Kurz notiert 10|2017 - Schrot und Korn

Anzeige

Anzeige

Kurz notiert 10|2017

EU Geschäfte mit Ackerland (© FIAN)
Menschen in Sambia, nachdem sie von ihrem Land vertrieben wurden. (© FIAN)

Landgrabbing

Europäische Geschäfte mit fremden Äckern

Wer an Landgrabbing denkt, dem fallen meist Investoren aus den USA und China ein. In der Tat sitzen dort sowie in Malaysia, Singapur, Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten die Lenker von Landgrabbing. Sie investieren in Schwellen- und Entwicklungsländer, um dort Getreide, Spritpflanzen oder Plantagenholz zu produzieren. Oder um zu spekulieren.

Dass auch europäische Akteure an diesen Deals beteiligt sind, das belegt nun die Menschenrechtsorganisation FIAN in einer Studie über Landkonflikte in den Ländern des globalen Südens. Demnach kontrollieren britische Firmen 1,9 Millionen Hektar Land im Ausland, deutsche Unternehmen folgen mit 300 000 Hektar – nach Ländern wie Frankreich, Italien oder Finnland – auf Platz sieben.

Internationale Organisationen beklagen, dass das finanzielle Engagement häufig auf Kosten der Bevölkerung geht, denn durch den Flächenhunger der Investoren verlieren Millionen von Menschen ihre Existenzgrundlage. Die in der Studie genannten Beispiele, in denen auch Konsortien aus Deutschland genannt werden, belegen zudem, dass die betroffenen Menschen kaum eine Chance haben, ihre Ansprüche vor Gericht durchzusetzen. FIAN-Agrarreferent Roman Herre beklagt überdies, dass die Absage von Bundeskanzlerin Angela Merkel an die „klassische Entwicklungshilfe“ und die Ankündigung einer verstärkten Zusammenarbeit mit Konzernen und Finanzinvestoren „wenig Gutes erwarten lassen“.

Seit 2000 dokumentiert eine internationale Gruppe, an der auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) beteiligt ist, größere Landkäufe und benennt die damit verknüpften Absichten der Käufer. Land Matrix heißt das Projekt, und es beziffert (Stand Ende August) den Kauf durch ortsfremde Investoren weltweit auf 49 Millionen Hektar. Das entspricht fast der dreifachen landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands. sb


Blechdose (© clipdealer)

Hormongift

Bisphenol A in Dosen

Wer zu Tomate, Thunfisch oder Kokosmilch aus der Dose greift, bekommt unfreiwillig oft auch das Hormongift Bisphenol A (BPA) mitgeliefert. Das hat der BUND bei einer Untersuchung von Konserven festgestellt. Mehr als die Hälfte der getesteten Lebensmittel waren mit BPA belastet. Von 26 Produkten enthielten 14 das Hormongift – und zwar zwischen 7,4 Mikrogramm und 510 Mikrogramm pro Kilogramm. BPA ist in der Kunststoffschicht enthalten, kann sich aber lösen und auf Lebensmittel übergehen. Im Körper kann BPA das Hormonsystem stören. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte 2015 den Grenzwert für die als unbedenklich geltende tägliche Aufnahme von Bisphenol A von 50 Mikrogramm auf 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag gesenkt. In Frankreich ist Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen verboten. sb


Essen der Zukunft?

Burger mit Insekten

Eigentlich klar: Ein Hamburger besteht aus einem Klops Rinderhackfleisch zwischen zwei Brötchenhälften. Doch das war einmal, zumindest in der Schweiz. Dort gibt es seit kurzem bei Coop den „Insect Burger“ aus Mehlwürmern, Reis und Gemüse. Die Supermarktkette begründet ihr Engagement in Sachen Insektenburger mit dem „nachhaltigen und kulinarischen Potenzial von Insekten“. Weitere Produkte sollen folgen. sb


Zahl des Monats

Tonnen Treibhausgase verursacht der Verkehr jährlich in Deutschland. Emmissonsfreie Mobilität ist bis 2035 möglich – das zeigt eine neue Greenpeace-Studie.

Quelle: Greenpeace, Verkehrswende für Deutschland, 2017. 



Aussterben einer Art

Was machen Ackergifte mit Hummeln?

Können Hummelarten aussterben, weil sie sich durch den Einfluss von Insektiziden nicht mehr vermehren können? Britische Forscher der Royal Holloway University of London legen dies nahe, nachdem sie Königinnen der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) einer sogenannten „Feld-relevanten“ Dosis des Pflanzenschutzmittels Thiamethoxam, das zu den Neonikotinoiden gehört, ausgesetzt hatten. Das Ergebnis: Das Pflanzenschutzmittel ist für Hummeln zwar nicht unmittelbar tödlich. Allerdings erzeugen die Hummeln erheblich weniger Nachwuchs, denn es bilden 26 Prozent der Königinnen weniger als normal eine neue Kolonie.

