Bühne frei für Schrot&Korn - Schrot und Korn

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Bühne frei für Schrot&Korn

©  Susanne Oehlschläger/bio verlag
Wie das duftet: Zwei Leserinnen zauberten mit Ayurveda-Koch Volker Mehl das Beste aus Äpfeln. © Susanne Oehlschläger/bio verlag

 

BUCHMESSE Mehr als 7 000 Aussteller waren auf der größten Buchmesse der Welt in Frankfurt. Mittendrin Schrot&Korn. Wir haben über regionales Essen und Ernährungsgewohnheiten diskutiert – und gekocht.[nbsp]

Links wurde eifrig gebrutzelt, rechts fleißig geschnippelt. In der Schrot&Korn-Showküche auf der Bühne der Gourmet-Gallery präsentierten Irmgard Schwartmann und Melanie Barna ihre liebsten Apfelrezepte. Die hatten sie zuvor bei Schrot&Korn eingereicht und diesen Auftritt auf der großen Bühne gewonnen. Das Publikum im vollbesetzten Zuschauerraum konnte nach einer knappen Stunde Hirseauflauf mit Äpfeln und Lauch-Apfel-Frischkost probieren – und war begeistert! Ayurveda-Koch Volker Mehl moderierte die Show und entlockte den beiden Köchinnen so manchen Tipp: „Keine Angst vor der Sahne“, waren sich Mehl und Melanie Barna einig: In Maßen sei das einganz großartiges Lebensmittel. „Das gilt auch für Butter“, rief Irmgard Schwartmann – auch hier stimmte Volker Mehl zu. Irmgard Schwartmann, die noch von Dr. Bruker zur Ernährungsberaterin ausgebildet worden war, riet dem Publikum dringend zu Bio-Lebensmitteln; unter anderem bei Kräutern: „Konventionelle Kräuter können bestrahlt sein. Bio-Kräuter sind das nie!“, sagte sie.

Ein paar Meter neben der Showküche ging es ebenfalls heiß her, hier wurde über „Essen zwischen Trieb und Wissen“ diskutiert. Dahinter steckte die Frage, warum wir im Zweifelsfall lieber zum Schnitzel greifen als zur Möhre. Schrot&Korn-Chefredakteurin Stephanie Silber sprach darüber mit der Diplom-Oekotrophologin Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen und Nanette Ströbele-Benschop, Professorin für angewandte Ernährungspsychologie an der Universität Hohenheim. Ströbele-Benschop brachte es auf den Punkt: „Wir essen oft gegen unseren Verstand, weil wir den überhaupt nicht eingeschaltet haben.“ Wiebke Franz, auch beim Internetportal www.lebensmittelklarheit.de aktiv, sagte: „Wir essen so, weil die Lebensmittelhersteller uns mit vorgetäuschten Zutaten oft zu viel versprechen.“

 

Melanie Barna, Frankfurt

Erst mit 30 Jahren hat die heute 42-Jährige begonnen, sich für Ernährung zu interessieren. „Plötzlich habe ich gemerkt, dass mir die ayurvedische Art zu essen guttut“, sagt sie. Ihr Rezept: Hirseauflauf.

Stephanie Silber fragte sich und die Diskutantinnen, ob denn der „Verstand keinen Geschmack“ habe. Darauf Ströbele-Benschop: „Essen ist ein Emotionsverstärker. Wir essen, weil wir traurig, wütend, gestresst oder glück-lich sind, nicht in erster Linie, weil wir Hunger haben.“ Der größte Teil des Essverhaltens sei nicht verstandgesteuert, sondern werde vom Unterbewusstsein beeinflusst – und der Werbung.

