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Umwelt

Bio-Möhrenanbau

Bio-Bauern arbeiten mehr und ernten dennoch weniger als ihre Kollegen aus der konventionellen Landwirtschaft. Am Beispiel des Möhrenanbaus lassen sich die Zusammenhänge verdeutlichen.
30.09.2004

Ganz ohne Gift – aber mit viel Schweiß

Bio-Bauern arbeiten mehr und ernten dennoch weniger als ihre Kollegen aus der konventionellen Landwirtschaft. Am Beispiel des Möhrenanbaus lassen sich die Zusammenhänge verdeutlichen.

Beim Saatgut fängt es bereits an. Der Biobauer verzichtet darauf, die Körner zu beizen, das heißt, in ein Pestizid-Bad zu geben um Keimlingskrankheiten vorzubeugen. Die Ausfälle nimmt er in Kauf.

Nachdem der Same gekeimt hat, wächst die Möhrenpflanze nur sehr langsam, was Unkräutern und Gräsern Platz lässt, sich rasch auszubreiten. Beim ersten Mal kann der Biobauer noch maschinell jäten, also mit dem Traktor durch die Reihen fahren. Die folgenden zwei „Hackgänge“ sind allerdings schweißtreibende Handarbeit. 300 Stunden Unkraut-Hacken sind im Durchschnitt pro Hektar Bio-Möhren notwendig. Der konventionelle Bauer spritzt stattdessen mehrfach Herbizide (Pflanzenvernichtungsmittel) und spart dadurch enorm Zeit.

Insekten machen sich auf Möhrenfeldern breit: Der Möhrenblattfloh saugt die ersten Blätter junger Möhren an und hindert sie so am Wachsen. Dagegen ist der Bio-Bauer machtlos.

Zusätzlich verderben ihm auch die Larven der Möhrenfliege das Geschäft, und zwar, indem sie Gänge in die Möhren fressen. Hier kann sich der Bio-Bauer helfen, indem er im Mai, wenn die Möhrenfliege ihre Eier in den Boden legen, verstärkt hackt. So werden Eier und Larven gestört. Oder der Bio-Bauer spannt feine Netze über die Möhren, was aber nur bei kleineren Beeten sinnvoll ist.

Egal ob er Hacke oder Netz einsetzt, der Biobauer verliert in jedem Fall einen Teil seiner Ernte an die Schädlinge. In der Regel sind es etwa 20 Prozent. Der konventionelle Bauer hingegen schlägt abermals mit der „Giftkeule“ zu. Er versprüht Insektizide, die zwar Geld kosten, ihm aber eine größere Ernte sichern.

Bio und billig geht kaum

Europaweit haben in den letzten Jahren viele Bauern auf „Öko“ umgestellt. Ein toller Erfolg. Doch der Absatz an Öko-Produkten wuchs nicht annähernd so schnell. In vielen Bereichen ist deshalb das Angebot an Bio-Lebensmitteln größer als die Nachfrage. Als Folge gerieten die Preise unter Druck.

Seit 2002 kommt anscheinend der „Geiz-ist-geil-Virus“ hinzu, der wohl auch unter Bio-Kunden grassiert.

Der Handel reagiert und versucht, Bio-Lebensmittel noch billiger anzubieten, sucht entsprechend günstige Lieferanten und setzt damit die Erzeuger unter Druck. Die müssen entweder billiger produzieren oder aufhören. Dies führt zu: intensiverer Landwirtschaft, hoher Spezialisierung, geringeren Qualitätsstandards. Im Prinzip sind dies die Marktmechanismen, die in der konventionellen Lebensmittelwirtschaft zu den großen Skandalen geführt haben.

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