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Grüner lesen

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Viel Papier und Lack am Kiosk © shutterstock/stockfour

UMWELT In Zeitschriften stecken jede Menge Papier, Farbe, Wasser und Energie. Wie umweltfreundlich können bunte Magazine sein?  Franka Nord

Die Zeitschriftenlandschaft in Deutschland ist groß und bunt. 2017 gab es dem Verband deutscher Zeitschriftenverleger zufolge 1607 Magazine am Kiosk. Alle aus Papier, die wenigsten davon aus Altpapier. Denn anders als Zeitungen wird der Großteil aller Zeitschriften aus Frischfaserpapier hergestellt. Für eine Tonne davon müssen 5,5 Kubikmeter Holz gefällt werden.

Neben dem Holzverbrauch kritisieren Umweltschützer die Chemikalien, mit denen die Holzfasern für Frischfaserpapier oftmals bearbeitet werden – wie etwa chlorhaltige Bleichmittel.

Zusätzlich braucht Frischfaserpapier viel Wasser und Strom. Jedes neu hergestellte Kilo Papier benötigt laut Forum Ökologie & Papier rund 50 Liter Wasser und fünf Kilowattstunden Strom (damit könnte ein Föhn 5 Stunden laufen). Nicht ohne Grund ist die Papierindustrie der weltweit fünftgrößte industrielle Energieverbraucher. Es gibt allerdings durchaus Wege,  Zeitschriften nachhaltiger zu produzieren. Das beginnt beim Papier.

Altpapier geht auch für Zeitschriften

Im bio verlag in Aschaffenburg werden schon seit den Anfängen vor 33 Jahren alle Zeitschriften wie Schrot&Korn und cosmia auf Recycling-Papier gedruckt. Dessen Herstellung verbraucht weniger Ressourcen, zwei Kilowattstunden Energie und etwa 15 Liter Wasser für jedes Kilo Papier, hat das Forum Ökologie & Papier berechnet. „Für uns war und ist das selbstverständlich. Schließlich wollen wir nicht nur über nachhaltige Themen schreiben, sondern auch als Verlag möglichst umweltverträglich handeln“, sagt Geschäftsführerin Sabine Kauffmann.

So sind seit 2009 zudem alle Produkte des bio verlags nach den Richtlinien von „Stop Climate Change“ klimafreundlich zertifiziert. Dazu wird ermittelt, wie viele CO2-Emissionen durch den verbrauchten Strom (Öko-Strom natürlich), das Papier, die Druckfarbe und die Maschinen entstehen. Diese gleicht der Verlag dann mit sogenannten Carbon Credits aus, mit denen Investitionen in nachhaltige Projekte gefördert werden, beispielsweise der Anbau von Nutzwäldern in Costa Rica. Für sein Umweltmanagement erhielt der bio verlag in diesem Jahr zudem die angesehene Emas-Zertifizierung.

Eine wichtige Rolle in der Umweltbilanz spielt außerdem die Druckerei, in der die Zeitschriften des bio verlags produziert werden. Bei GGP Media im thüringischen Pößneck hat sich in den vergangenen Jahren viel getan: Alle Maschinen laufen mit Öko-Strom, der von den örtlichen Stadtwerken kommt. Nicht genutztes Papier wird entweder direkt recycelt oder geht zurück an die Papierfabriken. Und beim Heizen und Kühlen der Maschinen und Räume wird versucht, möglichst viel Energie einzusparen – unter anderem durch Wärmerückgewinnung – ohne dass die Druckqualität leidet. Für seine Bemühungen, so umweltfreundlich wie möglich zu drucken, trägt GGP seit 2013 die strenge französische Zertifizierung Imprim᾽Vert. Hinzu kommt, dass Schrot&Korn komplett an einem Standort produziert wird und die Papierfabrik nur 150 km von der Druckerei entfernt ist.

Für Papier gibt es schon länger Zertifizierungen

Seit 2015 gibt es in Deutschland für Druckerzeugnisse, also Bücher, Prospekte und Magazine, den Blauen Engel. „Für Papier gab es bereits gute Zertifizierungen wie das FSC-Label und den Blauen Engel, aber noch nicht für das Endprodukt, also für die gesamte Zeitschrift“, sagt Achim Schorb. Der Papierexperte hat für das Heidelberger ifeu-Institut an den Richtlinien des Blauen Engels für Druckerzeugnisse mitgearbeitet.

Dem Umweltbundesamt zufolge tragen derzeit vor allem Broschüren und Werbebeilagen dieses Zertifikat. Außerdem sind es Vereinszeitschriften mit kleineren Auflagen, die den Maßgaben gerecht werden können.
Produkte mit dem Blauen Engel müssen vor allem recycelbar sein. Dicke Lackschichten sind tabu, ebenfalls nicht erlaubt sind mineralölhaltige Farben oder Klebstoffe, die während der Produktion Emissionen absondern. Und die beteiligten Druckereien müssen ihre Abwärme und Druckluft möglichst effizient nutzen.

Schrot&Korn wird auf Papier gedruckt, das mit dem Blauen Engel ausgezeichnet ist. Die Auswahl der Druckfarben lässt sich aufgrund des verwendeten Druckverfahrens und der hohen Auflage jedoch nicht vollständig umstellen. So wird der Innenteil von Schrot&Korn mit mineralölhaltigen Farben gedruckt, da der CO2-Ausstoß – bezogen auf den gesamten Herstellungsprozess – geringer ist als bei der Verwendung mineralölfreier Farbe. Für den Umschlag, der mit einem anderen Verfahren gedruckt wird, wird mineralölfreie Farbe verwendet.

Um die Nachhaltigkeit von Zeitschriften zu erhöhen, kann natürlich auch jeder Leser etwas tun: Teilen statt Papierkorb. Denn obwohl ausgelesene  Magazine mittlerweile zu rund 80 Prozent industriell wieder verwertet werden können – recyceln allein ist nicht die Lösung. Warum also Schrot&Korn nach der Lektüre nicht einfach in das nächste öffentliche Bücherregal legen? Für den Papierexperten Achim Schorb selbstverständlich: „Meine Magazine lesen immer bis zu fünf Menschen.“ 

Label

Das bedeuten die Zeichen

Blauer Engel (für Druckerzeugnisse): bislang strengstes Label für Zeitungen, Zeitschriften, Bücher oder Prospekte.
Betrachtet den gesamten Druckprozess. Das Printprodukt muss gut recycelbar sein und so wenig Emissionen wie möglich abgeben. 

EU-Ecolabel: Umweltzeichen der EU für Produkte und Dienstleistungen. Recyclingpapier ist keine Vorgabe.
Stellt Anforderungen an Emissionen und Energieverbrauch.


 

FSC und PEFC:
Zertifikate für Papier, nicht das Gesamtprodukt. Meistens für reine Frischfaserpapiere vergeben. Schafft Transparenz bei der Waldbewirtschaftung, nicht bei Energieverbrauch, Chemie und Abwasser.

Linktipps

www.openbookcase.org
Karte mit öffentlichen Bücherregalen

www.papiernetz.de/info/nachhaltigkeitsrechner
Nachrechnen, wie viel Energie man selbst für sein benutztes Papier
verbraucht hat

www.foep.info; www.blauer-engel.de
Infos rund um Papier und den Zeitschriftendruck

www.schrotundkorn.de/co2; www.bioverlag.de/engagement.html
Infos zu Stop Climate Change und wofür sich der bio verlag noch engagiert

Erschienen in Ausgabe 11/2018
Rubrik: Leben&Umwelt

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