Hunger auf Land - Schrot und Korn

Anzeige

Anzeige

Hunger auf Land

Fruchtbarer Boden wird knapp. Agrarkonzerne und Finanzinvestoren versuchen, sich möglichst viel davon unter den Nagel zu reißen. Dabei treiben sie Millionen von Kleinbauern in den Ruin. // Leo Frühschütz

Land Grabbing Ich erinnere mich an mein Land, drei Acres Kaffee, fünf Acres Bananen, viele Bäume – Mangos und Avocados. Mein Land gab mir alles, was ich brauchte für mein Leben und für die Ausbildung meiner Kinder.“ Francis Longoli (Name geändert) war ein zufriedener Kleinbauer im Kiboga District in Uganda. Ein Omataka, einer, der Land hat. „Das alles ist vorbei. Nun bin ich einer der Ärmsten.“

Francis Longoli ist einer von über 20 000 Menschen, die in Kiboga und dem benachbarten Mubende vertrieben wurden, um Platz zu machen für die Eukalyptus-Plantage einer britischen Firma. Er und viele andere der Vertriebenen haben im Sommer 2011 einem Team der internationalen Entwicklungsorganisation Oxfam ihre Geschichte erzählt: ein Fallbeispiel für Landgrabbing. „To grab“ heißt im Englischen, sich etwas schnappen, an sich reißen. Die in Barcelona sitzende Organisation Grain hat den Begriff Landgrabbing Ende 2008 populär gemacht. Sie berichtete in ihrer Studie „Seized!“ erstmals über großflächige Landkäufe privater und staatlicher Unternehmen in Entwicklungsländern und listete rund 100 Fälle auf.

„Mach Dich vom Acker, Mann!“

Neben Landraub wirken sich Spekulationen mit Lebensmitteln verheerend auf die Armen in Entwicklungsländern aus: Sie geben bis zu 80 Prozent ihres Einkommens fürs tägliche Brot aus. Verdoppeln sich die Preise, müssen sie hungern. Investoren manipulieren mit Wetten die Preise von Grundnahrungsmitteln. Bei der Verbraucherorganisation Foodwatch kann man die Deutsche Bank dazu auffordern, sich aus solchen Spekulationsgeschäften zurückzuziehen. Die Parole dafür lautet – in Anspielung an den Ex-Deutsche-Bank-Chef: „Mach Dich vom Acker, Mann!“
www.foodwatch.de

Schockierende Zahlen

Doch in den letzten beiden Jahren ist die Zahl der umstrittenen Landnahmen stark gewachsen. Die Entwicklungsorganisation Oxfam unterstützte mehrere Forschungseinrichtungen und Universitäten dabei, eine Bestandsaufnahme zu erarbeiten. Finanziert wurde diese unter anderem von der bundeseigenen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit. Partner vor Ort haben die einzelnen Fälle überprüft und bestätigt. Die Studie umfasst rund 2 000 Fälle aus den letzten zehn Jahren mit insgesamt 203 Millionen Hektar Fläche. Das ist mehr, als die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche der EU. „Diese Zahl hat uns schockiert, weil sie weit über allen bisherigen Schätzungen lag“, sagt Frank Braßel, der die Studie bei Oxfam Deutschland betreut hat. Er fasst die Ergebnisse so zusammen: „Gut die Hälfte der Fläche betrifft Afrika. Ein Schwerpunkt auf allen betroffenen Kontinenten ist der Anbau von Biomasse oder Ölfrüchten für Agrosprit.“

Protest

Protest gegen den größten Landraub in der Geschichte von Papua-Neuguinea

Landgrabbing gibt es außerdem auch in Mittel- und Lateinamerika oder in Südostasien, ja sogar in Osteuropa. Im Vordergrund stehen Flächen für den Anbau von Nahrung, Agrosprit oder Holz. Doch auch für den Abbau von Rohstoffen oder Projekte im Tourismussektor sichern sich Investoren immer wieder riesige Grundstücke.

Allerdings ist nicht jeder Kauf von 1 000 Hektar Landgrabbing. Die International Land Coalition (ILC), ein Zusammenschluss von 116 Organisationen, spricht von Landgrabbing, wenn einer oder mehrere von fünf Punkten erfüllt sind:

  • Die Landnahme geschieht ohne das freie und wissentliche Einverständnis der betroffenen Landnutzer.
  • Es fehlt eine gründliche Abschätzung der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen des Projekts oder deren Ergebnisse werden missachtet.
  • Es gibt keine transparenten Verträge, die klar und verpflichtend die Aktivitäten des neuen Landnutzers, Beschäftigungsverhältnisse und den Nutzen für die lokale Bevölkerung regeln.
  • Demokratische Planungsprozesse, unabhängige Überprüfungen und echte Mitsprache werden umgangen.
  • Der Investor kommt aus dem Ausland.

