Info - Schrot und Korn

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Auf der Kippe

Ein Kühlschrank denkt mit

Wer ungern haushält und einkauft, kann demnächst die Arbeit an einen digitalen Helfer delegieren. Jedenfalls soll der "Künstliche Intelligenz Kühlschrank", kurz KIK, selbständig erkennen, wann einzelne Lebensmittel zur Neige gehen oder das Verfallsdatum naht. Doch das ist nicht alles. Per Internet ordert die Maschine, eine Neuentwicklung der Firma mediaCenter in Friedrichshafen, auch ganz von allein Nachschub, sofern ein entsprechender Lieferservice in der Nähe ist. Sein "Wissen" holt sich KIK durch winzige Funketiketten, die an den Produkten vorm Hineinstellen in den Kühlschrank angebracht werden.

Babynahrung
Bedenklicher Vitaminstoß

Babynahrung muß spätestens ab 1. Juli 1999 künstliche Vitamine enthalten. Das betrifft auch Produkte aus ökologischem Anbau, selbst wenn sich der künstliche Zusatz weder mit den Grundsätzen der Vollwerternährung noch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen verträgt.

Aber die EU-Kommission in Brüssel will es so - trotz aller Kritik, die hinter vorgehaltener Hand sogar als berechtigt angesehen wird. Die Bürokraten haben bereits 1996 in einer Richtlinie festgelegt, daß Nahrungsmittel für Säuglinge ab fünf Monaten und Kleinkinder bis zu drei Jahren in Zukunft bestimmte Mindestgehalte an Vitaminen und Höchstmengen an Fett oder Kohlehydraten aufweisen müssen.

Weil sich die vorgeschriebenen Werte durch den natürlichen Vitamingehalt der Rohwaren nicht erreichen lassen, muß bei Getreidebrei und ähnlichen Produkten das Vitamin B1 (Thiamin) zugegeben werden. Bei Frucht- und Gemüsesäften sind es die Vitamine A und C. Wissenschaftler halten dies für überflüssig. Nach Auffassung des Forschungsinstitutes für Kinderernährung reicht der B-1-Gehalt in den bisherigen Vollwerterzeugnissen vollkommen aus.

Die Verbände AGÖL (Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau) und BNN (Bundesverbände Naturkost Naturwaren) lehnen die Verwendung künstlicher Vitamine weiterhin ab, sind aber gezwungen, sich an die Gesetze zu halten und werden deshalb für ihre Mitglieder den Einsatz in diesem Bereich ausnahmsweise zulassen

Bereits zum 30. September 1997 hätte die Bundesrepublik die EU-Richtlinie in nationales Recht umsetzen müssen. In Verhandlungen ist es gelungen, die Umstellungsfrist auf den 1. Juli 1999 zu verlängern. Zudem dürfen die bis dahin hergestellten Produkte ohne künstliche Zusätze bis zum Ende ihres Haltbarkeitsdatums verkauft werden. Die verbleibende Zeit nutzen alle Hersteller, um Rezepturen und Verpackungen auf die neuen Anforderungen umzustellen. Wie lange diese in Kraft bleiben, ist ungewiß. Da die wissenschaftliche Kritik an den EU-Werten wächst, soll die Richtlinie voraussichtlich bis zum Jahr 2002 wieder geändert werden.

Leo Frühschütz

Grüne Woche in Berlin
Großer Run auf Bio-Markt

Bio wächst - das gilt auch für die Grüne Woche. Auf der Messe in Berlin ist der Bio-Markt dieses Jahr (22. bis 31. Januar) in einer um 50 Prozent größeren Halle untergebracht. Vertreten sind auf 1.500 Quadratmetern unter anderem mehr als 50 bedeutende Hersteller der Naturkostbranche sowie Gemeinschaftsstände der Anbauverbände. Deren Dachverband AGÖL veranstaltet am 29. Januar den "Tag des ökologischen Landbaus": mit einem Agrarpolitischen Gespräch zur neuen EU-Politik (10 -12.30 Uhr), einer Fachtagung "Lebensmittel ohne Gentechnik" (14.30 bis 17.30) und einem geselligen "Hallenabend".