Diese Verringerung der Koloniebildung (die Königin allein überlebt den Winter und bildet im Frühjahr den Kern einer neuen Population) erhöht laut der Forscher die „Wahrscheinlichkeit des Aussterbens einer Population dramatisch“. Sie folgern weiter, dass Neonikotinoide in dieser kritischen Lebensphase einen erheblichen Einfluss auf das Leben der Insekten haben. Hummeln sind als Bestäuber zahlreicher Pflanzen vor allem auch in der menschlichen Ernährung sehr wichtig. Thiamethoxam gehört zu jenen drei Neonikotinoiden, die in der EU vorübergehend mit einem Bann belegt wurden.

Bei Fröschen hingegen haben Forscher herausgefunden, dass sie sich an Pestizide gewöhnen können. Sie bilden Resistenzen gegen die Gifte und geben sie an die nachfolgende Generation weiter. Aber zu einem hohen Preis: Denn nun wurden die Frösche anfälliger für parasitische Würmer und für Viren, stellten Experten des US-amerikanischen Rensselaer Polytechnic Institute fest. Es reiche also nicht, die Auswirkungen eines Schadstoffs oder Parasiten einzeln zu betrachten, so die Forscher, da der Schutz gegen die Agro-Giftstoffe die Widerstandsfähigkeit der Frösche und Kröten gegenüber anderen Gefahren schwächen kann. sb


Naturschutz

Wildkatzen willkommen

Die Europäische Wildkatze schleicht wieder durch die Wälder. Auf 5000 bis 7000 Tiere schätzen der BUND und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ihre Zahl. Dies ist das Ergebnis eines der größten Naturschutzprojekte in Europa, dem „Wildkatzensprung“. Damit die für Laien oft nur schwer von einer wildfarbenen Hauskatze zu unterscheidenden Wildkatzen weiter in deutschen Wäldern leben können, hatte der BUND zusammen mit Akteuren aus Behörden, Jagd, Forstwirtschaft, Wissenschaft und Ehrenamt das Projekt koordiniert. Entstanden ist dabei auch ein 20 000 Kilometer großes, ökologisch aufgewertetes Waldverbundnetz, um Wälder miteinander zu verknüpfen und den Wildkatzen die Wanderung zu erleichtern. sb


Genfood Nein-Danke Button Gentechnik

Gentech-Zucker in Brasilien

Weltweit erstmals wird in Brasilien gentechnisch verändertes Zuckerrohr angebaut. Ein eingebautes Bt-Toxin (Giftstoff) macht Blätter und Stängel der Pflanzen immun gegen den Zuckerrohrbohrer. Das Insekt richtet jedes Jahr einen Milliardenschaden auf den Plantagen an, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Nach Angaben des brasilianischen Zentrums für Zuckerrohrtechnologie (CTC) habe man Importzulassungen für die USA und Kanada beantragt, jedoch noch nicht für die EU. Kritik kommt von der brasilianischen ProTerra-Stiftung. Da die Pflanzenspitzen als Mulch auf den Feldern blieben, könnte das darin enthaltene Gift Mikroorganismen schädigen. Zudem werde die Monopolisierung des Saatguts vorangetrieben. sb


Umwelt

Eine Insel versinkt im Plastik

Sie liegt 5000 Kilometer von der nächsten größeren Siedlung entfernt und beherbergt vor ihrer Küste das weltweit am besten erhaltene Korallenatoll. Doch die Zivilisation hat die unbewohnte Henderson Insel im Südpazifik längst eingeholt: Sie ist zu einem riesigen Plastik-Müllplatz geworden. Die Meeresströmungen haben den Abfall dorthin transportiert.
Mitarbeiter der Universität Tasmanien und der britischen Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) haben den erschreckenden Fund taxiert. Demnach liegen am Strand der zehn mal drei Kilometer großen Insel mindestens 37,7 Millionen Plastikteile, mehr als die Hälfte davon im Boden. Gezählt wurden nur Teilchen, die größer sind als zwei Millimeter und die allenfalls zehn Zentimeter tief lagen. Das wahre Ausmaß dürfte also kaum erfasst sein, wenn die Forscher pro Quadratmeter rund 4500 Müllteile auflasen, davon zu 99,8 Prozent Plastik. Jennifer Lavers von der Uni Tasmanien ist erschüttert: „Was auf der Henderson Insel passiert, zeigt uns, dass es selbst an den entlegensten Orten der Erde kein Entrinnen von der Plastikmüllverseuchung gibt.“ sb

Erschienen in Ausgabe 10/2017
Rubrik: News

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'