Meldungen 11/2016 - Schrot und Korn

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Meldungen 11/2016

People4Soil Petition (© people4soil)
Start der People4Soil-Petition mit dem Slow Food-Gründer Carlo Petrini (l.) in Turin. (© people4soil)

Den Boden schützen – jetzt EU-Petition zeichnen

Böden sind unsere Zukunft. Sie liefern Lebensmittel, binden Kohlenstoff, speichern Wasser und bieten unzähligen Tieren ein Zuhause. Trotzdem werden sie versiegelt, vergiftet, verdichtet und ihrer Fruchtbarkeit beraubt – im großen Ausmaß, weltweit.

Eine Europäische Bürgerinitiative (EBI)will nun die anhaltende Bodenzerstörung und den Flächenverbrauch stoppen. Dazu hat sie die EU-weite Petition „People4Soil“ gestartet. Ziel: eine Million Unterschriften aus mindestens sieben EU-Staaten. Denn nur dann kann von der Kommission verlangt werden, das Thema Bodenschutz auf die Tagesordnung der europäischen Politik zu setzen und einen Gesetzgebungsprozess einzuleiten.

Zum Kampagnenstart kritisierten die Repräsentanten der EBI, Marta Messa und Damiano Di Simine, die europäischen Institutionen. So sei ein Entwurf für eine EU-Bodenschutzgesetzgebung 2014 zurückgezogen worden, weil vier Länder mit dem Mittel der Sperrminorität erfolgreich waren. Nun sei es Sache der Bürger für ein Bodenrecht zu kämpfen.

Der Kampagnen-Koordinator für Deutschland, Bernward Geier, will hierzulande mindestens 200 000 Unterschriften sammeln. „Allein schon, weil auch die Bundesregierung eine EU-Bodengesetzgebung blockierte, sollten wir uns dieses ambitionierte, aber erreichbare Ziel setzen“, ruft er zum Mitmachen auf.

Die EBI wird von mehr als 350 Organisationen aus 26 EU-Staaten unterstützt. In Deutschland sind bereits über 50 Organisationen und Firmen dabei. Träger der hiesigen Kampagne ist die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL). Schrot&Korn wird als Medienpartner über den Fortgang berichten.

Die Zeichnung der Petition ist unter www.people4soil.eu und über Unterschriftenlisten möglich, die auf der Webseite unter dem Stichwort „Module“ heruntergeladen werden können. sb


Initiative Tierwohl

Tierschutzbund steigt aus

Der Deutsche Tierschutzbund sieht in der Initiative Tierwohl „keine langfristige Perspektive für den Tierschutz“, da sie „weiterhin auf Quantität statt Qualität“ setze – und ist deshalb aus dessen Beraterausschuss ausgestiegen. Die Beschlüsse der Initiative etwa in der Schweinehaltung seien „viel zu vage und für uns kein Fundament, auf dem ein Anspruch hin zu mehr Tierschutz basieren kann“, erklärt Thomas Schröder, der Präsident des Tierschutzbundes. 

In der Initiative Tierwohl haben sich Einzelhändler wie Edeka, Aldi und Lidl mit der Fleischindustrie und dem Bauernverband zusammengeschlossen, um Haltungskriterien zu entwickeln, die über gesetzliche Regelungen hinausgehen. Bauern, die diese Maßnahmen umsetzen, erhalten ein sogenanntes Tierwohlentgelt. Dafür zahlen Aldi & Co. pro Kilo verkauftem Schweine- oder Geflügelfleisch vier Cent in einen Fonds ein. sb


Genfood-nein-Danke ButtonSchweden

Gentech im Wald

Schwedische Forscher wollen gentechnisch veränderte Pappeln im Freiland testen. Aus dem Erbgut der Bäume wurde mithilfe der sogenannten CRISPR-Technik ein Gen gelöscht, um die Wuchs-eigenschaften zu verändern. Der Versuch ist noch nicht genehmigt. Christoph Then von Testbiotech sieht in den Pappeln ein Risiko für die biologische Vielfalt, da sich ihr künstliches Erbgut in Öko-Systemen ausbreiten könne. sb


Unterschriften-Aktion

BrennelementeSteuer verlängern

Noch laufen in Deutschland acht Atomkraftwerke. Doch bevor der letzte Meiler vom Netz geht, scheinen die Betreiber noch ein Steuergeschenk zu bekommen: Denn die Brennelemente-Steuer läuft zum Jahresende aus.

Wird sie nicht verlängert, entgehen dem Staat bis 2022 Einnahmen in Höhe von bis zu 5,8 Milliarden Euro, hat das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag vom Öko-Stromanbieter Naturstrom ausgerechnet. Die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt will zudem beobachtet haben, dass die AKW-Betreiber in diesem Jahr weniger Brennelemente austauschen als üblich. Die Organisation vermutet, dass die Betreiber den Wechsel hinauszögern, da sie 2017 die bisher fälligen 145 Euro je Gramm Brennstoff nicht mehr bezahlen müssen.

