Und diese Biene, die ich meine …  - Schrot und Korn

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Und diese Biene, die ich meine … 

Walter Lang Honigbienen (© Johanna Emge)
Klein, aber oho – die afrikanisierte Honigbiene: extrem fleißig, äußerst widerstandsfähig und daher sehr beliebt. (© Johanna Emge)

HONIG Brasilien – dieses Land lieben Bienen und Imker gleichermaßen. Bio-Produzent Walter Lang geht es nicht anders. Warum das so ist, hat sich unsere Redakteurin Johanna Emge vor Ort zeigen lassen.

Pfffffffffff, pfffffffffff“, tönt es immer wieder durch den nebligen Wald. Hölzer knacken, Blätter rascheln. „Pfffffffffff, pfffffffffff“. Als sich der grau-weiße Rauch langsam lichtet, wird eine schemenhafte Menschengruppe sichtbar. Umschwärmt von kleinen schwarzen Punkten, die sich rasant vermehren und die Gruppe umkreisen. Das „Pfffffffffff, pfffffffffff“ kommt aus dem Smoker, der Friedenspfeife, mit deren Hilfe wir ganz nah an die Bienenvölker gelangt sind. Der Rauch aus dem Smoker, der aus einer Brennkammer und einem Blasebalg besteht, soll die Bienen ruhig stellen. Als Rauchmaterial dienen kleine Hölzer vom Mate-Strauch. Die Bienenvölker gehören Henrique Breyer, Imker und langjähriger Partner von Bio-Pionier Walter Lang in Brasilien.

„Wir betreiben in Deutschland eine Bioland-Imkerei, doch aufgrund der klimatischen Bedingungen haben wir nur eine kurze Trachtperiode“, sagt Karin Lang, die mit Ehemann und Sohn des Firmengründers Gerrit Lang intensiven Kontakt zu den Partnern pflegt und regelmäßig Bienenstände auf der ganzen Welt besucht. In den Ländern Mittel- und Südamerikas gebe es ganz andere Voraussetzungen.

Einfach gesagt: „Oben ist es wärmer, unten kälter“, weiß Henrique, dessen Bienen im Süden des Landes, in der Nähe des kleinen Grenzstädtchens Uniao da Vitoria bis in die Wälder des Bundesstaates Paraná angesiedelt sind. 

Dieser Vorteil ist messbar: Während deutsche Imker nur drei bis vier Monate im Jahr Erträge erzielen können, wird in Brasilien dreiviertel des Jahres geimkert. Und Gerrit Lang fügt hinzu: „Hier finden die Bienen das ganze Jahr über ausreichend Nektar, die Blütenvielfalt in den dichten und unzugänglichen Naturwäldern ist üppig und überschwänglich. Fernab von jeder Zivilisation sammeln die Bienen den Nektar also direkt aus der Natur.“

Der Weg ist das Ziel

Und das „Fernab von jeder Zivilisation“ ist wörtlich zu nehmen: „Zum Bienenstand kommen ist in Brasilien das Schwierigste“, sagt Henrique Breyer, der uns vorher mit dem Geländewagen über holprige und unbefestigte Waldwege lenkte, die sich zwischen hohen und dunklen Kiefern, Eukalyptus und Bracatinga-Bäumen schlängeln. Und fügt hinzu: „Man muss einen Weg hin finden und einen zurück – das ist die Kunst.“ Es könne hier theoretisch noch viele gute Standorte für die Bienen geben, doch seien diese leider aufgrund der teils undurchdringlichen Wälder nur mit dem Helikopter erreichbar.

Imkeranzug statt Uniform

„Pfffffffffff, pfffffffffff“. Im Nebel neben Karin Lang steht Melanie Manietta-Kutsche, die ihre kugelsichere Weste gegen stichsichere Handschuhe, Imker­anzug und Gummistiefel getauscht hat. Die Kriminalkommissarin aus Bremen ist die Gewinnerin der achttägigen Honig-Reise von Bio-Produzent Walter Lang, von der sie in Schrot&Korn gelesen hatte. Die Kollegen seien ganz entspannt gewesen, als sie von ihrer Bewerbung erzählte – weil sie sonst nie etwas gewinne. Obwohl sie ganz andere Kaliber als die afrikanisierte Honigbiene gewohnt ist, steigt so langsam die Anspannung am heutigen „Tatort“ – Leichen soll es nämlich keine geben.

Und auch auf der Stirn von Mit-Gewinner Alexander Worms bilden sich die ersten kleinen Schweißtropfen und rinnen langsam die Nase herunter, während sich ein immer lauter werdendes Summen unter das „Pfffffffffff, pfffffffffff“ mischt. Statt um Bienenvölker kümmert er sich normalerweise um den Vertrieb bei der regionalen Biomarkt-Kette VollCorner in München. Und darum, dass dort immer ausreichend Honig im Regal steht.

