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Umwelt

Elektrogeräte im Haushalt

Wieviel High-Tech braucht der Mensch? Mit Handarbeit allein läßt sich der moderne Alltag zu Hause kaum noch bewältigen. Elektrische Geräte nehmen uns einen Großteil der Arbeit ab.
01.11.1996
Wieviel High-Tech braucht der Mensch? Mit Handarbeit allein läßt sich der moderne Alltag zu Hause kaum noch bewältigen. Elektrische Geräte nehmen uns einen Großteil der Arbeit ab.

Wieviel High-Tech braucht der Mensch?

Mit Handarbeit allein läßt sich der moderne Alltag zu Hause kaum noch bewältigen. Elektrische Geräte nehmen uns einen Großteil der Arbeit ab. Für diese technischen Errungenschaften zahlen wir jedoch einen hohen Preis - ohne uns das immer bewußt zu machen.

Auf die "großen Vier" will heute kaum ein Bundesbürger mehr verzichten: Kühlschrank, Waschmaschine, Geschirrspüler und Elektroherd gehören in den meisten Haushalten zur Grundausstattung. Auch über Radio, Fernseher und Staubsauger gibt es für den "Homo technologicus" keine Diskussion. Moderne Kinderzimmer sind vollgestopft mit Unterhaltungselektronik

Rund um den Computer entsteht eine ganz eigene, rasch expandierende Welt. Zu Beginn des dritten Jahrtausends soll nach dem Willen der Telekommunikations-Macher in jedem deutschen Haushalt ein PC stehen. Der Energieverbrauch für Herstellung und Betrieb all dieser Apparate ist nur ein Faktor, der Kopfzerbrechen bereitet. Wohin mit dem ganzen Elektronikschrott, so lautet eine weitere Frage. Zwischen Technophobie und Abstinenz suchen immer mehr Öko-Sensible nach Alternativen.

Stand-by-Luxus kostet jährlich 900 Millionen Mark

Rund 900 Millionen Mark an Stromkosten ließen sich einsparen, wenn alle Bundesbürger den Stand-by-Betrieb ihrer Fernsehgeräte dauerhaft ausschalteten. Eine beeindruckende Zahl, die zeigt, was mit wenig Aufwand möglich ist. Allein durch bewußtes Vorgehen beim Kochen, Kühlen und Waschen könnten die Privathaushalte nach den Erfahrungen aus verschiedenen Studien ihren Stromverbrauch von durchschnittlich 4.500 Kilowattstunden pro Jahr (vier Personen) um etwa 20 bis 30 Prozent senken.

Beim zusätzlichen Einsatz energiesparender Geräte wäre schnell die 50 Prozent-Marke erreicht. Zwar frißt die kaum als Luxus anzusehende Versorgung mit Heizung und Warmwasser immer noch den größten Batzen Strom (mehr als ein Drittel), doch addieren sich die Verbrauchszahlen der diversen Elektrogeräte in der Gesamtbilanz zu einer ähnlich großen Summe.

FCKW-frei, aber groß im Fressen von Strom

Kühltruhen und -schränke führen unverändert die negative Hitliste der Stromfresser an. Sechs Pfennige kostet es pro Tag, um die Lebensmittel eines Vier-Personen-Haushalts vor dem Verderben zu schützen. Daß hierzu eine Temperatur von sieben Grad Celsius völlig ausreichen würde, ist nicht hinlänglich bekannt. Obwohl jeder Kältegrad mehr das Portemonnaie und die Umwelt merklich belastet, kühlen viele Menschen nach wie vor sorglos um die Wette. Als pure Verschwendung muß man die Drei-Sterne-Fächer ansehen. Gefriergut gehört in den Gefrierschrank, und der sollte wegen der niedrigeren Raumtemperatur unbedingt im Keller stehen.

Zwar wurde der Energieverbrauch vieler Elektro-Hausgeräte in den vergangenen Jahrzehnten durch technische Innovation stetig verringert, doch ist die Grenze des Machbaren noch nicht erreicht. Dickere, stromsparende Dämmschichten scheiterten bisher am deutschen Küchen-Einheitsmaß (6o cm Breite) und am Veto der Hausfrauen, denen es angeblich im Innern des Kühlschrankes zu eng würde. Neue Modelle, die im Winter kalte Außenluft ansaugen anstatt sie selbst zu produzieren, sind technisch möglich, aber noch nicht so bald in Serie auf dem Markt.

