Jeden Tag eine gute Entscheidung. Für eine bessere Welt. Für uns alle.
Kosmetik

Haarpflege mit Köpfchen

Die Haarwäsche dient grundsätzlich dem Entfernen von Schmutz und überschüssigem Fett, das sich außen am Haar anlagert. Wie oft das Waschen nötig wird, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
01.02.1999
Die Haarwäsche dient grundsätzlich dem Entfernen von Schmutz und überschüssigem Fett, das sich außen am Haar anlagert. Wie oft das Waschen nötig wird, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Welches Shampoo für welches Haar?

Die Haarwäsche dient grundsätzlich dem Entfernen von Schmutz und überschüssigem Fett, das sich außen am Haar anlagert. Wie oft das Waschen nötig wird, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Bei der Art des Shampoos unterscheiden die Anbieter zumeist sehr differenziert nach normalem, trockenem, strapaziertem oder fettigem Haar. Die eigene Einschätzung des Haartyps fällt aber selten so eindeutig aus, die meisten Menschen würden sich wohl irgendwo dazwischen einstufen.

"Es gibt grundlegende Unterschiede bei den Haartypen", erklärt Svetlana Balabanova. Während es für normale Haare ausreichen dürfte, sie einmal pro Woche zu waschen, benötigen fettige oder trockene Haare zusätzliche Wäsche bzw. rückfettende Pflege, wie durch Haaröl, Kuren oder Spülungen.

Trockene Haare besitzen zuwenig Fett auf ihrer Oberfläche und brauchen deswegen ein besonders mildes Shampoo mit rückfettenden Substanzen wie pflanzlichen Ölen, das die Haare nicht auslaugt. Damit ist natürlich auch normales Haar am besten bedient; denn Umwelteinflüsse und nicht zuletzt auch aggressive Kosmetika greifen bei allen Menschen die äußere Plättchenschicht der Haare an und machen sie dadurch spröde und brüchig.

Für fettiges Haar sind Shampoos mit geringen Mengen an rückfettenden Substanzen besser geeignet. Auch hier sollen aber milde Waschsubstanzen das überschüssige Fett entfernen, ohne die Talgdrüsen zu reizen. Sie nämlich produzieren das Haarfett, und zwar in dem Maße, wie es der individuelle Hormonhaushalt vorgibt. Es sei denn, sie werden von außen stimuliert - beispielsweise durch aggressive Substanzen.

Syndets, Seife oder Lavaerde - Was ist besser?

Die meisten gebräuchlichen Shampoos, auch die im Naturwarenhandel, bestehen aus synthetischen Tensiden (Syndets). Als relativ aggressiv gelten die Laurylsulfate. Sie entfetten stark, reizen aber auch die Kopfhaut, was zu Schuppenbildung und verstärkter Talgproduktion führen kann. Laurethe sind milder und werden in der Biobranche häufiger oder zu einem größeren Anteil verwendet. Sie haben den Nachteil, daß sie kurzzeitig die Augenschleimhaut reizen. Dadurch können Schadstoffe ungehindert eindringen. Als besonders gute Alternative gelten Zuckertenside auf der Basis von Kokosfettsäuren. Diese Waschsubstanzen schäumen zwar weniger, entfernen aber wirksam Schmutz und Fett.

Auch Seifenprodukte sind im Naturkosthandel vertreten, zum Beispiel bei der Firma Dr. Hauschka. Ob sie grundsätzlich besser für die Haarwäsche geeignet sind als künstliche Tenside, ist unter Experten umstritten. "Um ein Naturprodukt handelt es sich auch bei der Seife nicht", sagt Silvia Pleschka, Fachreferentin für Kosmetik bei der Verbraucher Initiative in Bonn. (Bei der Seifenherstellung werden Fett, Öle oder freie Fettsäuren mit alkalischen Lösungen - Pottasche, Soda, Natron- oder Kalilauge - gekocht.) Da Seifen alkalisch sind, greifen sie den Säureschutzmantel der Haut an. Das Seifenshampoo von Dr. Hauschka wird deshalb zusammen mit einer ausgleichenden Kräuterspülung angeboten. Künstliche Tenside andererseits trocknen stärker aus als Seifen, weshalb dann zum Ausgleich rückfettende Substanzen beigemengt sind.

Einem ganz anderen Reinigungsprinzip folgen spezielle Wasch- bzw. Lavaerde-Produkte, die zum Beispiel die Firmen Logona und Tautropfen bieten. Vermischt mit Wasser quellen die Tonminerale auf und bekommen eine bräunliche, breiartige Konsistenz, was gewöhnungsbedürftig sein mag. Durch die anschließende Massage von Haar und Kopfhaut werden laut Anbieter Schmutzpartikel und Fett absorbiert und aufgesaugt, die natürliche Schutzschicht von Haut und Haar aber bleibt unangetastet.

Für Problemhaar oder bei Allergien ist dies auf jeden Fall eine Alternative zu Tensiden und Seifen, da bei der Verwendung von Wascherde keinerlei schädigende Nebenwirkungen auftreten.

Kräuterauszüge haben in Spülungen mehr Effekt

Der Einsatz von Henna, Kamille und anderen Kräutern bei Shampoos ist beliebt und werbeträchtig. Um aber wirksam zu werden "müssen die Kräuter längere Zeit einwirken", so Dieter Wundram, Chemiker und langjähriger Berater der Zeitschrift Öko-Test. Dies könnte durch die enthaltenen Waschsubstanzen dem Haar schaden. Deshalb sind die pflegenden Auszüge eher in Spülungen, Kuren oder Haarwassern sinnvoll. Auch nach Carol Cook wird die "Wirkung vieler Kräuter vor allem in Haarpackungen, -spülungen oder -wässern voll ausgenützt".

