Genossenschaften: Gemeinsame Sache - Schrot und Korn

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Genossenschaften: Gemeinsame Sache

Gesellschaft © Ingrid Delacher
Zusammen sind sie stark: Vorstand Gernot Jochum-Müller (links) und Mitglieder der österreichischen Genossenschaft Allmenda finanzieren Bürgerkraftwerke wie diese Solaranlage. © Ingrid Delacher

GESELLSCHAFT Zusammen tun, was einer allein nicht vermag – das ist die Idee der Genossenschaft. In diesem Jahr feiert sie 200. Geburtstag. Und ist noch immer aktuell.  Rebecca Sandbichler

Auf den Euro könnten die 1100 Einwohner von Langenegg im Notfall verzichten. In dem kleinen Dorf im österreichischen Vorarlberg bezahlen die Menschen nämlich in vier von fünf Fällen schon mit ihrer eigenen Währung: Käse aus der eigenen Sennerei, Brot beim Dorfbäcker oder Briefmarken im Postlädele. Umgerechnet 880.000 Euro blieben im vergangenen Jahr auf diese Weise im Dorf und bei den lokalen Betrieben, erzählt Gernot Jochum-Müller, Vorstand der Genossenschaft Allmenda.

Die Rechtsform „e.G.“ – für „eingetragene Genossenschaft“ – wählten die Gründer ganz bewusst: Dabei schließen sich mindestens drei Personen oder Firmen freiwillig zusammen, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Oft sind das große Aufgaben, für die besonders viel Wissen oder Kapital nötig ist. Gründer wie Mitglieder eint außerdem der Wille, das eigene Umfeld unmittelbar mitgestalten und Dinge mitentscheiden zu können – und der Wunsch nach verantwortungsvollem Wirtschaften.„In Genossenschaften sind Investitionen möglich, die ein Einzelner niemals stemmen könnte“, erklärt die Kooperationsforscherin Theresia Theurl vom Institut für Genossenschaftswesen an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Alle Mitglieder geben dafür eine bestimmte Summe als Einlage in den gemeinsamen Topf und sind mitverantwortlich für das Gelingen der Projekte. Der Vorstand wird aus ihren Reihen gewählt, wichtige Entscheidungen fallen in der Generalversammlung: „Jedes Mitglied hat gleich viel Mitspracherecht, unabhängig davon, wie hoch seine Einlage ist“, erklärt die Wirtschaftsprofessorin Theurl das genossenschaftliche Prinzip.

„Wir versuchen Kreisläufe zu schaffen, die möglichst vielen Menschen in der Region zugute kommen“, erklärt Jochum-Müller die Vision der Genossenschaft. Die Mitglieder von Allmenda betreiben darum auch einen Laden für handgemachte Produkte, verleihen kostenlos Ausrüstung an Jung-Imker, kaufen Elektro-Autos vergünstigt ein und bauen

Kulturerbe

Aufgrund ihrer internationalen Bedeutung
wurde die
genossenschaftliche Idee sogar in das
immaterielle UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.

Bürgerkraftwerke. „Gemeinsam können wir große soziale Fragen zumindest auf lokaler Ebene beantworten und sinnvolle Projekte umsetzen“, sagt Jochum-Müller. Für seine eigene Währung bekam der Ort Langenegg  vor acht Jahren den europäischen Dorf-
erneuerungspreis verliehen.

Von der Molkerei bis zum Friedhofsgärtner

7.600 Genossenschaften gibt es in Deutschland. Und im vergangenen Jahrzehnt wurden jährlich bis zu 400 neue Genossenschaften gegründet. Man findet das Kürzel „e.G.“ in allen möglichen Wirtschaftssparten: Zwar sind in Deutschland traditionell die meisten Winzer, Molkereien oder Bäcker genossenschaftlich organisiert. Aber auch Friedhofsgärtner in Köln, die alternative Tageszeitung taz und Europas größtes Gründerzentrum für Frauen in Berlin arbeiten so.

Trotz ihrer unterschiedlichen Geschäftsmodelle verfolgen sie alle den gesetzlich vorgeschriebenen „Förderzweck“: Der wirtschaftliche und ideelle Vorteil für die einzelnen Mitglieder ist wichtiger als eine möglichst hohe Rendite. „Das unterscheidet Genossenschaften deutlich von solchen Unternehmen, bei denen Gewinnmaximierung das Handeln bestimmt“, sagt Jochum-Müller von Allmenda.

