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DGE-Referenzwerte

Im Hinblick auf Vitamine, Mineralstoffe und andere Nahrungsbestandteile herrscht bei Laien immer noch der Irrglaube, viel helfe viel. Bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist die Schmerzgrenze jedoch schnell erreicht.
01.10.2000

Überdosen können schaden

Im Hinblick auf Vitamine, Mineralstoffe und andere Nahrungsbestandteile herrscht bei Laien immer noch der Irrglaube, viel helfe viel. So lange ganze Lebensmittel verzehrt werden, sind Überdosierungen zwar selten, doch bei zusätzlicher Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (Supplementen) ist schnell die Schmerzgrenze erreicht. "Bei Zufuhr von deutlich über den Referenzwerten liegenden Mengen muss mit unerwünschten pharmakologischen und toxikologischen Wirkungen gerechnet werden", schreibt die DGE. Besonders kritisch bewertet sie die fettlöslichen Vitamine A und D, die im Körper angereichert werden können und dort Vergiftungen verursachen. Chemisch veränderte Vitamin A-Derivate hätten zudem völlig andere Wirkungen als der hoch dosierte Nährstoff in natürlicher Form. Nicht ungefährlich seien auch hohe Dosen von Vitamin B6 sowie von Spurenelementen wie Selen und Fluorid.

Etwas zwiespältig scheint die Haltung der DGE beim Thema Eiweiß. Obwohl sie direkte Gesundheitsgefahren durch Überdosierungen wegen des "fehlenden experimentellen Nachweises" verneint, rät sie zum maßvollen Verzehr. Hoher Proteinkonsum könne die Nieren belasten und die Calcium-Ausscheidung fördern. Negative Effekte auf die Knochengesundheit seien die Folge. Allgemein leiste zunehmender Protein-Konsum einer Übersäuerung des Organismus Vorschub. Auch bei Breitensportlern, so die DGE, sei eine Erhöhung der Proteinzufuhr unbegründet, denn der steigende Bedarf ließe sich durch die Ernährung decken.

Zahlenwerte: Viel Spekulation

Zu erläutern, wie die DGE im Einzelnen zu ihren Referenzwerten kommt, wäre zu kompliziert. In der Fachwelt kursieren unzählige Studien, deren Aussagen sich zum Teil widersprechen. Allgemein entsteht der Eindruck, als zitiere jeder jeweils die Quelle, die er zur Untermauerung seines Standpunktes braucht. Objektive Zahlen gibt es trotz aller gegenteiligen Beteuerungen nicht. Wie kontrovers die Nährstoffzufuhr diskutiert wird, zeigt das Beispiel Vitamin C. Die DGE hat sich zu 100 mg Tagesempfehlung durchgerungen, in den USA propagiert das Food and Nutrition Board (FNB) 200 mg. Glaubt man dem Wissenschaftlichen Lebensmittel-Ausschuss der EU, dann wird die Speicherfähigkeit des Gewebes bei Tagesdosen über 80 Milligramm bereits überschritten. Das Gremium hält 12 mg im Grunde für ausreichend und beziffert den durchschnittlichen Tagesbedarf eines Erwachsenen (unter Einbeziehung eines Sicherheitsfaktors) auf 30 mg. Auf der anderen Seite werden Megadosen von mehreren Gramm (bis zu 15.000 mg !) von Medizinern zu therapeutischen Zwecken eingesetzt - angeblich ohne nachteilige Wirkungen. Enthält ein Präparat mehr als das Dreifache der von der DGE empfohlenen Tagesdosis, handelt es sich streng genommen nicht mehr um Nahrungsergänzungsmittel (die zu den Lebensmitteln zählen), sondern um Arzneimittel.

Auf die Qualität kommt es an

Bei der Diskussion um ausreichende Nährstoffmengen wird die qualitative Seite unserer Lebensmittel oft vergessen. Ein Apfel ist keine Pille, und wie viel Vitamin C in ihm steckt, lässt sich nicht aus einer Tabelle ablesen. Erstens schwankt der Vitamingehalt je nach Sorte ganz beträchtlich, zweitens spielen der Boden, die Anbaubedingungen, die Art der Lagerung und nicht zuletzt die Zubereitungsart eine wichtige Rolle. Grundsätzlich gilt: Wer vorwiegend frische, unbehandelte Nahrung zu sich nimmt, tut seiner Gesundheit den größtmöglichen Gefallen. Schon wegen der geringeren Umweltbelastung sollte man Obst und Gemüse aus kontrolliert biologischem Anbau bevorzugen. Dass Bio-Ware generell einen höheren Nährstoff-Gehalt aufweist, wird von der Agrarindustrie und den meisten Wissenschaftlern bestritten. Andererseits mehren sich die Hinweise, dass Bio-Lebensmittel konventionellen Produkten auch in punkto Nährstoffgehalt überlegen sind. Der instinktive Vorzug, den Tiere Bio-Produkten geben, ist ebenfalls ein Indiz. Aber auch hier lohnt genaues Hinsehen: Alte oder gar verschrumpelte Ware hat ihre Vitalität längst eingebüßt und sollte auch dann in der Kiste liegen bleiben, wenn sie das Bio-Siegel trägt.

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