Revolverheld: „Plastikteller verbieten!“ - Schrot und Korn

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Revolverheld: „Plastikteller verbieten!“

Interview © Dennis Williamson/ bio verlag
Jakob Sinn und Johannes Strate von Revolverheld versuchen, Plastik so oft wie möglich zu vermeiden. © Dennis Williamson/ bio verlag

INTERVIEW Die Band Revolverheld engagiert sich schon lange für Umwelt und soziale Projekte. Jetzt kämpft sie gegen den Plastikwahn. Johannes Strate und Jakob Sinn verraten, warum, wie sie selbst Plastik vermeiden und was die Politik tun müsste.

Dienstagsnachmittags im Hamburger Stadtteil Hoheluft. Lange vor dem verabredeten Zeitpunkt kommt  Schlagzeuger Jakob Sinn ins Café. Wir entscheiden uns, draußen zu sitzen. Wenig später kommt Sänger und Gitarrist Johannes Strate mit seinem Elektroroller vorgefahren – los geht’s.

Fährst Du oft mit dem Elektroroller?

Johannes Strate: Ja, wir haben zwar ein Auto, sind aber, glaube ich, die einzigen im ganzen Viertel, die keine zwei Autos haben. Ich fahre viel mit dem Roller und nutze Carsharing. Vor allem die E-Autos finde ich super.

Ihr seid gerade Partner des WWF geworden und seid mit dieser Organisation aktiv gegen Plastikmüll. Warum?

Johannes Strate: Wir wollten in unserem Engagement ökologisch nachhaltige Akzente setzen. Das tun wir mit dem WWF, weil der auch große Hebel in Bewegung setzen kann. Und gerade das Thema „Plastikmüll“ begegnet uns täglich. Schon mein fünfjähriger Sohn weiß, dass Plastik Mist ist und in den Müll gehört. Und dass man Müll nicht auf die Straße wirft. Das weiß eigentlich jedes Kind. Nur: Viele haben es offenbar verlernt.

Jakob Sinn: Wir haben uns auch für dieses Thema entschieden, weil es uns selbst total betrifft: Auf Tour kriegst du dauernd irgendwelche Plastikbecher und -flaschen vorgesetzt. Wir schreiben schon auf unseren „Rider“, das ist eine Art Wunschzettel, den du vor Konzerten an die Veranstalter schickst: „Bitte keine Wegwerfbecher, sondern Pfandsysteme, echtes Geschirr, …

Johannes Strate: ... bitte kein Plastikbesteck!“, noch dazu, weil es ja auch unangenehm ist, damit zu essen. Wir schreiben auch immer: „Leute, kocht möglichst Bio-Essen aus der Region, es muss nicht von weit herkommen, wir brauchen kein Mond-Wasser oder Bier von sonstwo. Es gibt bestimmt eine gute Brauerei in der Nähe. Zeigt uns einfach, was der Landstrich hier so hergibt, was kocht man hier?“ Dann sind die immer total froh und superstolz und kochen uns das tollste Essen. Meistens stellen die uns allerdings auch noch einen lokalen Schnaps hin. Das ist dann der Stolperstein (lacht) ...

Wie geht Ihr zu Hause mit Kunststoff um? Keine Plastik-Trinkhalme?

Jakob Sinn: Nein, ich habe mir sogar einen Glas-Trinkhalm gekauft, den man spülen kann. Und in Cafés oder Restaurants benutze ich sowieso keine Plastik-Halme. Wenn ich länger unterwegs bin, habe ich immer eine Wasserflasche dabei, damit ich mir nicht am Kiosk Wasser in Plastik kaufen muss. Das Gleiche gilt für Kaffee. Den nehme ich nie in To-go-Bechern mit. Da sind wir schon sehr bewusst und versuchen, das so gut wie möglich umzusetzen. Natürlich ist das nicht immer möglich, das ist ja klar. Und wir sind keine, die dauernd mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt laufen. Aber wir weisen immer wieder auf Probleme hin, und es verändert sich auch etwas. Auch wenn das Problem nicht von heute auf morgen gelöst sein wird.

Wie konsequent seid Ihr? Shampooflaschen aus Plastik gibt es im Bad aber schon noch?

Johannes Strate: Ich hab’ ein Kind und stell’ dem keine Glasflaschen ins Bad.

