BIO FACH - Schrot und Korn

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BIO FACH

Überraschender Zuwachs im Jubiläumsjahr

Nürnberg rief - und alle kamen. Nach Angaben der Messeleitung legte die diesjährige BIO FACH um 6,1 Prozent an Besuchern zu. 21.750 Einzelhändler, Einkäufer und internationale Geschäftsleute nutzten die weltgrößte Präsentation von Naturkost/Naturwaren zur Information, Kontaktpflege und ganz konkreten Lieferverträgen.

Damit war die bange Frage, ob denn die Messe zu ihrem zehnten Geburtstag am neuen Standort genauso angenommen werde wie in den Vorjahren in Frankfurt am Main, mit einem klaren Ja beantwortet. Selbst Optimisten hatten mit diesem Erfolg nicht gerechnet.

Naturkost wächst. In den letzten zehn Jahren haben sich auch die Umsätze vervielfacht. Das wirkt sich auch auf die Arbeitsplätze aus. Während im konventionellen Bereich Stellen durch immer gigantischere Fusionen und Aufkäufe verloren gehen, fanden bei Naturwarenherstellern zehnmal mehr Menschen einen Arbeitsplatz als 1988.

Weil der Markt so attraktiv ist, beherrschte vor allem ein Thema das Veranstaltungsprogramm (mit 125 Vorträgen in vier Tagen) und die Gespräche an den 1.230 Ständen : Die Einführung des einheitlichen Öko-Prüfzeichens, das als Startschuß für eine massive Imagekampagne großer Handelsketten zugunsten von Naturkost gilt (siehe Artikel auf Seite 57).

Ein klares Bio-Bekenntnis kam von Dario Fo. Der Literatur-Nobelpreisträger, der leider verhindert war, schrieb seinen italienischen Landsleuten eine Grußbotschaft, in der er die Gentechnik unmißverständlich verurteilte (Italien war Schwerpunktland und schickte 220 Aussteller).

Eine Premiere erlebte bei der zehnten BIO FACH der Rebensaft. Weil die Messe schon seit Jahren Ökowinzer aus aller Welt anlockt, wurde erstmals der Bio-Wein des Jahres gekürt. Und das gleich viermal, denn man setzt auf eine neue Weinsprache, die auch dem Laien verständlich ist. Sie arbeitet mit den Kategorien Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Nur dreimal vergaben die Juroren dagegen den werbewirksamen Titel "Produkt des Jahres". Sieger war der erste ökologische Bitter-Lemon-Drink (Bio-Zisch von der Firma Voelkel). Den zweiten Preis erhielt Zwergenwiese für die vegetarischen Brotaufstriche, die komplett auf Bio-Hefe umgestellt wurden. Und die Bäckerei Hörtling durfte für ihren tiefgekühlten Lauchkuchen den dritten Preis entgegennehmen.

Peter Gutting

Im Internet

Datenbank für gentechfreie Produkte

Wer als Landwirt oder Verarbeiter auf Gentechnik verzichten will, hat es künftig leichter. In einer weltweit bisher einzigartigen Datenbank kann jedermann erfahren, wo gentechfreie Ware zu beziehen ist. Das Projekt wird von der neugegründeten Arbeitsgemeinschaft für Lebensmittel ohne Gentechnik betrieben, die von verschiedenen Öko-Verbänden ins Leben gerufen wurde. Auch Verbraucher werden hier wichtige Informationen finden, denn die Datenbank soll mit den Seiten von Transgen verknüpft werden, dem Internet-Angebot der Verbraucher Initiative (http://www.transgen.de). Um eine möglichst große Nachfrage nach gentechfreien Lebensmitteln zu erzeugen, spricht die Datenbank gleichermaßen ökologische und konventionelle Unternehmen an. Informationen über das Projekt finden sich unter der Adresse http://home.t-online.de/home/food.media/alog.htm. Die eigentliche Datensammlung wird im Laufe dieses Jahres ins Netz gestellt, ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Gütesiegel verliehen