links oben: Bücher, Bücher, Bücher ... Viele davon haben mit gutem (Bio-)Essen und nachhaltigem Leben zu tun. links unten:  Regional oder bio? Hendrik Haase sprach mit Martina Schäfer (links) und Veronica Veneziano. rechts: Fachwissen auf der Bühne: Nanette Ströbele-Benschop (links) und Wiebke Franz diskutierten mit Schrot&Korn-Chefredakteurin Stephanie Silber (Mitte) über deutsche Essgewohnheiten. © Susanne Oehlschläger/bio verlag

Wiebke Franz stellte Untersuchungen vor, nach denen Kaufentscheidungen ein, zwei Sekunden dauern. Deshalb seien Bilder auf Verpackungen so wichtig: „Was da abgebildet ist, das erwarten wir auch im Produkt selbst. Die Zutatenliste lesen wir oft nicht, weil dafür kaum Zeit ist.“

Am Sonntag ging es in einer zweiten Schrot&Korn-Diskussionsrunde um das Thema: „Regional, und gut? Was Essen aus der Heimat verspricht – und oft nicht hält.“ Martina Schäfer, Professorin an der TU  Berlin, die sich seit Jahren wissenschaftlich mit regionalen (Bio-)Produkten beschäftigt, und die Foodaktivistin Veronica Veneziano gingen mit Moderator Hendrik Haase zunächst der Frage nach, was denn „regional“ überhaupt ist. „Der Begriff ‚Bio‘ ist geschützt“, sagte Hendrik Haase, aber ‚regional‘ nicht!“ Veronica Veneziano berichtete von Umfragen, bei denen einige Verbraucher Lebensmittel aus bis zu 250 Kilometern Umkreis noch als „regional“ durchgehen ließen, andere aber nur 30 oder 40 Kilometer gelten lassen wollten.

 

Irmgard Schwartmann

Die 81-jährige Düsseldorferin hat lange Zeit als Ernährungsberaterin gearbeitet, ist noch von Dr. Bruker ausgebildet
worden. Sie schwört auf Bio-Produkte und kauft regelmäßig im Bio-Laden ein: „Auf Fabrikzucker verzichte ich. Das ist ein total leeres Nahrungsmittel.“

Bei Fleisch, Obst und Gemüse sei die regionale Versorgung meist noch gut möglich, aber bei vielen Tees, Kaffee oder Gewürzen werde es problematisch. Veronica Veneziano hat unter anderem das Projekt „Marktschwärmer“ aufgebaut, bei dem Anbieter regionaler Waren und Verbraucher über digitale Wege auf Bauernmärkten zusammengebracht werden.

Martina Schäfer, die lange Jahre im Nachhaltigkeitsbeirat des Landes Brandenburg saß, fand das gut, gab aber zu bedenken, dass „regional“ allein bei Weitem nicht ausreiche: „Es gibt ja auch regionales Fleisch aus Massentierhaltung. Damit ist aus Nachhaltigkeitssicht natürlich so gut wie nichts gewonnen!“ Sie stellte den biologischen Anbau in den Mittelpunkt. Außerdem machte Martina Schäfer darauf aufmerksam, dass man nicht einfach sagen könne: „Äpfel aus Neuseeland sind wegen des weiten Transports ökologisch bedenklich, deutsche aber gut!“ Der Energieverbrauch für den Transport sei vergleichsweise klein, erklärte Schäfer. Deutsches, konventionelles Obst oder Gemüse, das im Jahresverlauf viel gedüngt und gespritzt werde, habe einen deutlich schlechteren ökologischen Fußabdruck als Bio-Obst aus Übersee. „Aber natürlich sind Bio-Obst und Gemüse aus der Region in jedem Fall unschlagbar!“, brachte es Martina Schäfer auf den Punkt.

Wer den Talkrunden und der Kochshow nicht auf der Buchmesse zusehen konnte, findet sie noch im Netz bei Schrot&Korn – wie auch die Rezepte der Kochshow: www.schrotundkorn.de/buchmesse2018

Hier finden Sie die Apfelrezepte von der Kochshow

Erschienen in Ausgabe 12/2018
Rubrik: Leben&Umwelt

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