Bedenkliche Werte
Pilzgifte in Mais und Weizen

Eine bislang wenig beachtete Gattung von Pilzgiften macht Schlagzeilen: Fusarien-Toxine in Weizen und Mais. Aufgrund seiner sorgfältigen Bodenbearbeitung ist der ökologische Landbau davon aber nicht im gleichen Maß betroffen wie die konventionelle Landwirtschaft.

Die gesundheitsschädlichen Pilzgifte wurden in dieser Ernte teilweise in bedenklich hohen Konzentrationen gemessen. Verantwortlich ist dafür vor allem das regnerische Wetter, verschärfend kommen Fehler bei Fruchtfolge und Ackerbau hinzu.

Die Wissenschaft geht davon aus, daß man nicht mehr als ein bis drei Mikrogramm der Pilzgifte pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag zu sich nehmen sollte. Einzelne Proben von Weizen und Maisgrieß - andere Getreide sind nicht betroffen - waren jedoch so hoch, daß sich Experten der Bayerischen Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau (LBP) und des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) besorgt zu dem Thema äußerten. Die Spitzenwerte lagen bei 7.000 und 10.000 Mikrogramm pro Kilo Weizen beziehungsweise Maisgrieß. Würde jemand ein Kilo Brot mit diesem Weizen essen, so nähme er an diesem Tag etwa das 30fache der empfohlenen Höchstmenge auf. Aufgrund der Mischung mit anderen, in der Regel um den Faktor zehn minder belasteten Chargen gebe es zwar keine akute Gesundheitsgefahr, argumentieren die Analytiker.

Sie halten jedoch eine systematische Überwachung sowie eine verbesserte landwirtschaftliche Praxis für angezeigt. Wenn nämlich vor dem Weizen Mais angebaut wird und die Reste nach der Ernte nicht untergepflügt werden, ist der Pilzbefall deutlich höher.

Beim Mais bereitet ein anderes Gift aus der Gruppe der Fusarien Sorgen: die "Fumonisinen". Diese Art der Pilzgifte steht unter Verdacht, Speiseröhren- und Leberkrebs auszulösen. Fumonisine lassen sich nach einem Bericht des BgVV in Maismehl und Polenta, aber auch in Cornflakes und Flips nachweisen.

Bei Gemüsemais gibt es nach Auskunft eines BgVV-Sprechers keine Probleme. Dies könne dafür sprechen, daß es erst bei Lagerung und Verarbeitung zu einer bedenklichen Vermehrung der Pilzgifte komme. Welche Konsequenzen aus dem erst jetzt entdeckten Problem zu ziehen sind, will das BgVV nach Auswertung einer aktuellen Studie beurteilen.

Akupunktur
Per Mausklick zum nächsten Arzt

Mehr als 74 Prozent der Deutschen würden sich einer Akupunkturbehandlung unterziehen. Das ergab eine Untersuchung der SEIRIN-Stiftung. Mittlerweile gibt es fast 20.000 Mediziner, die diese Therapieform anbieten. Trotzdem ist es für Patienten nicht einfach, einen Akupunktur-Arzt zu finden. Denn immer noch ist es den Medizinern untersagt, auf ihrem Praxisschild darauf aufmerksam zu machen. Damit man die Experten dennoch findet, gibt es im Internet jetzt eine Datenbank unter der Adresse: http:www.akupunktur.de. Hier kann man durch Eingabe der Postleitzahl den Arzt in der Nähe finden.

