Zusatzstoff Gentechnik - Schrot und Korn

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Zusatzstoff Gentechnik

Sind konventionelle Lebensmittel eigentlich noch gentechnikfrei? Schaut man bloß auf die Verpackung, so liegt die Antwort nahe: Weitgehend ja. Vergessen werden dabei die künstlichen Vitamine, die in angereicherten Säften oder anderer Industrienahrung stecken. Manche Vitamine sind nämlich kaum noch aus gentechnikfreier Produktion erhältlich. In Bio-Lebensmitteln dagegen ist Gentechnik grundsätzlich verboten.

 

Cornflakes, Säfte, Süßigkeiten und viele andere konventionelle Lebensmittel werben mit einem gesunden Image: „Enthält alle wichtigen Vitamine!“, so lautet die Botschaft. Doch der Vitamin-Cocktail stammt nicht aus der Natur, sondern aus dem Labor. Es sind synthetische Vitamine, die zugesetzt werden. Der Natur nachgebaut mit Hilfe verschiedener chemischer Reaktionen. Allerdings ist diese Art der Herstellung in vielen Fällen aufwändig und teuer. Immer öfter werden Vitamine deshalb mit Hilfe der Gentechnologie hergestellt.

Es gibt viele Mikroorganismen, wie Schimmelpilze oder Bakterien, die in ihrem Stoffwechsel Vitamine herstellen. Sie tun dies allerdings nur für ihren eigenen Bedarf und der ist nicht sehr groß. Um größere Mengen des gewünschten Vitamins zu erhalten, gibt es für die Hersteller zwei Möglichkeiten: Bei der klassischen Methode werden durch UV-Strahlen Änderungen im Erbgut der Mikroorganismen herbeigeführt, in der Hoffnung, dass eine davon zu einer höheren Produktion führt. Inzwischen wird diese Zufallsmethode mehr und mehr von gezielten Genmanipulationen abgelöst. Dabei wird das Erbgut so verändert, dass der Mikroorganismus verstärkt die gewünschte Substanz als Stoffwechselprodukt herstellt.

Nun braucht es noch einen preiswerten pflanzlichen Rohstoff als Futtergrundlage, damit sich die manipulierten Bakterien oder Pilze schnell vermehren. Dazu dienen meist Zucker oder Melasse und andere Reststoffe aus der Lebensmittelproduktion. Die Vermehrung geschieht in Fermentern: großen, sterilen Rührkesseln, in denen optimale Wachstumsbedingungen herrschen. Das von den Bakterien erzeugte Vitamin wird aus der Flüssigkeit im Fermenter isoliert, gereinigt und aufkonzentriert.

Vor allem B12 und B2 werden gentechnisch hergestellt

Auf gentechnische Art und Weise werden derzeit vor allem Vitamin B12 und in zunehmendem Maße auch das Vitamin B2 hergestellt. Für die Produktion von Vitamin C und Beta-Carotin existieren nach Angaben der Internet-Datenbank Transgen (www.transgen.de) ebenfalls entsprechende Verfahren, allerdings ist wenig über deren kommerzielle Nutzung bekannt. Transgen geht davon aus, dass Vitamin C in den USA und Japan auch mit Hilfe gentechnischer Verfahren produziert wird.

Der Trend geht rasant in Richtung Gentechnik. Die BASF, einer der größten Vitamin-Hersteller schreibt in einer Selbstdarstellung: „In zehn bis fünfzehn Jahren werden voraussichtlich fast alle Vitamine fermentativ, gentechnisch oder pflanzenbiotechnisch herstellbar sein.“

Bei 80 Prozent der Enzyme ist Gentechnik im Spiel

Dann ist ein Zustand erreicht, der heute schon bei den Enzymen feststellbar ist. Diese Proteine sind an Stoffwechsel- und Abbauvorgängen beteiligt und werden von der Lebensmittelindustrie in vielen Prozessen als technische Hilfsstoffe benutzt. Ihr Einsatz muss nicht deklariert werden, auch wenn sich noch Reste der zugesetzten Enzyme im fertigen Produkt finden. Wichtige Enzyme sind zum Beispiel die Amylasen, die Stärke zu Zucker abbauen und meist im Einsatz waren, wenn statt Zucker Mais-, Weizen- oder Glucosesirup ein Lebensmittel süßen. Auch viele konventionelle Fertigbackmischungen und Tiefkühlbackwaren enthalten Amylasen.

Weit verbreitet sind zudem Pektinasen, die bei der Fruchtsaftpressung die Saftausbeute erhöhen oder bei der Herstellung von Fruchtkonzentraten helfen. Beide Enzymgruppen werden sowohl von gentechnisch veränderten als auch von herkömmlich optimierten Mikroorganismen produziert. Diese Zweigleisigkeit trifft auch auf viele andere der in der Lebensmittelindustrie eingesetzten Enzyme zu. Noch. Denn bereits jetzt beträgt nach Aussagen des großen dänischen Enzymherstellers Novo Nordisk der Marktanteil der Gentech-Enzyme 80 Prozent.

