Selbstcoaching: Anders abnehmen - Schrot und Korn

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Selbstcoaching: Anders abnehmen

Sie haben wieder zugeschlagen, die kleinen Männchen, die im Winter heimlich meine Kleider enger nähen. Jetzt heißt es abnehmen, und zwar mit dem besten Coach, den ich finden kann. Wer das ist? Ich selbst natürlich! // Sabine Kumm

anders abnehmen Klar, dass ich dabei nicht an Hollywoods „Size Zero“ denke, an dünne Ärmchen, hohle Wangen und Schlüsselbeine, auf denen man Xylophon spielen kann. Sondern an BMI-verträgliche drei bis fünf Kilogramm, um wieder locker in die Sommergarderobe schlüpfen zu können. Bisher habe ich das noch immer geschafft: Kohlsuppe löffeln, Eiweißdrinks schlürfen, Rohkost knabbern, nach der Uhr essen, Wocheneinkaufspläne abhaken, dazwischen stabpuppenartig harmlose Feldwege mit Nordic Walking-Stöcken löchern – Diätprogramme gibt es genug! Jedes Jahr zu Beginn der Freiluftsaison habe ich mir irgendeins davon übergeworfen wie ein geliehenes Kleid. Das funktionierte zwar, gehörte aber irgendwie nicht zu mir. Und spätestens im Herbst bin ich wieder über meinen Hosenbund hinausgewachsen.

Mit der „Kutsche“ zur Veränderung

Dieses Jahr soll alles anders werden. Irgendwo zwischen Entsagung und Völlerei will ich mir endlich selbst auf die Schliche kommen, um in Zukunft konstant eine gute Figur zu machen. Also ist erst einmal sportliches Surfen im Internet angesagt: „Diät“, „Beratung“, „Training“ – unter diesen Stichworten langweilt mich Altbekanntes. Interessant wird die Recherche bei „Coaching“. Ich klicke begeistert quer durch die Suchbegriffe, schmökere mich durch endlose Foren und Selbsthilfe-Ratgeber. Zu lernen gibt es eine ganze Menge. Zum Beispiel der Begriff „Coaching“: Trotz klangtechnischer Ähnlichkeit hat das nichts damit zu tun, auf einer Therapeuten-Couch Probleme von gestern zu wälzen. Das Wort, das vom englischen „coach“ („Kutsche“) stammt, bezeichnet den inneren Weg von A nach B, eine Art persönlicher Entwicklungsreise mit praktischer Unterstützung. Gute Vorbereitung ist da alles. Mein Weg wird ein leichter sein, wenn ich weiß, wo ich gegenwärtig stehe, wohin ich in Zukunft will, welches Transportmittel ich benutzen und was ich zum Erreichen des Ziels beitragen kann. Wie bei einer echten Tour lege ich Etappen fest und kontrolliere regelmäßig, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Wenn nicht, geht es ein Stück zurück, zur Überprüfung des Plans. Damit ich nicht in einer Sackgasse lande.

Selbst bestimmen, wo‘s lang geht

Ich hab da so meine Erfahrungen. Bin letztes Jahr wacker hinmarschiert zum wöchentlichen Treffen der Doppel-Ws, hab es noch an dem üppigen Verkaufstisch mit kalorienreduzierten Tüten, Soßen, Chips und Snacks vorbei geschafft bis hin zum Reihen-Wiegen mit gegenseitigem Schulterklopfen. Um dann mit wachsendem Entsetzen der älteren Dame vor mir dabei zuzusehen, wie sie vor dem Schritt auf die Waage ihre Goldkette, die Uhr und am Ende auch den klotzigen Amethyst-Ring ablegte. „Es kommt auf jede Kleinigkeit an“, sagte sie noch lächelnd. Da war ich auch schon weg. Nichts für mich – ich glaube, ich bin einfach nicht der Gruppen-, Zähl- und Punktetyp. Schlimmer noch: Jede Art von Druck wird nach meinem internen Rechtsempfinden mit Kartoffelchips nicht unter zwei Tüten bestraft.