Durchbruch für "grünes Holz"

Erstmals sind deutsche Forstbetriebe mit einem nationalen Ableger des weltweiten FSC-Holzsiegels ausgezeichnet worden. Die Förster der Staats- und Stadtwälder von Lübeck, Boppard, Göttingen, Mühlheim/Ruhr und Uelzen verpflichteten sich, den Wald nach strengen ökologischen und sozialen Kriterien zu bewirtschaften. Entwickelt wurde das Konzept von den Verbänden Greenpeace, BUND, Robin Wood und Naturland. Sie haben sich in der Arbeitsgruppe Deutschland des FSC (Forest Stewardship Council/ Weltforstrat) zusammengeschlossen. Die Verbände rechnen in diesem Jahr mit einem Durchbruch für Holz aus zertifiziert ökologischer Forstwirtschaft. Derzeit warten 20.00 Hektar Kommunalwald in Rheinland-Pfalz auf das grüne Etikett, später sollen alle 400.000 Hektar des Bundeslandes das Siegel erhalten. Auch die gesamten Waldflächen von Schleswig-Holstein und dem Saarland sind für eine Bewirtschaftung gemäß den deutschen FSC-Richtlinien vorgesehen.

Franzosen begeistert

Autofreier Tag in ganz Europa?

Die Franzosen sind begeistert von autofreien Tagen. Aufgrund der guten Erfahrungen bei einer Aktion im Vorjahr hat sich die französische Umweltministerin Dominique Voynet bei ihren Kolleginnen und Kollegen erkundigt, wer 1999 mitmachen würde. Aus Dänemark, Spanien, Luxemburg, Österreich und Italien liegen Zusagen vor, aus Deutschland (noch?) nicht. Am 22. September 1998 sperrten 35 Kommunen in Frankreich ganze Stadtviertel für Autos und senkten die Fahrpreise für Bus und Bahn oder ließen die Bürger sogar umsonst fahren. In Paris zum Beispiel war es ruhig wie im Ferienmonat August. Die Luftqualität verbesserte sich und die Lärmbelästigung sank um 75 Prozent. Die Bürger reagierten begeistert. 85 Prozent finden den autofreien Tag toll, 56 Prozent wollen eine Wiederholung jede Woche.

Freisetzungsversuche

Öko-Winzer protestieren gegen Genwein

Gegen die ersten Freisetzungsversuche mit genmanipulierten Weinreben haben Winzer in Franken protestiert. Vom Sommer an will das Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof auf dem Würzburger Pfaffenberg 375 transgene Rebstöcke der Sorte Riesling anpflanzen. Eine gleiche Anzahl ist im pfälzischen Siebeldingen vorgesehen. Naturschutz-Organisationen kritisieren das Vorhaben als "Anschlag auf die Weinkultur". Die manipulierten Weinstöcke sollen resistent gegen den Befall mit Pilzen sein, insbesondere gegen Mehltau und Grauschimmel. Daß sich der Genwein durch Windbestäubung auf benachbarte Reben ausbreiten kann, bestreiten selbst die Befürworter nicht. Darüber hinaus warnen Kritiker wie der Bund Naturschutz in Bayern davor, daß sich die Erreger besonders rasch anpassen, wenn die Resistenzeigenschaft der Pflanze nur auf ein oder zwei Genen beruht. Im fränkischen Weinland stößt das Projekt nicht nur bei Ökowinzern auf Widerstand. Der Geschäftsführer der Fränkischen Gebiets-Winzergenossenschaft, Helmut Schätzlein, lehnte die Freisetzungsversuche im Namen von 2.500 Winzerfamilien aus prinziiellen Gründen ab.

