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Fluorschäden zu befürchten?

In fast jeder Zahnarztpraxis liegen sie aus, die Broschüren, die uns das drohende Unheil ebenso farbenfroh wie drastisch schildern: Unsere schönen schneeweißen Zähne, eingebettet in gesundes, rosarotes Zahnfleisch - sie werden attackiert von einem pechschwarzen Dämon namens Karies.
01.03.2000
In fast jeder Zahnarztpraxis liegen sie aus, die Broschüren, die uns das drohende Unheil ebenso farbenfroh wie drastisch schildern: Unsere schönen schneeweißen Zähne, eingebettet in gesundes, rosarotes Zahnfleisch - sie werden attackiert von einem pechschwarzen Dämon namens Karies.

In fast jeder Zahnarztpraxis liegen sie aus, die Broschüren, die uns das drohende Unheil ebenso farbenfroh wie drastisch schildern: Unsere schönen schneeweißen Zähne, eingebettet in gesundes, rosarotes Zahnfleisch - sie werden attackiert von einem pechschwarzen Dämon namens Karies. 95% der Bevölkerung sollen von dieser Krankheit betroffen sein. Doch zum Glück, so die Werbebroschüren, gibt es fluoridhaltige Zahnpasten, die uns vor dem Unheil bewahren. Bislang verzichtete die Naturwarenbranche auf den chemischen Zusatz, doch seit kurzem gibt es Zahncremes mit Fluorid auch in den meisten Bioläden.

1942 beschrieben Forscher das erste Mal den Zusammenhang von Fluoraufnahme und Karieshäufigkeit. Inzwischen benutzen 80% der Bevölkerung in der westlichen Welt fluoridhaltige Zahnpasten. In den USA wird flächendeckend das Trinkwasser fluoridiert, in der Schweiz das Speisesalz. Und in Deutschland ist die Verschreibung von Fluoridtabletten für Säuglinge und Kleinkinder zur Routine geworden. Doch seit einiger Zeit gibt es auch heftige Kritik, denn eine überhöhte Fluoridaufnahme kann offenbar zu Erkrankungen des Skeletts und der Zähne führen.

Fluor zählt unter den chemischen Elementen zu den Halogenen und ist ein giftiges Gas. Gebunden an eine organische oder anorganische Substanz, verliert es seine akute Giftigkeit und heißt Fluorid. In dieser Form ist es sowohl in der Erdrinde als auch im Meerwasser zu finden. In Nahrungsmitteln liegt der durchschnittliche Gehalt bei 1 mg/kg Frischgewicht. Wesentlich höher ist der Gehalt bei Meerestieren (5-10mg/kg) und besonders in Schwarz- und Grünteeblättern (100mg/kg). In Mineralwässern - vor allem aus vulkansteinreichen Gebieten - liegen Gehalte bis zu 3,5 mg/l vor. Neben den Ernährungsgewohnheiten spielt vor allem die Fluoridkonzentration des Trinkwassers eine Rolle bei der Gesamtaufnahme in den menschlichen Körper. 10% des Trinkwassers in der Bundesrepublik enthalten über 0,3 mg Fluorid pro Liter. Eine Aufnahme von bis zu 4 mg pro Tag gilt in der klassischen Wissenschaft für Erwachsene als sicher und unbedenklich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt zur Kariesprophylaxe aber nur eine tägliche Aufnahme von 0,25 mg Fluorid pro Tag für Säuglinge, 0,5 bis 2,5 mg für Kinder und 1,5 bis 4,0 mg für Jugendliche und Erwachsene.

