Bio setzt Zeichen - Schrot und Korn

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Bio setzt Zeichen

Einheitliches Öko-Label kommt

Bio setzt Zeichen

Die ökologische Landwirtschaft muß schnell wachsen - da sind sich "grüne" Politiker, Bauern, Verbände und Bürger einig. In den letzten Jahren wuchs das Bio-Angebot aber schneller als die Nachfrage - mit zum Teil verheerenden Auswirkungen für die Bauern. Ein neues Öko-Prüfzeichen soll Vertrauen schaffen - damit der deutsche Naturkost-Markt für Naturkost ähnlich explosiv wächst wie der in Österreich, Dänemark oder der Schweiz.

Der Werdegang von erfolgreichen Ideen ist meist der: Erst werden sie ignoriert, dann bekämpft und schließlich kopiert. Biologische Landwirtschaft und Naturkost gehören nun zu den kopierfähigen Ideen. Denn nachdem die Bauernverbände "bio" jahrzehntelang bekämpften, wollen sie beim erhofften Bio-Boom dabei sein. Und auch die Supermarkt-Ketten, die "Naturkost" größtenteils auf Sparflamme kochten, haben plötzlich Appetit. Eine Betstätigung Kompliment an die Pioniere auf dem Bio-Feld und im Naturkost-Laden.

Motor für den steigenden Bio-Absatz soll ein einheitliches Öko-Prüfzeichen sein - Träger sind CMA und AGÖL - das unter dem Druck der Handelsriesen und der immer größer werdenden Absatz-Not der Erzeuger auf den Weg gebracht wird.

Die Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft in der EU war in den letzten Jahren durch staatliche Eingriffe geprägt. So erhielten Bauern relativ hohe Prämien, wenn sie auf "bio" umstellten. Das Angebot wuchs schnell - schneller als die staatlich nicht geförderte Nachfrage. Denn die traditionellen Absatzwege der Bio-Bauern - Ab-Hof-Verkauf, Naturkostläden, Reformhäuser, Bäcker … - konnten nur einen Teil der Angebotswelle absetzen. Damit gingen die Preise für viele Bio-Bauern stark zurück, denn auch die Supermärkte hatten nicht genug Erfolg mit "bio".

Es gab zwar einige wenige Ausnahmen unter den Handelsketten, wie Tengelmann oder dm, die seit Mitte der 80er Jahre in ihre Bio-Eigenmarken Naturkind und Alnatura investierten. Aber die meisten Konzerne setzten lange auf normale Produkte, die durch Outfit und kreative Namen einen Bio-Touch bekamen. Erst ab Mitte der 90er Jahre entdeckten deutsche Handelsketten den Charme der Naturkost - und schufen für beträchtliche Summen eigene Bio-Marken (ein Beispiel ist Rewe mit Füllhorn). Allerdings hielt sich der Erfolg in Grenzen - verglichen mit dem bewunderten Bio-Boom in Österreich, Dänemark oder der Schweiz.

Denn zum Leidwesen des Handels gelang es nicht, die Verbraucher in Mengen zum Umstieg auf "bio" oder zum Wechsel der Einkaufsstätte zu motivieren. Es war ja auch unglaubwürdig, daß ausgerechnet die Firmen, die gestern Pseudo-Bio anboten, die ständig in Lebensmittelskandale verwickelt sind, deren Hauptwerbeargument niedrige Preise sind, plötzlich bei "bio" Qualität über Gewinn setzen.

Dazu kommt der Zeichendschungel auf dem deutschen Markt - je nach Zählweise 80 oder 120 Marken, Siegel, Vermerke, Verbandsnamen und Zeichen, die Verbrauchern signalisieren sollen: Hier ist "bio" drin.

Dieses Mißtrauen ist ein wichtiger Grund dafür, daß Verbraucher in Befragungen immer wieder beteuerten, daß sie gerne "bio" kaufen würden, beim Einkauf aber meist einen großen Bogen um die teurere Alternative machten. Und umwelt- und gesundheitsbewußte Menschen kauften weiterhin lieber in Naturkostläden oder beim Bauern, wo sie mehr Vertrauen in Qualität und Ehrlichkeit hatten.

Es dauerte nicht lange, bis die Handelsketten erkannten, daß Grundlage des enormen Wachstums von "bio" in den Nachbarländern ein verläßliches, oft staatliches, Prüfsiegel ist. Also unterstützten auch sie plötzlich die Forderungen von Verbraucherverbänden, Marktforschern und vielen Bauern nach einem gemeinsamen Zeichen für alle Öko-Produkte. Diesem vereinten Druck geben AGÖL (Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau) und CMA (Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft) schließlich nach - auf der "Grünen Woche 1999" wurde ein Kooperationsvertrag unterschrieben.

