Jeden Tag eine gute Entscheidung. Für eine bessere Welt. Für uns alle.
Interview

Susanne Fröhlich: „Man sieht, was wegen Corona geht.“

Die Autorin Susanne Fröhlich wollte wissen, wie klimafreundlich sie lebt – und war enttäuscht vom Ergebnis. Was die Knackpunkte waren, was sie geändert hat und wie uns die Corona-Krise vielleicht helfen kann...

15.06.2020 vonManfred Loosen

Das Interview haben wir zu Corona-Zeiten geführt, also ausnahmsweise per Telefon. Ich erreiche Susanne Fröhlich im gemeinsamen Homeoffice bei ihrer Freundin Constanze Kleis, mit der sie das Buch „Weltretten für Anfänger“ geschrieben hat.

Wie arbeiten Sie in diesen Zeiten? Was macht das Corona-Virus mit Ihnen?

Naja, was macht es mit uns? Es lässt uns äußerlich verwahrlosen und sozial verarmen ... (lacht)

Sie treffen sich aber immerhin mit Ihrer Freundin zum Arbeiten.

Ja, stimmt, so gesehen geht’s uns gut. Wir haben ja schon vor Corona oft zusammen im Homeoffice gearbeitet. Jetzt eben an einem sehr langen Tisch. Die Abende sind halt ein bisschen trostloser, weil wir ja keine anderen Freundinnen mehr treffen. Aber ich mache plötzlich auch Dinge zum ersten Mal: Ich habe Brot gebacken! Etwas, das ich in meinem ganzen Leben noch nie getan habe. Ich bin sehr stolz und mache von jedem Brot ein Foto vor lauter Begeisterung über mich selbst.

Das Brotbacken wäre vielleicht auch noch ein Kapitel in Ihrem Buch wert gewesen. Darin schreiben Sie, Sie seien der „Saddam Hussein des Klimas“ gewesen. So schlimm?

Das ist ja immer relativ. Schlimmer geht immer. Aber ich war schon überrascht, wie schlecht mein Lebensstil in Sachen Klima abgeschnitten hat.

Für das Buch haben Sie zu Beginn Ihren ökologischen Fußabdruck auf www.fussabdruck.de berechnet und dachten, Sie leben relativ klimafreundlich, weil Sie Vegetarierin sind?

Ja, als Vegetarierin ist man ja klimafreundlich, was die Ernährung angeht: Wenn niemand mehr Fleisch essen würde, wären wir vom Klima her schon mit der Nummer durch. Insofern habe ich gedacht: „Da bin ich schon ganz gut!“ Aber ich habe schon geahnt, dass Mobilität und Wohnen meine Achillesfersen sein werden. Das liegt natürlich auch daran, dass ich auf dem Land lebe. Da fährt keine Straßenbahn vor der Haustür ab. So weit draußen ohne Auto, da muss man schon sagen: „Man ist angeschissen.“ Oder zu ewigem Hausarrest verurteilt; also Corona lebenslang.

Nochmal zurück zum Vegetariertum: Sie schreiben: „Beim Fleisch setzt die Vernunft erfahrungsgemäß aus!“ War das bei Ihnen selbst auch so, als Sie noch Fleisch gegessen haben?

Ich weiß nicht, ob die Vernunft bei mir damals ausgesetzt hat. Ich habe eigentlich immer sehr gerne Fleisch gegessen. Der Gedanke, kein Fleisch mehr zu essen, war damals sehr schlimm. Aber es war überraschend, dass der Fleischverzicht selber überhaupt nicht mehr so schlimm war. Aber es gibt jetzt schon mal Gespräche mit austrainierten Fleischessern, in denen ich sage: „Also pass’ auf: Wenn jetzt das Wohl und Wehe des Planeten von Dir ganz allein abhängt, von Deinem Fleischkonsum – Du kannst einmal die Woche ein ordentliches Bratenfleisch essen.“ Das ist ja drin, das wurde ja mal errechnet. „Du kannst mein Bratenstück auch noch haben, dann hättest Du schon zwei am Sonntag. Würdest Du dann den Rest der Woche auf Fleisch verzichten?“ „Nein!“, ist dann die Antwort, „das schaffe ich nicht! Niemals!“

Jetzt setzt also die Vernunft aus?

Ja, das ist genau dieser Moment! Es ist, als würde man den Menschen ihr Letztes nehmen, was sie noch haben im Leben.