Weltweit gelten Genossenschaften darum als Hoffnungsträger für mehr soziale Gerechtigkeit. Aufgrund ihrer internationalen Bedeutung wurde die genossenschaftliche Idee im November 2016 sogar in das immaterielle UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen und steht nun in einer Liste mit belgischem Bier oder argentinischem Tangotanz.

Die Organisation ehrte damit auch einen der Gründerväter der Genossenschaften, der am 31. März seinen 200. Geburtstag feiern würde: der deutsche Menschenfreund und Wirtschaftspionier Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Der Bürgermeister von Weyerbusch im Westerwald erlebte große gesellschaftliche Umbrüche zur Zeit der Industrialisierung. „Auf dem Land herrschte ausgeprägte Armut. Viele drängten darum in die Städte, aber die waren darauf gar nicht vorbereitet“, erklärt Theresia Theurl. Ein idealer Nährboden für die genossenschaftliche Idee, sagt sie: „Es braucht in solch einer Situation Menschen, die Initiative zeigen und den Weg vorgeben.“

Genau so ein Mensch war Raiffeisen: Nach einer katastrophalen Missernte im Jahr 1846 musste er staatlich bereitgestelltes Getreide an die hungernde Bevölkerung ausgeben – doch die verarmten Bauern konnten nicht einmal das bezahlen. Raiffeisen gründete darum einen wohltätigen „Brotverein“, dessen Mitglieder gegen Schuldscheine Mehl kaufen durften. Besser begüterte Dorfbewohner finanzierten den ärmeren Saatgut vor, damit diese sich mit der Ernte später aus den Schulden befreien konnten.

Raiffeisen entwickelte daraus die Idee der Darlehenskassen-Vereine:  Die Mitglieder bürgten gegenseitig für günstige Kredite und investierten in hochwertiges Saatgut, Dünger oder moderne Landmaschinen. Als kleine Bauern verbesserten sie so ihre Erträge mit den Methoden von Großbetrieben.

Raiffeisens Zeitgenosse, der Jurist und Politiker Hermann Schulze-Delitzsch, leistete ähnliche Pionierarbeit für Handwerker in den Städten. „Hilfe zur Selbsthilfe“ war sein Arbeitsmotto.

Genossenschaften

Überraschende Ideen für Genossenschaften

  • Steuersoftware: Aus einem Rechenzentrum für Steuerberater wurde ein IT-Unternehmen mit 40 000 Mitgliedern: Die Datev e.G. verkauft Computerprogramme an Kunden in sieben Ländern.
  • Taxifahrten: Momentan sind 80 Prozent aller Taxifahrer Mitglied in einer von 500 deutschen Taxi-Genossenschaften.
  • Web-Adressen: Alle rund 16 Millionen deutschen Internetadressen mit der Endung „.de“ wurden von der Genossenschaft Denic mit Sitz in Frankfurt vergeben.
  • Carsharing: Schon 1991 verlieh die Lübecker StattAuto e.G. gemeinsam genutzte Fahrzeuge an ihre Mitglieder.
  • Kinderbetreuung: Ein Betriebskindergarten ist für Mittelständler oft zu teuer. Neun Firmen aus Monheim in Nordrhein-Westfalen schlossen sich zu einer Genossenschaft zusammen und eröffneten 2014 eine Kita.

Genossenschaftsbanken spekulieren weniger

Auf diese beiden Männer, die sich nie persönlich begegnet sind, gehen die heutigen genossenschaftlichen Volksbanken und Raiffeisenbanken zurück – mit rund 18 Millionen Mitgliedern und etwa 850 Milliarden Jahresbilanz.

Gerade nach der jüngsten Finanzmarktkrise seien sie wieder interessant für viele Menschen geworden, sagt Theresia Theurl. „Sie bekamen reichlich neue Einlagen, als klar wurde, dass sie nicht in hochspekulative Auslandsgeschäfte investiert hatten.“

Immerhin jeder vierte Deutsche ist aktuell Mitglied in einer Genossenschaft. Zum Beispiel in einer der 3 000 Wohnungsbaugenossenschaften, die rund 30 Prozent der Mietwohnungen in Deutschland verwalten. Sie sind zugleich Teileigentümer und Bewohner und hohe Mieten wären für sie selbst nachteilig. Das sei typisch für Genossenschaften, sagt Theresia Theurl: Die Mitglieder sind ihre eigenen Kunden – und wirtschaften daher anders.