Einheitliches Biozeichen
Öko-Verbände geben Weg frei

Trotz schwieriger Verhandlungen und langwieriger Debatten ist die Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (AGÖL) optimistisch: Der Dachverband gibt grünes Licht für ein einheitliches Ökozeichen. Das Gütesiegel soll in Zusammenarbeit mit der Centralen Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) eingeführt werden. Es würde vor allem dem Verkauf von Bio-Produkten in konventionellen Supermärkten zugute kommen. Wie verschiedene Studien nachgewiesen haben, sind diese Verbraucher noch nicht ausreichend über die geschützte Qualität von Bio informiert.

In Naturkost-Fachgeschäften dagegen sind den Kunden die Prüfzeichen der ökologischen Anbauverbände hinreichend bekannt, auch wenn jeder Anbauverband sein eigenes Siegel hat: Anog, Bioland, Biopark, Biokreis Ostbayern, Demeter, Ecovin, Gäa, Naturland und Ökosiegel.

Bei ihrer jüngsten Mitgliederversammlung gaben diese Verbände nun den Weg frei für das einheitliche Zeichen, das zusätzlich zum jeweiligen Verbands-Label auf die Bio-Qualität hinweisen soll.

Müllberge wachsen
Erstmals deutsches Mineralwasser in Plastikflaschen

Die Plastik-Lobby versucht, die umstrittenen PET-Flaschen salonfähig zu machen. Sogar Bier soll es demächst in Plastik geben. Den Startschuß machte Marktführer Gerolsteiner. Die Firma investierte rund 100 Millionen Mark, um die PET-Mehrwegflasche in den Handel zu bringen.

Zwar handelt es sich zunächst um einen Alleingang des Branchenriesen, doch plant auch die Genossenschaft Deutscher Brunnen eine solche Flasche, die dann wie die Standard-Glasflasche allen angeschlossenen Firmen zur Verfügung stünde.

Als "verkappte Einwegflasche im Pseudo-Kreislauf" kritisierte die Umweltorganisation BUND die Offensive von Gerolsteiner. Der Verdrängungskampf gefährde die kleineren, regionalen Mineralwasserbrunnen sowie deren Arbeitsplätze. Die PET-Flasche von Gerolsteiner lande nach nur fünf Umläufen auf dem Müll und sei darum keine echte Mehrwegflasche, sagte BUND-Abfallexperte Walter Jungbauer. Im Endeffekt werde mit dem Vorstoß auch die Einwegflasche aus Plastik hoffähig gemacht. Eine solche Umstellung der Mehrwegsysteme auf PET-Einweg würde zu rund 288.000 Tonnen mehr Kunststoffmüll führen - ein Plus von 35 Prozent.

Das schreckt offensichtlich die Karlsberg-Brauerei nicht. Sie füllt als erste Bier in die Plastikflasche - zunächst auf einem Testmarkt in Ost-Frankreich.

In zwei Jahren auf dem Markt?
Neuer Speicher für Solarenergie

Im Sommer Sonne tanken, im Winter damit heizen: Das macht ein neuartiger Speicher möglich, der in zwei Jahren auf den Markt kommen soll. Das Labormodell wurde von der UFE Solar GmbH in Eberswalde zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme entwickelt. Der sogenannte Sorptionsspeicher rette die per Sonnenkollektoren produzierte Wärmeenergie ohne Verlust in den Winter, sagte Projektleiter Walter Mittelbach.

Die in jeden Keller passende Anlage speichere Wärme nicht fühlbar, sondern sozusagen versteckt in Form von Bindungsenergie. Die Wärme werde bei der Anlagerung von Wasser - der Adsorption - frei. Gegenüber herkömmlichen Speichern könne das Gerät eine vier- bis fünffache Energiedichte erreichen und die Wärme verlustfrei über Monate speichern, erläuterte der Projektleiter. Nach seinen Angaben kann der Speicher 90 Prozent des Heizbedarfs eines Niedrigenergiehauses decken. Das würde der thermischen Solartechnik völlig neue Perspektiven eröffnen. (Lesen Sie dazu auch den Artikel auf Seite 28).