Prof. Claus Leitzmann, wissenschaftlicher Mentor der Vollwerternährung, macht darauf aufmerksam, dass Karies keine Fluormangelerscheinung ist, sondern ein Folgezustand fehlerhafter Ernährung. Er stellt die mögliche toxische Wirkung in den Vordergrund. Denn Fluorid hemmt nicht nur die Enzyme, die im Mund an der Kariesentstehung beteiligt sind, sondern ebenso körpereigene wichtige Enzyme. Schäden durch überhöhte Fluoridaufnahme sind durch zahlreichen Studien belegt worden. Besonders die so genannte Dentalfluorose, die vor allem bei Kindern bis zum 9. Lebensjahr auftritt, steht in eindeutigem Zusammenhang mit zu hohen Fluoridkonzentrationen. Die Erkrankung zeigt sich durch fleckige Verfärbungen im Zahnschmelz. In den frühen 90er Jahren waren nach statistischen Angaben 0,3 bis 0,5 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Eine geballte Ladung von Tabletten, Zahnpasta und fluoridiertem Speisesalz kann also leicht über das Ziel hinausschießen. Das hat inzwischen auch die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kiefernheilkunde erkannt. Im Sommer 1999 veröffentlichte sie in der Fachpresse gemeinsam mit der DGE und der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin "aktualisierte Empfehlungen für die Kariesprophylaxe mit Fluoriden". Bei Kleinkindern soll vor der Verschreibung von Tabletten vom Arzt abgefragt werden, welche fluoridhaltigen Lebensmittel das Kind zu sich nimmt. Außerdem sollte bis zum dritten Lebensjahr keine fluoridhaltige Zahnpasta verwendet werden, da durch das unabsichtliche Verschlucken dieser Pasten überhöhte Mengen in den Stoffwechsel gelangen können.

Dass es ganz ohne Fluoridierung geht, meint Zahnarzt Dr. Dietrich Volkmer in seinem Buch "Zähne natürlich gesund erhalten", das 1998 im Ehrenwirth-Verlag, München, erschienen ist. Er plädiert für regelmäßiges und gründliches Zähneputzen, für die Verwendung von chemiefreien Zahnpasten und Zahnseide, für weitgehend zuckerfreie Ernährung und regelmäßige Überprüfung durch den Zahnarzt. Volkmer zitiert den amerikanischen Wissenschaftler Dr. Yiamouyiannis, der weitere mögliche Schäden durch Fluor ermittelt haben soll: Schwächung des Immunsystems, Störung der Bindegewebsstrukturen, Knochenfluorose (als Folge Arthritis), vorzeitiges Altern der Haut und Schädigung von Körperenzymen. Volkmer bezweifelt darüber hinaus die Wirksamkeit von Fluoriden. Um eine lokale Wirkung am Zahnschmelz zu erreichen, müsste man 15 Minuten lang die Zähne putzen. Und auf Fluorlacke, wie sie in der Zahnarztpraxis eingesetzt werden, gehöre eigentlich ein Giftsymbol.

Noch vehementer kritisierte einst der Zahnarzt Dr. Johann Georg Schnitzer, Gründer des Schnitzer Unternehmens und Verfasser von Ernährungsbüchern die Fluoridprophylaxe. In seinem Buch aus den 70er Jahren "Nie mehr Zahnweh" schrieb er, dass der medizinische Einsatz von Fluor der Entsorgung von Fluorgasen diene, die bei der Aluminiumherstellung entstehen. In der Umgebung solcher Betriebe sei die Fluoridkonzentration im Wasser sehr hoch gewesen und man habe die kariostatischen Eigenschaften entdeckt. Allerdings habe das Abfallprodukt Fluor auch zu Baum- und Fischsterben geführt; das Vieh sei an Knochenfluorose erkrankt.