Vertreibung (Foto: Paul Hilton / Greenpeacefoto)

In Paraguay werden Sawhoyamaxa-Indianer brutal von ihrem Land vertrieben (Foto: Paul Hilton / Greenpeacefoto)

Fälle, in denen ein nationaler Agrarkonzern sich Bauernland unter den Nagel reißt, sind zwar auch Landraub und in manchen Ländern an der Tagesordnung. Doch sie werden nicht als Landgrabbing gezählt. Anders diese Beispiele:

Der Inder Sai Ramakrishna Karuturi hat mit seiner Firma Karuturi Global Ltd. unter anderem in Äthiopien 300 000 Hektar Land gepachtet. Sein wichtigstes Produkt bisher sind Rosen: 550 Millionen Stiele jährlich produzieren seine Farmen in Afrika und Südamerika. Nun sollen auch noch in großem Stil Nahrungsmittel hinzukommen.

Die US-Firma Nile Trading and Development Inc. hat 600 000 Hektar im Sudan für 49 Jahre gepachtet. Laut Vertrag kann sie dort machen, was sie will. Die Firmen Agrisol Energy und Summit Group planen, finanziert von der in Dubai sitzenden Pharos Financial Group, ein Landwirtschaftsprojekt in Tansania. Es soll 325 000 Hektar Land umfassen, die eigentlich 160 000 ehemaligen Flüchtlingen versprochen waren.

Werden Sie aktiv gegen Landraub!

Informiert bleiben
Oxfam, Inkota, FIAN, die kirchlichen Hilfswerke und andere Organisationen (Adressen S. 39) informieren über Landgrabbing, bieten Newsletter an und halten Sie auf dem Laufenden.

Andere informieren
Bei diesen Organisationen können Sie auch Flyer bestellen, Broschüren runterladen oder Videos posten und damit das Thema bei Freunden und Kollegen bekannter machen.

Druck machen
Protestmails oder Petitionen mit vielen Unterschriften zeigen den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, dass Menschen darauf achten, ob und wie sie handeln.

Aufs Geld achten
Hat Ihre Bank oder Ihre Lebensversicherung in fragwürdige Agrargeschäfte und -firmen investiert? Fragen Sie nach.

Spenden
Alle Organisationen, die das Thema bekannter machen und versuchen, den Betroffenen zu helfen, sind auf Unterstützung angewiesen. Ihr Geld ist hier gut angelegt.

Kleinbauern ungenügend geschützt

Diese und die vielen anderen Fälle, über die Oxfam und andere Organisationen berichten, haben manches gemeinsam. Fast immer sind die Landrechte der betroffenen Kleinbauern oder Volksgruppen ungenügend geschützt. Funktionierende Katasterämter, in denen Grund erfasst und einem Eigentümer zugeordnet ist, gibt es in vielen Ländern nicht. Oft handelt es sich um traditionelle Nutzungen, die seit Jahrzehnten erlaubt oder toleriert, aber nie schriftlich festgehalten wurden. Das Land gehört denen, die es nutzen. Offiziell aber gehört es meist dem Staat oder dörflichen Gemeinschaften. Häufig verkaufen staatliche Organisationen Land, ohne sich um die Belange der darauf Lebenden zu scheren.

Francis Longoli und die anderen Vertriebenen aus Uganda lebten auf staatlichem Grund, der als Wald definiert ist und der Forstbehörde untersteht. Manche hatten ihr Land noch von den britischen Kolonialherrn zugewiesen bekommen, als Dank für Kriegsdienste im Zweiten Weltkrieg. Andere hatten zur Zeit des Despoten Idi Amin in den 70er- Jahren Land erhalten. Solche Flächen wurden vererbt und verkauft. Die Dörfer wuchsen und hatten eine funktionierende Verwaltung. Bis 2005 die Forstverwaltung an das britische Unternehmen NFC die Lizenz vergab, im Wald Plantagen anzulegen. Die Forstverwaltung verwies auf ein Gesetz, wonach es in ausgewiesenen Wäldern verboten sei, Ackerbau zu betreiben, Vieh zu weiden oder Häuser zu errichten. Aus den seit Jahrzehnten Ansässigen machte die Verwaltung dadurch Illegale.

