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„Ich hänge an meiner Heimat“

Ob als brummiger Kommissar im „Polizeiruf 110“ oder saukomisch in „Ladykracher“ – Charly Hübner beherrscht jede Rolle. Damit das so bleibt, lebt er seit Kurzem vegan. Meistens jedenfalls.
01.12.2013
Ob als brummiger Kommissar im „Polizeiruf 110“ oder saukomisch in „Ladykracher“ – Charly Hübner beherrscht jede Rolle. Damit das so bleibt, lebt er seit Kurzem vegan. Meistens jedenfalls.

Ob als brummiger Kommissar im „Polizeiruf 110“ oder saukomisch in „Ladykracher“ – Charly Hübner beherrscht jede Rolle. Damit das so bleibt, lebt er seit Kurzem vegan. Meistens jedenfalls. // Fred Grimm, Fotos: Ulrich Hoppe

Für unser Treffen haben Sie die Hamburger „Warenwirtschaft“ vorgeschlagen, einen kollektiv geführten Bio-Laden mit angeschlossenem Café. Warum ausgerechnet hier?

Ich habe den allerersten Apfel gekauft, den die hier überhaupt verkauft haben, gleich morgens am Tag der Eröffnung. Ich wohne auch hier, ganz in der Nähe und habe schon während der Umbauphase gemerkt, dass hier etwas Gutes entsteht.

Das Konzept der „Warenwirtschaft“ setzt auf fair gehandelte und ökologisch erzeugte Waren aus dem Umland. Wie wichtig ist Ihnen das?

Hier kennen wir die Bauern und die Lieferanten, die nach den anspruchsvollsten Bio-Siegeln produzieren. Das ist auch nicht so, dass die hier einfach so Fleisch kaufen und das kommt dann ins Kühlregal. Man muss bestellen und dann wird auch nur das geliefert, was wirklich verbraucht wird.

Fleisch steht bei Ihnen kaum noch auf dem Speiseplan, oder?

Das stimmt. Seit März habe ich meine Ernährung umgestellt. Irgendwann hat mein Magen dieses wilde Drauflosessen von Mischnahrung nicht mehr gepackt. Jetzt ernähre ich mich die Woche über vegan und am Wochenende kommt dann der psychologische Ausgleich mit Fleisch.

Geht das denn überhaupt, fünf Tage vegan und am Wochenende dann die Sau rauslassen, beziehungsweise rein?

Anfangs habe ich versucht, das komplett durchzuziehen, aber ich habe dann gemerkt: Das geht psychologisch bei mir gar nicht. Ich komme ja vom Mecklenburger Land, da ist Bauernnahrung Usus. Ich habe dann mit einem Tag vegan angefangen, dann zwei und dann immer weiter bis zu fünf Tagen wie heute. Das Catering am Set kriegt Bescheid, da bekomme ich pürierte Suppen oder Spaghetti aglio olio, solche Sachen. Zuhause koche ich am liebsten selbst. Die größte Entdeckung war Fenchel mit rotem Pfeffer, getrockneten Tomaten und Pinienkernen, ein Fest, das da abgeht.

Und wie geht es Ihnen heute, als 5/7-Veganer?

Ich hatte noch nie so viel Power – nicht im Sinne von Asterix oder Popeye, wo man plötzlich einen Schub kriegt. Aber du merkst einfach, dass du nicht mehr so müde bist, weil du die ganze Energie beim Verdauen verbrauchst. Ich habe in einem halben Jahr neun Kilo abgenommen, ohne zu joggen.

Viele Veganer sind durchaus politisch motiviert und bekämpfen die Massentierhaltung. Sie dagegen kombinieren Fleischgenuss und Veganertum. Wie kriegen Sie das zusammen?

Ich komme da aus einer anderen Richtung. Es gibt ja diese Idee von Leuten, wie dem Dennis Buchmann, der sagt: Ich esse nur das, was ich kenne. Dieser bewusste Umgang mit dem Tier – wenn man das konsequent so macht, bringt das natürlich auch die ganze Massentierhaltung ins Wanken.

Charly Hübner …
41, stammt aus der Feldberger Seenlandschaft in Mecklenburg. Nach ersten Schritten als 19-Jähriger am Landestheater Neustrelitz studierte er ab 1993 an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin und arbeitete später an Bühnen wie dem Schauspielhaus Hamburg oder dem Frankfurter TAT.

