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Bio-Topaz: robustes Früchtchen von alten Apfel-Eltern

Von einem Bio-Apfel wird viel verlangt: Er soll widerstandsfähig sein gegen Krankheiten, attraktiv aussehen und vor allem gut schmecken. Der Bio-Topaz ist ein solches Multitalent, meinen die Obstbauern. Wir sprachen darüber mit Margit Holland vom Bio-Obstgut Bonhausen.

28.02.2001 vonPeter Gutting

Von einem Bio-Apfel wird viel verlangt: Er soll widerstandsfähig sein gegen Krankheiten, attraktiv aussehen und vor allem gut schmecken. Der Bio-Topaz ist ein solches Multitalent, meinen die Obstbauern. Wir sprachen darüber mit Margit Holland vom Bio-Obstgut Bonhausen.

Frau Holland, seit Kurzem findet man im Naturkosthandel eine neue Apfelsorte, den Bio Topaz. Welche Züchtung verbirgt sich hinter diesem Namen?

Wenn man bedenkt, dass die Sorte Topaz bereits 1984 gefunden wurde und auch schon seit einigen Jahren in kleineren Mengen angebaut wird, dürfte man eigentlich von "neu" gar nicht sprechen. Sie wird nur jetzt erst bekannt, da sie nun den Durchbruch bei den Anbauern geschafft hat und mehr Menge am Markt ist. Bio-Topaz wurde am Institut für experimentelle Botanik in der Tschechei von Herrn Prof. Jaroslav Tupy gefunden und weitergezüchtet. Dabei wurden die Sorten Rubin (Mutter) und Vanda (Vater) gekreuzt, und zwar in einer ganz normalen Kreuzungszüchtung. Das heißt: Die Apfelblüten von "Vater" und "Mutter" wurden von Hand bestäubt und die daraus entstehenden Kerne ausgesät.

Welche Vorteile ergeben sich dadurch?

Beide Elternteile des Bio-Topaz stammen von alten Apfelsorten ab. Dies war für die Züchtung sehr wichtig, da speziell für den biologischen Anbau eine Sorte gesucht wurde, die gegen die Pilzkrankheit Schorf widerstandsfähig ist. Die alten Apfelsorten haben diese Robustheit, die sie vom Wildapfel vererbt bekamen.

Und der Schorf ist ein großes Problem…

Der Apfelschorf ist die Hauptpilzkrankheit im Obstanbau und im biologischen Anbau ein großes Problem, da gegen diesen Pilz sozusagen kaum ein Kraut gewachsen ist. Apfelschorf erkennt man an den vielen kleinen bis großen graubraunen bis schwarzen Flecken auf den Blättern und später auf den Äpfeln.

Die Widerstandsfähigkeit gegen Schorf hat der Bio-Topaz aber mit ein paar anderen neuen Züchtungen gemein. Warum macht jetzt gerade diese Apfelsorte das Rennen?

Es gibt eine ganze Reihe dieser Apfelsorten, bei denen bei der Züchtung besonders auf die Widerstandsfähigkeit gegen Schorf geachtet wurde. Die meisten schmecken jedoch – meiner Meinung nach – nicht so gut oder weisen keine guten Anbaueigenschaften auf. Für den Obstbauern ist es sehr wichtig, dass der Apfelbaum gute Wuchseigenschaften hat und wenig krankheitsanfällig ist. Dies nützt ihm aber alles nichts, wenn die Früchte niemand haben will, da sie nicht schmecken. So wurden parallel zu den Züchtungen immer auch gleich Apfelverkostungen durchgeführt. Mittlerweile stehen Topazbäume in Obstbauversuchsanlagen in ganz Europa und darüber hinaus. International werden Apfelverkostungen mit dieser und anderen neuen Apfelsorten durchgeführt, meist sind es Blindverkostungen. Immer wieder belegte der Bio-Topaz einen der ersten Plätze, selbst wenn Sorten wie Elstar und Jonagold im Vergleich mit dabei waren.

Was waren das für Verkostungen? Welche Geschmackseigenschaften wurden bei der Apfelsorte besonders gelobt?

Jede Obstbauversuchsstation nützt Veranstaltungen für Verkostungen und lässt anhand von Bewertungsbögen die Gäste die Sorten beurteilen. Die Ergebnisse kann man dann in der Fachliteratur nachlesen. Außerdem wurden extra Leute aus den unterschiedlichsten Bereichen befragt. Einige Beispiele: In der Schweiz startete eine Supermarktkette, die unter anderem Bioäpfel verkauft, eine Apfelverkostungsaktion. Ich selbst führte im Zuge meiner Diplomarbeit an der FH Weihenstephan und in der Steiermark/Österreich Verkostungen durch. In Baden-Württemberg testeten Landfrauen das Back- und Kochverhalten von einigen Apfelsorten. Immer wieder wurden bei Bio-Topaz speziell die Fruchtigkeit, das gute Zucker/Säureverhältnis, das erfrischende Aroma, die Festigkeit des Fruchtfleisches und die Saftigkeit herausgestellt, um nur einige Aspekte zu nennen. Bei der Verarbeitung sind es die Eigenschaften, dass der Apfel im aufgeschnittenen Zustand nicht schnell bräunt, beim Garen nicht verfällt sowie goldgelb und aromatisch bleibt.

Warum kam die neue Sorte nicht schon früher in die Läden?

Die Sorte ist schon seit ein paar Jahren in kleinen Mengen erhältlich. Dies reichte jedoch nicht aus, um sie allgemein bekannt zu machen. Er wurde bei einigen Biobauern ab Hof vermarktet und in geringen Mengen an den Handel abgegeben.

Gehen Sie davon aus, dass noch weitere Obstbauern auf diese Sorte umstellen? Wie lange dauert es, bis ein neu gepflanzter Topazbaum den vollen Ertrag bringt?

Ich gehe davon aus, dass noch einige Bio-Obstbauern Bio-Topaz zu ihrem jetzigen Sortiment mit dazu pflanzen werden. Wir selbst werden dieses Jahr wieder einige Bäume pflanzen. Wir kaufen sie im Alter von zwei bis drei Jahren von der Biobaumschule. Im ersten Jahr nach der Pflanzung tragen sie manchmal schon Erstlingsfrüchte. Sie schmecken zwar gut, aber halten nicht lange, man kann sie daher nicht gut vermarkten. Je nach Lage der Obstplantage kann man ab dem vierten bis fünften Jahr nach der Pflanzung mit einem vollen Ertrag rechnen.

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