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Nachhaltige Banken: Konto fürs Gewissen

Nachhaltige Banken versprechen strengere ethische, soziale und ökologische Kriterien einzuhalten als die konventionelle Konkurrenz. Welche gibt es und wie erkennt ihr sie?

05.04.2021 vonJochen Bettzieche

Nachhaltige Banken versprechen strengere ethische, soziale und ökologische Kriterien einzuhalten als die konventionelle Konkurrenz. Welche gibt es und wie erkennt ihr sie?

Rund 1,6 Billionen US-Dollar haben Finanzinstitute seit 2016 an Unternehmen vergeben, die Kohle-, Öl- und Gasprojekte planen oder erweitern. Allein zwölf dieser Projekte würden drei Viertel der CO2-Emissionen ausstoßen, die sich die Menschheit noch erlauben darf, wenn sie die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzen will. Das hat ein Zusammenschluss von 18 Nichtregierungsorganisationen (NGO) im vergangenen Dezember vorgerechnet. Das Geld stammt auch von deutschen Kontoinhabern. Sie finanzieren damit – meist ohne, dass es ihnen bewusst ist – die Klimakrise mit.

Die Nichtregierungsorganisation Urgewald hat daher die Kampagne „Banks against Future“ gestartet. Sie will die Finanzinstitute unter Druck setzen. Denn ohne Kredite werden die klimaschädlichen Projekte nicht realisiert. Statt direkt gegen die Betreiber vorzugehen, soll ihnen der Geldhahn zugedreht werden. Jeder einzelne solle daher seine Bank in die Verantwortung nehmen, sagt Urgewald-Campaignerin Kathrin Petz: „Wenn die Sparkassen aktiv werden, müssen die Volksbanken nachziehen, und wenn die kohlefrei sind, müssen Deutsche Bank und Commerzbank auch nachziehen.“

Was bedeutet Nachhaltigkeit bei Banken?

Wem das nicht schnell genug geht, der kann bereits heute zu einer nachhaltigen Bank wechseln. Sie versprechen ihren Kunden, ethische, ökologische und soziale Kriterien zu beachten. Zunächst einmal ist die Grundlage des Bankgeschäfts bei allen Banken gleich: Die Institute nehmen die Einlagen ihrer Kunden auf Girokonten, Sparbüchern und Ähnlichem und reichen diese als Kredite an andere Kunden weiter. Konventionelle Anbieter finanzieren auf diesem Weg jedoch so ziemlich alles, sofern es sich lohnt – vom Bio-Bauern über das Kohlekraftwerk bis hin zur Panzerfabrik. Nachhaltige Banken hingegen haben strengere Richtlinien und schließen bestimmte Branchen und Geschäftsfelder aus: Kohlekraftwerke und Rüstung gehören ohnehin dazu, aber auch vieles andere. Das können Spekulationen mit Nahrungsmitteln sein, Gentechnik in der Landwirtschaft oder im Falle von Staaten etwa der Vollzug der Todesstrafe. Teilweise können die Kunden sogar selbst entscheiden, was mit ihrem Geld geschehen soll.

Welche Bank ist nachhaltig?

In Deutschland sind fünf nachhaltige Banken aktiv: die Ethikbank, die Evenord-Bank, die GLS Bank, Triodos und Umweltbank. Bei den Produktpaletten gibt es kleine Unterschiede. So bietet die Umweltbank als einzige kein Girokonto an und ist daher höchstens als Ergänzung zu einem anderen Institut geeignet, denn ohne Girokonto kommt heute niemand mehr aus. Die anderen vier Anbieter eignen sich auch als Hausbank, vorausgesetzt, man benötigt keine Filiale vor Ort. Denn Triodos und Ethikbank sind reine Onlinebanken, die GLS Bank hat deutschlandweit sieben Filialen, Evenord eine.

Nachhaltige Girokonten im Vergleich

Alle vier erheben monatliche Gebühren für ein Girokonto. Hier gibt es einen Überblick über die Konditionen:

Das günstigste Girokonto bietet Triodos, im Vergleich mit anderen, nicht nachhaltigen, reinen Onlinebanken ist aber selbst das noch teuer. Sie konkurrieren mit kostenlosen konventionellen Angeboten. Alle nachhaltigen Banken führen Sparprodukte wie Sparbücher und Sparpläne. Aber die eignen sich derzeit wegen der niedrigen Zinsen nicht für die Geldanlage.

