanzen mehr als 95 Prozent, darf der Schriftzug Cosmos Organic auf die Verpackung. Ansonsten heißt es Cosmos Natural, jeweils zusätzlich zum Logo des nationalen Verbandes.

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„Kontrollierte Naturkosmetik“

Das Siegel für „Kontrollierte Naturkosmetik“ wurde 2001 vom Herstellerverband BDIH eingeführt und war das erste seiner Art. Es zeichnet heute über 10.000 Produkte von 200 Herstellern aus. Das Siegel garantiert, dass keine synthetischen Farb- und Duftstoffe, keine Silikone, Paraffine und andere Erdölprodukte verwendet werden. Eine Positivliste beschreibt, welche aus pflanzlichen und mineralischen Rohstoffen hergestellten Inhaltsstoffe verwendet werden dürfen. Von Anfang an ausgeschlossen waren ethoxilierte Tenside, die damals noch von manchen Naturkosmetik-Herstellern verwendet wurden. Einige häufig verwendete Zutaten wie Ringelblumen, Oliven- oder Jojobaöl müssen aus Bio-Anbau stammen. Der Standard gibt auch vor, dass keine Rohstoffe verwendet werden dürfen, die nach dem 31. Dezember 1997 im Tierversuch getestet wurden.

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„Natrue“

Der europäische Naturkosmetik-Verband Natrue wurde 2008 von europäischen Naturkosmetik-Herstellern gegründet, die mit dem BDIH-Standard nicht zufrieden waren. Wie die anderen Siegel definiert auch Natrue die für Naturkosmetika zulässigen Naturstoffe, naturnahen und naturidentischen Stoffe sowie die erlaubten Verfahren zu deren Herstellung. Als einziger Siegelgeber schreibt Natrue für die einzelnen Produktkategorien Mindestanteile an Naturstoffen und Maximalanteile an naturnahen Stoffen wie Tensiden vor. Zusätzlich unterscheidet Natrue zwischen Naturkosmetik (ohne vorgegebenen Bio-Anteil), Naturkosmetik mit Bio-Anteil (der angegeben werden muss) sowie Bio-Kosmetik. Bei ihr müssen die pflanzlichen Naturstoffe zu 95 Prozent aus Bio-Anbau stammen.

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„Ecocert“

Der französische Zertifizierer Ecocert hat 2002 einen Standard für Natur- und Bio-Kosmetik entwickelt. Bei Naturkosmetik müssen mindestens 95 Prozent der gesamten Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sein und 50 Prozent der eingesetzten pflanzlichen Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau stammen. Bei Bio-Kosmetik liegt deren Anteil bei mindestens 95 Prozent. Für das gesamte Produkt (inklusive Wasser, mineralischer Rohstoffe und anderer Zutaten, die nicht Bio sein können) schreibt Ecocert einen Mindestanteil von fünf Prozent Bio bei Naturkosmetik und zehn Prozent Bio bei Bio-Kosmetik vor. Nicht erlaubt sind gentechnisch hergestellte Zutaten, Nanopartikel und Stoffe aus der Erdölchemie, ausgenommen Substanzen, die wie das Tensid Cocobetain einen Erdölanteil enthalten.

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„ICADA“

Der Kosmetik-Verband ICADA hat 2009 einen eigenen Naturkosmetik-Standard vorgelegt, der sich vor allem an „authentische mittel- und kleinständige Naturkosmetik-Firmen“ richtet, die dem Fachhandel verbunden sind. Inhaltlich lehnt sich ICADA an das BDIH-Siegel an: Häufig verwendete Zutaten müssen aus Bio-Anbau stammen; für Tierversuchsfreiheit gilt der Stichtag 1. Januar 1998; Gentechnik ist verboten. Die Liste der erlaubten naturnahen Stoffe ist kürzer als bei anderen Siegeln, erlaubt aber einige Substanzen mit einem Anteil Erdölchemie, etwa das Tensid Cocamidopropyl Betaine. Ein eigenes Zeichen für Bio-Kosmetik gibt es bei ICADA nicht. Die Bio-Zutaten können aber mit Sternchen in der Zutatenliste gekennzeichnet und als Gesamtanteil angegeben werden.

