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Aus der Branche 11 |2018

Aus der Branche  © Kerstin MUS
Besucher des Heldenmarkts freuen sich über Bio-Kuchen. © Kerstin MUS

Messen: Nachhaltiger Konsum

Ob Lebensmittel, Mode, Kosmetik, Wohnen, Mobilität oder Geldanlagen, mittlerweile gibt es in jedem Bereich umwelt- und sozialverträgliche Alternativen zum herkömmlichen Angebot. Viele von ihnen sind zu finden auf den Messen der „Heldenmärkte“: Am 17. und 18.11. geht der Berliner Heldenmarkt in die achte Runde. 200 Hersteller präsentieren ein buntes Potpourri an nachhaltig produzierten Produkten und umweltschonenden Dienstleistungen: Neben Bio-Lebensmitteln gibt es fair produzierte Kleidung, Naturkosmetik, Haushalts- und Einrichtungsgegenstände sowie Informationen von alternativen Banken, Versicherungen und Öko-Stromanbietern. Darunter auch viele noch unbekanntere Start-ups wie „Happy Cheeze“ (veganer Käse auf Cashew-Basis) oder „Babakoto“ (maßgeschneiderte Anzüge). „SirPlus“, der Berliner Lebensmittel-Rettermarkt, gibt Tipps zu weniger Lebensmittelverschwendung. Getränkehersteller, darunter „Viva con Agua“ und „Ostmost“, zeigen, welche gemeinnützigen Projekte sie unterstützen. Joab Nist, Gründer von „Notes of Berlin“, sammelt Notizen aus dem Berliner Stadtbild und zeigt, was die Hauptstadt zum Thema Veganismus, Öko-Hipster, unkorrekte Mülltrennung oder Stromverschwendung zu sagen hat. Weitere Märkte: Stuttgart 3. und 4.11. Liederhalle; Hamburg 26. und 27.1.2019 Cruise Center Altona
www.heldenmarkt.de id


Preisverleihung: Mehr Bio für morgen

Im Rahmen der 15. BioNord in Hannover durften sich zwei Akteure über den Gewinn des BioMessen-Förderpreises freuen: Die Ökologische Tierzucht (ÖTZ) und Barnhouse leisten nach Auffassung der Jury einen wichtigen Beitrag zu „mehr Bio für morgen“. Die ÖTZ widmet sich der Züchtung ökologischer Hühnerrassen, die Eier und Fleisch liefern, und will die Abhängigkeit ökologisch wirtschaftender Betriebe von internationalen Zuchtkonzernen verringern. Barnhouse engagiert sich für mehr Öko-Anbau in der Region: durch faire Zusammenarbeit mit Erzeugern, Anbau von Hafer in Kombination mit Leindotter oder Einsatz für ökologische Saatgutzüchtung. www.biomessen.info id


Online-Konferenz: Impulse für den Wandel

Die gemeinnützige Organisation KarmaKonsum blickt zurück auf elf Jahre Inspiration und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Unter dem Motto „Innere Pfade der Nachhaltigkeit“ präsentiert sie vom 8.11. bis 18.11. ihre zweite Online-Konferenz. Das kostenlose Onlineangebot von mehr als 30 Video-Talks mit Referenten aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur erfolgt zu den drei Themenbereichen #NachhaltigWirtschaften, #WandelGestalten und #AchtsamLeben. Neben dem KarmaKonsum-Gründer Christoph Harrach sind unter anderem der Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke, der Postwachstumsökonomie-Forscher Niko Paech und die Achtsamkeitslehrerin und ehemalige Google-Pressesprecherin Mounira Latrache mit dabei. Alle Talks werden jeweils für 48 Stunden freigeschaltet.
www.karmakonsum.de/konferenz id


Waldprojekt: Buchenwald

Das Bonner Unternehmen ForestFinance hat die erste Phase seines Naturschutzprojekts „WildeBuche“ beendet. Rund
500 Waldschützer haben sich für den Schutz eines naturnahen Rotbuchenwaldes in der Eifelgemeinde Hümmel engagiert. Hierdurch wird ein Hektar Wald für 50 Jahre unter Schutz gestellt; sich selbst überlassen, ohne Eingriffe von Menschen. Das Ziel ist es, den Aufbau und Erhalt alter Laubwälder zu fördern, damit diese wieder die Funktionen von Urwäldern übernehmen können. Die bis zu dreihundert Jahre alten Buchen sind auch ein Zufluchtsort für zahlreiche bedrohte, heimische Tierarten.
www.forestfinance.de id


 

Vernetzungskongress: Hilfe zur Selbsthilfe

Ernährungsräte gründen sich, um Bürger miteinander zu vernetzen und gemeinsam Anliegen rund um Ernährung und Klimaschutz vorzubringen. Der Ernährungsrat Frankfurt und das Netzwerk der Ernährungsräte laden hierzu alle Interessierten vom 23.-25.11. zum 2. deutschsprachigen Ernährungskongress nach Frankfurt am Main. Der Vernetzungskongress soll dazu dienen, den Erfahrungsaustausch zu stärken: Die bestehenden Ernährungsräte wollen die noch junge Bewegung weiter vernetzen und gemeinsam von erfahrenen Gründern aus dem In- und Ausland lernen. Den Auftakt macht ein „Frankfurter Abend“ im Museum für Kochkunst mit einem bunten Programm aus Vortrag und Kultur. An den beiden folgenden Kongresstagen im Frankfurter Dominikanerkloster haben alle Teilnehmer die Möglichkeit der Mitgestaltung, indem sie aktuelle Themen, Probleme und Fragen einbringen, wie beispielsweise: „Wie können städtische Ausschreibungen des Schulcaterings für bio-regionale Ernährung vereinfacht werden – was lassen die EU-Richtlinien hier zu?“
www.ernaehrungsrat-frankfurt.de/kongress/ id