„.Ausgestrahlt“ und das Umweltinstitut München haben eine Online-Unterschriften-Kampagne „Keine Steuerbefreiung für AKW“ gestartet, in der die Bundesregierung aufgefordert wird, die Brennelemente-Steuer fortzuführen. sb
www.ausgestrahlt.de, www.umweltinstitut.org


Landwirtschaft

Gülle-Havarien gefährden Umwelt

Mal schlägt ein altes Güllefass leck. Oder es passiert auf der Straße, weil der Traktor samt Gülleanhänger im Graben landet. Oder auf dem Hof versagt ein Schieber. Gülle-Havarien kommen fast täglich vor. 2015 gelangten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 92 Unfällen 9,6 Millionen Liter Jauche, Gülle und Gärreste in die Umwelt, 2,8 Millionen Liter mehr als im Jahr zuvor.

Ob beim Transport, wenn die Gülle von den Hotspots der Massentierhaltung zu den oft Hunderte Kilometer entfernten Feldern gefahren wird, oder beim Füllen: 5,7 Millionen Liter, so das Bundesamt, konnten nicht wieder gewonnen werden, flossen in Kanalisation oder Bach.

Der BUND kritisiert, dass „trotz massiver Überdüngung“ und Gülle-Havarien die Regierung die Änderung der Düngeverordnung verschleppt. Die EU-Kommission hat inzwischen beschlossen, Deutschland wegen der anhaltenden Verunreinigung der Gewässer vor dem Europäischen Gerichtshof zu verklagen. Laut EU-Recht ist Deutschland verpflichtet ein Programm zur Verringerung von Nitratverunreinigungen aufzustellen. sb


Umweltpolitik

Hendricks will mehr Einfluss

Wer ein Smartphone kauft, der soll an einem Öko-Label künftig erkennen, ob dessen Produktion der Umwelt geschadet hat. Etwa, weil das dazu nötige Coltan unter problematischen Bedingungen gefördert wurde. Das Label könnte auch auf Rindfleisch aus Massentierhaltung kleben, weil die Tiere viel Treibhausgase freisetzen. Für ihre Vorschläge aus dem „Umweltprogramm 2030“ hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks Zustimmung und Kritik bekommen. Während die Grünen voll des Lobes sind, protestiert die Landwirtschaft. Denn Barbara Hendricks fordert zudem mehr Einfluss für ihr Ressort bei umweltpolitischen Themen, auch wenn diese einem anderen Ressort zugeordnet sind. So plädiert sie unter anderem dafür, den Großstallbau unter die Kontrolle der Gemeinden zu stellen und eine Abgabe auf Pestizide einzuführen.
Von solchen Ideen will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt nichts wissen. Ein Öko-Siegel für Rindfleisch lehnt er ab.
sb


Zahl des Monats

Zahl des Monats 707

Gramm Papier am Tag verbrauchte jeder Deutsche durchschnittlich 2015 – 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr.   

Quelle: Robin Wood, 2016


Bayer-Monsanto-Deal

Verbände schlagen Alarm

Als Schlag ins Gesicht all jener Menschen, die sich für eine kleinbäuerliche, nachhaltige, soziale und ökologische Landwirtschaft einsetzen, bezeichnet der Verein Slow Food die angekündigte Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto durch den Chemiegiganten Bayer. Auch Umwelt-, Naturschutz- und Verbraucherverbände sind alarmiert. Bayer und Monsanto hingegen sprechen von einer „Zeit mit bedeutenden Herausforderungen, die neue nachhaltige Lösungen und Technologien verlangt“. Gemeint ist unter anderem die weltweite Versorgung der wachsenden Bevölkerung mit Lebensmitteln. Bei dieser Aufgabe sieht sich der Konzern als „Innovationstreiber“. Entwicklungspolitische Organisationen wie Misereor, Fian, Inkota und Brot für die Welt haben daran Zweifel: „Mit Saatgut von Bayer und Monsanto lässt sich keine zukunftsfähige Landwirtschaft betreiben. Beide Konzerne produzieren genmanipuliertes Saatgut und die korrespondierenden Pestizide, die sie dann im Kombi-Pack verkaufen.“ Bereits heute kontrollieren sechs Konzerne gut 75 Prozent des Agrarchemiemarktes, bei Saatgut sind es mehr als 60 Prozent. Die Kritiker der Fusion verlangen deshalb, dass der Deal von den Kartellbehörden gestoppt wird. sb

Monsanto und Bayer (© Illustration: picture alliance/dieKLEINERT.de)

Noch können die Kartellbehörden die Einkaufstour stoppen. (© Illustration: picture alliance/dieKLEINERT.de)

Erschienen in Ausgabe 11/2016
Rubrik: News

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