Fast immer braucht es zum Landraub staatliche Stellen, die den ausländischen Investor unterstützen – und dabei auch verdienen. In dem ugandischen Fall war es die Forstbehörde. Nach den gesammelten Augenzeugenberichten stellten sich auch einige Minister und der Distrikt-Chef hinter den Investor NFC – unterstützt durch die Polizei. In Tansania vergibt das staatliche Tanzania Investment Centre ausgewählte Flächen an Inves-toren, die darauf Energiepflanzen anbauen wollen. Im Südsudan hatte die Nile Trading and Development Inc. ihren Vertrag mit drei Vertretern einer Kooperative ausgehandelt, die ihr das der Mukaya Payam Community gehörende Land überließen. „Nach Angaben der Gemeinschaft ist diese Kooperative nicht gesetzlich registriert, hat kein örtliches Büro und vertritt die Gemeinschaft nicht“, schreibt Oxfam in seiner Studie. Es handele sich „um drei einflussreiche Söhne der Region“, die alle der Familie eines Stammesführers angehören.

BrandrodungBrandrodung: geht oft einher mit Landraub

Essenspreise explodieren Extrem angestiegen ist die Zahl der Landgrabbing-Fälle mit der Preisexplosion bei Nahrungsmitteln in den Jahren 2007 und 2008. Plötzlich wurde Agrarland für Investoren wieder interessant. Das macht sich auch in zunehmenden Landkäufen in Deutschland oder Osteuropa bemerkbar. Doch interessanter sind Entwicklungsländer, wo Land und Arbeitskräfte viel billiger sind. „Die Preise der Agrarprodukte werden mittelfristig weiter steigen. Und fruchtbares Land wird aufgrund von Erosion, Klimawandel und wuchernden Städten immer knapper“, erläutert Oxfam-Experte Braßel. „Unsere Bestandsaufnahme zeigt, dass vor allem fruchtbare und gut mit Wasser versorgte Flächen im Fokus der Inves-toren liegen.“ Diese sind nicht nur bekannte Firmen aus dem Agrobusiness. Die Wachstumschancen haben Finanzinvestoren ebenso auf den Plan gerufen wie Staatsfonds und -firmen aus arabischen Ländern oder China, die sich Flächen aneignen wollen, um die Ernährung der eigenen Bevölkerung zu sichern.

Rente verursacht Hunger

Eine Schlüsselrolle spielen Pensionsfonds, sagt die Organisation Grain. Sie verwalten Milliarden, die sie später als Rente an Arbeiter oder Beamte auszahlen müssen und bis dahin langfristig und gewinnbringend anlegen sollen. Grain schätzt, dass diese Fonds in letzter Zeit zwischen fünf und 15 Milliarden US-Dollar in Agrarland investiert haben und mindestens ebenso viel in Wald. Tendenz steigend. Die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, will zusammen mit Pensionskassen aus den USA und Schweden einen Agrarlandfonds auflegen und sich selbst mit rund 100 Millionen US-Dollar daran beteiligen.

Nobelpreis für Grain

Die Organisation Grain ist für ihren Kampf gegen Landgrabbing im Herbst 2011 mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Grain setzt sich seit 1990 weltweit für Kleinbauern ein.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation FIAN sollen bis zu 30 Prozent des Geldes für Landkäufe in Brasilien genutzt werden. „Riesige Monokulturen sind nicht vereinbar mit lokaler Ernährungssicherung und einer Entwicklung, von der die Ärmsten profitieren“, kommentiert Roman Herre, Agrarreferent bei FIAN, das Engagement der Pensionskasse. Er setzt auf das soziale Gewissen der 50 000 Ärzte, deren Gelder die Pensionskasse verwaltet. „Nach unseren Erfahrungen lehnt die Bevölkerung in Deutschland, Rentenversicherte eingeschlossen, Investitionen in diesem menschenrechtlich höchst problematischen Bereich ab.“

Sorgfaltspflicht ist gefragt

Entsprechend reagierte in einem Fall die Deutsche Bank: Deren Fondstochter DWS Finanz-Service GmbH investiert über mehrere Agrarfonds in börsennotierte Agrarkonzerne. Im Herbst 2010 hatte die DWS auch 279 Millionen Euro in Firmen gesteckt, welche Agrarland kaufen oder pachten, wie FIAN recherchiert hat. Eine dieser Firmen war der thailändische Zuckerkonzern KSL. Wie andere thailändische Zuckerbarone weitet KSL seine Anbauflächen mit Hilfe korrupter kambodschanischer Politiker ins Nachbarland aus. FIAN wies nach, dass das Unternehmen in Kambodscha in die Vertreibung von über 400 Bauernfamilien verwickelt war. Nachdem das TV-Magazin Report über den Fall berichtet hatte, trennte sich DWS von ihren KSL-Aktien.