Änderungen teilweise schon im Januar
Mehrwegsystem für Gläschen läuft aus

Das brancheneigene Mehrwegsystem der Arbeitsgemeinschaft für Abfallvermeidung (AFA) läuft 1999 aus. Schon im Januar ergeben sich für die Kunden Änderungen, zumindest in einigen Geschäften. So wird zum Teil kein Pfand mehr auf die Gläser erhoben. Der Fachhandel nimmt jedoch alle Verpackungen, die das Siegel mit der Aufschrift "Naturkost fördert Mehrweg" tragen, bis Ende des Jahres zurück. Wenn dafür Pfand erhoben wurde, wird es selbstverständlich zurückgezahlt. Betroffen sind vor allem Verpackungen für Brotaufstriche, konservierte Gemüse, Nußmuse, Gemüsebrühe und ähnliches - allesamt zu erkennen an dem Signet auf dem Deckel. Bei Milch, Yoghurt und Getränken bleibt alles beim alten. Über die Gründe für das Ende des Systems, das vor drei Jahren eingeführt wurde, berichtet Schrot&Korn ausführlich in der Februar-Ausgabe.

Chlorverbindungen in Kerzen
Berichtigung

Die lila Kerze von Ilumina enthält doch halogenorganische Verbindungen. Wie die Zeitschrift Öko-Test mitteilt, hat die Firma dem beauftragten Prüfinstitut bestätigt, daß das Farbpigment violet 23 in der lila Kerze enthalten sei (siehe Artikel in der November-Ausgabe, Seite 43). Damit sei der Beweis erbracht, daß der schädliche Stoff verwendet werde. Dies gesteht auch Ilumina-Geschäftsführerin Heike Fischbach zu. Jedoch sei die Beigabe so gering, daß der Stoff unter der Nachweisgrenze liege. Dioxin, das ohne halogenorganische Verbindungen nicht entstehen kann, sei nicht nachweisbar gewesen. Es bestehe keinerlei gesundheitliche Gefahr, versichert Heike Fischbach. Inzwischen hat die Gütegemeinschaft Kerzen ein Verfahren eingeleitet, um für ihr RAL-Siegel folgende Vorschrift aufzunehmen: "Halogenorganische Verbindungen sind zu vermeiden". Welche Grenzwerte und Ausführungsbestimmungen dafür festgelegt werden, steht derzeit aber noch nicht fest.

BioInside

Was enthält mehr Carotin - 100 Gramm Mohrrüben oder dieselbe Menge getrockneter Aprikosen? Für ernährungsbewußte Menschen natürlich eine interessante Frage, aber nicht jeder hat solche Werte im Kopf. Einen schnellen Zugriff bietet in diesen Fällen das Infosystem Ernährung der Universität Hohenheim (http://www.uni-hohenheim.de/~wwwin140/info/info.htm). Die Wissenschaftler haben die Möglichkeiten elektronischer Datenbanken für den interessierten Laien sinnvoll aufbereitet und bieten jede Mengen Zahlen, die für den gesundheitsbewußten Alltag wichtig sein können. Was beispielsweise steckt in einer bestimmten Menge Vollkornbrot, Kartoffeln oder Schafskäse? Die Antwort kommt nach drei Mausklicks. Dabei wird die Menge der Inhaltsstoffe mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verglichen. So erfährt der "User" auf einen Blick, daß er etwa mit 100 Gramm Weintrauben seinen Tagesbedarf an Vitamin E zu sechs Prozent decken kann. Darüber hinaus informieren die in wissenschaftlicher Klarheit und Sachlichkeit aufgemachten Seiten in knappen Artikeln über alle wichtigen Fragen der Ernährung - von A- wie Alkohol bis Z wie Zusatzstoffe.

