Anzeige

Anzeige

Erfolgreiche Bio-Winzer

Bundespreis © Stefan Schuetz
Ausgezeichnete Winzer: Ludwig und Sandra Knoll © Stefan Schuetz

AUSZEICHNUNG Vor Jahren stellten Sandra und Ludwig Knoll das Weingut am Stein in Würzburg auf Bio um. Jetzt gabs einen besonderen Preis. Maria Wiesner

Zuerst lief alles schief. „1991 haben wir den ersten Bio-Jahrgang versucht“, sagt Winzer Ludwig Knoll und erinnert sich lachend: „Das war ein kompletter Misserfolg. Es fehlte das Knowhow.“ Knoll ließ sich aber nicht entmutigen. Er wollte die Tradition mit den neuen Erkenntnissen zum biologischen Weinanbau verbinden und war überzeugt davon, mit seinem ganzheitlichen Ansatz Qualitätswein produzieren zu können. Nach und nach stellte er das Gut gemeinsam mit seiner Frau auf ökologischen Anbau um. Seit 2008 ist der Betrieb bio-zertifiziert und wirtschaftet nach Naturland-Regeln. Das heißt, es wird auf ein Gleichgewicht zwischen Pflanze und Boden geachtet, chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger sind verboten.

Das Weingut am Stein sieht man in Würzburg schon von Weitem: Ein moderner Quader mit senkrechten Beton-
streben sitzt in den Weinhängen nördlich des Zentrums und überblickt die Stadt. Ludwig Knoll betreibt das Gut gemeinsam mit seiner Frau Sandra.
Seine Familie baut hier schon in der fünften Generation Wein an, der Ururgroßvater hatte im 19. Jahrhundert als Küfner begonnen, bevor er einen Weinberg kaufte. Die Leidenschaft für Wein übertrug sich auf die folgenden Generationen und hält bis heute an. „Wir sind aber längst nicht das Weingut mit der längsten Tradition in Würzburg“, sagt Ludwig Knoll bescheiden.

Bevor er Winzer wurde, hat er Oenologie studiert. 1990 übernahm er das Traditionsunternehmen seiner Familie und stellte die Weichen auf „bio“.

Dass die Familie Knoll damit Erfolg hatte, sieht man heute: In diesem Jahr hat das Weingut den Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau gewonnen. Ökologisches Handeln, nachhaltiges Bewirtschaften und die Arbeit mit alten Rebsorten hob die Jury in ihrer Begründung besonders hervor.

Im modernen Beton-Kubus, der Verkostungs- und Verkaufsraum in einem ist, steht die Trophäe im Regal neben schlanken Flaschen mit Silvaner und Riesling und grünbauchigen Abfüllungen der „Stettener Scheurebe“, einer Weißwein-Spezialität des Gutes. Es ist nicht die einzige Auszeichnung, die die Knolls mit ihren Weinen gewannen. Zwischen den verschiedenen Jahrgängen stehen weitere blinkende Trophäen nationaler und internationaler Preise. Jede Auszeichnung neben jener Flasche, für die sie vergeben wurde. Was aber macht Knolls Weine so besonders?

Filigrane Flintigkeit

„Alle Lagen, die wir abfüllen, sind zu hundert Prozent auf Muschelkalk angebaut“, sagt Kellermeister Dominik Diefenbach. Die Weine seien dadurch filigraner, hätten mehr Dichte. Das Gestein tue sein Übriges zum Geschmack. Diefenbach spricht bei gewissen Rebsorten von Flintigkeit und einem Hauch Schießpulver, der dem Wein eine rauchige Tiefe gebe. „Es geht nicht darum, monströse Blockbuster-Weine zu machen, bei denen man schon nach dem zweiten Glas gelangweilt ist. Vielmehr setzen wir auf Harmonie und Genussfreude“, so Diefenbach.