Für Roman Herre kann das allerdings nur ein Anfang sein. „Insbesondere im Agrarsektor, in dem Berichte über Menschenrechtsverletzungen, ausbeuterische Arbeiter, Landraub und Umweltzerstörungen an der Tagesordnung sind, sollten Investoren wie die DWS ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen und im Zweifel nach dem Vorsorgeprinzip vorgehen: Können sie Menschenrechtsverletzungen nicht ausschließen, sollten sie Konzerne nicht finanzieren.“

Konkret nennt der FIAN-Experte die DWS-Anteile am Agrarmulti Olam International aus Singapur. Der hat sich unter anderem 300 000 Hektar im westafrikanischen Gabun gesichert, um dort Ölpalmen anzubauen. Olam darf das Land kostenlos nutzen und muss 16 Jahre lang weder Einkommensteuer, Mehrwertsteuern noch Importzölle auf Maschinen, Treibstoffe und Dünger zahlen.

In der Auflistung von FIAN finden sich noch andere Firmen, die in Agrarland investieren, darunter bekannte wie die Allianz-Gruppe und unbekannte wie die börsennotierte Acazis AG. Sie hat in Äthiopien 56 000 Hektar Land gepachtet, um dort Castorbohnen für die Ölproduktion anzubauen.

Weltbank korrigiert sich

Die Firma Acazis verspricht, dass sie nur Land bebaue, das für den Anbau von Nahrungsmitteln ungeeignet sei. Es würden Arbeitsplätze für die Bevölkerung geschaffen und es gebe keine Monokulturen. Solche Behauptungen finden sich auf vielen Webseiten von Firmen, die Land in Entwicklungsländern aufkaufen.

Lange Zeit galten entsprechende Investitionen als hilfreiches Engagement. Die Weltbank förderte solche Projekte. Inzwischen musste das Institut in einer Studie eingestehen, dass viele dieser Investitionen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. „Sie haben, anstatt tragfähigen Nutzen zu liefern, die lokale Bevölkerung schlechter dastehen lassen, als es ohne die Investition der Fall gewesen wäre“, heißt es dazu in einem Weltbank-Bericht. Die Menschen vor Ort hätten oft ihre Rechte verloren, ohne entschädigt zu werden.

Aus diesem Grund hat die Weltbank zusammen mit verschiedenen UNO-Organisationen freiwillige Prinzipien für verantwortliche landwirtschaftliche Investitionen (RAI) erarbeitet. Frank Barßel von Oxfam bewertet diese allerdings als „einen sehr schwachen Codex“ und fordert ein Moratorium für große Landtransaktionen, bis klare Richtlinien auf internationaler Ebene entwickelt sind. Dabei setzt er vor allem auf die Welternährungsorganisation FAO. In deren Kommitee für Ernährungssicherheit diskutieren Regierungen, Bauernorganisationen und Nichtregierungsorganisationen über eine bessere Sicherung von Landrechten.

FIAN, Grain und andere Organisationen sehen in den RAI-Prinzipien den Versuch, großflächige Landakquisitionen zu legitimieren und ihnen das Mäntelchen einer Umwelt- und Sozialverträglichkeit umzuhängen. „Landgrabbing muss gestoppt und geächtet werden“, ist ihre Position. Einig sind sich alle darüber, dass nur eines wirklich hilft: gezielte Investitionen in die kleinbäuerliche Landwirtschaft.

Nicht zuletzt nennt auch der Weltagrarbericht die Kleinbauern das Rückgrat der Welternährung: Sie produzieren den größten Teil aller Lebensmittel – auf Höfen, die oft kleiner sind als die zwei Fußballfelder, die einen Hektar ausmachen.

Interview

„ Wir wollen die Bauern voranbringen“

Florian SchöneLeo Pröstler ermöglicht Anlegern, in Wald in Costa Rica zu inves-tieren. Der bio verlag gehörte zu den ersten Investoren.
www.bauminvest.de

Sie haben Land für Fonds gekauft? Mit einem solchen Investment wird man leicht als Landräuber abgestempelt.

Wir suchen uns sehr genau aus, was wir kaufen. Die drei Fincas wurden vor Jahrzehnten auf gerodetem Regenwald angelegt. Alle drei wurden nicht mehr bewirtschaftet oder nur zur Rinderzucht verwendet und von den Eigentümern zum Verkauf angeboten.

Gibt es in Costa Rica kein Landgrabbing?

