Bio-Soja aus deutschen Landen, frisch auf den Tisch? Seit vergangenem Jahr ist das keine Utopie mehr. Am milden Oberrhein starteten Bio-Bauern den bislang größten Versuch, die sonnenverwöhnten Bohnen an das hiesige Klima zu gewöhnen. - Schrot und Korn

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Bio-Soja aus deutschen Landen, frisch auf den Tisch? Seit vergangenem Jahr ist das keine Utopie mehr. Am milden Oberrhein starteten Bio-Bauern den bislang größten Versuch, die sonnenverwöhnten Bohnen an das hiesige Klima zu gewöhnen.

Bio-Soja aus deutschen Landen ist keine Utopie

Bio-Soja aus deutschen Landen, frisch auf den Tisch? Seit vergangenem Jahr ist das keine Utopie mehr. Am milden Oberrhein starteten Bio-Bauern den bislang größten Versuch, die sonnenverwöhnten Bohnen an das hiesige Klima zu gewöhnen. Auf diese Weise soll eine gentechnische Verschmutzung verhindert werden. Weil in den USA Gen-Soja boomt, hat der Anbau in Deutschland Aktualität und Brisanz bekommen.

Um es vorwegzunehmen: Das Experiment am Oberrhein war ein voller Erfolg. Die Ernte des Vorjahrs brachte überdurchschnittlich gute Erträge. Mit den 140 Tonnen kann der Freiburger Tofu-Hersteller Life Food (Taifun), der Initiator des Projekts, bereits die Hälfte seines Jahresbedarfs decken. Ende April/Anfang Mai beginnt mit der zweiten Aussaat die nächste Runde. Und weil die Bauern so zufrieden sind, kommen in diesem Jahr drei neue Landwirte hinzu. Die gesamte Anbaufläche für Bio-Soja in der badischen Rheinebene steigt damit auf mehr als 100 Hektar.

Life-Food-Geschäftsführer Wolfgang Heck, der das Projekt initiierte, träumte schon lange von einem "Anbau in der Region". Den eigentlichen Anstoß gab jedoch der amerikanische Chemiegigant Monsanto mit seinem manipulierten Soja, das mit einem eingepflanzten Bakterien-Gen gegen das Totalherbizid "Round up" desselben Herstellers widerstandsfähig gemacht wurde (siehe auch S&K 11/96). Als einer der ersten erkannte Heck, welch gefährliche Welle seit Sommer 1996 auf den deutschen Naturkosthandel zurollt. "Wenn wir gentechnikfreie Lebensmittel garantieren wollen, müssen wir uns um die Erzeuger kümmern", lautet die Losung bei Taifun. Im konkreten Fall hieß das: Weg von den Importen aus Kanada, hin zu überschaubaren Strukturen. Zu anonym sind in Hecks Augen die Handelsbeziehungen über den großen Teich hinweg. Seine Horrorvision: Falls wirklich bei Anbau, Lagerung oder Transport einmal etwas schiefgehen sollte und eine gentechnische Verschmutzung in einem Bioprodukt aus Soja nachgewiesen würde, könnte man kaum nachvollziehen, wie es dazu kam.
Denn der Anteil von gentechnisch veränderten Bohnen aus den USA, wächst explosionsartig. Lag die transgene Ware 1996 noch bei 1,5 Prozent, so hatte sie ein Jahr später bereits 15 Prozent der US-Ernte erobert. Für dieses Jahr geht die Firma von einer weiteren kräftigen Steigerung aus.
Die Skepsis gegenüber den Importen richtet sich keineswegs gegen die früheren Lieferanten. "Natürlich gibt es in den USA und Kanada sehr gute Bio-Bauern", betont Heck. Ihm geht es um die Struktur. Weil ein überschaubares Netz persönlicher Kontakte fehlt, haben die Taifun-Leute bei der Übersee-Ware ganz einfach Sorge, wie sich der Soja-Markt entwickelt. Schließlich wollen die Freiburger ihren Hinweis "ohne Gensoja" auch langfristig aufs Etikett schreiben. Und: Durch die Umstellung hat das ganze Team mittlerweile einen viel direkteren Bezug zu dem Rohstoff. "Ich kann jetzt jederzeit aufs Feld gehen und mit den Bauern reden", verdeutlicht Heck den entscheidenden Vorteil beim heimischen Anbau Das gilt sowohl für die Äcker vor den Toren Freiburgs als auch für den regen Kontakt mit zwei anderen Taifun-Anbauprojekten in Südfrankreich und Ungarn. In der Gascogne wurden 1997 rund 100 Tonnen geerntet, der Jahresbedarf von Taifun liegt bei 300 Tonnen.

Aber funktioniert das überhaupt, die kälteempfindliche Pflanze in Deutschland zu kultivieren? Heck verweist auf die Zahlen des deutschen Soja-Förderrings. So wurde der Eiweißspender im Jahr 1994 immerhin auf 450 Hektar in mehreren Bundesländern angebaut, allerdings fast ausschließlich im konventionellen Bereich. Weil für konventionelle Ware die Weltmarktpreise inzwischen in den Keller gingen, lohnt sich der Anbau hierzulande kaum noch. Die Hoffnungen des Sojarings richten sich deshalb mehr auf Biobohnen, denn für gute und garantiert gentechnikfreie Qualität ist der umweltbewußte Verbraucher bereit, mehr zu zahlen. Zudem war das Angebot von Life Food so fair, daß sich die Sache für die Landwirte durchaus rechnete.
Zu kalt für das "Fleisch Asiens" ist Deutschland jedenfalls nicht. Schließlich gibt es weltweit mehr als 3 000 Sorten, da ist praktisch für jedes Klima und jeden Boden eine dabei. Freilich kommt es darauf an, eiweißspendende Sorten auszusuchen, sonst geht die Rechnung nicht auf. Dennoch wird selbst die "Toscana Deutschlands" niemals so hohe Erträge abwerfen wie die privilegierten Anbaugebiete der USA.