In Frankreich und Österreich

Handelsgruppen werfen Gen-Food aus dem Regal

In Frankreich hat die Handelsgruppe Carrefour ihr gesamtes Lebensmittelsortiment auf gentechfreie Ware umgestellt. Sie reagiert damit auf den Wunsch der Verbraucher. 63 Prozent der Franzosen lehnen Genfood ab. Betroffen sind nach Angaben des SB-Warenhauskonzerns 516 von 1.783 Lebensmittelprodukten, die Carrefour unter einer eigenen Marke in seinen Supermärkten verkauft. Bei 286 der insgesamt 516 betroffenen Lebensmittel ersetzte das Unternehmen problematische Inhaltsstoffe durch solche, die zur Zeit in Frankreich genetisch nicht verändert werden dürfen: Sojaöl etwa durch Sonnenblumenöl, Glucosesirup auf Mais-Basis durch Zucker. Wo dies nicht möglich war, verpflichtete man die Hersteller zu einem lückenlosen Nachweis, keine transgenen Substanzen zu verwenden (212 Produkte). Neun Carrefour-Produkte flogen ganz aus dem Sortiment. Ein weiterer Vorstoß in dieser Richtung kommt aus Österreich. Dort hat Spar beschlossen, seine gesamte Bio-Linie Natur pur als garantiert gentechnikfrei zu kennzeichnen.

In Hamburg

Erste Wasserstoff-Tankstelle in Betrieb

Die erste öffentliche Wasserstoff-Tankstelle Europas ist in Hamburg in Betrieb gegangen. Hier rollen derzeit sechs Kleintransporter emissionsfrei durch die Stadt. Das Projekt wird von zwölf privaten und kommunalen Hamburger Unternehmen getragen, unter anderem von den Hamburgischen Electricitäts-Werken, der Landesbank, Mannesmann und der Deutschen Shell. Eine Tankfüllung reicht für etwa 150 Kilometer, die Treibstoffkosten liegen nach Angaben der Betreiber mit 22 Pfennig pro Kilometer nur sieben Pfennige über dem Preis von Dieselkraftstoff. Nach Auskunft von Heinz Gretz, Vorstandsmitglied der Hamburger Wasserstoffgesellschaft, läßt sich das neue Antriebsmittel unbegrenzt herstellen und kann in fast jedem Bereich fossile Brennstoffe ersetzen. Da dadurch im Straßenverkehr sowohl Umweltgifte als auch das Treibhausgas Kohlendioxid vermieden würden, könne die Luftqualität in Ballungsgebieten entscheidend verbessert werden, sagte Gretz. Die Deutsche Shell rechnet damit, daß um das Jahr 2050 herum bis zu einem Viertel der Weltenergieproduktion in Form von Wasserstoff zum Verbraucher kommt. Im April soll am Flughafen München eine ähnliche Tankstelle eröffnet werden.

Bestand verdoppelt

Seeadler vermehren sich wieder

Obwohl die Gefahr des Aussterbens immer noch nicht völlig gebannt ist, geht es den Seeadlern in Europa deutlich besser als vor 20 Jahren. Seit 1980 hat sich die Zahl der majestätischen Vögel verdoppelt. Allein in Deutschland ist ihre Zahl im Zeitraum von 1976 bis 1997 von 238 auf über 600 Vögel angestiegen. Diesen Erfolg gab der Naturschutzbund (NABU) bekannt. Drei Faktoren seien dafür maßgeblich, sagte Peter Hauff, Ornithologe und Vorstandsmitglied des NABU im Landesverband Mecklenburg-Vorpommern: die Abnahme der Pestizidbelastung seit den 70er Jahren, besondere Schutzmaßnahmen für Adlerhorste und der Erhalt alter Bäume, die dem Seeadler als Horstplatz dienen. Bis zum Jahr 2000 rechnet Hauff mit mehr als 700 brütenden Seeadlern in Deutschland.

