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Fisch-Labels: eine ├ťbersicht

Einige Siegel geben Auskunft ├╝ber den nachhaltigen Fang oder die Aufzucht von Fischen. Schrot&Korn stellt die wichtigsten in Stichworten vor.

01.06.2014 vonLeo Fr├╝hsch├╝tz

Trawler in Aktion: Mit Schleppnetzen ziehen die riesigen Schiffe bis zu 300 Tonnen Fisch am Tag aus dem Meer. F├╝r lokale Fischer bleibt da nicht mehr viel ├╝brig.

Einige Siegel geben Auskunft ├╝ber den nachhaltigen Fang oder die Aufzucht von Fischen. Schrot&Korn stellt die wichtigsten in Stichworten vor.

Drei von zehn Fischbest├Ąnden sind ├╝berfischt, sagt die Weltern├Ąhrungsorganisation FAO. Die meisten anderen werden bis an die Grenzen des biologisch vertr├Ąglichen ausgebeutet. Wenn das so weitergeht, ist es 2050 vorbei mit Thunfisch und Seelachs, Sardinen und Sardellen, warnte das UNO-Umweltprogramm UNEP bereits vor Jahren.

Ein Rezept gegen ├ťberfischung hei├čt nachhaltige Fischerei: Nicht mehr Fische fangen als nachwachsen. Eigentlich logisch, aber schwer umzusetzen. Es gibt einige Siegel f├╝r Verbraucher, die das ├ľkosystem Meer und seine Fischbest├Ąnde sch├╝tzen wollen ÔÇô wir stellen euch vor, nach welchen Richtlinien und Kriterien welches Label agiert.

Wof├╝r steht das MSC-Siegel?

MSC (Marine Stewardship Council)

Das MSC-Label ist am weitesten verbreitet. 1997 gr├╝ndeten die Umweltorganisation WWF und der Lebensmittelkonzern Unilever den Marine Stewardship Council (MSC). Die von den beiden Gr├╝ndern inzwischen unabh├Ąngige Organisation zeichnet mit ihrem Siegel Flotten aus, die ihre Best├Ąnde nachhaltig befischen. Inzwischen sind ├╝ber 220 Fischereien zertifiziert, kleine regionale ebenso wie die gro├čen US-amerikanischen und russischen Trawlerflotten, die vor Alaska jedes Jahr zusammen rund 1,8 Millionen Tonnen Seelachs aus dem Meer holen.

Der MSC zertifiziert in einem aufwendigen Prozess Fischereien, die nachweisen m├╝ssen, dass sie die Best├Ąnde nachhaltig befischen. Sie m├╝ssen detaillierte Standards zu Dokumentation oder Netzweiten einhalten. Der MSC steht aber immer wieder in der Kritik von Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und l├Ąsst umstrittene Fangmethoden wie Grundschleppnetze oder Langleinen im Einzelfall zu. Warum diese Fangmethoden problematisch f├╝r Fische und Klima sind, erkl├Ąren wir hier.

Was hat Bio in Sachen Fischfang zu bieten?

EU-Bio-Siegel und deutsches Bio-Siegel

Seit 2010 gibt es Regelungen f├╝r die Zucht von Fischen, anderen Meerestieren und Algen. Sie schreiben naturnahe Becken und geringe Bestandsdichten sowie den Verzicht auf Antibiotika und synthetische Futterzus├Ątze vor. Pflanzliches Futter muss bio sein. Fischmehl und -├Âl darf nicht von eigens daf├╝r gefangenen Wildfischen stammen.

Naturland und andere Bio-Verb├Ąnde

Vor rund 20 Jahren begann Naturland damit, ├Âkologische Fischzuchten zu zertifizieren ÔÇô im Meer und an Land. Die Regelungen sind in Details noch strenger als die der EU-├ľko-Verordnung. Gleiches gilt f├╝r das schwedische Bio-Label KRAV. Von Bioland, Demeter, Bio Austria und Bio Suisse gibt es ebenfalls schon seit Langem Bio-Standards f├╝r S├╝├čwasserfische. Naturland zertifiziert seit einigen Jahren zus├Ątzlich kleine handwerkliche Fischereien (Wildfisch).

Welche Fisch-Siegel gibt es sonst noch?

Friend of the Sea (FOS)

FOS zertifiziert Aquakulturen und Fischereien. Bei der Aquakultur stehen Umweltschutz und soziale Verantwortung im Vordergrund. Die Fischereien m├╝ssen sich auf nicht ├╝berfischte Arten beschr├Ąnken, die Fischfangmethoden d├╝rfen den Meeresboden nicht beeintr├Ąchtigen, die Beifangrate muss unter acht Prozent liegen.

