Kurz notiert 01|2020 - Schrot und Korn

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Kurz notiert 01|2020

Kurz notiert © Heinrich Böll Stiftung
Mobilität geht auch klimafreundlich: Ideen und Lösungen präsentiert der aktuelle Mobilitätsatlas. © Heinrich Böll Stiftung

 

Verkehrswende

Unterwegs sein ohne Stress und Klimaschäden 

Die Gesellschaft ist auf Achse. Doch die heute übliche Form der Mobilität hat viele Nachteile: Wir sind gehetzt und die fossilen Brennstoffe belasten Klima und Gesundheit. Wie der Verkehr klimafreundlicher, sozialer und ökonomisch erfolgreich werden kann, zeigt der von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) herausgegebene Mobilitätsatlas. Die Publikation enthält 19 Beiträge für eine zukunftsfähige Fortbewegung – von A wie alternative Antriebe bis Z wie zivilgesellschaftliches Engagement. Dass sich bereits etwas tut, zeigt das Beispiel F wie Führerschein: Verzichteten 2010 nur 14,2 Prozent der 18- bis 24-Jährigen auf einen Führerschein, waren es 2018 bereits 20,8 Prozent. Trotzdem ist der Anteil der Menschen, die mit Fahrrad, Bus oder Bahn zu Schule, Arbeitsplatz oder Freizeitort gelangen, weiterhin klein. Dass städtischer Verkehr anders aussehen kann, machen Kopenhagen oder Wien vor: In der dänischen Hauptstadt ist das Rad Hauptverkehrsmittel, 2017 erledigten die Menschen damit 41 Prozent der beruflichen und 29 Prozent aller Wege. Grund dafür ist die gute Infrastruktur mit breiten Radwegen, Radschnellwegen und Fahrradbrücken. Oder Wien: Seit Parkplätze verteuert und ein ÖPNV-Jahresticket für 365 Euro eingeführt wurde, hat sich die Zahl der verkauften Jahrestickets verdoppelt. Dass solche Trends wichtiger werden, zeigt der Blick auf den wahren Preis des Verkehrs: Die Klimakosten beziffert der Atlas auf jährlich 27 Milliarden Euro, die Kosten durch Lärm und Luftschadstoffe auf acht beziehungsweise knapp zehn Milliarden Euro. Diese sogenannten externen Kosten stehen weder auf der Tankquittung noch auf dem Flugticket. Dazu Kerstin Haarmann, VCD-Bundesvorsitzende: „Auch wer bei Wind und Wetter nur Fahrrad fährt, muss für die Umweltschäden, die andere verursachen, mitbezahlen.“ Den Mobilitätsatlas mit vielen Infografiken gibt es unter: www.boell.de


Verpackung

Immer mehr Müll

Überflüssige Verpackung ist seit Jahren ein Thema. Doch anscheinend wird nur geredet, denn der Verpackungsabfall in Deutschland ist 2017 auf ein Rekordhoch gestiegen. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA). Demnach produzierten die Deutschen im genannten Jahr 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsmüll – und damit drei Prozent mehr als 2016. Pro Kopf sind das 226,5 Kilogramm, wobei der Anteil des privaten Verbrauchs 47 Prozent beträgt, der Rest stammt aus Gewerbe und Industrie. UBA-Chefin Maria Krautzberger moniert die vielen überflüssigen Tüten, Kartons und Folien: „Selbst die Zahnpastatube ist nochmal verpackt.“ Krautzberger fordert „viel mehr Mehrweg“ sowie mehr Anstrengungen beim Recycling. Glas und Papier würden zwar zu rund 85 Prozent wiederverwertet. Bei Kunststoff jedoch geschehe das nur zur Hälfte, bei Holz gar nur zu einem Viertel. 


Klimawandel

Regierung kennt die Risiken

Die Folgen der Erderhitzung werden in Deutschland spürbarer, zeigt der Monitoringbericht 2019 der Bundesregierung. Demnach hat sich hierzulande die mittlere Lufttemperatur von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Allein in den letzten fünf Jahren stieg sie um 0,3 Grad an. Als Folgen nennt der Bericht unter anderem: mehr Tote durch Hitzewellen, niedrige Grundwasserstände und stärkere Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft. 


 

Zahl des Monats

bis 35 Prozent des weltweit in den Meeren nachgewiesenen Mikroplastiks stammt aus synthetischer Kleidung.
Quelle: WWF Deutschland, 2019


Grüne Staatsanleihen

Macht die EU Atomkraft wieder hoffähig?

In der EU wird aktuell das sogenannte Klassifizierungssystem für grüne Investments („EU-Taxonomie“) diskutiert. Im Kern geht es darum, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten als nachhaltig gelten sollen. Nicht nur in Kreisen der Atomkraft-Kritiker bestehen Befürchtungen, wonach die Technologie als nachhaltiges Investment eingestuft werden könnte. Für die Annahme gibt es Gründe: Denn in den Verhandlungen zwischen EU-Kommission, Mitgliedsstaaten und Parlament hatte die finnische Ratspräsidentschaft einen Kompromissvorschlag vorgelegt, der nicht ausschließt, dass Stromerzeugung aus Kernenergie in der EU als ökologisch nachhaltig klassifiziert wird. Deutschland, so eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums zu Schrot&Korn, habe den Kompromissvorschlag deshalb kritisiert. Man plädierte dafür, „den Taxonomie-
Entwurf entsprechend zu ändern“, konnte sich damit aber bei den Mitgliedsländern „nicht durchsetzen“. Das Ministerium setze nun auf das EU-Parlament: Dort „werben wir weiter für unsere Position“, so das Ministerium. Die Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“ verlangt, dass Deutschland sich dem „Versuch nuklearen Greenwashings“ widersetzen müsse. „Eine grüne Anleihe kann sich nur wirklich als grün bezeichnen, wenn sichergestellt werden kann, dass die Gelder umweltfreundliche Veränderungen bewirken“, sagt auch Matthias Kopp, Leiter Sustainable Finance beim WWF Deutschland. 

 

Erschienen in Ausgabe 01/2020
Rubrik: News

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