Im Kühlschrank reichen sieben Grad

Die ozonschädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) sind seit 1995 aus den Kühlgeräten deutscher Hersteller verschwunden, auch vom chlorfreien, aber den Treibhauseffekt fördernden Kälte-Ersatzmittel R 134 hat sich die Industrie widerwillig verabschiedet. Reine Kohlenwasserstoff-Gemische (Propan-Butan), wie sie im ersten FCKW-freien Kühlschrank von Foron (Greenpeace) verwendet wurden, sind inzwischen Standard. Das sächsische Kleinunternehmen hat der allgemeine Erfolg seines zunächst belächelten Prototyps aber nicht vor dem wirtschaftlichen Niedergang bewahrt. So FCKW-frei, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die deutsche Kühlwelt trotzdem nicht. Teilhalogenierte Fluorchlorkohlenwasserstoffe sind nämlich noch bis zum Jahre 2000 zugelassen. Sie erreichen etwa fünf bis zehn Prozent des Ozonabbaupotentials der "vollen" FCKW's und sind besonders in gewerblichen Anlagen als Kältemittel beliebt.

Kleidung bei niedrigen Temperaturen waschen

In einer Umfrage kürten die meisten Befragten vor einigen Jahren die Waschmaschine zum wichtigsten Haushaltsgerät des zwanzigsten Jahrhunderts. Mit 26 Kilo Waschmittelverbrauch pro Kopf und Jahr sind die Deutschen die absoluten Saubermänner/frauen des europäischen Kontinents. Während 1968 nur fünf Prozent der Bevölkerung auf eine täglich frische Unterhose Wert legten, waren es 1990 schon 45 Prozent. Die meiste Energie wird benötigt für das Erwärmen der Flüssigkeit, Kochwäsche ist also am teuersten. Temperaturen über 60 Grad sollten Sie - außer bei starker Verfleckung - strikt vermeiden. Wer bei leicht verschmutzter Wäsche auf den Vorwaschgang verzichtet, reduziert den Stromverbrauch um 33 Prozent.

Sparen mit Warmwasser-Technik

Warmwasser-Maschinen bringen einen Spareffekt von bis zu 60 Prozent, aber nur dann, wenn das warme Wasser durch Sonnenkollektoren oder Wärmetauscher nahezu kostenlos gewonnen wird. Vor kurzem kamen die ersten Waschmaschinen mit Wasser-Recycling in den Handel. Sie besitzen ein 12-Liter-Depot, das das Wasser des letzten Spülgangs speichert und beim nächsten Hauptwaschgang wieder einfließen läßt. Tests ergaben, daß das Recycling-Wasser sowohl in bakteriologischer Hinsicht als auch in punkto Spülwirkung zur Wiederverwendung geeignet ist. Ein 4-Personen-Haushalt kann auf diese Weise im Jahr circa 2000 bis 3000 Liter Wasser einsparen. Äußerst ökonomisch arbeiten auch Maschinen mit der sogenannten "Fuzzy-Logik" (engl. fuzzy = undeutlich, verschwommen), wo ein spezieller Mikrochip über Sensoren den optimalen Programmablauf erfühlt und auf veränderte Vorgaben flexibel reagiert. So wird zum Beispiel bei halbvoller Trommel die Wasserzufuhr automatisch gedrosselt.

Reparieren statt Kaufen!

Obwohl diese intelligente Technik auch ökologisch sinnvoll sein mag, ist eine teure Neuanschaffung nicht immer der Weisheit letzter Schluß. In München hat sich ein kleiner, selbstverwalteter Betrieb (Sponton) auf die Reparatur gebrauchter Waschmaschinen spezialisiert. Sie sind um rund die Hälfte billiger als neue Maschinen, laufen für ein Jahr mit Garantie und haben im Schnitt noch eine Lebensdauer von zehn Jahren vor sich. Etwa 30 alternative Firmen im Bundesgebiet leisten ähnliche Dienste.

Spülmaschinen: für Kleinfamilien unnötig

Spülmaschinen sind für kleine Familien Luxus. In diesem Urteil scheinen sich viele Kritiker einig. Sparsames Spüelen mit der Hand unterbietet auch das marktbeste Gerät, wenn man nicht planlos den Wasserhahn offen läßt. In Bezug auf den Energieverbrauch ist der Elektroboiler noch weitaus unwirtschaftlicher. Das Hauptproblem der Spülmaschinen liegt aber woanders: Mit der Sorgfalt des Handreinigens können sie nur dank aggressiver Chemikalien leidlich konkurrieren. Ätzende Silikate (60 Prozent), Phosphate, Tenside und chlorhaltige Desinfektions- und Bleichmittel erhöhen die Giftfracht im Abwasser und überfordern die Kläranlagen. Zu einigen Substanzen gibt es sanfte Alternativen, auch Klarspüler ist problemlos durch Essig zu ersetzen. Wegen der Wasserhärte führt jedoch in den meisten Fällen am Salz kein Weg vorbei. Die 30.000 Tonnen, die jährlich ins Abwasser fließen, sindnicht zu ignorieren.

