Pro & Contra - Schrot und Korn

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Pro & Contra

Braucht es eine warme Mahlzeit am Tag?

Ja,

Vanita Kansal (Fotos: Ayurveda Parkschlösschen Bad Wildstein GmbH)
Vanita Kansal ist Ayurveda-Ärztin im Gesundheitshotel „Ayurveda Parkschlösschen“ in Traben-Trarbach. (Fotos: Ayurveda Parkschlösschen Bad Wildstein GmbH)

denn aus gekochten Mahlzeiten kann der Körper wesentlich einfacher die für ihn so wichtigen Mineralstoffe aufnehmen. Gekochtes Essen ist leichter verdaulich. Im Ayurveda eine ganz entscheidende Sache. Da ist es nicht wichtig, was man isst, sondern was verstoffwechselt wird. Das ist im Allgemeinen sehr individuell, aber für alle Menschen gilt, umso leichter die Nahrung verdaut werden kann, umso weniger Energie müssen Leber und Magen-Darm-Trakt aufwenden. Dafür verbleibt mehr Energie für sehr wichtige andere Funktionen des Körpers wie die Zellregeneration, die Schutzmechanismen, das Herzkreislauf-System und den Wasserhaushalt.

Gekochtes ist leichter verdaulich

Sind wir dann auch noch stressbelastet (eine Phase, in der die Verdauungskraft reduziert ist), wird dem Körper noch mehr Energie entzogen anstatt ihm genau dann mehr Energie zu liefern.

Besonders am Abend, wenn die Leber stark reduziert arbeitet, wird alles Schwerverdauliche – und dazu gehört Rohkost – schlecht oder gar nicht verstoffwechselt. Blähungen, Völlegefühl, Unwohlsein und eine nicht wirklich tiefenentspannte Nacht sind die Folge. Bei andauernder Überlastung des Leber-Magen-Darm-Systems führt das zu verminderter Leistungsfähigkeit und einem geschwächten Immunsystem. Also, lieber abends ein warmes Gemüsegericht. Zusammen mit ausgesuchten Gewürzen sorgt diese Mahlzeit für Harmonie im Bauch und im Kopf.


Nein,

Chantal Sandjon (Fotos: Oliver G. Seifert)
Chantal Sandjon ist Ernährungswissenschaftlerin (MSc) und Autorin, „Rohkost für Einsteiger“ heißt ihre jüngste Veröffentlichung. (Fotos: Oliver G. Seifert)

im Sinne von Notwendigkeit brauchen wir nicht täglich etwas Warmes. Auch wenn es weiterhin unklar bleibt, wann genau das Feuer Einzug in die Menschheitsgeschichte hielt, ist eines klar: Evolutionär gesehen sind die Ursprünge des Menschen rohköstlich. Das Feuer erfüllte einen Zweck in unserer Entwicklung, erlaubte unseren Vorfahren, Lebensmittel länger haltbar zu machen sowie hochkalorische Nahrung und eine größere Bandbreite an Lebensmitteln zu konsumieren.

Die Ursprünge des Menschen sind rohköstlich

An Kalorien und kulinarischer Abwechslung mangelt es uns heute jedoch nicht. Eine geringere Energiezufuhr bei hoher Vitalstoffaufnahme, wie es bei Rohkost ganz natürlich geschieht, tut vielen von uns vielmehr richtig gut. Und langweilig wird es dank Mixern & Co. mit Rohkost auch nie.

Das Gefühl, wir bräuchten täglich etwas Warmes, ist vor allem Kopfsache. Es wird durch unsere Sozialisation und den gesellschaftlichen Aspekt des Zubereitens und Essens gefördert. Wer den Rohkost-Selbstversuch wagt, ist deshalb auch oft von der emotionalen Bindung an Kochnahrung überrascht. Was dabei hilft: Rohkost als Ernährung der Vielfalt und nicht des Verzichts leben, sie individuell an Lebensstil und Bedürfnisse anpassen. Smoothies und Salate, rohe Mahlzeiten und Desserts, Nüsse und Samen, Obst und Gemüse in Hülle und Fülle. So wird schnell klar: Etwas Gekochtes kann zwar genossen werden – gebraucht wird es aber nicht.