Dass diese Unternehmen seltener bankrott gehen, liege auch an den wachsamen Augen der genossenschaftlichen Prüfverbände, die sie von Beginn an verpflichtend begleiten und regelmäßig umfassende Prüfungen durchführen.

„Sicher empfinden das manche als Hemmnis, aber in Wahrheit ist es ein Schutz für alle Beteiligten“, sagt Theurl. „Denn es kommt nicht selten vor, dass Menschen Genossenschaften gründen, die vorher von Betriebswirtschaft wenig bis keine Ahnung hatten.“

Manche Bürger sichern genossenschaftlich die Säulen des gesellschaftlichen Lebens: Sie gründen Schulen, betreiben Schwimmbäder oder retten ihr lokales Programmkino. Sollten das nicht Aufgaben des Staates sein? Selbstverständlich – aber oft genug klappt das nicht, findet Jochum-Müller von der Genossenschaft Allmenda. „Der Staat ist an vielen Stellen überfordert.“ Genau da müssten seiner Meinung nach die Bürger selbst aktiv werden und Lücken schließen.

Für die
Gute Sache

Ökologisches Bewusstsein und Genossenschaften passen gut zusammen. Zum Beispiel bei der Bio-Boden e.G. Die Mitglieder
sichern mit ihren Einlagen wertvolles Ackerland für biologischen Landbau.

Aktiv werden wollten auch einige Lübecker in den 80er-Jahren – ihr Ziel war es, für ihre Familien regional erzeugte und unbelastete Lebensmittel zu beschaffen. Die Reaktorkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl und die schädliche, radioaktive Strahlung hatten sie verunsichert und gleichzeitig motiviert, etwas zu tun.

Vom Garagen-Laden zum Vorzeigeprojekt

Sie kauften bei umliegenden Bauernhöfen ein und verteilten die Lebensmittel aus einer Garage heraus an die Mitglieder der „Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft Landwege“. Mit einer Stiftung für Umweltbildung, fünf Bio-Märkten, etwa 40 Mitgliedshöfen und mehr als 500 Mitgliedern ist aus dem kleinen Garagen-Laden innerhalb weniger Jahre eine ökologische Vorzeige-Genossenschaft geworden.

Philip Hennig von der Demeter-Hofgemeinschaft „Gut Rothenhausen“, einer der Mitgliedshöfe der Genossenschaft Landwege, ist überzeugter Genosse: „Dadurch, dass wir Bauern mitreden können, bekommen wir viel bessere Bedingungen als sonst im Handel.“ Normalerweise ende die Beziehung eines Landwirts zu seinem Produkt an der Laderampe des LKW. Nicht in der Genossenschaft.

„So viel Einfluss darauf, was mit meiner Ware passiert, habe ich sonst nur in der Direktvermarktung.“ Die Wertschätzung der Kunden sei auch höher, wenn sie Genossen sind: „Heute stehen ja viele Menschen im Laden und kennen die Arbeit hinter der bio-dynamischen Landwirtschaft gar nicht mehr“, sagt Philip Hennig. 

Auf Heike Schüttler trifft das nicht zu, sie ist seit Jahren bei Landwege aktiv und kauft nun auch mit ihrem Hotel an der Marienkirche weitere Anteile. „Die gesetzten Ziele von Landwege finden sich in allen Produkten der Genossenschaften und des Vereins“, sagt sie. „Man spürt, dass bei Landwege das große Ganze wichtig ist. Da gibt es eine klare Haltung. Zum Beispiel, wenn eine Busfahrt zu einer Agrar-Demo in Berlin organisiert wird.“

Haltung zeigt auch sie selbst, indem sie beim Hotelfrühstück vorwiegend fair, biologisch und regional erzeugte Lebensmittel anbietet. „Ich stehe dem ökologischen Gedanken sehr nahe. So lebe ich, und das ist mir auch im Betrieb wichtig.“ Diese Art von unternehmerischer Verantwortung – besonders im Regionalen – sieht sie als großen Vorteil der meisten Genossenschaften: „Es wird vieles möglich, wenn ich sehe, was vor Ort gebraucht wird.“

Mehrwert für alle – ​so funktioniert’s

Ebenfalls nach dem Gau in Tscher-nobyl fühlten sich auch der Arzt Michael Sladek und seine Mitstreiter aus Schönau im Schwarzwald zum Handeln verpflichtet. Sie wollten zumindest regional wegkommen vom Atomstrom. Mit ihrer Bürger-gesellschaft bauten sie schon früh gemeinsam kleine Blockheizkraftwerke, förderten private Solardächer und kauften nach zähem Ringen mit dem alten Betreiber schließlich das Stromnetz ihrer Gemeinde. Heute liefern sie als EWS e.G. ihren regenerativen Strom an Haushalte in ganz Deutschland – und die Schönauer sind weltweit als Öko-Pioniere bekannt.