Er führt an diesem Tag eine große Schar Weinhändler durch die Verkostungsräume. Sie sind aus allen Ecken Deutschlands angereist, sogar aus der Schweiz und Dänemark. Diefenbach und seine Kollegen erklären ihnen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Hanglagen und Rebsorten, erzählen vom gelben Silvaner, einer alten Rebe, die man nicht mehr kaufen, sondern nur noch selbst ziehen könne. Für die Böden rund um Würzburg sei sie absolut perfekt. Die Natur im Gleichgewicht zu halten und mit, statt gegen sie zu arbeiten, ist ein Grundanliegen des biologischen Anbaus. Das sieht man auch am Weinhang des Stettener Steins, der 20 Kilometer weiter mainabwärts liegt.

Tagsüber pralle Sonne, nachts angenehme Kühle

Damit die Einkäufer einen Eindruck vom Anbau bekommen, hat Knoll an diesem Tag zwei kleine Busse gemietet und fährt mit den Gästen 20 Minuten eine kurvige Landstraße entlang. Die Fahrzeuge halten mitten im Grünen, die Sonne brennt, doch ein leichter Wind weht Kühlung vom Fluss hinauf, der sich nun unten im Tal glitzernd entlangschlängelt. Der Weinberg liegt auf einer Felsnase. Die Reben sind direkt auf den steilen Hang gepflanzt. Das hat den Vorteil, dass sie tagsüber in praller Sonne liegen und nachts durch die thermischen Winde aus dem Tal gekühlt werden. Dadurch reifen die Trauben gut, entwickeln durch das Verhältnis von Sonne und Wind, von Hitze und Kühle eine ausgewogene Balance zwischen Süße und Säure. Dafür sind diese Muschelkalkhänge berühmt. Sie fallen im Übrigen in solch steilem Winkel in die Tiefe, dass man hier mit Maschinen nicht viel ausrichten kann. Rebenpflanzen, Gießen und Jäten geschieht per Hand. Gerade beim Unkraut sieht man deutlich, was Bio-Anbau bedeutet: Auf dem Berg stehen die Rebstöcke der unterschiedlichen Würzburger Weingüter Seit’ an Seit’. Man sieht, wer starke Unkrautvernichtungsmittel und Chemiedünger verwendet. Die Reben stecken dort in kahler Erde; manchmal sieht das Gras unter ihnen wie verbrannt aus vom starken Dünger und den Pestiziden.

Bei Knolls Weinstöcken hingegen recken Löwenzahn und Hahnenfuß ihre gelben Blüten in die Höhe und wickeln ihre Blätter um den Fuß der Weinpflanzen. Der Ertrag sei bei Wein, der auf kontrolliert biologische Art angebaut werde, zwar geringer als bei konventioneller. Dafür seien die Reben aber weniger anfällig gegen Krankheitsbefall, erklärt Knoll und schenkt Kostproben seiner Weine ein. Die Gruppe der Weinverkäufer hat sich mittlerweile auf dem Felsvorsprung unter dem Weinberg niedergelassen, nippt an den gekühlten Weingläsern und schmeckt nach, was Sonne, Wind, Muschelkalk und biologischer Anbau aus einer Traube machen können.

Bundespreis ökologischer Landbau

Alle Sieger des Jahres 2018

Der Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium vergeben und zeichnet Bio-Betriebe aus, die innovative und zukunftsweisende Ideen haben. Die Sieger der vergangenen Jahre wurden bei der Preisverleihung als Ideengeber „besonders nachhaltiger und vor allem erfolgreicher Betriebskonzepte“ bezeichnet. Bio-Landwirte können bei ihrer Bewerbung Konzepte einreichen, die den gesamten Betrieb oder auch nur einen besonders innovativen Teilaspekt umfassen. Neben dem Würzburger Weingut am Stein wurden in diesem Jahr die Landwirtschaftsgemeinschaft Dottenfelderhof im hessischen Bad Vilbel sowie der westfälische Biolandhof Strotdrees Landbau ausgezeichnet.
www.weingut-am-stein.de, www.dottenfelderhof.de, www.biolandhof-strotdrees.de

Erschienen in Ausgabe 09/2018
Rubrik: Leben&Umwelt

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'