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„Bio ist sicherer vor Dioxin“

Dioxin in Eiern, in Fleisch, im Wasser, im Boden. Wenn Dioxin so weit verbreitet in Stoffen steckt, wieso lohnt es dann trotzdem, auf Bio-Landbau zu setzen? // Ralf Bürglin
28.02.2011
Dioxin in Eiern, in Fleisch, im Wasser, im Boden. Wenn Dioxin so weit verbreitet in Stoffen steckt, wieso lohnt es dann trotzdem, auf Bio-Landbau zu setzen? // Ralf Bürglin

Dioxin in Eiern, in Fleisch, im Wasser, im Boden. Wenn Dioxin so weit verbreitet in Stoffen steckt, wieso lohnt es dann trotzdem, auf Bio-Landbau zu setzen? // Ralf Bürglin

Dr. Alexander Gerber ist Geschäftsführer beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Wie sicher ist die Bio-Branche vor einem Dioxin-Skandal?

Ein Skandal wie der aktuelle, bei dem industriell hergestellte und Dioxin-belastete Fettsäuren ins Futter gemischt wurden, ist bei Bio-Produkten ausgeschlossen. Grundlage für die Fütterung von Bio-Tieren ist das im eigenen Betrieb angebaute Futter. Zugekauftes Futter darf keine aus industriellen Prozessen gewonnenen Stoffe und Abfallprodukte enthalten. Als Fette dürfen lediglich mechanisch gepresste Pflanzenöle eingesetzt werden, bei Betrieben der deutschen Anbau-Verbände ausschließlich in Öko-Qualität.

Letztes Jahr gab es in rund zehn Bio-Bauernhöfen Probleme mit Dioxin-verseuchtem Futtermais aus der Ukraine. Ist dieser Fall vergleichbar mit dem jetzigen Skandal?

Nein. Im aktuellen Fall ist allem Anschein nach bewusst illegal gepanscht worden und davon ist flächendeckend eine große Zahl von Betrieben betroffen. Beim Mais aus der Ukraine ist eine einzige Charge kontaminiert worden. Leider behindern die holländischen Behörden bis heute die Aufklärung.

Welche Dioxin-Quellen kann man bei Bio ausschließen?

Dioxin, das in Futtermittel gelangt, kann aus industriellen Produktionsprozessen oder Pflanzenschutzmitteln stammen. Beides – die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln als auch der Einsatz von Futterstoffen, die aus industriellen Produktionsprozessen oder der Abfallverwertung entstammen – ist im Öko-Landbau verboten.

Dioxin ist ein Gift, das auch in der Umwelt in unterschiedlichen Konzentrationen vorhanden ist.

Richtig. Und ökologischer Landbau findet nicht unter der Glasglocke statt. Deshalb kann es vereinzelt Fälle geben, in denen auch Bio-Betriebe von Dioxin-Belastungen betroffen sind. Das ist aber kein bio-spezifisches Problem.

Wenn Dioxin in der Umwelt weitverbreitet ist, müssen wir uns dann darauf einstellen, generell mit Dioxin in Lebensmitteln zu leben?

Die Tatsache, dass Dioxin als Gift in der Umwelt verbreitet ist, ist der Grund für den sehr scharfen Grenzwert für Dioxin in Lebensmitteln. Damit soll die nicht vollkommen auszuschließende Belastung auf ein Minimum reduziert werden.

Greifen Kontrollen in der Bio-Branche besser?

Kein Betrieb wird so engmaschig kontrolliert wie der Bio-Betrieb. Neben der allgemeinen Lebens- und Futtermittelkontrolle gibt es außerdem die Bio-Kontrolle, die mindes-tens einmal jährlich erfolgt. Hinzu kommen Eigenkontrollen der Betriebe auf Dioxin. Zusammen mit der sehr eingeschränkten Positivliste für zukaufbare Futtermittel – die nicht aus industriellen Produktionsprozessen stammen dürfen – gibt das ein hohes Maß an Sicherheit. Entscheidend ist, dass der Öko-Landbau auf Kreislaufwirtschaft setzt, also auch auf möglichst geschlossene Futterkreisläufe. Ob die Gefahr einer Belastung durch den Weidestandort besteht, muss jeweils geprüft werden.

Was muss sich ändern?

Trotz der Belastungen der Umwelt, denen auch der Öko-Landbau ausgesetzt ist, gibt er die weitreichendsten Antworten auf die aktuell gestellten Fragen nach der Nahrungsmittelqualität und einer umweltgerechten Landwirtschaft. Wir brauchen einen Systemwechsel: Weg von einer intransparenten, industrialisierten Landwirtschaft, hin zu mehr Öko-Landbau.

Dioxin-Tests bei Bio

Die EU-Öko-Verordnung sieht keine prophylaktischen Dioxin-Tests bei Futtermitteln vor. Bei Bioland ist dies der Fall. Naturland schreibt bei besonders gefährdeten Produkten, etwa intensiv getrockneten Rohstoffen, Dioxin-Analysen vor.

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