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Natürlich schön mit Naturkosmetik

Eine Haut so weiß wie Schnee, Augen so schwarz wie Ebenholz und Lippen so rot wie Blut - märchenhaft und zu schön, um wahr zu sein. Oder vielleicht doch nicht?
01.01.1997
Eine Haut so weiß wie Schnee, Augen so schwarz wie Ebenholz und Lippen so rot wie Blut - märchenhaft und zu schön, um wahr zu sein. Oder vielleicht doch nicht?

Eine Haut so weiß wie Schnee, Augen so schwarz wie Ebenholz und Lippen so rot wie Blut - märchenhaft und zu schön, um wahr zu sein. Oder vielleicht doch nicht? Mit dekorativer Kosmetik können Sie besondere Details Ihres Gesichtes hervorheben und kleine Fehler der Natur korrigieren. Für die Naturwarenbranche war der Schminkkasten lange Zeit kein Thema. Natur pur - auch im Gesicht - war die Devise. Daß zum Beispiel ein geschminkter Mund oder ein gepflegtes Make-up der Naturschönheit nicht abträglich sein müssen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Verschiedene Hersteller bieten ein Grundsortiment an Schminkutensilien an. Schön, daß frau jetzt auch in diesem Bereich auf Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen zurückgreifen kann.

Dekorative Kosmetik führte bis vor wenigen Jahren im Naturwarenbereich ein Mauerblümchendasein. Nur zögernd fanden die ersten Lippenstifte, Eyeliner oder Tönungscremes Eingang in den Bioladen. Das Credo der Bio-Hardliner - Schönheit kommt von innen und dafür sorgen die gesunde Ernährung und Lebensweise - bot wenig Raum für solche Äußerlichkeiten. Also mußte, wer sich dennoch schminken wollte, auf konventionelle Pasten, Stifte und Farben zurückgreifen.

In den letzten zwei Jahren hat sich viel getan in diesem Bereich. lavera und Logona bieten beispielsweise ein großes Angebot an Schminke, das mit schönen Farben und natürlichen Zutaten überzeugt.

Die Palette von lavera umfaßt verschiedene Bereiche: Trend 1 offeriert ein aufeinander abgestimmtes System für die Gesichtshaut mit verschiedenen Farben Make-up und Rouge, Gesichtspuder und Reinigungsöl. Die Linie Trend 2 beschäftigt sich mit Augen und Lippen: Mehr als ein Dutzend Lippenstifte, einige Lipliner, Kajalstifte und Mascara stehen der Kundin zur Auswahl. Alle Artikel bestehen aus natürlichen Pigmenten, Gewürz- und Farbauszügen. Natürliche pflanzliche Wirkstoffe aus Jojobaöl und Bienenwachs pflegen und schützen die empfindliche Haut der Augen- und Lippenpartien.

Vielfalt und Qualität sind auch bei Logona Trumpf. Mit Eyelinern, Lippenstiften, Puder, Rouge, Lidschatten und Mascara in vielen verschiedenen Farben steht der Schminkkunst nichts mehr im Wege. Rohstoffe sind hochwertige pflegende Öle und Wachse sowie ausschließlich natürliche Pigmente für die Farbgebung.

Daß diese Qualität meßbar ist, zeigten die guten Produktbewertungen der beiden Naturkosmetikunternehmen bei Prüfungen des Magazins Öko-Test: Verschiedene Kosmetikartikel bekamen in puncto gesundheitliche und ökologische Verträglichkeit die höchste Auszeichnung "Empfehlenswert".

Tol, ebenfalls Kosmetikhersteller der ersten Stunde, kündigt an, Anfang des Jahres mit einer völlig neu überarbeiteten Produktlinie herauszukommen. Die Rezepturen wurden auf Schwachpunkte überprüft und in der Zusammensetzung optimiert, heißt es. Und auch Sante, erfahren im Bereich pflegende Körperkosmetik, hat eine Produktserie "Dekorative Kosmetik" entwickelt, die schon bald zu haben sein wird. Die bereits seit September 1996 im Naturkostladen erhältlichen Lippenstifte kommen bei den Naturwarenkundinnen an. "Sie finden", so Andreas Heyer von Sante, "reißenden Absatz".