Ökologische Kriterien bei der Kreditvergabe

Größere Unterschiede gibt es bei den Krediten für Privatkunden. Bis auf Triodos finanzieren alle nachhaltigen Banken Immobilienkäufe beziehungsweise den Bau eines Eigenheims. Während die Umweltbank allerdings prüft, ob eine Mindestanzahl an sozialen und ökologischen Kriterien erfüllt wird, versprechen die anderen drei einen niedrigeren Zinssatz für bestimmte Maßnahmen, beispielsweise für eine bessere Energieeffizienz des Gebäudes und den Einsatz ökologischer Baustoffe wie Lehm und Holz.

Weiter geht die Schere bei Konsumentenkrediten auseinander. Die GLS Bank verweist auf die kostenlose Überziehungsmöglichkeit des Girokontos bis zu 10.000 Euro. Die Umweltbank hat sich klar gegen Konsumentenkredite entschieden. Es gehe darum, nicht alles zu finanzieren, erklärt Sprecher Oliver Patzsch. „Wir wollen, dass ein Kredit einen ökologischen Mehrwert bietet, bei einem neuen Mobiltelefon ist das schwierig.“ Lediglich für Tiny Houses, kleinere, ökologische Bauvorhaben, Elektromobilität und Photovoltaikanlagen hat die Bank ein Kreditprogramm. Ethikbank und Evenord bieten traditionelle Verbraucherdarlehen an, mit günstigeren Zinsen für bestimmte nachhaltige Vorhaben.

Geldanlagen: Nachhaltige Fonds

Mit Fonds setzen Anleger auf zahlreiche Wertpapiere gleichzeitig. Drei Modelle stehen zur Auswahl: Aktien-, Renten- und Mischfonds. Aktienfonds investieren in Aktien, Rentenfonds in Anleihen, Mischfonds in beides. Man unterscheidet aktiv verwaltete Fonds und passiv verwaltete Fonds, die ETF.

Bei einem aktiv verwalteten Fonds wählt ein Fondsmanager die Wertpapiere aus, die er für besonders erfolgversprechend hält. Passiv verwaltete Fonds bilden einen Börsenindex wie den Deutschen Aktienindex DAX ab.

Zahlreiche Nachhaltigkeitsfonds sind auf dem Markt. Anleger sollten im Geschäftsbericht nachschauen, in welche Unternehmen der Fonds tatsächlich investiert und ob das den eigenen Ansichten genügt, auch wenn sie den Fonds bei einer nachhaltigen Bank erwerben. Denn viele Fonds, die angeben, ökologische, ethische und soziale Kriterien zu befolgen, stecken ihr Geld dennoch auch in Öl, Gas und Kohle, Automobilkonzerne, Rüstung, Unternehmen mit Kinderarbeit oder Lohnsklaverei in der Zulieferkette und andere kritische Geschäfte.

Im Alltagsgeschäft stoßen die grünen Banken jedoch auch an Grenzen. Denn um Kunden zu gewinnen, decken sie so weit möglich die übliche Produktpalette ab, vom Girokonto über Kreditkarte, Online- und Smart-Payment, Wertpapierdepots, Investmentfonds, Bausparvertrag, Altersvorsorge und Versicherungen. „Es gibt aber meines Wissens nach keine ökologische Bausparkasse“, sagt Patzsch von der Umweltbank. Also kooperieren manche nachhaltige Banken mit einem traditionellen Anbieter und machen Abstriche bei der Nachhaltigkeit. Ähnlich ist das bei Kreditkarten, Online-Zahlsystemen und Smart Payment.

Zahlsysteme: Smart und grün?

Einkaufen im Internet wird immer beliebter – und parallel dazu Online-Zahlsysteme. Alle nachhaltigen Banken – außer Triodos und Umweltbank – bieten Online-Zahlsysteme für das Einkaufen im Internet an. Sie setzen auf Paydirekt, ein Online-Bezahlverfahren deutscher Banken und Sparkassen. Davon unabhängig kann sich jeder auch bei einem anderen Anbieter ein Konto zulegen.

Ebenso im Trend liegt mobiles Bezahlen mit Geräten wie Smartphone und Smartwatch. Hier wird eine App über Umwege mit Konten beziehungsweise der Kreditkarte des Nutzers verknüpft.

Bislang fehlt am Markt ein nachhaltiger Anbieter dieser Dienste. Wer sie nutzen will, kann frei wählen. Die nachhaltigen Banken kooperieren im Bereich mobiles Bezahlen mit Apple Pay. Allerdings hat erst im vergangenen Jahr die EU-Kommission wegen Apple Pay ein Kartellverfahren eingeleitet. Unter Umständen passt das nicht zusammen mit ethischen Ansprüchen und Kundenwünschen.

