Ackergift (f)liegt in der Luft - Schrot und Korn

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Ackergift (f)liegt in der Luft

© TIEM Integrierte Umweltüberwachung GbR
Ein Forscher entnimmt eine Probe für die Baumrindenstudie. © TIEM Integrierte Umweltüberwachung GbR

 

LANDWIRTSCHAFT Glyphosat & Co. verbreiten sich über die Luft. Das zeigt eine neue Studie. Für den Bio-Landbau ist das ein Problem. Barbara Lehnert-Gruber

Bio-Bauern dürfen keine synthetischen Pestizide verwenden. Trotzdem sind ihre Erzeugnisse immer wieder damit verunreinigt. Für die Bauern ist das existenzbedrohend, denn sie können belastetes Obst und Gemüse nicht mehr verkaufen. Doch wie kommen Glyphosat & Co. auf den Bio-Acker? 

Das „Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“ wollte wissen, welche Rolle eine Verbreitung über die Luft spielt und hat dazu eine Studie in Auftrag gegeben. Die These: Wenn sich Pestizide über die Luft verbreiten, müssen sie in der Rinde von Bäumen zu finden sein, denn Baumrinde kann Substanzen aus der Luft aufnehmen und speichern, ähnlich wie Aktivkohle. 

Experten vom Büro TIEM Integrierte Umweltüberwachung untersuchten daraufhin an insgesamt 47 Standorten in ganz Deutschland die Rinde von Bäumen auf 500 verschiedene Pestizide – und wurden an allen Standorten fündig, egal ob die Bäume in landwirtschaftlichen Regionen, Naturschutzgebieten oder in Großstädten standen. Insgesamt konnten die Forscher 107 Substanzen nachweisen. Zu den Spitzenreitern zählten die leicht flüchtigen Pestizide Pendimethalin und Prosulfocarb. Sie wurden an 41 beziehungsweise 31 Standorten gemessen. Aber auch das nicht-flüchtige Glyphosat fanden die Forscher an über der Hälfte der Standorte. Teilweise sogar weitab von konventionellen Feldern. Die Forscher vermuten, dass sich das Herbizid an Bodenpartikel anheftet und mit diesen fortgeweht wird.   

Gefährlich für Umwelt, Gesundheit und Bio 

„Ackergifte in der Luft schaden der Umwelt, unserer Gesundheit und der Bio-Landwirtschaft“, stellt Karl Bär vom Umweltinstitut München klar und kritisiert, dass dieses Problem in den Zulassungsverfahren bisher ignoriert würde. Das sieht auch das Bündnis so. Als Konsequenz aus den Ergebnissen fordern die Mitglieder, die Zulassung von Pendimethalin und Prosulfocarb auszusetzen. Darüber hinaus müsse die Zulassung von Glyphosat überprüft werden, da eine Ausbreitung über die Luft bisher im Zulassungsverfahren nicht berücksichtigt worden sei. 

Um das Ergebnis der „Baumrindenstudie“ zu untermauern, will das Bündnis weitere Tests machen. Für 2019 ist eine große Pestizidmonitoring-Studie geplant. Dabei sollen unter anderem Filtermatten in Klimaanlagen und Honig auf Abdrift untersucht werden. 

Zum „Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“ gehören über 40 Bio-Unternehmen und Organisationen. Auch der bio verlag und Schrot&Korn sind als Fördermitglied und Medienpartner dabei. Die Mitglieder wollen ein Bewusstsein für die Gefahren durch Pestizidabdrift schaffen und mit Bauern, Industrie und Politik Lösungswege diskutieren – „damit auch zukünftige Generationen unbelastete Lebensmittel ohne Glyphosat & Co. genießen können“, so das Bündnis. 

 

Erschienen in Ausgabe 04/2019
Rubrik: Leben&Umwelt

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