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Umwelt

So chic sind Ökomöbel!

Klobig, mit Astlöchern und abgerundeten Ecken: So sah „öko“ mal aus, jetzt liegt „Neo Nature“ im Trend - und lässt konventionelle Möbel auch in puncto Design oftmals hinter sich. // Ursula Quass
31.03.2009
Klobig, mit Astlöchern und abgerundeten Ecken: So sah „öko“ mal aus, jetzt liegt „Neo Nature“ im Trend - und lässt konventionelle Möbel auch in puncto Design oftmals hinter sich. // Ursula Quass

Eleganz in Rotschwarz: Es muss nicht immer nach Natur aussehen - Hauptsache, sie ist drin.

„Der Markt hat eine große Entwicklung hinter sich“, ist man bei Ökocontrol überzeugt, einer vom Europäischen Verband ökologischer Einrichtungshäuser ins Leben gerufenen Prüfgesellschaft für Qualitätsstandards. „Als vor gut 20, 25 Jahren die Ökomöbelbewegung begann, war es noch eine kleine Käuferschicht, die stark an Gesundheit und Umweltaspekten orientiert war.

Heute ist das ein Selbstverständnis“, stellt Ökocontrol-Mitarbeiterin Elke Kauffmann fest. „Und auch die Möbel haben sich stark verändert: vom Müslilook zum Designobjekt.“ So chic wie die Einrichtungsgegenstände geworden sind, so in sind sie mittlerweile: „Die Kunden von heute sind anspruchsvoll. Sie wollen nicht nur erstklassige Qualität, sondern auch erstklassiges Design“, berichtet Georg Emprechtinger, Geschäftsführer des österreichischen Ökomöbelpioniers Team 7.

„Wir arbeiten mit erfahrenen Designern zusammen und haben seit Jahren die Erfahrung gemacht, dass man Ökologie und Design wunderbar verbinden kann“ - eine Einschätzung, die auch unabhängige Experten teilen: 2005 und 2007 gewann das Unternehmen den begehrten „reddot design award“, aktuell ist die Firma für den „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ nominiert und selbst in New York schaffte es eine Kreation unter die Finalisten für den „Best of the Year 2008 Product Contest“.

Wer Ökomöbel kauft

Nachgefragt werden die neuen Ökomöbel wie so viel im Biobereich zunehmend von den „Lohas“, also Anhängern einer Lebensweise (Lifestyle), die an Gesundheit (Health) und Nachhaltigkeit (Sustainability) ausgerichtet ist. Kennzeichen dieser Gruppe: Sie sind jung, verdienen gut und legen auf gutes Aussehen mindestens ebenso viel Wert wie auf die positiven (Neben-)Effekte von Ökotisch, -bett und Co. Anders als konventionelle verzichten Ökomöbelhersteller auf den Einsatz von Formaldehyd - und damit auf den „Hauptbelastungsfaktor bei Möbeln“, wie Ökocontrol-Chef Otto Bauer betont. Kein Wunder: Das als krebserregend verdächtigte Wohnraumgift kommt nahezu überall vor - von Pressspanplatten über Sperrholz bis zu Lacken und pflegeleichten Textilien.

Formaldehyd wird mit einer ganzen Reihe von Befindlichkeitsstörungen in Verbindung gebracht, darunter Husten, Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden, Übelkeit, Nervosität und Depressionen. Umso wichtiger ist es, auf schadstoffarme Produkte zu achten, zumal die Gefahr überall lauern kann. Azofarbstoffen in Textilien werden ebenso krebserregende Wirkungen zugeschrieben wie der schwerflüchtigen Substanz Pentachlorphenol, die unter dem Kürzel PCP traurige Berühmtheit erlangt hat. In den 70er-Jahren in Holzschutzmitteln verwendet, ist die Substanz zwar längst verboten - Ausdünstungen und damit verbunden gesundheitliche Auswirkungen kann sie jedoch bis heute verursachen.

Aber auch brandneue Möbel können trotz aller gesetzlichen Grenzwerte Probleme mit sich bringen. Internetforen sind voll mit Beschwerden. „Nach Aufbau der Möbel haben die wochenlang gestunken“, klagt etwa „pazienza“ über die neue, bei einem Möbelriesen erstandene Einrichtung für ihren Sohn. „Ich hab‘ gelüftet ohne Ende und ein paar Wochen in seinem Zimmer geschlafen, was mir Kopfschmerzen und brennende Augen gebracht hat. Die Möbel haben wir jetzt circa ein Jahr. Leicht stinken sie noch immer.“

Nur vier Nächte gut geschlafen

Noch ausgeprägter sind die Probleme bei einer anderen Forumsbesucherin: „Seit ich meine neue Wohnung habe, geht es bergab“, schreibt sie. „Ich habe im letzten halben Jahr vielleicht vier Nächte gut geschlafen (mindestens zwei davon habe ich bei meinen Eltern verbracht).“ Vielleicht bloß Einbildung? Selbst unter den zulässigen Grenzwerten reagieren empfindliche Menschen bereits mit Reizungen der Augen und Schleimhäute, haben Tests von Verbraucherschützern ergeben. Insbesondere in Räumen wie der Küche oder dem Wohnzimmer, in denen meist vergleichsweise viele Möbel stehen, addiert sich die Schadstoffkonzentration dann schnell.