Und sonst keine Probleme? Doch, eine ausreichende Wasserzufuhr ist zum Beispiel das A und O. Dank der guten Böden in der Oberrheinebene kamen die "Taifun-Landwirte" bisher allerdings ohne Beregnung aus. Hecks Hauptsorge aber lag woanders: "Das Problem ist, saubere Ware zu bekommen". Bei schlechtem Erntewetter verschmieren deutsche Mähmaschinen die Bohnen, weil sie auf Getreide ausgelegt sind. Eigens eine Maschine für Soja zu kaufen (wie in den großen amerikanischen Anbaugebieten) ist bei den vergleichsweise geringen Mengen nicht drin.

Gebastelt wird an
einer Weltneuheit

Im vergangenen Jahr hatten die badischen Bio-Bauern aber Glück. Nach einem eher durchwachsenen Frühsommer gab's einen sensationellen September. Die Ernte fand bei herrlichem Wetter statt, und die zentrale Reinigung in der Dachswanger Mühle, auf die man sich vorher verständigt hatte, machte weit weniger Mühe als befürchtet. Für die Zukunft wollen die 30 Taifun-Leute, die 1997 als erster Betrieb in der "Umwelthauptstadt" Freiburg das ' ' Öko-Audit erhalten haben, das Problem mit der Sauberkeit noch tiefer an der Wurzel packen. Sie basteln an einer Weltneuheit, der Sojabohnen-Naßschälanlage. Die spart Energie und macht den Tofu-Spezialisten unabhängiger von den Launen des Wettergottes.

Im vergangenen Herbst war das wie gesagt kein Thema, da hatten alle Beteiligten Grund zum Strahlen. "Die Temperaturen brachten einen richtigen Schub für Menge und Qualität", freut sich Heck mit "seinen" Bauern. Sogar ohne den EU-Zuschuß von tausend Mark pro Hektar (der 1998 reduziert wird) wollen die Landwirte zwischen Pfalz und Markgräfler Land bei der Stange bleiben.
Eitel Sonnenschein also auch bei denen, für die die Bohne Neuland war. Andere brachten dagegen schon Erfahrungen mit, etwa aus der ökologischen Hühnerfutterproduktion zum Eigenbedarf. Tips und Erfahrungen wurden auf kurzen Wegen ausgetauscht, die ursprünglich vorgesehene externe Beratung war gar nicht nötig.

Das schließt individuelle Lösungen keineswegs aus. "Vor allem bei den Beikräutern ist jeder seinen eigenen Weg gegangen", berichtet Heck. Der eine wollte sein Feld picobello sauber halten und investierte 420 Mark Lohnkosten (pro Hektar) fürs Ausrupfen. Der andere sah den Wildwuchs lockerer und nahm eine gewisse Einbuße beim Ertrag in Kauf.

Keine Frage, der Druck durch die Beikräuter ist das zentrale Problem beim Biosoja-Anbau in deutschen Landen, eine Patentlösung gibt es nach Hecks Erfahrungen noch nicht. Wichtig ist das richtige Saatgut, die geeignete Fruchtfolge, ein sauberer Acker vor der Aussaat und rechtzeitiges Striegeln oder Eggen (mechanische Behandlungen mit der Maschine) im Frühstadium, wenn die Sojapflanzen noch nicht gekeimt sind. Die Erfahrungen am Oberrhein jedenfalls stimmen optimitisch.

Zusammen mit den Projekten in der Gascogne und in Ungarn ist Taifun mittlerweile völlig unabhängig von Übersee-Importen. Mehr noch: "Wir könnten die europäische Ware auch anderen Sojaverarbeitern anbieten", bestätigt Heck.
Peter Gutting

Kampf gegen Gen-Soja
längst nicht verloren

Immer wieder geistern Meldungen durch die Presse, daß die meisten konventionellen Lebensmittel, die Soja enthalten, bereits genmanipuliert seien. Dem ist aber nach dem Kenntnisstand von Greenpeace nicht so. Die Umweltschützer haben im Rahmen ihrer Aktion "Einkaufsnetz" eine Firmenliste erstellt, nach der der überwiegende Teil der Produkte (noch) gentechfrei ist. Zumindest versichern 200 Hersteller, daß sie derzeit keine Ware mit manipulierten Bestandteilen im Programm haben. Lediglich 15 Unternehmen wolten sich zu dem Thema nicht äußern. Bei ihnen läßt sich somit der Verdacht auf "Franken-Food" nicht von der Hand weisen. Allerdings schließen die Umweltschützer nicht aus, daß sich die Lage ändern könnte. Derzeit presche die Firma Nestlé gezielt mit dem Versuch vor, Gentech- Produkte salonfähig zu machen. Darüber hinaus stieß Greenpeace im Tierfutterbereich auf alarmierende Ergebnisse. Mehr als die Hälfte der Proben enthielt genverändertes Soja. Jedoch gibt es auch in der konventionellen Landwirtschaft Initiativen, auf Gen-Soja zu verzichten. Noch, so die Einschätzung von Greenpeace, ist der Kampf um gentechfreie Lebensmittel längst nicht verloren.

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