Trotz dieser Einschränkungen agieren die nachhaltigen Banken ökologischer, ethischer und sozialer als ihre Konkurrenz. Immer mehr Menschen wird das bewusst, und sie wechseln ihr Finanzinstitut. Allein die genossenschaftlich organisierte GLS Bank steigerte 2020 die Zahl ihrer Kunden um 15,7 Prozent auf 280.000, die Zahl ihrer Mitglieder um fast 30 Prozent auf 83 500. Allerdings haben die nachhaltigen Banken in der Finanzwelt nur eine geringe Bedeutung. Trotz des starken Wachstums macht die Bilanzsumme der GLS Bank, ein Maß für die Größe einer Bank, nicht mal ein Prozent der Bilanzsumme der Deutschen Bank aus. Das bedeutet, selbst wenn die nachhaltige Bank ihr Geschäft innerhalb eines Jahres verdoppeln sollte, bliebe sie immer noch verschwindend klein.

Wenn sie mehr Kundeneinlagen hätten, könnten sie zwar mehr Kredite an nachhaltige Projekte ausgeben. Für eine Veränderung der Finanzwelt müssten allerdings schon mehrere hundert Milliarden Euro von den konventionellen Banken rüberwandern. Dann wäre auch genügend Druck für die Konkurrenz da, um gegenzusteuern. Ulrike Lohr, Expertin für nachhaltiges Banking beim Südwind-Institut, sieht daher einen anderen Effekt im Vordergrund: „Grüne Banken sind Vorreiter der Branche und zeigen, dass man auch nachhaltig erfolgreich wirtschaften kann.“

Wertpapierhandel: Aktie oder Anleihe?

Börsen sind nichts anderes als Märkte. Statt Obst und Gemüse werden hier Wertpapiere, Währungen und Finanzprodukte gehandelt. Für Kleinanleger, denen ökologische, ethische und soziale Kriterien wichtig sind, sind vor allem Aktien und Anleihen interessant. Mit einer Aktie beteiligen sie sich an einem Unternehmen. Anleihen werden von Unternehmen und Staaten ausgegeben, die sich auf diesem Weg Geld leihen.

Wichtig: Wer Wertpapiere an der Börse erwirbt, dessen Geld landet beim Verkäufer, nicht beim Unternehmen oder Staat, auf den sich das Wertpapier bezieht.

Um an der Börse aktiv zu werden, benötigt der Anleger ein Depot, das er bei einer Bank erhält. Selbst Wertpapiere auswählen und handeln hat Vor- und Nachteile. Dafür spricht, dass der Investor selbst entscheidet, ob ein Unternehmen oder die Politik eines Staates seinen ökologischen, ethischen und sozialen Vorstellungen entspricht. Im Gegenzug muss er sich mit dem wirtschaftlichen Umfeld, Geschäftsstrategien und Finanzkennzahlen befassen. Das ist reizvoll, benötigt aber Einarbeitungszeit. Wer sich das nicht zutraut, sollte nach einem geeigneten Fonds suchen.

Urgewald und die Initiative „Banks against Future“ wollen gar nicht nur, dass die Menschen zu nachhaltigen Banken wechseln. „Macht lieber Druck auf Eure Bank statt zu wechseln“, fordert Urgewald-Campaignerin Petz. Der Klimawandel sei nicht allein über die Nachhaltigkeitsbanken aufzuhalten. Sparkassen, genossenschaftliche und private Banken sollen zum Umdenken gebracht werden.

Mehr zum Thema nachhaltige Bank:

  • facing-finance.org
    Die NGO stellt zahlreiche Informationen über die Geschäfte konventioneller Banken zur Verfügung.
  • finanzwende.de
    Die Bürgerbewegung Finanzwende fordert fairere, dem Gemeinwohl verpflichtete Finanzmärkte.
  • urgewald.de
    Seit 1992 kämpft die Nichtregierungsorganisation Urgewald gegen Umweltzerstörung und die Verletzung von Menschenrechten. Dabei hat die NGO vor allem die Finanzindustrie als Geldgeber solcher Projekte im Visier.
  • gabv.org
    In der Global Alliance for Banking on Values haben sich 66 Banken mit hohen Nachhaltigkeits-Standards zusammengeschlossen, darunter GLS Bank, Triodos und Umweltbank.

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