Als die Netzkauf GbR sich im Jahr 2009 in die Genossenschaft EWS e.G. umwidmete, geschah das aus voller Überzeugung. Das Unternehmen wollte noch mehr in Pilotprojekte für eine klimafreundliche Energiezukunft investieren. „Wir müssen zusehen, dass wir künftig nicht nur sauberen Strom machen, sondern überhaupt weniger davon brauchen. Genügsamkeit ist zwar kein sexy Thema, aber es ist unsere einzige Chance“, sagt Sladek.

Der Plan, einfache Kunden zu „Stromrebelllen“ zu machen, ging auf: „Fast 6 000 neue Genossen haben uns insgesamt mehr als 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt“, berichtet Sladek. Sie haben dafür das gute Gefühl bekommen, „mit Strom etwas zu bewegen“. Und natürlich die besseren Tarife für Mitglieder. „Damit eine Genossenschaft funktioniert, sollte ein Mehrwert für alle Beteiligten entstehen.“

Die Genossenschaft unterstützt momentan auch die Bürger Energie Berlin e.G., die noch schaffen muss, was EWS vor Jahrzehnten gelungen ist: Sie will die Rechte am Berliner Stromnetz vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall übernehmen und hat dazu schon etwa zwölf Millionen Euro von engagierten Bürgern eingesammelt.

 

Von der Idee zur Genossenschaft

Praktische Tipps

  • Selbsthilfe: Vom Softwareanbieter bis zum Ärztehaus kann man von den unterschiedlichsten Genossenschaften lernen. Unter www.genossenschaften.de finden Gründungs-
    willige viele Tipps und erste Anlaufstellen.
  • Selbstverantwortung: Mindestens drei natürliche oder juristische Personen – also Menschen oder Firmen – müssen sich für eine Genossenschaft verbünden. Mindestkapital ist zwar keines vorgeschrieben, doch es müssen ausreichende Mittel für das Vorhaben zur Verfügung stehen.
  • Selbstverwaltung: Der sogenannte Förderauftrag ist im ersten Paragrafen des Genossenschaftsgesetzes (GenG) vorgeschrieben. Damit alle Genossen von den Geschäften profitieren, müssen Vorstand und Aufsichtsrat unbedingt aus ihren Reihen stammen und müssen natürliche Personen sein.
  • Satzung: Jede Genossenschaft ist verpflichtend Mitglied in einem der Prüfungsverbände. Sie stellen dem Kollektiv einen Betreuer zur Seite, der die zukünftigen Genossen beim Schreiben der Satzung berät und der auch nach der Gründung ansprechbar bleibt. Die Verbände prüfen die Bilanzen großer Genossenschaften jährlich, von kleineren nur alle zwei Jahre.

Bis Geld fließt, kann es lange dauern

„Die werden noch einen langen Atem brauchen“, sagt Sladek zum aktuellen Stand. Er selbst ist im Aufsichtsrat der jungen Genossenschaft und kennt die bürokratischen Fallstricke bei der Netzvergabe genau. Denn im Kampf um die Konzession lassen Energiekonzerne kein rechtliches Mittel aus. „Das ist ein hochwirtschaftliches Gut, das man nicht einfach aus der Hand gibt.“ Währenddessen darf den Genossen nicht die Puste ausgehen. „Ein großes Problem solcher Bürgerprojekte ist, dass es ewig dauert, bis sie endlich Geld verdienen.“

Wie schmal in manchen Genossen-schaften der Grat zwischen wirtschaftlichem Erfolg und persönlicher Aufopferung ist, weiß auch Gernot Jochum-Müller von der Genossenschaft Allmenda. „Natürlich müssen unsere Pläne wirtschaftlich darstellbar sein, trotzdem wäre das alles ohne Ehrenamtliche nicht zu schaffen.“ Einzig der besondere Reiz der Genossenschaft
mache es möglich: „Für eine sinnvolle Idee gibt man eher sein Bestes.“ 

 

Wenn Schüler genossen werden

Brummende Geschäfte

Jugendliche aus ganz Deutschland gründen mithilfe von engagierten Lehrern selbst eingetragene Schülergenossenschaften (e.SG.). Sie bieten Energieberatungen an, planen Events oder führen ihren Pausenkiosk in der Schule selbst – eine Übersicht der bestehenden Jungunternehmen findet man unter www.schuelergeno.de.