Gemäß diesem Vertrag sollen ÖPZ-Produkte einen hohen Qualitäts-Standard haben. Sowohl bei landwirtschaftlichen Rohstoffen als auch bei Verarbeitung sollen ähnliche Richtlinien gelten wie bei Bioland, Naturland, den anderen Anbauverbänden der AGÖL und einigen Naturkost-Herstellern - von den besonderen Anforderungen bei Demeter einmal abgesehen.

Trotz der Einigung zwischen AGÖL und CMA treffen allerdings sehr unterschiedliche Interessen aufeinander: Einerseits die Anbau-Verbände, die in jahrzehntelanger Arbeit entwickelte und bewährte Standards des ökologischen Landbaus (und Profilierungsmöglichkeiten gegenüber Wettbewerbern in In- und Ausland) bewahren wollen. Andererseits die Notwendigkeit der Handelsketten, möglichst rationell große Warenmengen in standardisierter Qualität anbieten zu können.

Wie sich diese Standpunkte vereinbaren lassen, fragen die Skeptiker bei den Öko-Verbänden. Sie befürchten, daß das ÖPZ den Marken wie Bioland oder Naturland das Wasser abgräbt und die finanzielle Situation der Pionier-Verbände des Ökolandbaus sich drastisch verschlechtert.

Wenn es gelingt, diese Schwierigkeiten zu beseitigen, startet eine Kampagne, für die die Bio-Bewegung nie das Geld hatte. "Es wäre ideal, das Zeichen in der TV-Werbung bekannt zu machen", meint Karsten Ziebell, der für die CMA das Projekt koordiniert. Dafür reichen zwar die fünf Millionen Mark, die die CMA in drei Jahren lockermacht, nicht. Es werden jedoch weitere Millionen hinzukommen - aus den Bundesländern, den Werbetöpfen der Handelsriesen und den Lizenzgebühren.

Und nun setzen sie also zum Sprint an - vor allem Rewe (Füllhorn), Metro (Grünes Land) und die regionale Kette tegut (Fulda) hätten großes Interesse an dem Zeichen signalisiert, teilte die CMA auf der BIO FACH-Messe mit.

Freilich: Entschieden ist weder die konkrete Werbestrategie noch der Start der Kampagne. Insider gehen davon aus, daß im Spätherbst die Prüfzeichen auf den Waren prangen. Der Zeitpunkt bietet sich auch deshalb an, weil die Supermärkte unmittelbar nach der Ernte eine ganze Fülle von ÖPZ-besiegelten Frischeprodukten präsentieren könnten.

Das Zeichen verändert natürlich auch die Situation im Naturkost-Handel. Allerdings wird viel davon abhängen, wie verläßlich das ÖPZ sein wird. Manche Naturkost-Hersteller lehnten auf der BIO FACH in einer ersten Reaktion das Prüfsiegel ab. Andere versprechen sich neue Chancen, waren sich aber über ihr konkretes Vorgehen noch unklar.

Viele Naturkostläden würden ein solches Zeichen begrüßen, wenn es wirklich für hohe Qualität stünde und allgemein bekannt gemacht wird. Sie müßten dann potentielle neue Kunden nicht erst davon überzeugen, daß ihr Bio-Angebot wirklich verläßlich ist. Im Gegensatz zu den noch relativ wenigen Bio-Produkten in den Regalen der Supermärkte könnte ein Naturkostladen stolz mit seinem ungleich breiteren Sortiment werben.

Ein für hohe Qualität stehendes ÖPZ könnte tatsächlich zu mehr Vertrauen bei den Verbrauchern führen und die Werbung das Verbraucherinteresse stärken. Und könnte den erhofften Bio-Boom auslösen, von dem alle ernsthaft an "bio" Interessierten profitieren: Bauern, Verarbeiter, Handel, Verbraucher - und die Umwelt.

Ronald Steinmeyer


IFOAM-Zeichen garantiert Bio-Qualität weltweit

Die Bio-Zeichen vermehren sich weiter. Neben dem einheitlichen deutschen Logo wurde auf der BIO FACH-Messe ein weltweites Zeichen vorgestellt. Außerdem ist ein EU-Label in Vorbereitung.

Doch die neuen Zeichen sollen die vorhandene Unübersichtlichkeit verringern. Das Welt-Zeichen des Internationalen Dachverbandes IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements) hat einen anderen Schwerpunkt als das deutsche Ökoprüfzeichen (ÖPZ). Die IFOAM, die für die internationalen Bio-Mindeststandards zuständig ist, bewertet damit eine Serviceleistung: nämlich die des Zertifizierers, der die Einhaltung der jeweiligen Verbandsrichtlinien kontrolliert. "IFOAM accredited", so der Schriftzug des Logos, gibt indirekt allerdings auch Auskunft über die Qualität der Produkte. Somit ist das Zeichen für den Endverbraucher interessant - besonders bei ausländischen Produkten, bei denen man die Anbauverbände nicht so gut kennt.

Eher eine Konkurrenz für das deutsche ÖPZ könnte das EU-Label werden, dessen Zukunft allerdings noch unklar ist.

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