Internationaler Verband gegründet

Naturtextil strickt dicken Strang

Mehr Transparenz für den Verbraucher - das ist das Ziel des neugegründeten Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft e. V. Die 60 beteiligten Firmen und Institutionen wollen dem "Dschungel" von Öko-Gütesiegeln ein Ende setzen. Ein einheitliches Label für Naturtextilien ist die erste gemeinsame Maßnahme der führenden Hersteller, Versender und Zulieferer der Branche. Darüber hinaus reagiert die Neugründung auf den "wachsenden wirtschaftlichen Druck" und die "Konzentrationsbestrebungen der konventionellen Versender", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Der Verband repräsentiert eine Wirtschaftskraft von einer halben Milliarde Mark. Er ging aus dem Arbeitskreis Naturtextil (AKN) hervor, der mit 16 Mitgliedern deutlich kleiner war. Mit von der Partie sind nun beispielsweise Hess natur, Panda, Waschbär, Green Cotton, Living Crafts und Engel.

SAMSolidam

Öko-Kinderzeitschrift macht weiter

Wieder optimistischer in die Zukunft blicken die Macher der ökologischen Kinderzeitschrift SAMSolidam. Nachdem im vergangenen Jahr noch das Aus drohte (siehe S&K 9/98), hat sich die finanzielle Lage soweit gebessert, daß für 1999 das Erscheinen gesichert scheint. Dennoch ist das Blatt für Neun- bis 13jährige, das von dem gemeinnützigen Verein Fremde Welten herausgegeben wird, weiterhin auf Spenden angewiesen. SAMsolidam möchte eine Mischung aus Information und Spaß bieten. Das vierteljährlich erscheinende Heft bietet Einblicke in fremde Lebenswelten anhand von Schwerpunktthemen. In diesem Jahr erscheinen die Hefte "Kleidung" (seit März erhältlich), "Streit und Schlimmeres", "Kinder aus Ost und West" sowie "Lernen fürs Leben". Kontakt und Bestelladresse: SAMsolidam Aboverwaltung, FSP-GmbH-Postvertrieb, Postfach 650747, 13307 Berlin.

Auf der Kippe

Leidenschaftliche Fleißarbeit

Nun ist es wissenschaftlich belegt: Küchenschaben sind ungewöhnlich schnell und können geschickt Hindernissen ausweichen. Diese Erkenntnis ist der Hebrew Universität in Jerusalem zu verdanken. Wie das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist berichtet, haben die Forscher eine Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde bei den Versuchstieren beobachtet. Auf einem eigens angelegten Zickzack-Parcour änderten die Schaben bis zu 25mal pro Sekunde die Richtung.

Dabei orientieren sich die Insekten nicht durch ihre Sehkraft sondern durch ihre Tastorgane. Diese Weisheit gewannen die Forscher dadurch, daß sie den Schaben bei weiteren Versuchen die Augen verklebten oder die Fühler kappten.

Bio-Inside

Wer statt mit dem Auto mit der Straßenbahn fährt, tut etwas für die Umwelt - besonders in Karlsruhe. Denn hier rollen die "Elektrischen" mit Sonnenkraft durch die Stadt - zu einem vorerst kleinen Teil wenigstens.

Wie das funktioniert, kann man sich auf den Web-Seiten der Stadtwerke ansehen (http://www.zkmsolar.karlsruhe.de). Als tausend Quadratmeter großes Sonnenkraftwerk dient das Dach des Zentrums für Kunst und Medientechnologie, das im Jahr 90.000 Kilowattstunden Strom produziert. Die technische Herausforderung dabei: Die Solarmodule sind direkt mit dem Hochspannungssystem der Verkehrsbetriebe gekoppelt. Dadurch entfallen die Verluste, die sonst mit der Umwandlung von Gleichstrom in Wechselstrom verbunden sind. Die Stadtwerke und die beteiligten Wissenschaftler versprechen sich davon sich eine kostengünstigere und effektivere "Ernte", als dies bei einer Einspeisung ins Wechselstromnetz möglich wäre. Falls alles funktioniert wie geplant, sparen die Straßenbahnen jährlich 36 Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Wie erfolgreich das Konzept ist, können Internet-Nutzer in beliebigen Abständen verfolgen. Die aktuelle Leistung wird halbstündlich aktualisiert.

Erschienen in Ausgabe 04/1999
Rubrik: Leben&Umwelt

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