Eine ähnliche Erscheinung beim Menschen ist nach offiziellen Angaben erst bei einem Fluoridgehalt von 8 mg pro Liter Trinkwasser plus einer langjährigen Zufuhr von 10-25 mg Fluorid pro Tag zu erwarten. Professor Dr. Werner Becker vom Bundesverband der Naturheilkundlich tätigen Zahnärzte in Deutschland (BNZ) macht aber bereits wesentlich geringere Konzentrationen der Fluoridprophylaxe für "massive Schäden der Knochenentwicklung" verantwortlich. Seit dem Einsatz von Fluor, sagt er, seien die kieferorthopädischen Behandlungen sprunghaft angestiegen. Das habe, so der bekennende Fluorgegner, Auswirkungen auf alle anderen Knochen, da jeder Körper sein eigenes individuelles Winkelmaß habe, das durch orthopädische Kieferverengung folgenschwer gestört werde. Die körperliche Entwicklung könnte durch Fluorgaben um drei Jahre verzögert werden; für Mädchen seien Gebärprobleme aufgrund verengter Beckenknochen zu erwarten. Ähnliche Beobachtungen wurden in zwei amerikanischen Studien gemacht. Fluorid, das eigentlich die Stabilität der Knochen bewirkt und deshalb auch in der Osteoporosetherapie eingesetzt wird, führte bei den untersuchten Personen mit fortgeschrittener Erkrankung zu erhöhtem Knochenbruchrisiko.

Auch die Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche Zahnmedizin (GZM) warnt: Das Fluoridgleichgewicht im Körper könne durch die Einnahme von Fluoridtabletten so stark gestört werden, dass die Kariesanfälligkeit sogar zeitweise ansteigen könne. Die Fachleute halten alle Maßnahmen vor dem zweiten Lebensjahr, also vor Durchbruch der Zähne, ohnehin für unwirksam. Ähnliches bestätigte kürzlich eine Untersuchung der Universität des Saarlandes. Aufgrund von feineren statistischen Auswertungen alter Studien kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Wirkung von Fluorid direkt am Zahn höher zu bewerten ist, als die über den Stoffwechsel. "Die lokale Wirkung ist die sicherste," sagt Prof. Elmar Reich von der Universität des Saarlandes. Von daher sei eine fluoridhaltige Zahnpasta den Fluoridtabletten vorzuziehen. Er mahnt aber auch zur Vorsicht bei Kleinkindern.

Hersteller von Zahnpasten, die im Naturkostladen angeboten werden, verfolgen den Grundsatz, keine chemischen Zusatzstoffe zu verwenden. Susanne Arndt vom Qualitätsmanagement für Arche-Produkte sagt: "Die Fluoridierung ist für uns kein Thema, da wir den Zusatz von Fluor weder für sinnvoll noch für notwendig erachten."

Die Firma Lavera aber macht einen Vorstoß und bietet - neben ihrem bisherigen Sortiment - auch Zahncremes mit Fluoriden an. Dabei verwendet man aber lediglich das hochwertige Aminfluorid, das innerhalb von Sekunden am Zahnschmelz wirksam sein soll, und verzichtet bewusst auf Monofluorphosphat, eine Verbindung, die häufig in konventionellen Zahnpasten enthalten ist und die bei Allergikern zu Irritationen führen kann. Darüber hinaus liegen die Konzentrationen mit 0.05% für Erwachsene bzw. 0,025% für die Kinderzahnpasta weit unterhalb der von der Kosmetikverordnung vorgeschriebenen Höchstgrenze (0,15%). (Zum Vergleich: Bei konventionellen Produkten, die Aminfluorid verwenden, liegt die Konzentration teilweise bei 0,125%, in Kinderzahncremes bei 0,05%.)

Die Konkurrenzfirma Weleda will zwar nicht die Wirksamkeit von Fluorid auf die Zahnschmelzhärtung bestreiten, stuft den Stoff aber als Medikament ein und empfiehlt eine Entscheidung über den Einsatz im Einzelfall - und zwar durch den Arzt. Ähnlich sieht es die GZM. Sie schreibt in ihrer Kurzinformation: "Fluoridierungsmaßnahmen können für die Kariesvorbeugung immer nur ein ergänzendes Instrument sein, das nur unter genauer Kontrolle eingesetzt werden darf."

Lisa Becker-Saaler

Adressen

  • Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche Zahnmedizin e.V. (GZM)Seckenheimer Hauptstraße 11168239 Mannheim Tel.: 0621/476400 Fax: 0621/473949
  • Bundesverband der naturheilkundlich tätigen Zahnärzte in Deutschland e.V. (BNZ)Van-Groote-Straße 3050968 KölnTel.: 0221/3761005 Fax: 0221/3761009

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