Bundesweiter Pflanzwettbewerb: Neue Lebensräume

„Lokal handeln“ war die diesjährige Devise des Pflanzwettbewerbs der Initiative „Deutschland summt!“. Die „Stiftung Mensch und Umwelt“ hatte dazu aufgerufen, aktiv zu werden und naturferne Flächen als neuen Lebensraum für Bestäuberinsekten zu gestalten. Bundesweit knapp 3100 Bürger nahmen teil. Durch den Wettbewerb wurden unzählige Stauden, Spät- und Frühblüher, Kräuter und Wiesenblumen gepflanzt – auf fast 150 000 Quadratmetern – also knapp 15 Hektar. Zudem entstanden insektenfreundliche Kleinstrukturen wie Nisthilfen, Trockenmauern, Kräuterspiralen, Lesesteinhaufen und Wasserstellen. Die Wettbewerbsjury suchte die jeweils besten Projekte im Sinne der (Wild-)Bienen aus. So erhält der 15-jährige Leander aus Oberbayern in der Kategorie „Balkone, Terrassen, Dachbegrünung, vertikale Gärten“ den ersten Platz und mahnt: „Das Insekten- und vor allem (Wild!-)Bienensterben hat früher oder später Einfluss auf jeden von uns und unsere Umwelt, daher sollte schnellstmöglich an diesem Problem gearbeitet werden.“ www.stiftung-mensch-umwelt.de; www.deutschland-summt.de id


Laden mit leidenschaft

„Wir müssen ans Überleben der Branche denken“

Wie kam es zur Gründung Ihres Bio-Ladens?

Mein Freundeskreis, meine Geschwister und ich, wir haben alle um dieselbe Zeit Kinder bekommen und da war das Thema Bio-Lebensmittel wichtig. In Leipzig gab es in dieser Hinsicht damals wenig. Als gelernter Bio-Landwirt habe ich die Kontakte zu den Bio-Bauern der Region aktiviert und neben meinem Wirtschaftsstudium einen Lieferdienst aufgebaut. Im August 2000 habe ich einen kleinen Laden übernommen. Inzwischen sind wir zweimal umgezogen – 2006 auf 600 m² und haben zwei weitere Läden eröffnet.

Was lieben Sie besonders an Ihrem Bio-Laden?

Wir sind besonders konsequent in der Auswahl von Sortiment und Herstellern. Seit der Entwicklung, dass konventionelle Hersteller mit Bio-Marken in die Bio-Branche gekommen sind und dass Bio-Marken von konventionellen Konzernen übernommen wurden, hinterfrage ich sehr, was für mich Hersteller sind, denen ich vertrauen kann, die ich führen möchte und liste aus. Auch in Rücksprache mit unseren Kunden.

Was ist das ungewöhnlichste Produkt in Ihrem Sortiment?

Wir haben natürlich viele spezielle Sachen wie Büffelmilchjoghurt oder „Käse“ aus Cashewkernen.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: „Ich liebe bio, weil …!“

„…die Wahrscheinlichkeit, ein sehr gutes Produkt zu bekommen die höchste ist.“

Wobei, abgesehen von Lebensmitteln, ist Ihnen Nachhaltigkeit besonders wichtig?

Das ist ein komplexer Ansatz über alle Lebensbereiche hinweg und genau das ist das Wichtigste an Nachhaltigkeit. Es ist für jemanden, der über Bio nachgedacht hat selbstverständlich, dass er den Bio-Gedanken nicht nur auf Lebensmittel bezieht und für mich das entscheidende Konzept für Zukunftsfähigkeit.

Worüber haben Sie sich in letzter Zeit geärgert oder gefreut?

Grundsätzlich ärgere ich mich über einseitige Urteile, noch dazu wenn sie von Halbwissen geleitet sind. Als Unternehmer ärgert mich besonders, wenn die Überlebensfragen der Branche aus den Augen verloren werden.

Was wünschen Sie sich, um die Welt jetzt sofort ein bisschen besser zu machen?

Dass die EU endlich das System der CO2-Zertifikate so gestaltet, dass es die Ökologisierung der Wirtschaft vorantreibt. Das Konzept ist bekannt und wissenschaftlicher Konsens, es fehlt nur der politische Wille. So könnte man die Welt mit sehr einfachen Mitteln deutlich besser machen.

Malte Reupert 

... betreibt in Leipzig unter dem Namen Biomare drei Bio-Läden mit ökologischer Einrichtung. Er wundert sich darüber, dass es immer wieder Leute gibt, die gerade Bio-Unternehmer mit besonderer Verbissenheit betrachten, wenn sie erfolgreich sind. www.bio-mare.com

Erschienen in Ausgabe 11/2018
Rubrik: Leben&Umwelt

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