Ein hoffnungsloser Fall? Wenn mich nicht noch ein weiteres Wort vom Bildschirm anlachen würde: Selbstcoaching! Ich lese nach und fühle mich auf einmal wie ein Kind, das von der Hand gelassen wird. Ich kann ja auch alleine festlegen, wo es langgehen soll, Strategien entwickeln, Verantwortung tragen! Alles, was ich dafür brauche, finde ich in Büchern, im Internet und in mir selbst. Ich schnappe mir Papier und Bleistift. „Was will ich erreichen?“ notiere ich. Das scheint einfach: „Fünf Kilogramm abnehmen.“ „Woran merke ich, dass ich mich meinem Ziel nähere?“ „Dass ich mich leichter fühle.“ Komisch, irgendetwas spüre ich jetzt schon. Allerdings hat es nichts mit „leichter“ zu tun, sondern mit „lebendiger“. Der Bleistift stockt, ich gehe in mich. Habe ich die wichtigste Frage etwa zu oberflächlich beantwortet? Was will ich wirklich?

Auf einmal habe ich wieder Omas Garten vor Augen und sehe mich als Kind im Gemüsebeet hocken. Es ist heiß, die Bienen summen, und in der Luft hängt ein würzig-süßlicher Geruch nach Knoblauch und Möhren. Ich spüre das hohle Rascheln der Salatköpfe, rieche den herben Duft der Tomaten. Und dann packe ich eine der Möhren an ihrem grünen Schopf, ziehe sie aus der Erde und beiße mitten hinein in den Sommer…

Ich weiß: Mehr als alles andere will ich dieses Gefühl wiederhaben. Ich nehme mir mein Blatt noch einmal vor. Streiche „Fünf Kilogramm leichter“ und ersetze es durch „Mit Freude und Genuss leben können“.

Sechs Wochen später…

Ob ich mein Ziel erreicht habe? Ich bin auf dem Weg. Lasse mich beim Einkaufen von Augen und Nase führen. Probiere Neues, schnuppere an Fenchelknollen, Frühlingszwiebeln und Freilandgurken, koche mir Tee aus frischen Minzeblättern, koste samtige Aprikosen und perlschwarze Brombeeren. Das hat nicht nur Omas Garten zurück in mein Leben gebracht, sondern hält ganz nebenher auch die kleinen Männchen in Schach. Und ich passe in meine Kleider, weil ich endlich wieder zu mir passe.

Meine 4 Schritte zu Freude und Genuss

Öfter mal was Neues
Was werde ich heute ausprobieren? Mit dieser Frage denke ich nicht an Verzicht, sondern daran, neue Erfahrungen zu machen. Und greife einfach mal mutig in die Gemüsekiste neben meinen „Gewohnheitssorten“.

Omas Garten reloaded
Vorrang hat, was ich riechen und fühlen kann. Knackig, quietschig, frisch aus dem Beet muss das Gemüse sein, In den Beeren will ich die Sonne schmecken. Und sicher sein, dass ich keine Pestizide kaue.

Regelmäßig gießen
Wer aufblühen will, braucht Wasser, am besten gleich ein großes Glas am Morgen. Ich trinke es bereits im Bett. Dazu recken, strecken undüber den Tag verteilt mindestens weitere 2 Liter genießen.

Ideal für Zählmuffel
Meine Hände haben genau die zu mir passende Portionsgröße. Ich esse 5 mal am Tag soviel Obst und Gemüse, wie in meine zur Schale geformten Hände passt, dazu einen Handteller voll Nüsse oder Trockenfrüchte.

Selbstcoaching– Fragen auf der Reise zum Wunsch-Ich

Mit Coaching Probleme lösen
Coaching ist eine zielorientierte Begleitung und Unterstützung von Menschen, die ein Anliegen realisieren oder ein Problem lösen wollen. Dabei kommen zwar verschiedene Interventionstechniken aus dem Bereich der Psychotherapie zum Einsatz, doch Coaching befasst sich ausdrücklich nicht mit der Bearbeitung psychischer Störungen, sondern mit Problemlösungen.

