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Umwelt

„Die Natur ist ein Therapeut“

Er ist erfolgreicher Rockmusiker, verkaufte Millionen von Alben, füllt Riesen-Konzerthallen, engagiert sich für Kinder und Nachhaltigkeit. Und Bio-Gemüse baut Peter Maffay auch noch an. // Manfred Loosen
29.02.2012
Er ist erfolgreicher Rockmusiker, verkaufte Millionen von Alben, füllt Riesen-Konzerthallen, engagiert sich für Kinder und Nachhaltigkeit. Und Bio-Gemüse baut Peter Maffay auch noch an. // Manfred Loosen

Er ist erfolgreicher Rockmusiker, verkaufte Millionen von Alben, füllt Riesen-Konzerthallen, engagiert sich für Kinder und Nachhaltigkeit. Und Bio-Gemüse baut Peter Maffay auch noch an. // Manfred Loosen

Sie betreiben seit 20 Jahren auf Mallorca Bio-Landbau. Warum?

Wir haben uns sehr früh entschieden, mit dem Bio-Landbau zu beginnen; zu einer Zeit, als Bio noch nicht in Mode war. Ich habe schon immer einen sehr starken Bezug zur Umwelt gespürt, und mich hat das Leben als Bauer – wenn man es salopp so nennen will – schon immer gereizt. Ganz ehrlich: Es gab keine Alternative für mich zum Bio-Landbau. Es war für mich immer klar, dass die Produkte, die wir anbauen, auch biologischen Maßstäben standhalten sollen.

Die Finca ist also ein richtiger Bio-Betrieb?

Ja, wir werden regelmäßig kontrolliert, sind ein zertifizierter Hof.

Wie vermarkten Sie die Produkte der Farm?

Wir haben einen kleinen Hofladen, in dem man einkaufen kann. Außerdem stehen wir auf dem Wochenmarkt in Pollenca. Unsere Finca produziert ja keine riesigen Massen, aber den Überschuss vermarkten wir auf diesem Wege. Die Gelder fließen übrigens in die Aktivitäten unserer Stiftung, und so schließt sich der Kreislauf.

Schon vor langer Zeit haben Sie diese nach Ihnen benannte Stiftung gegründet. Was ist ihre Hauptaufgabe?

Ja, vor 12 Jahren sind wir schon stiften gegangen. Wir kümmern uns in erster Linie um traumatisierte Kinder. Es sind Kinder und Jugendliche, die in frühen Jahren furchtbare Dinge erlebt haben. Sie wurden vergewaltigt, Opfer von Gewalt, sind mit Drogen in Berührung gekommen oder haben ihre Eltern verloren. Neben dem Projekt auf Mallorca unterhalten wir auch eine Einrichtung am Starnberger See. Unser jüngstes Projekt ist eine Kirchenburg im rumänischen Radeln. Da wird auch ein Schutzraum für Kinder entstehen.

Gibt’s auf Ihrer Bio-Finca Ca’n Sureda bei Pollenca auf Mallorca immer noch einen „Tag der offenen Tür“?

Ja, der Tag der offenen Tür findet jährlich statt und heißt bei uns Hoffest. Das ist für viele Besucher eine willkommene Gelegenheit, sich die Stiftung und die Finca anzuschauen. Sie können so einen Einblick in die Projekte bekommen. Mittlerweile kommen auch viele deutsche Fans. Das ist immer eine tolle Gelegenheit, Fans zu treffen. Die Finca Ca’n Llompart, auf der die Kinder untergebracht sind, ist aber das ganze Jahr über geschlossen. Wir wollen ja kein Disneyworld mit traumatisierten Kindern. Die Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre.

Das Wohl von Kindern ist Ihnen offenbar grundsätzlich besonders wichtig? Wie genau helfen Sie und Ihre Mitarbeiter den traumatisierten Kindern auf der Finca Ca’n Llompart?

Wir bieten den Kindern Ferien vom Alltag. Das zaubert ihnen oft ein Lächeln ins Gesicht, und damit ist unsere Aufgabe schon erfüllt. Wir können in dem kurzen Zeitraum, den sie bei uns sind, keine Wunder vollbringen. Aber für viele Kinder und Jugendliche ist es das erste Mal, dass sie den großen Zeh ins Mittelmeer stecken oder einen tausend Jahre alten Baum umarmen. Die Natur ist ein wichtiger Therapeut und kann Großartiges bewegen.

Peter Maffay …
… ist in Deutschland der erfolgreichste Album-Charts-Künstler aller Zeiten: Seit 1979 landete jedes seiner Studioalben unter den Top Ten der deutschen Album-Hitparade, insgesamt 15 Alben standen sogar auf Platz 1. Seine Alben waren zusammengerechnet mehr als 1 000 Wochen unter den bestverkauften in Deutschland, kein Künstler war erfolgreicher.