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Erschienen in Ausgabe 10/2015
Rubrik: Ernährung

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Allgöwer Anja

Vor ca. 8 Jahren habe ich dank einer Heilpraktikerin meine Ernährung von 80% Rohkost auf 80% Gekochtes umgestellt.
Es ging mir damals gesundheitlich nicht sehr gut, was überwiegend durch die ungekochten Speisen verursacht war (müde, schlapp und erschöpft)
Heute lebe ich nach tcm und beachte dabei auch die Jahreszeiten. So gibt es morgens (in der Monaten von Oktober bis Mai) ein warmes Frühstück aus Apfelmus und frisch geflockten und eingeweichten Haferflocken; mittags einen zimmerwarmen Imbiss (gekochte Salate, Bratlinge) bzw. warme Getreide-Gemüsesuppen und abends leichtverdauliches sowie bereits ab 14:00 Uhr keine Rohkost mehr.

In den Sommermonaten gibt es morgens das klassische Müsli nach Bircher-Benner aus eingeweichten Haferflocken und frisch geraspelten Äpfeln, Obst etc.

Ich bin froh, dass ich meine Ernährung umgestellt habe (früher Frischkornbrei nach Bruker und viel Rohkost; heute 80% gekochte Vollwerktkost) und ich fühle mich gesund und wohl dabei.
Es gibt Menschen, denen Rohkost keine Probleme bereitet (gutes "Verdauungsfeuer"), so dass jede(r) nach Wohlbefinden entscheiden soll, welche Nahrungsmittel günstig für ihn sind.

Wolfgang Steinmetz

Hallo,

Im Laufe meines Lebens, nun schon über 60 Jahre, bevorzuge ich immer mehr kalte Speisen. Nicht weil mein Kopf es für z.B. gut empfindet. Vielmehr weil ich es mit der Zeit als immer angenehmer empfand. Auch fühle ich mich dabei körperlich wohler. "Kalt" heißt für mich aber nicht Kühlschranktemperatur sondern ab Zimmertemperatur bis etwa 35º C. Wärmebehandelte Speisen zählen genauso dazu wie Rohkost. Ich lasse sie gegebewnenfalls abkühlen.
Da ich, zumindestens bei den Hauptmahlzeiten, mit Rohkost, vornehmlich Obst, beginne, merke ich ein besseres Wohlbefinden bei mir. Ich lege viel Wert auf Vollwertkost. Die Realisierung ist nicht immer einfach, führt dann aber oft zu Rohkost.
Klar würden die Menschheit auch ohne Kochen und Co. auskommen, wären dann vielleicht sogar in der Summe gesünder als Heute, aber auch die zusätzliche Zubereitung der Speisen hat Vorteile, wie sie z.T. auch schon erwähnt wurden. In der Tendenz möchte ich aber mitteilen, dass je weniger ein Produkt behandelt wird, es um so besser auf den Körper wirkt. Es ist also immer eine Fallentscheidung.

Gruß
gez. Wolfgang

Marcus Steinigerq

Frau Sandjon vergisst bei ihren bloßen Behauptungen, dass seit der Zeit unserer rohköstlich lebenden Vorfahren Evolution stattgefunden hat. Mit der Entdeckung und Nutzung des Feuers erfuhr der Körper, dass er erhitzte Nahrung wesentlich besser nutzen kann, so wie es Frau Kansal beschreibt.
Im Zuge dieser Evolution entwickelte sich unser Blinddarm zu unserem heute bekannten Wurmfortsatz zurück, der zuvor für die Verstoffwechslung von rohen Pflanzenfasern zuständig war. Ohne den Blinddarm verstoffwechselt unser Körper die rohen Pflanzenfasern zwangsweise zu Fuselalkohol. Interessanterweise sind alle reinen, langjährigen Rohköstler, die ich kennenlernte, an Leberzirrhose gestorben.

gruenspechterl

Natürlich hat der Mensch ursprünglich „nur“ Rohkost zu sich genommen, aber bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Evolution – vor rund einer Million Jahren nach Meinung der meisten Forscher – das Feuer für die Zubereitung von Nahrung entdeckt.
Und dass ein großer Prozentsatz der „Rohköstler“ mit (häufig permanenten) Verdauungsstörungen zu kämpfen hat, wird in dem Zusammenhang gerne verschwiegen. Der Grund liegt auf der Hand; Pflanzen wissen sich gegen das Gefressenwerden zu wehren, indem sie unter anderem Stoffe produzieren, die ihre Verwertung durch „Pflanzenfresser“ zumindest erschweren. Warum sonst hat der Mensch sich z.B. die Mühe gemacht, Getreideprodukte erst mühsam zu mahlen, um sie dann zu backen oder zu kochen? Gerade durchs Kochen werden manche pflanzlichen Abwehrstoffe erst unschädlich gemacht und eventuelle Krankheitserreger abgetötet. Damit einher geht ein größerer Nährwert der solchermaßen aufgeschlossenen Nahrung.