Als Abhörspezialist trat er im Film „Das Leben der anderen“ 2006 an der Seite von Ulrich Mühe auf. Neben gefeierten Rollen in „Über den Tod hinaus“ oder „Unter Nachbarn“ wurde Hübner auch für seine Sketche mit Anke Engelke in „Ladykracher“ bekannt. Seit 2010 spielte er Kommissar Alexander Bukow im Polizeiruf 110. Für seine Leistungen erhielt Hübner die Goldene Kamera und den Bayerischen Filmpreis.

Mit seiner Frau, der Kollegin Lina Beckmann, und ihrem Sohn Karl lebt Hübner in Hamburg.

Sie haben erzählt, wie gern Sie kochen. In Ihrem neuen Film „Eltern“ spielen Sie einen Vater, Konrad, einen gelernten Regisseur, der zu Hause bleibt und den ganzen Haushalt schmeißt, damit seine Frau Karriere als Ärztin machen kann. Als er ein Theaterprojekt übernimmt, geht alles drunter und drüber. Konnten Sie da eigene Erfahrungen einbauen?

Meine Frau hat einen fünfjährigen Jungen und seit drei Jahren sind wir eine Familie. Insofern passt das Thema des Films: Wie kriegt man es eingebettet in ein Familienleben, wenn man gern und erfolgreich arbeitet? Wie bekommt man bei dem ganzen Mahlstrom der Arbeit überhaupt so etwas wie Familie hin? In „Eltern“ reiht sich eine Katastrophe an die nächste. Das eingeflogene Kinder-mädchen ist schwanger und liegt erst einmal flach. Die beiden Töchter bocken, die Verabredungen zwischen Konrad und der von Christiane Paul gespielten Mutter klappen nicht. Die mühsam freigeschaufelten Theaterproben geraten zur tragikkomischen Farce.

Wie organisieren Sie das Elternsein mit Ihrer Frau Lina Beckmann, die ja auch eine sehr erfolgreiche Schauspielerin ist?

Die reine Kalenderarbeit. Wir schütteln unsere Termine und Drehpläne immer wieder durch. Wenn wir merken, wir kriegen das logistisch hin und vor allem, dass es für den Jungen in Ordnung ist, dann kann man das machen. Wenn nicht, dann nicht. Und wir haben beide eine große Familie, die uns hilft.

Der liebevolle Vater Konrad am Rande des Nervenzusammenbruchs, wunderbare Sketche mit Anke Engelke und, vor allem Ihre Arbeit als Kommissar Bukow im Polizeiruf 110. Ihre Vielseitigkeit wird gerühmt – gibt es die eine Traumrolle, die Ihnen noch fehlt?

So eine Kommissarsfigur ist ja eigentlich schon eine ganz tolle Chance. Die kannst du in alle Richtungen zerren und er bleibt immer der, der für den Zuschauer den Fall aufklärt. Und sie kann beleuchten, was in dieser Gesellschaft nicht in Ordnung ist. Als der Sender bei meiner Agentur anrief, um zu fragen, ob ich an der Rolle Interesse hätte, konnte ich mein Glück erst gar nicht glauben. Mich reizen auch deutsche Charaktere wie Bismarck oder Luther, Menschen, die eine Gesellschaft verändert haben, in Zeiten, in denen noch nicht so viel zerfasert und reflektiert wurde, in vorpsychologischen Zeiten sozusagen.

Jetzt sind Sie ja erst einmal Dokumentarfilmer geworden.

Ich habe einen kleinen Film für den NDR gemacht, über Mecklenburg-Vorpommern, meine Heimat, an der ich so hänge. Zusammen mit dem Produzenten Lars Jessen und Kameramann Martin Farkas, die haben Erfahrung, da wusste ich, die passen auf mich auf, wenn ich das nicht hinkriege.

Worum geht es dabei genau?

Es geht um diesen Gegensatz: Du hast diese unglaublich beeindruckenden Landschaften und du hast die NPD, die sich mit Gulaschkanone und Volksfesten in Gegenden wie Pommern breit machen, die für solche Aktionen sehr empfänglich sind, weil es da sonst einfach nichts gibt. Keine Ablenkung, keine Jobs, keine Hoffnung. Da muss man reingehen und zuhören, das darf man nicht den NPD-lern und ihren Gesinnungsgenossen überlassen.

Fred Grimm (links) traf Charly Hübner in Hamburg und freute sich, dass der Schauspieler als Treffpunkt einen charmanten Bio-Laden mit angeschlossenem Café vorgeschlagen hatte.

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