Maffays Rockmärchen „Tabaluga“ machte den heute 62-jährigen Musiker aus Siebenbürgen auch zu einem Star bei Kindern und Jugendlichen. Ehrenamtlich engagiert sich Maffay vor allem für benachteiligte Kinder und gründete hierfür die Peter-Maffay- und die Tabaluga-Kinderstiftung. Für sein Engagement erhielt er schon viele Auszeichnungen. Peter Maffay ist verheiratet und lebt mit Frau und seinem Sohn am Starnberger See und auf Mallorca.

Apropos Natur: Nachhaltigkeit ist ein weiterer Schwerpunkt Ihres Engagements. Im vergangenen Jahr haben Sie gleich zwei Preise dafür erhalten.

Die Preise ehren uns und sind für uns Ansporn, nicht nachzulassen. Nachhaltigkeit ist für mich auch kein Modewort. Ich denke, dass wir unser Handeln nachhaltig ausrichten müssen, um auf Dauer überhaupt etwas zu bewirken.

Dazu gehört auch die weltweite Kampagne „Stop talking, start planting“, die Felix Finkbeiner als Neunjähriger gründete und die Sie unterstützen. Damit soll bei Kindern und Erwachsenen das Bewusstsein für den Klimawandel geschärft werden. Wie suchen Sie sich Ihre Projekte, bei denen Sie helfen wollen, aus? Sie bekommen doch bestimmt viele Vorschläge …

Ich finde es großartig, dass Felix in so jungen Jahren schon aktiv ist und viele Kinder und Jugendliche ebenfalls mobilisieren kann. In diesem Fall ist es ja kein zeitraubendes Engagement. Es war ein Fotoshooting, das ich absolviert habe, und wann immer es meine Zeit zulässt und sich unsere Wege kreuzen, versuche ich, Felix zu unterstützen. Natürlich kann ich nicht allen Anfragen gerecht werden, die an mich herangetragen werden, aber in erster Linie versuche ich, viele sinnvolle Projekte zu unterstützen. Mein Name ist oft eine Art Türöffner, und es ist gut, wenn wir etwas bewirken können.

Wie nachhaltig leben Sie denn privat? Ernähren Sie sich zum Beispiel biologisch?

Das versuche ich. Wenn ich zu Hause bin, esse ich natürlich viel von unserer Farm, also Bio. Aber an einem Würstchen-Stand kann ich oft nicht widerstehen …

Wenn Sie unterwegs sind, auf Tourneen ist es also schwierig mit der gesunden Ernährung?

Ja, dann ist es schwieriger. Dann esse ich, wie alle Bandmitglieder und Techniker, im Crew-Catering. Wir bemühen uns zwar immer, hier auch mit biologischen Produkten zu arbeiten. Allerdings ist das nicht immer möglich.

Woher kommt Ihr ehrenamtliches soziales Engagement?

Ich habe mich schon früh sozial engagiert. Ich glaube, dass jeder seinen Beitrag zur Gesellschaft leisten muss. Nach den ersten Erfolgen war mir klar, dass ich hier verstärkt aktiv werden möchte. Gemeinsam mit einigen anderen Musikern habe ich dann auch Willy Brandt und seine Kampagne zur atomaren Abrüstung unterstützt. Um effektiver arbeiten und auch um die Qualität der sozialen Projekte gewährleisten zu können, habe ich mich dann vor 12 Jahren mit einigen Freunden entschieden, eine eigene Stiftung zu gründen.

Welches sind Ihre nächsten Projekte?

Musikalisch gesehen unsere Tabaluga-Tour in diesem Jahr. Der kleine grüne Drache vermittelt eine Reihe von wichtigen Werten wie Hilfsbereitschaft, Verantwortung, Freundschaft. Mit Blick auf unsere Stiftungsaktivitäten konzentrieren wir uns auf die laufenden Projekte. Wir sind froh, dass wir auch im vierten Jahr mit der Landesregierung Nordrhein-Westfalen einen trilateralen Jugendaustausch mit Teenagern aus Deutschland, Israel und Palästina durchführen. Das ist auch ein nachhaltiges Projekt. Denn angesichts der aktuellen Situation im Nahen Osten unterstützen wir eine neue Generation von Friedensstiftern. Jugendliche werden hier Mediatoren für ein tolerantes Miteinander und den Dialog der Religionen und Kulturen.

Schrot&Korn-Redakteur Manfred Loosen traf den Rockmusiker Peter Maffay in Düsseldorf, wo Maffay für sein ehrenamtliches Engagement mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde.

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