Dies ist bei mir jahreszeitenabhängig. Im Sommer komme ich gut mit Rohkost aus. Ich fühle mich dann fitter und vitaler. Ernähre ich mich ausschließlich rohköstlich, fröstel ich aber auch schneller. Eine warme Mahlzeit ist mir da im Herbst / Winter lieb. Ein warmer Tee machts aber auch.

LG Pierre

Rolf Benz

In fast allen Bereichen ist die Evolution ein guter Ratgeber:
Mit was und wie, wurden wir zu dem was wir sind.
Über den längsten Zeitrum unserer Entwicklung haben wir uns wohl rohköstlich ernährt. Das systematische Kochen setzte nach und nach mit unserer Sesshaftigkeit und dem neuen Nahrungsangebot (erste Kulturpflanzen) vor ca. 10.000 Jahren ein. Dann kam die Milch einer anderen Art hinzu. Auch an die ist unser Körper bis dato nur bedingt angepasst, auch wenn wir nicht die direkte Laktoseintorleranz haben.

Zum Thema kann man auch unter "Verdauungsleukozytose" einiges Widersprüchliches lesen.

Fakt ist jedoch, dass die gekochte Nahrung unseren Nahrungsinstinkt überlistet, weil sich dieser mit Rohkost entwickelte. Aber es ist doch irgendwie schöner, leckere gekochte Nahrung solange zu essen, bis der Magen voll ist, anstatt bei Rohkost plötzlich nicht mehr essen zu können.

Hardy

Brauchen? Nein. Die warme Mahlzeit ist eine schöne Sache, aber ich habe den größten Teil meines Lebens (mittlerweile bin ich im Rentenalter) die Woche über mittags kalt gegessen und abends das normale Abendbrot (die Familie hat mittags warm gegessen). Wobei "kalt" ja nicht gleichbedeutend mit Rohkost sein muss, wie die in Pro und Contra dargestellten Standpunkte suggerieren. Eine sinnvolle, ausgewogene Brotmahlzeit ("Brotzeit", wie man in Bayern sagt), ersetzt durchaus ein warmes Essen, ohne dass einem etwas fehlt. Auch über mehrere Tage hinweg.

Bieni123

gekocht oder roh ist nicht gleichbedeutend mit kalt bzw warm.
Eine Rohkostmahlzeit von 40° (bis 42° sind erlaubt) ist kein kaltes Essen, sondern warm aber dennoch rohkost...

anna olala

im letzten jahr war ich in kambodscha, zum ersten mal in asien, und es war ernährungsmäßig das was ich schon immer gewusst, geahnt hatte, wie eine offenbarung für mich, meine dort einheimische schwiegertochter kocht drei mal täglich warm, das ist dort so üblich, und ich habe mich total wohl damit gefühlt, habe mein warmes veganes essen genossen,
am wochenende koche ich hier mindestens zwei mal am tag, in der woche wegen der arbeit nur ein mal, kann mir vorstellen wenn ich in rente bin, was nur noch ein paar jahre sind, dass ich nur noch warmes esse, und trinken habe ich schon immer was warmes bevorzugt

Claudia

Ich lasse mich, wie wahrscheinlich einige meiner Mitmenschen, dazu hinreißen verschiedene Ernährungsformen auszuprobieren. So habe ich mit 31 Jahren Dr. Brucker kennengelernt. Der wie die meisten vielleicht wissen, den Frischkornbrei als tägliche Morgenmahlzeit für eine gesunde und vitalstoffreiche Ernährung, als unverzichtbar empfahl. Sowie die täglichen Rohkostsalate. Aber auch gekochte, vegetarische Speisen stehen auf dem Speiseplan. Diese Form der Ernährung praktizierte ich viele Jahre mit Erfolg. Mit Anfang 40 lernte ich die 5 Elemente Ernährung kennen und lieben. Diese vertrug ich deutlich besser als die von Dr. Brucker. Ausprobiert habe ich noch die Blutgruppen Diät um. Heute mit 55 Jahren bin ich davon überzeugt, dass ein gesundes Körpergefühl einem den richtigen Weg zeigt, welche Form der Ernährung die Richtige für einen ist.