Der Killer unter den Bienen

Dass dieser oft aus Brasilien kommt, liegt nicht nur am Klima. Sondern auch an der afrikanisierten Honigbiene, der Apis mellifera scutellata. Die afrikanische Biene brachte der Bienenforscher Warwick Estavan Kerr in den 50er-Jahren mit Hilfe der Regierung nach Brasilien, um sie mit europäischen Bienen zusammenzubringen und anpassungsfähige Kreuzungen zu schaffen.

Das Experiment hatte fatale Folgen für die brasilianische Imkerei: Mehrere Königinnen entwichen, die Bienen vermehrten sich explosionsartig und breiteten sich rasant aus. Ihr aggressives Abwehrverhalten brachte den afrikanisierten Bienen den Beinamen „Killerbiene“ ein. Mit der Zeit lernten die Imker jedoch mit der Biene umzugehen, die nicht nur bei Kälte und Nebel bis in die Nacht fliegt, sondern auch widerstandsfähig gegen die Varroa-Milbe und Faulbrut ist.

Angst? Bienen riechen das

Langsam verdrängt das laute „Summsumm“ und „Brummbrumm“ – rund 25 Bienenvölker machen so ihren Lärm – das „Pfffffffffff, pfffffffffff“. Die Bienen schwirren wild umher und lassen sich auf den Imkeranzügen von Alexander und Melanie nieder, sodass teilweise kein Stoff mehr zu sehen ist. Jetzt muss es schnell gehen – und zwar ganz langsam. Denn der Rauch der Friedenspfeife hält nicht ewig und die Bienen sind vom Regen am Vormittag sowieso schon leicht gereizt. „Bloß keine zu schnellen und hektischen Bewegungen machen. Wenn die Bienen dennoch aggressiv werden, dann zügig zwischen die Sträucher gehen und nicht mehr bewegen“ – das muss an Tipps von „Honigfreund“ Henrique im Vorfeld reichen, damit Melanie und Alexander der Situation am Bienenstand gewachsen sind und das einmalige Erlebnis möglichst angstfrei genießen können.

„Jeder, der einmal am Bienenstand in der Akazientracht steht und ein Volk öffnet, den Duft der Waben wahrnimmt, die emsigen Bienen betrachtet und das Bienenvolk hier als gesamtes fein aufeinander abgestimmtes System der Natur begreift, ist tief beeindruckt und erliegt dieser Faszination unwiederbringlich“, schwärmt Karin Lang.

„Das war schon vor über 20 Jahren so und hält noch immer an.“

Jetzt ist es Zeit für den Rückzug. Mit dem Geländewagen geht es raus aus dem geschützten Naturwald und zurück in die Zivilisation, wo sich blühende Maisfelder an weite Viehweiden reihen. Am Straßenrand werden aus hölzernen Bretterbuden alle paar Meter geräucherte Kerne der Araukarie, auch pinhão genannt, verkauft.

Als Belohnung geht es zur Honigverkostung.  Auf einem Tisch sind die verschiedenen Sorten nach Farben aufgereiht – von „wasserhell“ bis „dunkelbraun“. Nach der Reihe wird je ein kleiner Tropfen Honig auf einen Löffel gegeben, sorgsam nach Farbe begutachtet und dann gekostet. Während Alexander der feincremige und leicht blumige „Maria Mole“, der im Dezember und Januar geerntet wird, am besten schmeckt, schwärmt Melanie für den „Marmeleiro“, dessen Hauptanbaugebiet im Nordosten Brasiliens liegt.

Und am Ende klingt es ganz einfach: „Ein richtig guter Honig ist ein Geschenk der Natur! Er ist gut, wenn er so wie die Biene ihn gesammelt, bereitet und in die Waben gespeichert hat, schonend aufbereitet und unvermischt ins Glas gefüllt wird“, sagt Karin Lang.

Den Bienen nach

Am nächsten Morgen schmeckt das Honigbrot nach Abenteuer, aber auch nach Abschied. Alexander und Melanie fliegen nach Deutschland zurück, für Karin und Gerrit Lang geht es weiter in den Südosten Brasiliens. „Für mich sind solche Besuche eine richtige Passion geworden“, sagt Gerrit Lang.

„Im Grunde unterscheiden sich die Arbeiten der Imker auf der ganzen Welt kaum und man kommt sehr schnell mit ihnen ins Gespräch. Über Bilder zeigen wir gern auch unsere Arbeitsweise in Deutschland und so ergibt sich eine gute Grundlage für den Erfahrungsaustausch.“ Schwierig werde es nur, wenn man bei 35 Grad im Schatten in die gut dick gepolsterten Imkeranzüge steigen müsse, dann sei der Besuch am Bienenstand wirklich anstrengend.