Jakob Sinn: Bei mir gibt’s zwar eine Plastik-Shampooflasche. Aber die fülle ich regelmäßig in einem Unverpackt-Laden auf.

Was muss Politik gegen Plastik tun?

Jakob Sinn: Es müssen Richtlinien und Gesetze geschaffen werden, dass genau so etwas hier (zeigt auf den Plastikhalm in meinem Glas) nicht mehr zum Einsatz kommt. Außerdem muss die Industrie nach Alternativen suchen, sowohl was die Produkte an sich angeht als auch das Recycling. Pro Minute wird etwa eine LKW-Ladung Plastik ins Meer gekippt. Es braucht dann etwa 400 Jahre, bis es sich zersetzt. Da muss man doch etwas dagegen machen!

Stellt Euch vor, Ihr könntet als Politiker entscheiden: Was verbietet Ihr als Erstes in Sachen Plastik?

Johannes Strate: Ich glaube, ich würde Plastikflaschen ohne Pfandsystem, also diese Einwegpfand-Flaschen verbieten. Es ist doch Irrsinn, die nach einmaligem Benutzen einzustampfen. Und dann würde ich auch Einmalgeschirr verbieten; und Mikroplastik in Kosmetika. Aber dieses Flaschenthema macht einen Riesenanteil aus.

Jakob Sinn: Ich würde dafür sorgen, dass die Hersteller die Verantwortung nicht von sich schieben können. Die produzieren das Zeug, dann müssen sie auch verpflichtet werden, für die Entsorgung geradezustehen. Es geht nicht, dass der Plastikmüll einfach tonnenweise in der Umwelt landet.

Johannes, Du versuchst, Werder Bremen ökologischer zu machen. Sind die auf Dich zugekommen oder hast Du gesagt: „Ich will da was machen!“

Johannes Strate: Die sind auf mich zugekommen und haben gefragt, ob ich in ihr Botschafter-Programm rein will. Aber es ist schon schwierig, bei den großen Vereinen etwas anzustoßen. Pfandsystem im Stadion zum Beispiel. Wenn du da kommst mit Fragen wie „Sind denn eure Pommes und eure Stadionwurst nachhaltig?“, dann können sie das einfach noch nicht leisten. Dafür ist die Zeit offenbar noch nicht reif. Was die Öko-Bilanz im Stadion angeht, waren sie beim Bau richtig gut: überall Solarkollektoren! Echt vorbildlich!

Aber der Trikotsponsor ist Wiesenhof.

Ja, das mit Wiesenhof ist eine Katastrophe. Aber man muss da grundsätzlich entscheiden: „Macht man großen Firmen die Tür zu und arbeitet nicht mit denen?“ Das fände ich falsch. Dann erreichst du gar nichts. Wenn man im Gespräch bleibt, kann man vielleicht auch große Firmen ändern.

Bei Euren „Trikots“, also Euren T-Shirts, geht Ihr ja einen eigenen Weg.

Jakob Sinn: Ja, die sind alle aus Bio-Baumwolle produziert, was leider eine Seltenheit ist in der Szene. Aber eigentlich ist es ja kein Problem, statt konventioneller Bio-Baumwolle zu nehmen. Wir mussten halt bereit sein, auf ein paar Euro zu verzichten. Und das waren wir. Es wäre doch völlig absurd, wenn wir das nicht tun würden. So macht jeder, was er machen kann. Der eine ist Vegetarier, der andere fährt kein Auto. Jeder leistet seinen Beitrag. 

© Dennis Williamson/bio verlag;

Zur Person

Johannes Strate und Jakob Sinn

Die beiden sind die Hälfte der Band Revolverheld, zu der noch Kristoffer Hünecke und Niels Kristian Hansen gehören. Seit Jahren engagieren sie sich für Projekte der SOS Kinderdörfer, Viva con Agua oder des Seawatch e.V. Ihren Durchbruch hatten die vier Norddeutschen, allesamt um die 40, mit der Single „Spinner“ im Jahr 2010. Danach folgte Hit auf Hit, unter anderem „Halt dich an mir fest“ (mit Marta Jandová), „Das kann uns keiner nehmen“, und „Immer noch fühlen“. Im März 2019 geht Revolverheld auf große Deutschland-Tournee.
Alle Termine stehen auf www.revolverheld.de.

 

Erschienen in Ausgabe 10/2018
Rubrik: Leben&Umwelt

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