Publikationen

  • Unter dem Motto "Autoren spenden Texte für eine lebenswerte Umwelt" ist das Buch Wir Kinder dieser Erde (Heyne Verlag, 349 S., DM 15,-, ISBN 3-453-13670-5) entstanden. 38 Autoren wie Barbara Frischmuth und Herbert Rosendorfer haben für den Band kostenlos Erzählungen, Kurzprosatexte und Gedichte zum Thema Mensch, Natur und Umwelt zur Verfügung gestellt. Aus dem Verkauf jedes Exemplars gehen zwei Mark in Projekte, die sich dem Erhalt der Umwelt widmen.
  • Aktuelle Umweltmeßdaten liefert die CD-ROM "Ökobase Umweltatlas". Das geografische Informationssystem des Umweltbundesamtes erlaubt, in eine Deutschlandkarte hineinzuzoomen und lokale Umweltinfos abzurufen. Sie informiert über die Wasserqualität und Luftverschmutzung am Heimatort, Ansprechpartner in Sachen Umweltschutz, Müllverbrennungsanlagen und Deponien. Außerdem gibt's Hinweise auf lokale Entsorgungsmöglichkeiten, Förderprogramme und Beratungsstellen. Die CD-ROM kostet DM 30,- und kann bestellt werden bei der C. Hölter GmbH, Tel.: 02129/510-11, Fax: 51013
  • In einem aktuellen Info-Faltblatt geben der NABU (Naturschutzbund Deutschland) und der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) Tips und Hintergrundinformationen zum Einkauf naturnah erzeugter Lebensmittel aus der Region. Das Faltblatt Lebensmittel aus der Region - für die Region kann beim NABU Bundesverband, Tel.: 0228-97561-21, oder beim DVL, Tel.: 0981-9504-247, angefordert werden.
  • Selbstbestimmt älter werden - Wohnen, Pflege, Ernährung heißt der Ratgeber der Verbraucherverbände. Er informiert über verschiedene Wohnformen und deren Vor- und Nachteile, über ambulante und stationäre Pflegemöglichkeiten und über Ernährungsanforderungen älterer Menschen. Außerdem enthalten: Tips, Literaturhinweise, Adressen und Checklisten, für die Auswahl eines Pflegedienstes, einer Wohnform oder eines Anbieters von Essen auf Rädern. Der Ratgeber kostet 13,50 Mark (inkl. Porto und Versand) und kann gegen Rechnung bestellt werden beim AgV-Broschürendienst, Postfach 1116, 59930 Olsberg, Tel.: 02962-908647.
  • Wie man Wolkenformen und andere Himmelserscheinungen, das Verhalten von Vögeln, Insekten und Haustieren sowie Bauernregeln für eine Wetterprognose nutzt, erläutert Bernd Michels im Der immerwährende, ganzheitliche Natur- und Wetterkalender (BLV Verlag, 224 Seiten, ISBN 3-405-15408-1). Zu jedem Tag gibt es Hinweise auf Brauchtum, Schutzpatronen sowie typische Wetterlagen und Witterungstendenzen. Der Kalender kostet 19,90 Mark.

Termine

  • "Naturschutztage" von NABU und BUND in Radolfzell/Bodensee vom 3. bis 6. Januar. Info: T. 07551-67315
  • Informations- und Projekttage "Berufswunsch Gesundheitspraktiker/in" vom 15. bis 17. Januar '99 Nähe Nürnberg. Info: Deutsche Gesellschaft für Komplementärmedizin und Prävention, T. 09155-928459
  • 9. Reisepavillon - Marktplatz für anderes Reisen vom 15. bis 17. Januar '99 in Hannover/Raschplatz-Pavillon. S. Röder, T. 0511-1640333
  • Einführungskurs "Praxis der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise" vom 17. bis 23. Januar. T. 06155-84123
  • Einführungskurs in den ökologischen Weinbau vom 18. bis 22. Januar '99 in Altenkirchen/Westerwald. Kontakt: Evangelische Landjugendakademie, T. 02681-95160
  • Paracelsus-Messe - Die Welt der Gesundheit vom 22. bis 24. Januar '99 in Wiesbaden/Rhein-Main-Hallen. MCO Marketing, T. 0211-38600-0
  • Internationale Grüne Woche mit Bio Markt vom 22. bis 31. Januar '99 in Berlin. Info: PR- und Messeservice Rolf Mäder, T: 06634-919290
  • "Tag des Ökologischen Landbaus" am 29. Januar '99 im Rahmen der Internationalen Grünen Woche Berlin mit Fachtagung "Lebensmittel ohne Gentechnik. Anmeldung erforderlich, Kosten: DM 25,-. Info: AGÖL, Brandschneise 1, 64295 Darmstadt, Fax: 06155-2083