Vorsicht beim ersten Aufheizen des Ofens

Mit 8 bis 10 Kilowatt Anschlußwert ist der Elektroherd im Grunde der ärgste Stromverschwender, zum Glück ist er nicht immer angeschaltet. Vor ein paar Jahren hatten Meldungen über Formaldehyd-Ausdünstungen beim ersten Aufheizen von Backöfen die Verbraucher beunruhigt. Nach Meinung des Zentralverbandes Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVE) wurde das Thema hochgespielt. Die Stiftung Warentest sah im Juni '94 dagegen noch keinen Grund zur Entwarnung. Ob die gemessenen Belastungen allein aus Dämmaterialien und Bindemitteln stammen, ist unklar. Sie ließen sich aber beträchtlich verringern, wenn die Hersteller das erstmalige Aufheizen selbst vornehmen würden.

Herde mit Keramikkochfeldern benötigen weniger Zeit und Energie, um warm zu werden als solche mit herkömmlichen Kochplatten. Ebenso Induktionsherde, die allerdings starke magnetische Wechselfelder erzeugen und bei Töpfen aus Glas, Edelstahl oder Aluminium nicht funktionieren. "Bei keiner anderen Hausarbeit kann der Benutzer so viel Strom sparen wie beim Kochen" schrieb die Zeitschrift Natur. Topfunterseite und Kochplatte sollten stets gleich groß sein, der Deckel muß gut schließen. Für Speisen mit langen Garzeiten ist ein Schnellkochtopf zu empfehlen, tiefgefrorene Lebensmittel nicht auf dem Herd auftauen. Weil Sichtfenster und Innenbeleuchtung die größten Energieverluste bescheren, lassen manche Firmen diese zwar bequemen, aber entbehrlichen Funktionen ganz weg.

Mikrowelle: Unnötig und höchst gefährlich

Wer gerne in drei Minuten das Babyfläschchen sterilisiert, fällt leicht auf die Versprechungen der Mikrowellen-Anbieter herein. Für "völlig unnötig" hält nicht nur die Verbraucher Initiative die schnelle Welle, vor der nicht oft genug gewarnt werden kann. Daß sie in der Vollwertküche nichts zu suchen hat, hat sich inzwischen herumgesprochen. Eine radikale Entwertung der Lebensmittel und langfristige Gesundheitsschäden sind höchst wahrscheinlich. Bei mehr als zwei Personen übersteigt der Energieverbrauch einer Mikrowelle den einer gewöhnlichen Kochplatte. Außerdem begünstigt die Hochtechnik den unseligen Trend zu Tiefkühl- und Fertiggerichten und führt zu einer inflationären Vermehrung des Verpackungsmülls. Wer die Kosten für das Tiefkühlen mitrechnet, erhält eine extrem schlechte Energiebilanz. Weil die Mikrowelle wegen der fehlenden Oberflächenhitze nicht bräunt, sind Kombigeräte derzeit der Renner. Fazit: Elektronischer Schnickschnack, der überflüssig ist wie ein Kropf.

Staubsauger: Für Allergiker ungeeignet

Hygiene wird hierzulande groß geschrieben, mit Staubsaugern sind wir fast flächendeckend versorgt (98 Prozent). Was Putzteufelchen freut, wird den 10 bis 12 Millionen Hausstauballergikern indes zur Qual. Sie leiden unter Tierhaaren, Milben und Schimmelpilzen, die in Filtertüten einen idealen Nährboden finden. Das Gemisch, das mit der Abluft ausgepustet wird, hat es in sich. Auch die modernsten Geräte spucken viermal mehr Staub aus, als die normale Raumluft durchschnittlich enthält (0,05 mg/m3). "Für Allergiker ungeeignet" befand das Magazin "Öko-Test" nach einer Prüfung von Staubsaugern der S-Klasse. Aus den Filter-Vliesen entweichen mitunter künstliche Mineralfasern, die in der menschlichen Lunge krebserregend wirken können. Werbung und Wirklichkeit klaffen offenbar noch weit auseinander. Die von Herstellern benutzte europäische Norm IEC 312 halten Fachleute für unrealistisch und völlig überholt. Mediziner empfehlen Allergikern den Einbau einer zentralen Staubsaug-Anlage, bei der keine Schmutzpartikel mehr in die Raumluft gelangen.

