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Ernährung bei Gicht

Der erste Gichtanfall tut weh. Doch der nächste lässt sich vermeiden – mit dem Wissen wie Nahrungsmittel bei Gicht richtig ausgewählt und die Ernährung gut geplant wird. Wir haben Tipps für Gichtpatienten.

30.11.2006 vonSusanne Teige

Der erste Gichtanfall tut weh. Doch der nächste lässt sich vermeiden – mit dem Wissen wie Nahrungsmittel bei Gicht richtig ausgewählt und die Ernährung gut geplant wird. Wir haben Tipps für Gichtpatienten.

Ein Gichtanfall reißt den Betroffenen häufig vor Sonnenaufgang mit heftigen Schmerzen aus dem Schlaf. Am Abend zuvor gab es vielleicht eine Feier mit Alkohol und üppigen Speisen. Beim ersten Mal erwischt es meist den großen Zeh. Typische Symptome: er ist heiß, rot und geschwollen. Manchmal trifft es das Daumengelenk. Die Schmerzen im Körper erreichen nach ein bis zwei Tagen ihren Höhepunkt und klingen nach etwa zehn Tagen auch ohne Medikamente ab. Treten die Entzündungen häufiger auf, ist die Gicht chronisch. Die Gelenkknorpel und Knochen können degenerieren und die Gelenke unbeweglich werden und sich verformen. Doch so weit muss es nicht kommen. Mit der richtigen Ernährung lässt sich hier gut gegensteuern und vorbeugen.

Vor allem Männer bekommen Gicht

Früher galt Gicht als Krankheit der reichen Oberschicht. Heute erwischt die Gicht in den Schlaraffenländern, als Folge des Überflusses an Essen bei gleichzeitigem Bewegungsmangel, zehn Prozent der Bevölkerung. 95 Prozent der Gichtpatienten sind Männer – meist zwischen 30 und 45 Jahren. Frauen haben es besser. Ihre Hormone (Östrogene) schützen sie vor der Krankheit. Erst nach den Wechseljahren steigt bei ihnen das Risiko im Körper.

Auslöser: Fleisch, Extremsport und Nulldiät

Hinter der Diagnose Gicht steckt oft eine genetisch bedingte, familiär gehäuft auftretende Störung, die im Stoffwechsel anfallende Harnsäure angemessen auszuscheiden. Sie wird stattdessen in den Gelenken abgelagert und plagt dort den Betroffenen mit einer akuten Entzündung. Zusätzlich treiben weitere Faktoren die Harnsäurewerte in die Höhe – wie die Ernährung: ein großer Anteil an Purinen im Essen, zum Beispiel durch viel Fleisch.

Aber auch Extremsport wie ein Marathonlauf oder eine Nulldiät können die Harnsäurewerte nach oben schnellen lassen. Denn bei jedem Ab- und Umbau von Körperzellen fallen Purine an. Sie werden zu Harnsäure umgebaut. Diese gelangt ins Blut, werden zur Niere transportiert und dort mit dem Urin herausgefiltert.

5 Tipps gegen Gicht

  • Überwiegend vegetarisch essen
  • Viel Wasser trinken
  • Übergewicht langsam abbauen
  • Alkohol meiden
  • Regelmäßig Ausdauersport treiben

Hausmannskost enthält viele Purine

Purine sind Teil des Zellkerns jeder pflanzlichen, tierischen oder menschlichen Zelle. Fleisch ist besonders purinreich. Der Harnsäurepool im menschlichen Organismus wird etwa zur Hälfte aus der Nahrung gespeist. Wer nach einem Gichtanfall seine Ernährung umstellt tut so viel zur Vorbeugung und hat deshalb gute Chancen, dass die Angelegenheit einmalig bleibt. Hierzu ist es notwendig, Purine in der Nahrung zu reduzieren: Fleisch, Wurst, Hülsenfrüchte und Alkohol haben in einer gemischten Normalkost den größten Einfluss auf den Harnsäurespiegel im Blut.

Klassische Hausmannskost ist besonders purinreich und erhöht die Gefahr Gicht zu bekommen: Etwa Kasseler mit Sauerkraut, dazu ein Bier. Außerdem hemmen Alkoholika die Harnsäureausscheidung. In Bier (auch in alkoholfreiem!) sind zudem reichlich Purine enthalten. Besser für die Gesundheit ist dann ein Gläschen Wein – aber auch nur eines.

Tipps für den Speiseplan von Gichtpatienten

  • Purinarme Gemüse wie Möhren, Tomaten, Paprika und Salate zu purinreichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, Fleisch oder Fisch essen.
  • Fleisch, Innereien und Fisch wie Hering, Sprotte oder Sardelle aufgrund der hohen Purinwerte reduzieren.
  • Eier und Milchprodukte enthalten wenig Purine. Dazu kann man purinreiche Gemüse wie Erbsen, Bohnen, Kohl, Spinat oder Pilze essen.
  • Käse und die meisten Obstsorten sind – mit Ausnahme von Datteln und getrockneten Aprikosen – sehr purinarm.
  • Soja-Fleisch (Trockenprodukt oder Bratling etc.) hat ebenso viel Purine wie Fleisch, Tofu jedoch wegen des Wasseranteils nur die Hälfte.
  • Getreide und Nüsse enthalten zwar Purine, aber in Mengen, die nicht für das Scheitern einer Diät verantwortlich sind.
  • Alkohol belastet den Stoffwechsel und treibt dadurch die Purinwerte in die Höhe. Auf Bier lieber verzichten, da es außerdem purinreich ist.
  • Wasser trinken. Mindestens zwei Liter Wasser oder Tee täglich trinken, um die Harnsäure in gelöster Form über die Nieren auszuspülen.

Lebensittel bei Gicht sinnvoll kombinieren

Im Buchhandel gibt es Literatur mit Tabellen für die Purin- und Harnsäurewerte von Lebensmitteln. In manchen Büchern sind beide Werte angegeben. Als grobe Richtschnur für die Ernährung gilt: Ein Milligramm Purine ergibt 2,4 Milligramm Harnsäure. Ernährungswissenschaftler empfehlen, 3500 Milligramm Harnsäure pro Woche, beziehungsweise 500 Milligramm pro Tag, nicht zu überschreiten. Mit einem Stück Braten, einer Portion Erbsen und einem Weizenbier ist die Grenze bereits erreicht. Daher auf den Nachschlag verzichten und lieber in Maßen ein Milchdessert oder Käse zum Abschluss genießen.

Nahrungsmittel und ihre Harnsäurewerte

Harnsäure (Milligramm) in 100 Gramm

  • Sardellen: 260 mg
  • Hähnchen: 230 mg
  • Thunfisch in Öl: 180 mg
  • Braten: 150 mg
  • Rosenkohl: 170 mg
  • Linsen: 160 mg
  • Erbsen: 150 mg
  • Brötchen: 70 mg
  • Reis: 50 mg
  • Spinat: 50 mg
  • Nudeln: 30 mg
  • Spargel: 25 mg
  • Bananen: 25 mg
  • Äpfel: 15 mg
  • Kartoffeln: 15 mg
  • Kopfsalat: 10 mg
  • Käse: 10-30 mg
  • Ei: 5 mg
  • Milch: 0 mg
  • Butter/Margarine: 0 mg


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