Dass im Gegensatz zu den Vitaminen die Gentechnik sich bei den Enzymen bereits durchgesetzt hat, liegt daran, dass diese Stoffe immer schon mit Hilfe von Mikroorganismen gewonnen wurden. Die Genmanipulation als Methode der Optimierung kam deshalb hier frühzeitiger zum Einsatz. Bei Vitaminen dagegen war Jahrzehnte lang die chemische Synthese der gängige Herstellungsprozess. Er wird nur dort ersetzt, wo es wirtschaftlich interessant scheint.

Viele Zusatzstoffe basieren auf Soja oder Mais

Und wie sieht es mit Zusatzstoffen wie Emulgatoren oder mit Stärke aus? Auch hier ist häufig Gentechnik im Spiel. Denn die Rohstoffe für die Herstellung solcher Zusatzstoffe können von gentechnisch veränderten Pflanzen stammen, in erster Linie von Sojabohnen und Mais. Aus Sojabohnen wird nicht nur Vitamin E hergestellt, sondern auch Lecithin sowie Mono- und Diglyceride, die als Emulgatoren eingesetzt werden.

Mais liefert Stärke und diverse Zuckerprodukte, die daraus gewonnen werden, wie Maltodextrin, Fructose oder Glucose. Letztere dient auch als Nährmedium für die gentechnologische Herstellung von Lebensmittel-Zutaten wie Zitronensäure oder Xanthan. Weitere, derzeit noch gentechnikfreie Stärkelieferanten sind Kartoffeln und Weizen. Allerdings werden die bei der Stärkeverzuckerung eingesetzten Enzyme in der Regel mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt.

Die aufgeführten Beispiele zeigen, dass viele gängige Zusatz- und Hilfsstoffe in konventionellen Lebensmitteln mit Gentechnik in Berührung kommen. Die Verbraucher erfahren davon nichts, denn der Gentechnik-Einsatz muss nur deklariert werden, wenn im jeweiligen Zusatzstoff noch Erbgut-Bruchstücke oder Proteine eines gentechnisch veränderten Organismus nachzuweisen wären. Das ist in der Regel nur bei Lecithin aus Gensoja der Fall. Hilfsstoffe wie Enzyme werden als so genannte „Verschwindestoffe“ sowieso nicht angegeben.

Unkalkulierbare Risiken und Nebenwirkungen

Bleibt die Frage, ob der Einsatz der Gentechnik bei der Herstellung von Vitaminen oder Zusatzstoffen ein Risiko für Umwelt und Verbraucher darstellt. Die Anbieter von Enzymen und Zusatzstoffen verneinen dies. Ruth Brauner vom Öko-Institut in Freiburg hat dagegen Bedenken: „Die gentechnisch veränderten Mikroorganismen, die zur Herstellung etwa von Enzymen verwendet werden, unterliegen in der Regel der Sicherheitsstufe S 1. Das heißt, sie müssen nicht zerstört werden, sondern können als Dünger auf die Felder ausgebracht werden. Welche Wirkung die dadurch freigesetzten Mikroorganismen langfristig haben, ist völlig unbekannt.“ Auch wenn die Mikroorganismen tot auf den Acker kommen, aber Bruchstücke der DNA, also des Erbguts, noch intakt sei, könne das zu Problemen führen. Denn den Mikroorganismen wurde aus technischen Gründen meist eine Resistenz gegen Antibiotika eingepflanzt. „Es besteht das Risiko, dass solche Resistenzen an andere Organismen, etwa Bakterien, weiter gegeben werden.“ Die Gefahr: Wichtige Human-Arzneimittel wirken dann nicht mehr.

Für die Gesundheit der Verbraucher sieht Ruth Brauner zwei weitere mögliche Risiken. Zum einen können mikrobiell hergestellte Enzyme mit Nebenprodukten verunreinigt sein. Gentechnisch veränderte Mikroorganismen könnten andere, bisher unbekannte Nebenprodukte produzieren, die sich als gesundheitsschädlich erweisen. 1990 starben mehrere Menschen nach der Einnahme der Aminosäure Tryptophan. Sie hatten ein neues, mit gentechnischer Hilfe hergestelltes Präparat genommen. Ob die darin festgestellten Verunreinigungen durch die Mikroorganismen produziert wurden oder durch technische Fehler in das Präparat kamen, ist bis heute ungeklärt.

Ein zweites Risiko sieht Ruth Brauner in der potenziell allergenen Wirkung von Enzymen.

Leo Frühschütz

 

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