Grimms kritische Abrechnung mit geschwindelten Bio-Etiketten
Der Bio-Bluff

Nachdem sich Hans-Ulrich Grimm mit seinen vorangegangen Veröffentlichungen bereits einen Namen gemacht hat - und zwar als detektivischer Enthüller in Sachen Essen -, widmet er sich nun in seinem neusten Werk "Der Bio-Bluff" den Produkten mit ökologischem Anspruch. Dabei fordert er einen kritischeren Umgang mit Labels und Etiketten, die mit Begriffen wie "natürlich", "kontrolliert und integriert" oder "umweltgerecht" einen biologischen Ursprung vorgaukeln und die Verbraucherinnen und Verbraucher bewußt in die Irre führen.

Selbst bekennender Bio-Köstler, warnt Grimm in einprägsamen Beispielen davor, daß nicht alles Bio ist - und letztlich nicht sein kann, was sich Bio nennt. Der ehemalige Spiegel-Redakteur erzählt von riesigen Schwindeleien, die große Handelsketten beim Anpreisen ihrer angeblichen Naturwaren fabrizieren. Zuweilen gleicht die Dokumentation einer kriminalistischen Mafia-Story aus Lug, Trug und Korruption. Doch der Autor bleibt stets konkret und nennt die Übeltäter beim Namen: "Er verkaufte millionenfach Eier von freilaufenden Hühnern oder solchen in Bodenhaltung, und die Kunden von Kaufhof, von Rewe, Metro oder Karstadt erwarben sie in gutem Glauben an das Glück auf kleinen Höfen. Doch die glücklichen Hühner waren ein Phantom." Die Rede ist von Engelbert Homann, der "im November 1996 vom Amtsgericht in Rheine deshalb zu eineinhalb Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt wurde".

Aber Grimm spielt nicht nur Ankläger, er verweist auch auf globale Trends: "Der Eierschwindel ist ein Symptom, Ausdruck einer Situation der Lebensmittelbranche, in der die Wünsche der Kunden und die tatsächlichen Verhältnisse immer weiter auseinander klaffen." Zum Teil zeigt er Verständnis für Supermarktketten, die ebenfalls zum Opfer werden können, denn "in der komplizierten Welt der Warenströme ist es für einen Kaufhauskonzern schwierig, nachzuvollziehen, welchen Weg ein einzelnes Ei auf seiner Reise durch Europa zurückgelegt hat".

Bei dem Rundumschlag kommen allerdings die Lebensmitteltechnik und die Nahrungsindustrie nicht ungeschoren davon, "denn die Lebensmittelfabriken können mit der normalen Ernte, wie die Natur sie geschaffen hat, nicht viel anfangen". Und weiter: "In den Kunst-Küchen von Maggi, Knorr und Dr. Oetker können Zwiebeln und Karotten kaum verarbeitet werden: Dort braucht man Zwiebelpulver und Trockenkarotten."

Mario Spalj

Hans-Ulrich Grimm: Der Bio-Bluff. Der schöne Traum vom natürlichen Essen. Stuttgart/Leipzig (Hirzel Verlag), 1999.

Erschienen in Ausgabe 01/1999
Rubrik: Leben&Umwelt

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