Natürliche Schönheit an erster Stelle

Die natürliche Schönheit jeder Frau steht für alle diese Firmen an erster Stelle. Nach Tips für Kriegsbemalungen, kußechten Lippenstiften, schrillen Trendfarben oder einem ständig wechselnden Sortiment werden Sie in diesem Angebot vergeblich suchen. So hat Logona bei der Auswahl der Farbpalette auf klassische Farben gesetzt, auf kurzlebige Trendfarben wird bewußt verzichtet. "Jede Frau findet dort die Farben, die ihre natürliche Schönheit zum Ausdruck bringen."

Inhaltsstoffe sind entscheidend

Die wichtigsten Grundsätze der Naturkosmetik-Hersteller sind:

  • Verzicht auf Rohstoffe aus der Petrochemie.
  • Verzicht auf Rohstoffe vom toten Tier oder gänzlicher Verzicht auf tierische Rohstoffe.ê
  • Verzicht auf synthetische Hilfs- und Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe, Farb- und Duftstoffe oder Konsistenzgeber.
  • Verzicht auf aufwendige Kartons und umweltbelastende Materialien bei der Umverpackung.
  • Verzicht auf Tierversuche.
  • INCI-Volldeklaration aller Produkte (von einigen Firmen freiwillig zusätzlich auch in Deutsch).

Dekorative Naturkosmetik enthält hochwertige pflanzliche Öle, soweit möglich aus kbA oder Wildwuchs. Sie lassen die Haut atmen und sorgen für die gewünschte Geschmeidigkeit. Die Farben sind natürlichen Ursprungs, zum Beispiel aus Pflanzen und Erdfarben.

Suche nach geeigneten Naturstoffen langwierig

Daß die besten natürlichen Inhaltsstoffe der Kundin im Zweifel zweitrangig sind, wenn der Lippenstift bröselt, Puder sich nicht fein verteilt, Lidschatten verläuft oder Wimperntusche die zarten Härchen verklebt, ist auch in der Naturwarenszene klar. Die Ansprüche an den Tragekomfort sind ebenso hoch wie bei konventioneller Kosmetik. Das zwingt die Naturwarenunternehmen zu Einfallsreichtum und der Entwicklung vieler Produktmuster. So hat die neue Linie von Logona mit Lidschatten, Rouge und Kompaktpuder die Entwicklungsabteilung zwei Jahre in Atem gehalten. Eine Menge Prototypen machten in dieser Zeit die Runde durch die Firma, wurden abgelehnt, diskutiert und verbessert, bis die Richtung stimmte und naturkosmetisch perfekte Schminkprodukte entstanden.

Ähnlich ging es auch bei lavera zu, als das Unternehmen nach einer Alternative für den konventionellen Filmbildner PVP oder PVA in Mascara suchte. Der konventionelle Stoff hilft, die Farbe auf die Wimpern aufzutragen und dort zu halten. Er kann zu Allergien führen. Mit Schellack, einem Produkt der Lackschildlaus hat lavera schließlich den geeigneten natürlichen Rohstoff gefunden.

Verpackung muß umweltfreundlich sein

Was mit Schönheit zu tun hat, muß selbst schön aussehen - diese Devise praktiziert die konventionelle Kosmetikindustrie bis zur Grenze der Geschmacklosigkeit. Aufwendige Mehrfachverpackungen aus blütenweißen Kartonagen konkurrieren mit Plastik und Folie. Goldgepränge auf Puderdöschen, Lippenstiftparaden in unterschiedlichsten Hülsenmaterialien und selbst auf Natur getrimmtes Outfit sollen etwas hermachen und außergewöhnliche Qualitäten ihres Inhalts suggerieren.

Für Naturkosmetik-Hersteller gehört eine umweltschonende und nach Möglichkeit wiederbefüllbare Verpackung zur Philosophie. Daß diese trotzdem schön, sinnlich erfahrbar und gleichzeitig ökologisch und praktisch sein kann, stellen die Unternehmen unter Beweis. lavera und Logona packen ihre Lippenfarben zum Beispiel in Zedernholzstifte. Diese können nach Bedarf nachgespitzt werden und sind somit immer hygienisch einwandfrei. Die Lippenstifte von Sante stehen auch in der Optik den konventionellen in nichts nach: Sie stecken in schicken silbernen Metallhülsen - zum Wiederbefüllen, präsentiert im pfiffigen Display.