Selbst ist der Coach
Wer sein eigener Coach sein möchte, hat die Möglichkeit zum Selbstcoaching. Das soll anhand von Fragen in mehreren schriftlich festgehaltenen Schritten zum gewünschten Ziel führen. Die Fragen können je nach Coach variieren, doch das Prinzip „Wie kann ich den Weg zum Ziel gehen?“ ist überall dasselbe.

Die Richtung bestimmen
Der erste Schritt besteht in der Benennung des langfristigen Ziels. Wo will ich hin, was will ich erreichen, verändern oder tun? Zur zusätzlichen Motivation können Fragen dienen wie „Was ist das Schönste an meinem Ziel?“ oder „Wann werde ich mich mit was belohnen?“.

Zweifeln erlaubt
Oft kehren die Gedanken mehrfach zur ersten Zielsetzung zurück. Ist sie vielleicht zu vordergründig formuliert? Will ich nicht eigentlich etwas, das viel grundlegender ist? An dieser Stelle muss auch noch einmal Platz für Zweifel sein. Schaffe ich das, was ich mir vorgenommen habe, oder soll ich lieber zurückstecken?

Strategieplanung
Die konkrete Umsetzung funktioniert wie die Planung einer langen Reise: Da ich mein Ziel nicht in einem Schwung erreichen kann, teile ich mir den Weg in kurze übersichtliche Etappen ein. Und lege am besten auch gleich fest, woran ich Fortschritte erkennen werde.

Die richtige Ausrüstung
Wichtig: Was fehlt mir nochan konkreten Hilfsmitteln, um mein Ziel zu erreichen? Wäre doch schade, wenn mein Vorhaben, jeden Tag 8000 Schritte zu laufen, am fehlenden Schrittzähler scheitern würde!

Gegen das Vergessen
Wie werde ich mit Hindernissen wie Bequemlichkeit, Unlust und mangelnder Selbstdisziplin umgehen? Es kann schon ausreichen, sich mit ein paar kleine Klebezettel an unerwarteten Stellen selbst an sein Vorhaben zu erinnern: „Ich schaffe es!“

Jetzt geht’s los
Die beste aller Fragen: Was kann ich gleich heute tun, um meinem Ziel ein Stück näher zu kommen? Nur wenn heute gar nichts geht, schließe ich einen Vertrag mit mir selbst ab, in dem ich die Rahmenbedingungen genau festlege. Dazu gehören Ziel, Datum, Uhrzeit und der erste Schritt auf dem Weg zum Wunsch-Ich.

Bücher und Links

Bürgel, Dr. IlonaBürgel, Dr. Ilona:
Yes, I can!
Systemed Verlag, 2009, 411 Seiten, 15,00 Euro

von Cramm, Dagmarvon Cramm, Dagmar:
Simplify Diät
Campus Verlag, 2010, 248 Seiten, 19,90 Euro

www.coachingverband.org
Webseite des Deutschen Coaching Verbandes. Sie enthält eine Datenbank mit zertifizierten Coachs, um Interessenten bei ihrer Suche nach einem geeigneten Ansprechpartner zu unterstützen.

www.dvnlp.de
Webseite des Deutschen Verbandes für Neurolinguistisches Programmieren e.V., die Infos zur Methode des Neurolinguistischen Programmierens sowie eine Suchfunktion nach ausgebildeten Coaches bietet.

www.zeitzuleben.de
Online-Ratgeber von Tania Konnerth und Ralf Senftleben für mehr Zufriedenheit, Erfolg und Lebensqualität in allen Lebensbereichen. Mit interessantem Selbstcoaching-Programm.

www.machmit-5amtag.de
Webseite der 5 am Tag-Kampagne, die sich für mehr Obst- und Gemüseverzehr einsetzt. Ein Saisonkalender, Tipps und Wissenwertes für Große und Kleine zeigen, wieviel Spaß gesunde Ernährung „aus der Hand“ machen kann.

Welches Bild passt besser?

Das Aufmacherbild für den Beitrag „Selbstcoaching. Anders abnehmen“ haben wir lange diskutiert. Insbesondere das Bild „Frau mit Bluse“ hat die Gemüter erhitzt. Kann man das doch sehr drastische Foto abdrucken? Auch wenn es das Thema ehrlich rüberbringt?