Gisela

Hallo und guten Tag,

jede_r sollte in sich hineinhorchen beim Ausprobieren: bei Rohkost ist die Energiebilanz unterm Strich höher, die Rohkost muss aber aus hochwertigen Lebensmitteln bestehen.

Auch bei schonender Garung werden immer Inhaltsstoffe zerstört, das gilt es zu vermeiden. Nur Lebensmitteln, die roh nicht verträglich oder giftig sind, wie z.B. Bohnen, sollten die Rohkost ergänzen. D.h. jedoch nicht, dass diese Dinge immer warm zu essen sind.
Alles was roh gegessen werden kann, sollte nicht durch Erhitzen in der Qualität gemindert werden.

Vermutlich stammt die kulturhistorische Entwicklung warmer Mahlzeiten in unseren Breitengraden aus der Zeit, als der "Alte Fritz" die Kartoffel bei uns einführte, die nur gekocht genießbar ist. Dazu Fleisch, das in der Regel auch gekocht wurde, und wahrscheinlich gab es häufig Erbsen, Bohnen und Kohl, ebenfalls gekocht.

Erst durch die Erreichbarkeit einer Vielfalt von rohköstlichen Lebensmitteln konnte diesem tristen Einheitsbrei eine gesunde Alternative vorgezogen werden.

In diesem Sinne guten Appetit!

Volkmar

Guten Tag,

ich kann der Argumentation von Frau Sandjon sehr gut folgen.
Dies möchte ich mit dem Argument unterstreichen, dass beim
Erwärmen der Speisen über 42° Celsius wichtige Eiweißstoffe in der Nahrung 'stocken' und wichtige Vitalstoffe dem Körper verloren gehen, die u. a. für die Verarbeitung der Nahrung fehlen.
(Mir wurde dadurch erst bewußt, warum ein Mensch nicht
über 42° Celsius Fieber bekommt...;-)

Allerdings geniesse ich auch -abundzu- eine warme Mahlzeit und frisch zubereitet, die ich mit 'Frischkost voraus' verfeinere.

Also - man kann auch beides sinnvoll miteinander verbinden.
Weniger entwederoder - mehr "und beides'...;-)

sapia

Mit den Ursprüngen des Menschen zu argumentieren dass diese rohköstlich sind, finde ich eher eine Kopfsache. Jede Spezies entwickelt sich und dafür gibt es ja auch einen Grund. War sicherlich sehr nützlich das Feuer zu entdecken. Die ganze Spalte zur Rohkost finde ich kopflastig. Das macht mir so gar keine Lust auf Rohkost, auch wenn ich in der warme Jahreszeit viel Rohkost esse. Alles auf irgendwelche Zwecke herunterzuargumentieren vergisst einfach den wichtigen Punkt dass wir Menschen sind. Auch ist es gewagt das gekochte Essen mit emotionaler Bindung gleichzusetzen. Denn Ungekochtes kann ebenso eine emotionale Bindung haben, wie alles Essen eben. In der ganzen Argumentation für die Rohkost fehlt auch der wichtige Aspekt des Zubereitens: die Zeit die man sich nimmt um das Essen zubereiten. Macht man bestimmt in der Rohkost auch. Das Zubereiten spielt bestimmt eine wichtige Rolle in einer ausgewogenen, vielfältigen Ernährung und natürlich macht dies ein großen Teil des gekochten Essen aus. Und vor allem soll Essen ja auch Spaß machen.

Prowärme

Also, ich fühle mich am Wohlsten, wenn mir warm ist und dazu gehört besonders an kühlen Tagen eine warme Mahlzeit. Ich ernähre mich tagsüber mit grünen Smoothies aber abends wird gekocht, das bekommt mir besser. Herbst und Winter gibt es mit Vorliebe Suppen aller Art und ganzjährig gehört auch Tee dazu.
Warme Grüsse