Zum Auftragen des flüssigen Make-up gibt's von lavera ein Schwämmchen aus Naturlatex und für den losen Gesichtspuder einen zarten Pinsel aus Buchenholz und Ziegenhaar. Dem Ex-und-Hopp-Verfahren bei leeren Puder-, Rouge- und Lidschattendosen setzt Logona ein Etui aus Kirschbaumholz entgegen. Das edle Teil läßt sich immer wieder individuell mit 4 Lidschatten, 2 Lidschatten und einem Rouge oder einem Kompaktpuder bestücken.

Astrid Wahrenberg

Lippenfarbe als Ausdruck der Gesinnung

Die Woche widmete kürzlich dem Thema Lippenstift eine ganze Seite. Darin berichtet die Autorin über ein Buch aus den USA, das sich mit der Geschichte der Schminke in den letzten 100 Jahren beschäftigt. Quintessenz der Buchverfasserin: Make-up sei eine zweite Haut, politisches Kampfgebiet und Zeichen der Geschlechterordnung (Kate de Castelbaja: "The Face of the Century - 100 Years of Makeup and Style, Rizzoli New York, 192 S.; circa 90 Mark).

Make-up, so Die Woche, hat seit jeher mit darüber entschieden, ob eine Frau als gesellschaftsfähig, anständig, ehrenwert galt oder nicht. "Daß Lippenstiftfarben nicht bloß modischer Tand sind, sondern die Machtfrage tangieren können, gehört für Frauen zur Lebenserfahrung. Keine Domina der Welt trägt ein zartes Lip gloss, sie alle blecken die Zähne zwischen dämonisch kolorierten Lippen".

Interessant auch, daß totalitäre Systeme Make-up tabuisiert haben. Die Nazipropaganda vermittelte der deutschen Frau eindeutig, daß sie kein Lippenrot zu tragen habe.

Zu dem Schluß, daß Frauen mit kräftigen Lippenstiftfarben "Selbstbewußtsein und Rebellion zum Ausdruck bringen" kamen schließlich Ethnologen der Uni Marburg.

Vielleicht ist das der tiefere Grund dafür, daß Männer vom neuesten Lippenfarben-Trend - Brauntöne in verschiedensten Abstufungen bis hin zu Schwarz - nicht erbaut sind. Drei von vier Männern, so Die Woche, fanden einer Umfrage zufolge dunkelbraune Lippen und Lidschatten "zum Davonlaufen".

Lippenstift ist beliebtestes Schminkutensil

Die Hauptklientel der Kosmetikfirmen sind Frauen im Alter zwischen 20 und 45. Beliebtestes Schminkutensil ist mit Abstand der Lippenstift. Rund 81 Prozent der Frauen zücken täglich ein bis mehrmals den daumendicken Stick und übermalen damit die empfindlichen Hautpartien. Vom Perlmutfarbenen für Backfischlippen über den verlockenden Erdbeermund der Lolita bis zum schokoladenfarbenen Hingucker - Farbnuancen und Variationen ohne Ende.

Von solch einer Vielfalt träumten auch die Damen des vergangenen Jahrhunderts. Der erste Lippenstift erblickte 1883 das Licht der Welt. Der von Pariser Parfümeuren hergestellte Farbstift bereitete den Trägerinnen allerdings nur kurze Freude - das Lippenrot blieb nicht dort, wo es hingehörte. Das Ärgernis von deplacierten Lippenstiftspuren auf Hemdkragen oder Wange des Liebsten und am Cocktailglas konnten die Frauen in den Siebziger Jahren mit den "Kußechten" vermeiden. Was sie nicht wußten: Diese Lippenstifte enthielten mit Schwermetallen verunreinigte Eosin-Farbstoffe, die die Lippenhäute regelrecht einfärbten. Diese Substanz ist heute verboten. In einem neuen Anlauf der Kosmetikindustrie kommen jetzt wieder Kußechte auf den Markt. Diesmal verspricht die chemische Zusammensetzung verschiedener Wirkstoffe, die Farbe für viele Stunden sicher am Platz zu halten: Spezielle flüchtige Silikone werden im Labor mit verschiedenen organischen Substanzen gemischt. Es entsteht ein wasserfester, stark haftender Film. Für das softe Tragegefühl, die Geschmeidigkeit, sorgen Wachse aus der Petrochemie sowie glättende Ceramide und pflegende Vitamine. Der bildhafte Kosmetikjargon beeindruckt: "Mica-Perlen, kristallförmige Biomineralstoffe mit Farbwirkung, die in ein pflegendes Mäntelchen aus Seidenpartikeln verpackt sind, bringen optimale Haftkraft".