Wie wir uns letztendlich entschieden haben, sehen Sie hier. Doch bevor Sie nachschauen: Welches Foto wäre Ihr Favorit gewesen? Schreiben Sie uns.

Wohlfühlen Aufmacher 1
Bild 1
Wohlfühlen Aufmacher 2
Bild 2
Diese beiden Aufmacher standen für unseren Wohlfühl-Artikel zur Wahl. Für welches hätten Sie sich entschieden?

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incl. 'http://'
melanie
Fand euern Artikel total super...

Bild 1 ist doch der ganz klare Favorit!!!

Mich hat das Bild sofort angesprochen, weil es uns "Mollige" so zeigt, wie wir sind; zwar ein paar Pfunde zuviel, aber trotzdem glücklich. Darum geht es ja auch in euerm Artikel, nicht ums Idealgewicht sonder ums WOHÖFÜHLgewicht!Bild 2 vermittelt sofort ein schlechtes Gewissen, ist vielleicht ehrlich aber hat auch so nichts mit "positivem Abnehmen" zu tun.Ich finde Bild2eher"drastisch" wie Bild 1. Außerdem passt Bild 2 mehr zu "herkömmlichen" Zeitschriften. Bild 1 trifft genau euern und unseren Geschmack!
Mainka
Liebes Team, endlich geht es mal nicht um Kalorienzählen, schwierige Rezepte, komplette Lebensumstellung usw. Aktuell möchte mein Sohn (13) abnehmen und so schaute ich erneut auf Möglichkeite,, die wirklich helfen und unterstützen können. So haben wir uns zu einem Coaching bei einem Heilpraktiker mit entsprechender Ausbildung entschieden. So wird das Ziel "Gesund und glücklich leben" verankert und unnötiges Kalorienzählen direkt abgehakt. Deshalb stehe ich hinter dem Artikel und freue mich, ihn meinem Sohn zeigen zu können. MfG, D.Mainka
Gastuser
Das ist ein wirklich guter Artikel, der mir aus der Seele spricht. Leider ist ein spannendes Angebot zum Selbstcoaching noch nicht berücksichtigt:

"mein TEP", das Tages-Ernährungs-Protokoll ist die ideale Ergänzung zum Selbstcoaching, damit es nicht nur wie bei Ihnen geschrieben einen Start und ein Ziel gibt, sondern auch ein praktisches Hilfsmittel für den Weg zum Ziel! Mehr Hilfsmittel zum Selbstcoaching nicht nur in Ernährungsfragen gibt es hier: http://www.ernaehrungsberatung-shop.de
Dietmar
Hallo, liebes Schrot&Korn-Team. Ich kann Ihrem Bericht nur ganz und gar zustimmen. Jeder muß natürlich für sich selbst entscheiden, welcher Weg für Ihn der richtige ist. Eines ist jedoch klar: bewußt und mit allen Sinnen Leben und schmecken, ist einer und zwar ein guter Weg. Mal Fünfe gerade sein zu lassen ist doch ein tolles Gefühl.Ohne ein kleines Quäntchen Disziplin läßt sich eine "Kursänderung" natürlich auch nicht bewerkstelligen. Mit Ihrem Bericht haben Sie die doch sehr einfachen Dinge, welche in unseren hektischen Welt schnell in Vergessenheit geraten wieder hilfestellend in den Vordergrund gerückt.
Matz
Hätte mich auch sehr gewundert, wenn sich die Redaktion für das unappetitliche zweite Foto entschieden hätte. Wäre völlig gegen das visuelle Konzept von Schrot & Korn gewesen!
anonym
Ich finde Bild 1 strahlt was positives und zuversichtliches aus.

Bild 2 wäre auch ok gewesen,aber 1 ist besser.
rosae
Gesundsein macht freude und ebenso wohlfühlgewicht. ehrlich, wer will sich denn wirklich mit zu süss, zu salzig, zu fett vergiften? unsere kinder doch eigentlich auch nicht!!!