Doch es geht auch anders, wie Margarethe Stölz, eine Forumsbesucherin, nach dem Erwerb eines naturbelassenen Massivholzbettes berichtet: „Unsere Wahl fiel auf Eiche natur geölt - ein Holz mit wunderschöner Maserung. Bei der Herstellung wird kein Kleber verwendet, nur Steckverbindungen“, schreibt sie. „Seit ein paar Tagen ist das Bett bei uns und wir sind begeistert. Zuvor hatten wir ein wenig Angst, da mein Mann Allergiker ist und bestimmte Lacke und Kleber schlecht verträgt. Doch das Bett ist vollkommen okay: keine Ausdünstungen, keine allergische Reaktion seitens meines Mannes. Das Besondere ist, dass unser Schlafzimmer eher nach frischem Holz als nach irgendwelchen Chemikalien riecht. Wirklich toll!“ Auch „sundance“ ist mit dem Entschluss, die alten Möbel zu ersetzen, zufrieden: „Also ich habe mittlerweile keine Spanplatten mehr in der Wohnung (außer Küche) und mir geht es deutlich besser. Ich habe nun Ökomöbel gekauft.“

Ob besonders empfindlich oder nicht: „Warum sollte man sich Formaldehyd aussetzen? Das geht über die Atemwege direkt in den Körper über“, bringt Ökocontrol-Chef Bauer das Anliegen der Ökomöbelhersteller auf den Punkt. Selbst wenn Kunden mit konventionellen Möbeln keine Probleme gehabt hätten, bekommt der neben der Verbandsarbeit als Möbelhändler tätige Fachmann als Feedback auf die Naturmöbel immer wieder eines zu hören: „Die Leute sagen, was sich verändert, ist die Leistungsfähigkeit. Sie sind nicht so früh müde - und morgens schneller fit.“ Doch nicht mit allem, auf dem Öko draufsteht, holt man sich auch tatsächlich ein hochwertiges, schadstofffreies Möbelstück ins Haus. „Der Begriff ist nicht geschützt“, warnt Kauffmann.

Wer sich nicht nur auf seine Sinne verlassen möchte - ein unangenehmer Geruch sollte Alarmglocken schrillen lassen -, sollte unbedingt Fragen nach Herkunftsort und Verarbeitung stellen. „Bei uns gibt es keine weiten Transportwege, vom Baum bis zum fertigen Möbel liegt alles in einer Hand“, fasst Emprechtinger das Team-7-Konzept zusammen. Schließlich sei die heimische Produktion vor Ort nicht nur wirtschaftlich äußerst sinnvoll, sondern vermeide nebenher schadstoffintensive Transporte - und selbstverständlich hilft das auch Natur und Klima.

Lang lebt nur, was zeitlos ist

Ökologisch einwandfreie Möbel sollten den Angaben des führenden Herstellers von Naturholzmöbeln zufolge zudem aus Naturholz oder anderen natürlichen Materialien wie Stein oder Glas gefertigt und so verarbeitet sein, dass sie sich gut reparieren lassen.

Wirklich lang lebt aber nur, was zeitlos ist: Das Design muss so sein, dass man es auch nach Jahren noch gerne anschaut. Trotz aller Vorteile sind Ökomöbelbauer bislang aber kaum mehr als ein Nischenbereich. Dazu Ökocontrol-Chef Otto Bauer: „Wir Ökohersteller bedienen vier bis fünf Prozent des Möbelmarktes.“ Neben dem Wunsch der Kunden nach Schadstofffreiheit - „gerade für Kinder will jeder nur das Beste“ - kommt der Aspekt Nachhaltigkeit zum Tragen. Bauer: „Schadstofffreiheit ist verankert, ein nachhaltiger Produktkreislauf ist ein Zusatzeffekt.“ Dass beispielsweise das Holz nicht aus Monokulturen stammt, für deren Bewirtschaftung erst Naturwaldbestände weichen mussten und die für Raubbau an Natur und Mensch verantwortlich sind, garantieren Zertifikate wie das FSC (Forest Stewardship Council) oder Naturland.

Hergestellt werden die Möbel dann idealerweise unter größtmöglichem Verzicht auf Erdölchemie. Sie bestehen stattdessen aus nachwachsenden Rohstoffen, lassen sich leicht pflegen und reparieren. Und sollte dann irgendwann doch der Punkt gekommen sein, an dem sich sein Benutzer wieder von dem Möbel trennen möchte, kann es ohne Gefahr entsorgt werden. Schlicht und schön haben Naturmöbel aber ohnehin das Potenzial zum Familienerbstück.

Möbelpflege ganz leicht

Möbel aus Massivholz sind äußerst pflegeleicht. Mit einem trockenen oder leicht feuchten, nie aber einem nassen Tuch darüberzuwischen, reicht. Ein bis zwei Mal jährlich sollten die Möbel mit natürlichem Wachs oder Öl behandelt werden. Der Schutz wird dadurch erneuert beziehungsweise sogar erhöht.

Holz ist nicht gleich Holz

Preiswerte Möbel sind oft aus weichen Hölzern wie Fichte und Kiefer. Die härteren Laubhölzer sind teurer. Gute Ökomöbel zeichnen sich in jedem Fall dadurch aus, dass sie nur mit Lasuren, Naturharzölen und Wachsen auf natürlicher Basis behandelt wurden und offenporig und dadurch atmungsaktiv sind. Allergiker sollten dennoch vorsichtig sein: Auch die in Naturprodukten enthaltenen Terpene können zu Unverträglichkeitsreaktionen führen.

Selbst ausbessern

Möbel aus geöltem oder gewachstem Massivholz lassen sich auch von nicht-passionierten Heimwerkern ausbessern. Anschleifen und neu einölen lässt Kratzer einfach verschwinden. Kleinen Dellen wird man mithilfe eines feuchten Tuchs und eines Bügeleisens Herr.

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