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„Natural Cosmetics Standard“

Die Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsethik (GfaW )vergibt seit 2013 das verbandsunabhängige Naturkosmetik-Label NCS. Neben Anforderungen an die Inhaltsstoffe der Produkte – wie Bio-Anbau-Pflicht bei bestimmten Naturstoffen – fordert der Standard auch umweltfreundliche Verpackungen. Die Zertifizierung wird jährlich von einer unabhängigen Stelle durchgeführt. Innerhalb der NCS-Zertifizierung gibt es folgende Auslobungen:

  • NCS: Produkte entsprechen dem NCS-Standard.
  • NCS Organic Quality: Produkte entsprechen dem NCS-Standard, mindestens 95% aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA).
  • NCS-vegan: Produkte entsprechen dem NCS-Standard und die Inhaltsstoffe stammen weder aus noch von tierischen Stoffen.
  • NCS-vegan-Organic Quality: Produkte entsprechen dem NCS-Standard, sind vegan und beinhalten mindestens 95 Prozent kbA-Inhaltsstoffe.
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„Demeter“

Der Demeterverband zertifiziert nicht nur Lebensmittel, sondern auch Naturkosmetik. Er schreibt in seiner Richtlinie vor, dass 90 Prozent der pflanzlichen Bestandteile Demeter-Qualität haben müssen. Bevorzugt werden sollen Zutaten, die „durch einen rhythmischen Prozess gegangen sind“ wie heiß/kalt oder dunkel/hell. Neben den für Naturkosmetik-Siegel üblichen Verboten schließt Demeter auch den Einsatz chemischer Lösemittel bei der Gewinnung von Zutaten aus. Duftstoffe müssen reine ätherische Öle sein. Die Richtlinie lässt nur eine sehr kurze Liste an naturnahen Zutaten wie Emulgatoren oder Tensiden zu. Nicht enthalten sind zahlreiche funktionelle Stoffe, die in anderen Naturkosmetika etwa konservierend wirken. Aufgrund der strengen Vorgaben stellen nur wenige Unternehmen Demeter-zertifizierte Naturkosmetik her.

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„Veganblume“

Die Veganblume wurde 1990 von der Vegan Society England eingeführt. Für Deutschland wird sie von der Veganen Gesellschaft Österreich vergeben. Die Veganblume garantiert, dass ein Produkt zu 100 Prozent vegan ist. Gekennzeichnet werden sowohl Lebensmittel als auch Kleidung und vegane Kosmetik. Das Label steht als einziges gleichzeitig für vegane als auch tierversuchsfreie Kosmetik. Achtung: Die Veganblume sagt jedoch nicht aus, ob es sich um Naturkosmetik handelt oder ob die Inhaltsstoffe Bio-Standards entsprechen. Weltweit gibt es bereits über 30.000 zertifizierte Produkte.

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„Geprüftes Naturkosmetik-Fachgeschäft“

Reine Naturkosmetik ist mithilfe jener Siegel, die wir an dieser Stelle in jeder Ausgabe vorstellen, eindeutig von konventioneller Kosmetik zu unterscheiden. Nun gibt es ein weiteres Siegel – und zwar für den Fachhandel. Die Zertifizierung „Geprüftes Naturkosmetik-Fachgeschäft“ soll dem Kunden auf der Suche nach Beratung weiterhelfen. Der Fachgroßhändler Biogarten und das Prüfunternehmen Wessling haben das neue Prüfzeichen ins Leben gerufen. Ausgezeichnet werden Läden, die in 50 Kategorien überprüft wurden und die über besondere Beratungskompetenz verfügen.

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