Dabei hat man natürlich die Qual der Wahl. Wessen Haar von Wind und Wetter, Dauerwelle oder Föhn strapaziert ist, sollte sich regelmäßig Zeit für eine kurze Spülung oder Packung nehmen. Bei trockenem Haar empfiehlt sich zusätzlich Haaröl. Wer dagegen zu fettigem oder schuppigem Haar neigt, ist mit Haarwasser besser bedient. Die sogenannten Styling-Produkte wie Festiger, Gel, Schaum oder Spray haben mit der Pflege des Haares genau genommen nichts zu tun, sie dienen nur dem Design, das heißt, sie festigen die Frisur. Anbieter der Naturwarenbranche verwenden in ihren Haarfestigern vorwiegend Blätter-Schellack und Koniferenharz.

Für eine gewisse Dauer können Kuren und Packungen die geschädigte Substanz kaschieren, wirklich reparieren können sie das Haar aber nicht. Konventionelle Produkte enthalten zu diesem Zweck filmbildende, rückfettende Wirkstoffe aus Erdölderivaten, künstliche Siliconöle oder tierische Produkte, beispielsweise Wollwachs vom Schaf. Am verträglichsten sind Triglyceride, wie sie in allen natürlichen Ölen vorkommen, so Dieter Wundram, "weil sie den körpereigenen Fettsäuren am ähnlichsten sind". Die Naturkosmetik verwendet stets pflanzliche Öle aus nachwachsenden Rohstoffen wie Kokos-, Klettenwurzel-, Jojoba- und Weizenkeimöl, sowie Henna- und Kassiaextrakte oder auch Sheabutter - aus einer afrikanischen Nußart.

Bei Spliß, das heißt, wenn die Plättchenschicht an der Haarspitze einreißt, kann übrigens auch eine Haarkur nichts mehr retten. Fachleute raten deshalb zusätzlich, die brüchigen Spitzen nachzuschneiden, um ein weiteres Zerfransen zu verhindern.

Mario Spalj


Schuppen - ein Spezialproblem

Schuppen sind kein Problem der Haare, sondern der Kopfhaut. Abgestoßene tote Zellen rieseln bei den meisten Menschen ungesehen von dannen, bei manchen Leidgeprüften jedoch verklumpen sie zu den ungeliebten weißlichen Schuppen. Der Grund liegt meist in einer zu hohen Talgproduktion oder aber in der Aktivität von Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien, sagt Silvia Pleschka von der Verbraucher Initiative in Bonn. Bei stark fettender Kopfhaut führe bereits eine regelmäßige Kopfwäsche mit einem milden Shampoo zur Besserung. Einige Haarwaschmittel enthalten als Wirkstoff schwefelhaltige Substanzen, beispielsweise Selendisulfid oder Zinkpyrithion. "Sie wirken durch Bekämpfung von Mikroorganismen einer verstärkten Schuppenbildung und auch dem Verklumpen feiner Schüppchen entgegen", erklärt Pleschka. Die Wirkung setze aber meist erst nach drei bis vier Wochen ein.

Das Öko-Test-Magazin rät von Zinkpyrithion ab, da es "zellgiftig ist und es mildere Alternativen gibt" (Ausgabe 7/97). Dazu gehören vor allem Naturkosmetikprodukte mit Kräuterextrakten wie Rosmarin, Salbei und Thymian, die leicht desinfizierend wirken. Auch Spülungen mit verdünntem Obstessig (ein Teil Essig auf 7-8 Teile Wasser) sind hilfreich. Der Geruch verschwindet beim Trocknen.

Besondere Vorsicht ist geboten bei medizinischen Antischuppenshampoos. Schädigende Nebenwirkungen sind da zuweilen höher einzustufen als die angepriesene helfende Pflege. Einige Produkte enthalten den Stoff, aus dem unsere Straßen gemacht sind: Teer. Zwar hilft Teer tatsächlich dagegen, daß sich Schuppen bilden, tötet Bakterien und Pilze und hemmt den Juckreiz, doch ist er oft verunreinigt mit krebsverdächtigen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, den sogenannten PAKs.

Mario Spalj


Haarpflege-Tips für alle Fälle:

  • Kein heißes und zu häufiges Waschen
  • Wenig Shampoo benutzen
  • Nur einmal einschäumen
  • Shampoo immer gründlich ausspülen
  • Kein heißes und langes Föhnen
  • Haar vor Sonneneinstrahlung schützen
  • Nach dem Bad in Salz- und Chlorwasser das Haar ausspülen

Literatur

  • Balabanova, Svetlana: "…aber das Schönste an ihr war ihr Haar, es war rot wie Gold…- Haare im Spiegel der Kultur und Wissenschaft", 32 Mark., (Universitätsverlag Ulm, 1993)
  • Cook, Carol : "Haare - natürlich sanft pflegen", 16 Mark., (Oase Verlag, 1983, Obermattweg 3, 79410 Badenweiler, Telefon 07632-7460)
  • Die Verbrauer-Initiative hat eine Broschüre mit dem Titel "Kosmetik - Reinigung und Pflege" herausgegeben, die u.a. das Thema Haarwäsche und -pflege behandelt. Das Heftchen ist für 5,- DM (Vorauskasse in Form von Scheck oder Briefmarken) zu bestellen: Verbraucher-Initiative e.V., Breite Straße 51, 53111 Bonn.

Kommentare

Das könnte interessant sein ...

Ähnliche Beiträge