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Wie fair sind Versicherungen?

Wie fair und nachhaltig arbeitet das Geld, das wir an Versicherungen zahlen? – Eine umsatzstarke Branche unter der Lupe.

13.10.2020 vonMichael Billig

Versicherungen: Gegen die großen – oder kleinen – Risiken des Lebens

Wie fair und nachhaltig arbeitet das Geld, das wir an Versicherungen zahlen? – Eine umsatzstarke Branche unter der Lupe.

Die Deutschen gehen gern auf Nummer sicher. Mit 446 Millionen aktiven Versicherungsverträgen schützen sie sich vor den großen und kleinen Risiken des Lebens. Die Versicherungswirtschaft gehört mit Beitragseinnahmen von rund 200 Milliarden Euro im Jahr zu den umsatzstärksten Branchen der Republik. Um ihre Schutzversprechen im Bedarfsfall erfüllen zu können, lassen sie das Geld der Versicherten arbeiten. Das heißt, sie legen es an, um damit Geld zu erwirtschaften, das im Versicherungsfall ausgezahlt wird. Gesetzliche Krankenkassen legen Geld in der Regel längerfristig an, etwa in Staatsanleihen und Pfandbriefen. Andere Versicherer, vor allem die Aktiengesellschaften unter ihnen, investieren gerne im großen Stil in Immobilien, Finanzgeschäfte oder Firmen. Sie tragen damit wesentlich zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen bei – oder eben zu Missständen. Die Berliner Nicht-Regierungsorganisation (NGO) Facing Finance, die sich eigenen Angaben zufolge für einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld einsetzt, warnt: „Was unserer Vorsorge zugutekommt, kann andernorts verheerende Folgen haben.“

Können Lebensversicherungen umweltschädlich sein?

So hat Facing Finance etwa die Lebensversicherungen von Allianz, AXA, R+V, Zurich und Debeka auf Nachhaltigkeitsstandards untersucht und dabei „teils erschreckende Mängel“ festgestellt. „Die Versicherungen investieren immer noch zu stark in Kohle- oder andere kontroverse Unternehmen, die das Klima oder die Umwelt zerstören“, sagte Untersuchungsleiterin Julia Dubslaff, als die Ergebnisse Anfang dieses Jahres vorgestellt wurden.

Aus einem 2018 veröffentlichten Bericht der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen geht hervor, dass zum Beispiel der größte Versicherungskonzern in Deutschland, die Allianz, Geld in nukleare Waffen steckt. Offenbar hat sich der Konzern mittlerweile aus diesem Geschäft zurückgezogen. Die Konzernsprecherin teilte auf Anfrage von Schrot&Korn mit: „Die Allianz definiert für ihre Investments klare Ausschlusskriterien. Wir investieren nicht im Bereich biologischer und chemischer Waffen, Anti-Personen-Minen, Streubomben und Atomwaffen.“ Dennoch fiel der Konzern bei der Untersuchung durch Facing Finance durch ein „hohes Defizit“ in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz, Geschlechtergerechtigkeit und Steuern auf. Und bei anderen Anbietern seien die Defizite noch eklatanter, teilte die NGO mit.

So werden Versicherungen nachhaltig

Laut dem Verbund der Fairsicherungsläden ist die „wichtigste Versicherung für Privatmenschen“ die Privathaftpflichtversicherung, die einspringt, wenn man einen Schaden verursacht hat und dafür Ersatzansprüche abgelten muss. Doch Versicherungsunternehmen, die Haftpflicht- und Sachversicherungen verkaufen, haben offenbar noch großen Nachholbedarf. „Ein Umdenken hat bei einigen Versicherungsgesellschaften eingesetzt, ist auch schon weit gediehen, wenngleich noch lange nicht Standard“, berichtet Peter Sollmann, Vorstandsmitglied beim Verbund der Fairsicherungsläden.

Wie Nachhaltigkeit zum Standard werden kann, zeigen zwei Beispiele abseits der klassischen Versicherungswirtschaft: Die Makler von „Grün versichert“ vermitteln Unfall-, Hausrat- und Haftpflichtversicherungen und verfolgen dabei das Ziel, „Kapitalströme aus schädlichen Industriezweigen in ökologische und nachhaltige umzuleiten“. Die Genossenschaftler von „ver.de“ wollen „Deutschlands erste nachhaltige Sachversicherung“ werden und bieten für den Anfang eine „grüne Fahrradabsicherung“ an. Das Grün daran: Die Beiträge fließen in nachhaltige Anlagen, beispielsweise in den Öko-Landbau. Bei Diebstahl gibt es ein Ersatzrad und in den ersten drei Monaten nach Verlust einen Zuschuss zu den Kosten für Bus und Bahn.

Gemeinschaftlich abgesichert – ohne Versicherung

Absicherung ohne Versicherungsunternehmen bietet die Plattform „elinor“ im Internet. Ihr Modell basiert auf sogenannten Peergroups mit bis zu 50 Mitgliedern. Sie finden sich zu einem bestimmten Versicherungsgegenstand, etwa dem Fahrrad, zusammen und sichern sich durch monatliche Beiträge gegenseitig ab. Im Schadensfall stimmt die Gruppe über die Erstattung ab. Offenbar funktioniert das ganz gut. Es haben sich bereits Gruppen für den Schutz von Smartphones und für ein Krankentagegeld für Selbstständige gebildet.

Diese Krankenversicherungen sind besonders grün

An einer Krankenversicherung führt in Deutschland kein Weg vorbei. Wer sich gesetzlich alternativ versichern will, sollte folgende drei Anbieter für sich prüfen: BKK 24, Securvita und BKK Provita. Bei ihnen sind Akupunktur, Osteopathie, Traditionelle Chinesische Medizin, Ayurveda, Tai Chi und autogenes Training keine Extravaganzen, sondern anerkannte Leistungen im Bereich der alternativen Behandlungsmethoden und Gesundheitsprävention. Sie beziehen Öko-Strom und verwenden Recyclingpapier.

Bei der BKK Provita erhalten Versicherte, die sich rein pflanzlich ernähren, einen finanziellen Bonus. Die Provita arbeitet komplett klimaneutral, richtet ihr Wirtschaften an den Werten der Gemeinwohlökonomie aus und parkt ihr Geld bei der GLS-Bank, nach eigenen Angaben die erste Öko-Bank der Welt. Es gibt sie also, die nachhaltige Absicherung.

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