Für den Verbraucher ist es generell ratsam, die Filtertüten häufiger zu wechseln und möglichst Beutel aus ungebleichtem Zellstoff zu verwenden. Auch sollte er beim Kauf mehr auf die Luftleistung als auf die Nennleistung des Gerätes achten. Staubsauger mit Wasserfilter sind durchaus sinnvoll, doch entlassen sie ebenfalls Glasfasern und schrecken ab mit ihrem saftigen Preis. Die ökologischste Lösung: Statt Teppichböden abwaschbare Bodenbeläge wählen (Holz, Linoleum) und das Saugen aufgeben.

Elektrosmog - eine vernachlässigte Gefahr

Im Jahr 1994 legten die Deutschen 21,6 Milliarden Mark für Elektrogeräte auf den Tisch. Die unzähligen Kleingeräte spielen dabei keine geringe Rolle. Hier geht es nicht mehr um Grundbedürfnisse, sondern fast ausschließlich um Lust und Bequemlichkeit. Viele Apparate sind unnötig, machen uns faul, abhängig und gedankenlos. Wird ein Leben ohne strombetriebene Brotschneider oder Dosenöffner nicht reicher statt ärmer? Sind zwei Bettflaschen nicht viel besser als eine Heizdecke, ganz abgesehen von der Gefahr durch Elektrosmog? Mit diesem vernachlässigten Aspekt wird der Mensch von morgen gewiß noch öfter konfrontiert. Selbst das tragbare Mini-Radio in der Küche baut permanent starke elektromagnetische Felder auf, solange der Stecker nicht gezogen wird.

Für die meisten Anschaffungen finden wir triftige Gründe, manche scheinen sogar ökologisch geboten. Der elektrische Eierkocher ist so ein Beispiel. Nimmt man nur die Stromkosten, schlägt er den Herd um Längen und ist so gesehen ein Muß. Zieht man auch den Energieaufwand für Herstellung und Entsorgung ins Kalkül, sieht die Rechnung schon anders aus. Aus dem gleichen Grunde lohnt sich auch der Austausch alter Elektrogeräte durch neue nur in wenigen Fällen.

Erlösung durch Technik ist die große Illusion

"Fünfzig Prozent Strom sparen und auf nichts verzichten", lautet ein von vermeintlichen Experten verbreiteter Slogan. Doch die heile Welt der Energiespar-Statistiken ist eine Illusion. Den Gewinn für die Umwelt durch sinkende Einzelverbrauchszahlen macht der ausufernde Gerätepark wieder wett. Der Strombedarf der Privathaushalte blieb in den vergangenen Jahren konstant hoch. Daraus folgt: Ohne radikales Umdenken und vor allem Handeln ist der drohende Öko-Kollaps nicht mehr aufzuhalten. Jeder noch so minimale Beitrag ist gefragt. Mit einem Stromzwischenzähler, den Sie bei vielen Energieversorgungsunternehmen ausleihen können, läßt sich der exakte Verbrauch Ihrer Geräte mühelos messen. Die bevorstehende Verabschiedung der Elektronikschrott-Verordnung soll noch in diesem Jahr eine Rücknahmeverpflichtung für Haushaltsgeräte gesetzlich vorschreiben. Bis dahin gilt: Wenn Ihr Händler die Rücknahme verweigert, kehren Sie ihm schleunigst den Rücken und tragen ihr Geld wonders hin.

Hans Krautstein

Nützliche Adressen und Stromspartips

  • Bund der Energieverbraucher e.V., Rheinstraße 8, 53619 Rheinbreitbach, Tel. 02224-92270, Fax 10321. Der BdE gibt viermal im Jahr die "Energiedepesche" heraus, die für 24 Mark inklusive Versandkosten abboniert werden kann. Die Ausgabe 2/95 informiert über besonders sparsame Haushaltsgeräte und wird an Interessierte kostenlos verschickt.
  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Bundesgeschäftsstelle, Im Rheingarten 7, 53225 Bonn, Tel. 00228-400970.
  • Eltern für atomfreie Zukunft (EFAZ), Ledergasse 5, 79677 Schönau, Tel. 07673-931578. Bei der EFAZ ist die Broschüre "Strom sparen - leicht gemacht" mit 57 nützlichen Stromspartips gegen eine Gebühr von 3,50 DM erhältlich.
  • Institut für Mensch und Natur, Obere Straße 41, 27283 Verden, Tel. 04231-81928. Gegen Entgelt von 12,80 DM plus Porto ist hier unter anderem das Skript des Diplombiologen Andreas Kühne über "Mikrowellen" zu beziehen.
  • Sponton (gebrauchte Waschmaschinen), Maistraße 55, 80337 München, Tel. 089-533459.
  • Verbraucher Initiative (Bundesverband), Breite Straße 51, 53111 Bonn, Tel. 0228-7263393.

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