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Corona

So meistern Bios die Krise

Corona, COVID-19: Seit März 2020 ist alles anders. Wie sind die Menschen in der Bio-Branche mit der Situation umgegangen? Wir haben nachgefragt.

06.09.2020 vonManfred Loosen

Bei aller Vorsicht bleibt Freundlichkeit wichtig.

Corona, COVID-19: Seit März 2020 ist alles anders. Wie sind die Menschen in der Bio-Branche mit der Situation umgegangen? Wir haben nachgefragt.

Lockdown, Kontaktverbote, Ausgangsbeschränkungen – das Corona-Virus hatte unsere Welt für ein paar Wochen komplett lahmgelegt. Nur langsam lief alles wieder an, viele Wirtschaftszweige sind noch immer stark getroffen, und nach wie vor verlangt die Pandemie uns allen einiges ab. Während im Frühjahr die einen zum Stillstand gezwungen waren, hatten andere alle Hände voll zu tun. Die Lebensmittelbranche war mit Hamsterkäufen und Lieferschwierigkeiten konfrontiert, musste nebenbei umfangreiche Hygienekonzepte entwickeln und umsetzen.

Wir von Schrot&Korn wollten wissen, wie die Bio-Branche diese Zeit erlebt hat. Deshalb haben wir bei Herstellern, Läden und Großhändlern nachgefragt, was nötig war, um durch die ersten Krisenmonate zu kommen. Spontaneität, Erfindungsreichtum und pragmatisches Reagieren auf immer wieder neue Gesetze, Vorschriften, Erlasse, aber auch Empfehlungen und Ratschläge, waren das A und O. Und, das haben wir immer wieder gehört: Zusammenhalt. Es gab ein gemeinschaftliches Anpacken, um den Widrigkeiten der Wirklichkeit etwas entgegenzusetzen: mit harter Arbeit und Solidarität gegen die Krise.

LaSelva Bio-Feinkost: „Großer Zusammenhalt“

In Italien gab es anfangs besonders viele Covid-19-Fälle. Bei LaSelva, dem Hersteller italienischer Spezialitäten mit Sitz in der Toskana, blieben aber alle gesund. Die Corona-Hotspots lagen woanders. Man habe aber mit den italienischen Kollegen und ihren Familien gefiebert. Die Nachfrage an Produkten stieg: Im März verkaufte LaSelva doppelt so viel wie normal. Deshalb wurden Bio-Tomaten zugekauft. „Zum ersten Mal mussten wir auf vier Produkten unser Logo ,100 Prozent toskanische Tomaten‘ vom Etikett nehmen“, sagt Monika Mayer.

Das Ausweichen auf überregional bezogene Bio-Tomaten werde aber einmalig bleiben. Mit der Ernte 2020 verarbeite LaSelva wieder ausschließlich toskanische Tomaten. Alle Preise sollen stabil bleiben. Besonders anstrengend sei die Situation für die toskanischen Mitarbeiter in Anbau und Verarbeitung gewesen: Sie mussten trotz großer Hitze Mund-Nase-Masken tragen, zum Beispiel beim Artischocken-Ernten oder Basilikum-Pflanzen. „Es gab einen enormen Zusammenhalt zwischen deutscher und italienischer Belegschaft“, sagt Monika Mayer: „So sind wir zwar angespannt und manchmal gestresst, aber relativ ruhig durch die Krise gekommen.“

La Selva

Großhändler Ökoring: „Am Wichtigsten war, dass alle mitgemacht haben!“

Der Großhändler Ökoring ist im Großraum München zu Hause. Wegen der geographischen Nähe gibt es schon immer intensive Handelsbeziehungen zu Österreich und Südtirol, die im März teilweise zu Risikogebieten wurden. „Wir mussten sofort reagieren“, sagt Thomas Börkey-Biermann, Geschäftsführer von Ökoring. Das hieß zum Beispiel, dass der Großhändler seine Außendienstler nicht mehr nach Südtirol reisen ließ. Die Ökoring-LKW hätten die Geschäftspartner in Südtirol aber immer beliefert. Die dortigen Kunden hätten händeringend darum gebeten, weiterhin mit ökologischen Lebensmitteln versorgt zu werden. „Das war ja rechtlich und gesetzlich auch kein Problem – natürlich mit entsprechend strengen Hygieneregeln“, so Börkey-Biermann. „Am Wichtigsten war, dass alle Kollegen, beispielsweise im Lager, mitgemacht haben. Ich bin sehr stolz auf unsere Leute, wie gut das geklappt hat.“ Zu Beginn der Corona-Krise habe es an allen Ecken und Enden Lieferengpässe gegeben: Hefe, Mehl, in jeglicher Art, Hülsenfrüchte, Reis, Konserven und natürlich auch Toilettenpapier seien nicht aufzutreiben gewesen, so der Großhändler. Seit Juni normalisiere sich die Lage, bei Obst und Gemüse seien aber höhere Preise und mehr nicht-regionale Ware zu erwarten.