Die Honeybee Industries e.SG. verkauft zum Beispiel erfolgreich ihren Honig von eigenen Bienenvölkern und wird bei den betrieblichen Abläufen von der Partner-Genossenschaft Landgard unterstützt. „Wir bieten den Honig meist bei Elternabenden oder beim Tag der offenen Tür an, und die Gläser sind immer schnell weg“, sagt Jonas Boos aus der elften Klasse des städtischen Gymnasiums in Strae-len in Nordrhein-Westfalen. Er war von Anfang an begeistert von dem Projekt und hat als Vorstandsvorsitzender viel Zeit in den Aufbau der Genossenschaft investiert. „Unser ehemaliger Biolehrer, Herr Tischler, hatte die Idee mit dem Imkern und kannte sich auch mit Bienen aus“, erinnert sich der Schüler an den Ursprung der Honig-Produktion. Alle Mitglieder im Bioplus-Wahlpflichtfach und viele Eltern gaben bei der Gründungsversammlung in der Landgard-Auktionshalle zehn Euro Startkapital in den gemeinsamen Topf, dazu kam noch ein großzügiger Beitrag vom Förderverein der Schule. „Wir haben auch Insektenhotels gebaut und verkauft, das passte gut zum Thema.“ Weil sie ihr Projekt für mehr biologische Vielfalt mit soliden Zahlen präsentierten, wurden Boos und seine Mitschüler im vergangenen Jahr mit dem Schulpreis der Industrie- und Handelskammer ausgezeichnet. „Ich finde schon, dass ich durch die Genossenschaft sehr viel über Wirtschaft gelernt habe“, sagt er. Vielleicht möchte er künftig sogar selbstständiger Unternehmer werden, obwohl er nun weiß, wie anstrengend das ist: „Unsere Besprechungen fressen oft die ganze Mittagspause, das findet natürlich nicht jeder Schüler so toll.“

Mehr zum Thema

www.raiffeisen2018.de
Auf der Kampagnenseite zu Raiffeisens 200. Jubiläum kann man unter anderem ein interaktives Interview mit dem Wirtschaftspionier führen.

www.ews-schoenau.de/ews/geschichte
In der kurzen Film-Dokumentation „Das Schönauer Gefühl“ wird spürbar, was die Menschen dort damals zur Bürgerenergiewende antrieb.

Theurl, Theresia; Ökonomik der Genossenschaften.
UTB GmbH, 2018,
200 Seiten,
17,99 €

 

Gellenbeck, Konny; Gewinn für alle!
Wie wir mit Genossenschaften den Kapitalismus überwinden.
Westend Verlag, 2017,
256 Seiten,
16 €
Lotter, Wolf;
Zivilkapitalismus: Wir können auch anders.
Pantheon Verlag, 2013,
224 Seiten,
14,99 €

 

Erschienen in Ausgabe 03/2018
Rubrik: Leben&Umwelt

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incl. 'http://'
Adrian Koll

Nach Lektüre des Artikels "Alle für ein Ziel" (03/18) war ich drauf und dran, ein Konto bei der Volksbank zu eröffnen, um die Genossenschaftsidee zu unterstützen - bis ich auf folgenden Satz in einem Spiegel Online-Artikel gestoßen bin: "Die DZ-Bank, ein Gemeinschaftsunternehmen der Volksbanken, habe ihre Investitionen zwischen 2014 und 2017 von 66 Millionen Dollar auf 470 Millionen Dollar gesteigert. Ein Großteil des Geldes sei an Northrop Grumman gegangen, einen US-Rüstungshersteller, der unter anderem Interkontinentalraketen für das US-Atomwaffenarsenal produziert."(http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/atomwaffen-deutsche-banken-stecken-milliarden-in-atomwaffenfirmen-a-1196849.html). Fazit: Nur die Genossenschaften sind gut, die auch Gutes tun.