Alaska Seafood Marketing Institute (ASMI), Iceland Responsible Fisheries (IRF)

Strenge, staatlich kontrollierte Vorgaben f├╝r nachhaltigen Fischfang gibt es in Alaska und Island. Diese Staaten setzen j├Ąhrlich Fangquoten fest, um den Erhalt der Fischarten vor ihren K├╝sten zu gew├Ąhrleisten. Auch m├╝ssen die Fischer Fangmethoden und Netze einsetzen, die den Beifang minimieren.

Aquaculture Stewardship Council (ASC)

Nach dem Vorbild des MSC beim Wildfisch hat der WWF zusammen mit gro├čen Handelsketten den ASC initiiert, den Aquaculture Stewardship Council (ASC). Der ASC will weltweit Standards f├╝r verantwortungsvolle Aquakultur durchsetzen. Die Standards f├╝r Umweltschutz und Tierhaltung sind ein Fortschritt gegen├╝ber der g├Ąngigen Praxis insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenl├Ąndern. Sie sind aber weit weniger streng als die f├╝r Bio-Fischzucht: Der ASC erlaubt Agro-Gentechnik im Futter. Fischmehl und -├Âl m├╝ssen erst in vier Jahren aus MSC-zertifizierter Fischerei stammen. Bestandsdichten sind nur bei einigen Arten geregelt. F├╝r Pangasius in K├Ąfigen erlaubt der ASC 80 Kilogramm Fisch pro Kubikmeter. Bei Bio sind lediglich zehn Kilogramm je Kubikmeter zugelassen.

Safe

Dieses Label steht f├╝r Thunfisch, der ohne Treibnetze oder andere delfin-t├Âdliche Fangmethoden gefischt wurde. Das Logo ist auf vielen Thunfischdosen zu finden, garantiert aber ├╝ber den Delfinschutz hinaus keinen nachhaltigen Fischfang.

Ihr h├Ąttet gern mehr Informationen? Der WWF leistet Verbrauchern mit seinem Fischratgeber Hilfestellung beim Fischeinkauf.

Ist Fisch aus Fischzucht besser?

Als zweites Rezept gegen leergefischte Meere gilt die Fischzucht. Sie liefert laut FAO weltweit 63 Millionen Tonnen Fische, Krebse und Muscheln. ├ťber die H├Ąlfte sind S├╝├čwasserfische, die zu einem gro├čen Teil in China f├╝r den dortigen Markt produziert werden. Den deutschen Markt teilen sich wenige Arten: Shrimps, Lachs, Pangasius, Tilapia, Forelle und Dorade.

Konventionelle Fischzucht ist Massentierhaltung im Wasser und wirft vergleichbare Probleme auf wie die Tiermast an Land: Die Ausscheidungen ├╝berd├╝ngen Gew├Ąsser. Das enge Aufeinanderleben macht die Tiere krankheitsanf├Ąllig und ist nicht artgerecht. Billiges Futter zu beschaffen, sch├Ądigt die Umwelt.

Um zu zeigen, dass es anders geht, begannen Bio-Verb├Ąnde ÔÇô allen voran Naturland ÔÇô Mitte der 90er-Jahre damit, Kriterien f├╝r Bio-Fischzucht zu entwickeln: Die Tiere sollten mehr Platz haben sowie ohne Antibiotika und Zusatzstoffe in naturnahen Teichen aufwachsen. Der erste zertifizierte Bio-Fisch war Lachs, gehalten in Gehegen an der irischen Westk├╝ste. Es folgten Shrimps aus Ecuador und anderen Entwicklungsl├Ąndern, Pangasius aus Vietnam und Muscheln. Aus S├╝├čwasserteichen kamen Karpfen, Saiblinge und Forellen hinzu. Seit Anfang 2010 gelten EU-Standards f├╝r Bio-Fischzucht. Sie bleiben etwas hinter den Anforderungen der Verb├Ąnde zur├╝ck.

Fische aus Aquakultur tragen ebenfalls zur ├ťberfischung der Meere bei. Denn sie fressen Fisch. 17 Millionen Tonnen Meeresfisch wurden 2011 zu Fisch├Âl und Fischmehl verarbeitet, sch├Ątzt die FAO. Der gr├Â├čte Teil davon wurde an Zuchtfische verf├╝ttert. Um ein Kilogramm Farmlachs zu erzeugen, m├╝ssen vier Kilogramm Wildfisch verarbeitet werden. Auch Shrimps oder Pangasius brauchen einen Anteil Fisch im Futter.

F├╝r Pangasius und Shrimps erlaubt die EU-├ľko-Verordnung h├Âchstens zehn Prozent Fischprodukte in der Futterration. F├╝r diese Produkte d├╝rfen jedoch keine Wildfische gefangen werden. Fisch├Âl und -mehl f├╝r Bio-Fisch m├╝ssen aus Resten von Speisefischen hergestellt werden, die aus biologischer Aquakultur oder nachhaltiger Fischerei stammen. Zus├Ątzliches pflanzliches Futter muss bei allen Bio-Fischen aus ├Âkologischem Anbau kommen.

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