Ökoring

b2-biomarkt: „Die Hamsterkäufe sind vorbei“

Auf die Läden, das Catering, die Gärtnerei und den Lieferservice von Sabine Franz und Stefan Schopf aus Balingen hat die Corona-Pandemie sehr unterschiedliche Auswirkungen gehabt. Der Mittagstisch und das Catering waren zunächst auf Null zurückgegangen, der Lieferservice „explodierte“, wie Sabine Franz sagt. „Nach zwei Wochen konnten wir keine Neukunden mehr aufnehmen. Wir haben eine weitere Packstraße eingerichtet, um die Trockenartikel schneller packen zu können. Beim Packen und im Büro haben wir in zwei Schichten gearbeitet – und Mitarbeiter aus dem Gastrobereich haben im Lieferservice und beim Fahrdienst mitgeholfen.“ Die Preise bei Obst und Gemüse seien durch den Lockdown in Europa zum Teil deutlichgestiegen. Zeitweise habe es auch extreme Warenengpässe gegeben. „Die Hamsterkäufe sind aber längst vorbei“, berichtet Stefan Schopf. Jetzt kämen etwas weniger Kunden als vorher, dafür kauften sie aber mehr ein. Schwierig sei gewesen, dass man aufgrund neuer Verordnungen ständig in allen Bereichen anpassen („jonglieren“) musste, das habe viel Arbeit bedeutet bei Abstimmung, Organisation und Management der verschiedenen Betriebe. Beim Thema „Mund-Nase-Schutz“ sei die Kundschaft in Befürworter und Gegner gespalten, sagt Sabine Franz, es gebe immer wieder Diskussionen. Aber die Masken seien nunmal vorgeschrieben.

b2-biomarkt

Bio-Hersteller Naturata: „Flexibilität nötig“

Nudeln waren während des Lockdowns im März und April ein heiß begehrtes Gut. Das hat auch der Bio-Hersteller und -Vermarkter Naturata zu spüren bekommen. Die größte Herausforderung sei es damals gewesen, die benötigten Warenmengen in sehr kurzer Zeit zur Verfügung zu stellen. „Wir haben zwar einen komfortablen Lagerbestand“, berichtet Liane Maxion vom Naturata-Vorstand, „aber der war innerhalb von zwei Wochen extrem minimiert!“ Es habe etwas Zeit gebraucht, neue Teigwaren zu produzieren. Deshalb sei es zu Verzögerungen bei der Belieferung der Läden gekommen. Dazu sei zeitweise unklar gewesen, ob zum Beispiel die spanischen oder italienischen Lieferanten ihren Betrieb aufgrund der Situation vor Ort aufrecht erhalten können. Die fast täglich wechselnden Bedingungen hätten zu Beginn der Krise „eine hohe Flexibilität aller Mitarbeitenden gefordert“, so Liane Maxion, aber alles habe „ganz wunderbar funktioniert“. Anfang Juni habe sich die Situation dann wieder einigermaßen normalisiert. Nur beim Dinkel gab es Probleme: „Die mit den Getreidebauern auf der Schwäbischen Alb vereinbarte Menge war im Juni aufgebraucht“, so Maxion, das habe an den Hamsterkäufen zu Beginn der Corona-Krise gelegen. „Deshalb ist bei uns der Dinkel für unsere Nudeln knapp geworden. Wir produzieren daher nicht mehr alle Nudelsorten, sondern nur noch die beliebtesten. Davon sollten wir dann bis zur neuen Ernte genügend haben.“

Naturata

Laden „BioLogisch“ in Hannover: „Mir haben die Kinder gefehlt!“

Zu Beginn der Corona-Krise im März und April fand Heike Dust, Geschäftsführerin des Ladens BioLogisch in Hannover, die Arbeit im Geschäft letztlich „entspannter“: Vor Corona seien in dem 120 Quadratmeter großen Laden bis zu 40 Kunden zeitgleich gewesen. Mit den strengen Corona-Kontaktbeschränkungen seien es dann höchstens noch sieben Kunden gewesen. Vor der Tür hätten die Kunden geduldig gewartet, bis sie hinein durften. „Das war aber problemlos möglich, weil fast immer die Sonne geschienen hat“, sagt Heike Dust. „Damit die Kunden vor dem Geschäft nicht so lange warten mussten, haben wir unsere Kasse beschleunigt“. Ihr haben in der Krise vor allem die Kinder im Laden gefehlt: „Normalerweise kommen viele Eltern mit Kindern; das ist oft sehr lustig.“ BioLogisch habe in der Zeit einen hohen Umsatz gemacht – und das alles mit demselben Personal. „Deswegen haben unsere Mitarbeiter für ihren besonderen Einsatz mehrere Sonderzahlungen in Höhe von 20 Prozent ihres Lohns erhalten“, sagt Dust.

BioLogisch
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