Klein, aber oho – die afrikanisierte Honigbiene: extrem fleißig, äußerst widerstandsfähig und daher sehr beliebt. (© Johanna Emge)
Kurzer Besuch bei einem kleinen Volk. (© Gerrit Lang)
(© Gerrit Lang)
In voller Imker-Montur in Aktion. (© Gerrit Lang)
Die Honig-Waben werden entdeckelt. (© Johanna Emge)
Gerrit Lang schwärmt für Lavendelhonig, Karin Lang  genießt am liebsten Lederbaumhonig. (© Sonnentracht GmbH)

Echter Bienenhonig …

Honig (© thinkstock/Magone)
(© thinkstock/Magone)

… entsteht aus dem Zusammenspiel von Pflanzen und Honigbienen. Dabei wird in Blüten- und Honigtauhonig unterschieden. 

Walter Lang GmbH: Honige mit Herkunft

Gerrit und Karin Lang (© Sonnentracht GmbH)
Honigtipps Gerrit Lang schwärmt für
Lavendelhonig, Karin Lang genießt am liebsten
Lederbaumhonig. (© Sonnentracht GmbH)

Im Jahr 1974 begann Walter Lang im gleichnamigen Unternehmen, den ersten unvermischten Honig schonend aufzubereiten und abzufüllen. In den 80er-Jahren wirkte der Bio-Pionier maßgeblich an der Entstehung und Entwicklung der Richtlinien zur ökologischen Bienenhaltung mit. Nachdem er Allos 1999 verkaufte, konzentrierte sich Walter Lang auf das Importunternehmen in Bremen. Mit den Schwerpunkten: Honigrohwarenhandel und Handel mit Agavendicksaft sowie Aufbereitung und Abfüllung von Honig. Parallel dazu gründete 2001 sein Sohn Gerrit Lang die Sonnentracht als Bioland-Imkerei. Neben Gerrit und Karin Lang ist auch Sohn Jakob im Familienunternehmen eingebunden und als Honigmeister für die Auswahl der Honige zuständig. 2013 wurde die eigene Marke im Fachhandel eingeführt: die „Walter Lang schwärmt für Honig“-Spezialitätenhonige. Neben deutschem Bioland-Honig umfasst das Sortiment 35 ausgesuchte Sorten aus aller Welt, wie zum Beispiel rumänischen Akazienhonig aus den Karpaten, blumigen Wildlavendelhonig aus Portugal oder bernsteinfarbenen mexikanischen Mayahonig.

www.walter-lang.de

Erschienen in Ausgabe 09/2016
Rubrik: Ernährung

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incl. 'http://'
Carmen

„Ein richtig guter Honig ist ein Geschenk der Natur! Er ist gut, wenn er so wie die Biene ihn gesammelt, bereitet und in die Waben gespeichert hat, schonend aufbereitet und unvermischt ins Glas gefüllt wird“, sagt Karin Lang."
Sicher: Ein Insekt rangiert in puncto 'Mitgefühl' bei uns Menschen eher unter ferner liefen. Daran ändert wohl auch die Biene Maja eher wenig. Es gilt auch hier: Bienen werden als 'Nutztiere' von uns Menschen manipuliert; ihre wertvolle, sprichwörtliche Fleißarbeit ausgenutzt. Nektar bzw. Honig sowie die dazugehörigen Waben sind kein "Geschenk der Natur" für uns Menschen. Sie sind das Resultat größter Anstrengungen und unerlässlich dafür, ein Bienenvolk am Leben zu halten. Ich habe gelernt, dass ein Geschenk freiwillig gegeben wird. Anderen etwas wegzunehmen, wird gemeinhin als Diebstahl bezeichnet ... Dass der im Text erwähnte 'Smoker' als "Friedenspfeife" "beruhigend" eingesetzt wird, liest sich für mich wie Hohn. Das sehen die Bienen sicherlich gänzlich anders ... Seien wir Menschen doch einfach dankbar dafür, dass die Bienen uns durch ihre wertvolle Bestäubungsarbeit überhaupt erst eine lebensnotwendige Pflanzenvielfalt bescheren. Und erwidern wir dieses tatsächliche 'Geschenk' dadurch, indem wir anhand einer ökologischen Lebensweise frei von Manipulation und Ausbeutung ihr lebenserhaltendes Tun schützen. P. S.: Buch und Film 'More Than Honey' geben wunderbar fundiertes Hintergrundwissen zum Thema.