In den Kosmetiklabors wird ständig an weiteren Kundenwünschen und Innovationen gebastelt: So zum Beispiel an der Haltbarkeit der Farbwirkung. In einer biotechnologischen Aktiv-Lösung getränkte Farbmoleküle sichern den ganzen Tag eine gleichbleibend intensive Farbwirkung zu.

Mit dem Naturetikett aufgewertet- INCI-Deklaration als Orientierungshilfe

Dem Verbraucherwunsch nach mehr Natur kommen die konventionellen Hersteller mit der Beimischung natürlicher Zutaten nach. Dann reicht schon ein Schuß Jojobaöl, um das Produkt als Naturkosmetik auszuloben. Eine gesetzliche Definition und damit einen Verbraucherschutz gibt es noch nicht. Die EG-Kommission brütet schon eine ganze Weile über einem Vorschlag für eine europäisch einheitliche Definition für diese Produktgruppe. Eine Entscheidung ist nicht in Sicht.

Einen Hinweis darauf, wieviel natürliche Stoffe enthalten sind, gibt nur die Volldeklaration. Die seit Anfang dieses Jahres gesetzlich vorgeschriebene INCI-Deklaration verpflichtet die Kosmetikhersteller zur Auflistung sämtlicher Inhaltsstoffe, und zwar in absteigender Reihenfolge. Das chemische Fachchinesisch ist für Laien nicht zu verstehen, doch kann es eine wichtige Orientierungshilfe sein. Finden Sie beispielsweise Mandelöl an vorletzter Stelle, dürfen Sie sicher sein, daß in dem Produkt nur verschwindend wenig davon enthalten ist. Eine Übergangsregelung erlaubt den Verkauf von nicht vollständig deklarierten Produkten noch 2 ° Jahre nach Inkrafttreten dieser Verordnung.

Unbekannte Gefahren

Die WHO legte 1995 einen Bericht vor, in dem es um Gesundheitsgefahren durch verschiedene Produkte der Petrochemie geht: Mineralöle, Paraffinwachse und mikrokristalline Wachse wurden an Ratten verfüttert. Die Erdölprodukte reicherten sich in Leber, Niere und Lymphknoten an, es ergaben sich Hinweise, daß einige Stoffe sogar Leberschäden und Entzündungen verursachen können. Ob die Mineralöle auch das Immunsystem schädigen, ist noch nicht klar. Diese Risiken nahm die WHO zum Anlaß, für einige Substanzen Grenzwerte von 0,01 Milligramm pro Tag und Kilo Körpergewicht bis zu 20 Milligramm am Tag festzulegen. Daß diese beim mehrmaligen Auftragen der Lippenstiftfarbe leicht überschritten werden können, rechnete Öko-Test an einem Beispiel vor. Denn in den meisten Fällen wird die bunte Farbe beim Essen verschluckt oder beim Befeuchten der Lippen abgeleckt. Öko-Test kritisiert bereits seit Jahren die chemischen Öle und Fette in Lippen- und Pflegestiften.

Kompliziert wird es dann, wenn Grenzwerte der Europäischen Union zu Grunde gelegt werden. Sie sind zum Teil weniger streng als die der WHO. Öko-Test weist darüber hinaus auf ein weiteres Manko hin: "Welche Maßstäbe für die Lippenpflege gelten, ist derzeit auch aus einem weiteren Grund kaum feststellbar: Es gibt Tausende von Mineralölen und Erdölprodukten; die WHO hat bislang aber nur einige wenige Stoffe bewertet".

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