Zur Person

Susanne Fröhlich wurde vor 57 Jahren in Frankfurt/Main geboren. Nach Abitur und abgebrochenem Jura-Studium volontierte sie beim Hessischen Rundfunk. Dort moderierte sie in Hörfunk und Fernsehen. Als Autorin hat Susanne Fröhlich viele Bücher veröffentlicht, darunter Bestseller wie „Moppel-Ich“. In dem Ratgeber-Buch setzt sie sich humorvoll mit dem Thema Körpergewicht auseinander. Auch mit Constanze Kleis hat sie einige Bücher geschrieben – unter anderem übers Aufräumen. Im MDR-Fernsehen moderiert Susanne Fröhlich die Buchsendung „Fröhlich lesen“.

Im Buch beschreiben Sie das Gefühl, dass Sie jetzt für Ihre Freunde mit Ihren Umweltthemen eine Spaßbremse sein könnten. Ist das so?

Also, klar: Man macht sich damit nicht immer beliebt, aber ich halte jetzt auch nicht stundenlange Vorträge ... Aktuell helfen vielleicht sogar die Erfahrungen durch die Corona-Krise. Das Erstaunliche an dieser Krise ist doch: Wenn Menschen direkt bedroht sind, quasi nächste Woche Corona zu bekommen, dann sind sie bereit, auf ihre Flüge zu verzichten. Wenn aber etwas so lange so weit weg und so abstrakt ist wie dieses Thema „Klima“ – und die Pole schmelzen eben nicht in unserem Vorgarten –, dann kann man das irgendwie besser verdrängen. Mit diesem Argument werde ich natürlich weiter arbeiten. Man sieht ja, was wegen Corona geht und wie wir uns am Riemen reißen können.

Sie setzen auf Vernunft und Einsehen. Sind auch Verbote nötig?

Viel funktioniert über sozialen Druck und über Anerkennung. Aber ab und an sind einfach auch Regeln nötig. Manchmal muss auch einfach jemand sagen: „Das geht nicht! Das ist jetzt verboten!“

Was müsste denn verboten werden?

Das Rasen. Das Tempolimit ist so ein Thema. Es fällt mir wirklich schwer, das zu sagen, aber ich fahre sehr gerne schnell. Sehr gerne! Aber ich sehe ein, dass es blöd ist: gefährlich und klimaschädlich. Ich würde darauf verzichten, wenn man es mir vorschreibt. In anderen Ländern gelingt mir das ja auch. In der Schweiz fahre ich schließlich nicht mit 170 über die Autobahn, weil es einfach zu teuer wäre. Nicht, dass ich die Diktatur ausrufen will – aber manchmal müssen wir auch zu unserem Glück gezwungen werden.

Im Buch gibt es auch das Kapitel „Klamotten-Wahnsinn“. Was hat Kleidung mit dem Klima zu tun?

Wenn man ans Klima denkt, hat man lange Jahre das Thema Klamotten so gar nicht auf dem Schirm gehabt – jedenfalls ich zu meiner Schande nicht. Jetzt weiß ich, was das alles anstellt. Diese schnelle Konsumbefriedigung kann man sich ein bisschen abtrainieren. Jeder von uns weiß, dass der eigentlich tolle Moment der ist, wenn man das neue Teil im Laden in die Tüte gesteckt bekommt. Dann geht man nach Hause – und schon sind 80 Prozent der Freude dahin. Das versteht man vielleicht erst mit den Jahren besser: Es ist schwer, einer Siebzehnjährigen vorzuschreiben, dass sie nicht mehr bei Primark einkaufen soll. Aber man kann ihr sagen, was damit verbunden ist: unter welchen Bedingungen die Sachen hergestellt wurden, wie lang sie halten.

Was also kann jeder Einzelne tun?

Einfach anfangen! Ich fliege zum Beispiel nicht mehr innerdeutsch, benutze Naturkosmetik, mehr Bio, mehr Mehrweg, leihe mir mehr und lasse mehr reparieren. Aber: kein Perfektionismus! Wer denkt „Das schaffe ich eh nicht!“, der gibt bald auf. Langsam anfangen – man kann seine Ziele ja ausbauen.

Buch

„Weltretten für Anfänger“ von Susanne Fröhlich und Constanze Kleis ist 2019 bei Gräfe und Unzer erschienen.
Hardcover, 208 Seiten, 17,99 Euro

Weltretten für Anfänger

Kommentare

Schlagwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Ähnliche Beiträge