Doch, aber das läuft anders. Die Krake in Costa Rica ist der Ananas- und der Palmöl-Anbau. In diesen Bereich wandert viel schnelles Geld.

Wie sieht Landgrabbing hier konkret aus?

Der Einkäufer geht zu den größten Fincas und bietet ihnen das Doppelte des marktüblichen Preises. Die meisten dieser Fincas wurden vor 30 oder 40 Jahren angelegt. Die Besitzer sind alt, die Kinder wollen nicht auf dem Land leben. Also verkaufen sie. Dadurch wächst der soziale Druck auf die kleinen Grundbesitzer enorm. In Costa Rica hat der Staat früheren Landlosen jeweils zehn Hektar übergeben. Viele lassen sich aber vom schnellem Geld verlocken.

Und wer nicht verkaufen will?

Der bekommt Druck zu spüren. Ihnen wird geraten ins Hinterland zu ziehen. Hinterland bedeutet aber auch wieder vermehrte Rodung.

Arbeitet BaumInvest auch mit diesen 10-Hektar-Kleinbauern zusammen?

Ja, wir beraten die Kleinbauern in gemeinsamen Gesprächen, stellen das Saatgut und organisieren die Vermarktung. Die Bauern sind in diesem Projekt fest angestellt, also sozial abgesichert, behalten ihren Grund und können so gemeinsam größere Mengen auf dem Markt anbieten.

Dürfen Landlose auch mitmachen?

Im Norden Costa Ricas stammen die landlosen Hilfsarbeiter überwiegend aus Nicaragua. Sie verdienen hier etwa das Vierfache. Wir stellen diese Menschen fest an und zahlen gut. Darüberhinaus wird der Gewinn aufgeteilt. Viele von ihnen kaufen sich nach einigen Jahren mit dem Ersparten selbst Grund – in ihrer Heimat Nicaragua.

Leo Frühschütz

Leo Frühschütz ist langjähriger Schrot&Korn-Autor. Selten hat ihn eine Recherche so wütend gemacht wie diese zur Ausbeutung von Kleinbauern.

Bücher und Links

Bahn, Evelyn; Kaphengst, TimoBahn, Evelyn; Kaphengst, Timo:
LandGrabbing – Der globale Wettlauf um Agrarland.
Verlag VSA, 2012, 96 Seiten, 7 Euro

  Fritz, Thomas

Fritz, Thomas:
Peak Soil – Die globale Jagd nach Land.
Forschungs- u. Dokumentationszentrum
Chile, 2009, 164 Seiten, 12 Euro

Exner, Andreas u.a.Exner, Andreas u.a.:
Kämpfe um Land – Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter.
Verlag Mandelbaum, 2011, 250 Seiten, 19,90 Euro

http://farmlandgrab.org
Die Seite sammelt Nachrichten über Landraub-Fälle (englisch).

http://planete-a-vendre.arte.tv/de
ARTE-Dokumentation

www.alliancesud.ch
Schweizer Entwicklungs-organisationen informieren unter >Dokumentation und >E-Dossiers

www.brot-fuer-die-welt.de
Die Kampagne „Niemand is(s)t für sich allein“ richtet sich auch gegen Landraub.

www.fian.de
Die Menschenrechtsorganisation informiert unter >Themen >Zugang zu Ressourcen.

www.globe-spotting.de/special_landgrabbing.html
Der Journalist Uwe Hoering hat ein interessantes Dossier online gestellt.

www.grain.org
Die britische Organisation hat mit ihrer Studie „Seized!“ Landgrabbing 2008 auf die Tagesordnung gesetzt.

www.guardian.co.uk/global-development/video/2011/oct/06/uganda-international-land-deals
Ein Film über Landraub in Uganda (englisch).

www.inkota.de
Landgrabbing ist eines der Themen des ökumenischen Netzwerkes für Entwicklungspolitik.

www.land-grabbing.de
Das Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika
informiert über Landgrabbing – nicht nur in Südamerika.

www.oxfam.de/ landgrabbing
Die internationale Entwicklungsorganisation hat mehrere Reporte ins Netz gestellt.

www.weltagrarbericht.de
Die Einstiegsseite für alle, die mehr über Wege aus der Hungerkrise wissen wollen.

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'
Angelika Weber
Hallo,



ich finde diesen Artikel ganz hervorragend, weil er das Thema einerseits mit genügend DEtails andererseits sehr anschaulich darstellt. Ich habe den Link über unseren Newletter weitergeschickt - und hoffe, dass ganz viele ihn lesen.



Vielen Dank!

Angelika Weber