Pro & Contra: Brauchen wir eine Steuer auf Fleisch ? - Schrot und Korn

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Pro & Contra: Brauchen wir eine Steuer auf Fleisch ?

Jein,

Artgerechte Tierhaltung kostet Geld. Wir brauchen deshalb keine Steuer, sondern eine zweckgebundene Fleischabgabe oder einen Verzehrsoli, der auch Milch und Eier einschließt. Mit einer solchen Abgabe könnte man den dringend nötigen Umbau der Tierhaltung finanzieren: Anders als eine Steuer, die einfach in den Bundeshaushalt fließt, könnte eine Abgabe direkt in einen Fördertopf für bessere Ställe und ein Mehr an Tierschutz in der Landwirtschaft gehen. Die sollte gestaffelt sein, je höher die Tierschutzstandards, desto niedriger die Abgabe. Für den Verbraucher würde das voraussichtlich nur wenige Cent pro Kilo Fleisch ausmachen. Und „draufzahlen“ müssen alle, Fleischesser und Veganer, im Grunde eh längst: in Form von Kosten für Umweltschäden, etwa durch die Nitrat-Belastung durch Gülle. Natürlich darf die Last nicht allein beim Konsumenten liegen. Das Ganze muss mit einer Anpassung des Ordnungsrechts einhergehen, einem Kurswechsel in der Förderpolitik der EU – und auch mit einer Senkung von Fleischkonsum und -produktion. Tierische Produkte, vor allem die aus der Intensivtierhaltung, sind zurzeit einfach zu billig. Zu Spottpreisen und im Überfluss wandern sie über Supermarkttheken. Die größten Leidtragenden des Preisdrucks sind die Tiere. Die ganze Gesellschaft – jeder, der Fleisch produziert, Fleisch vermarktet und Fleisch isst – muss einen Beitrag zum Staatsziel Tierschutz leisten. Dazu gehört die Anerkennung, dass Lebewesen, die für den eigenen Genuss gestorben sind, einen Wert haben.

Thomas  Schröder ist Präsident des Deutschen  Tierschutzbundes, der Dachorganisation der Tierschutzver­eine und Tierheime in Deutschland

Ja,

aber nicht pauschal. Grundsätzlich ist es sinnvoll, mit Steuern zu steuern. Denn was Umwelt, Klima und Tieren schadet, verursacht Kosten. Und diese finden sich aktuell nicht im Preis wieder. Wenn der Staat durch Steuern solche Kosten ausgleicht, hat er zugleich die Mittel, diejenigen zu unterstützen, deren Preise die ökologische Wahrheit sprechen. Auch könnte man die Tierhaltung, von der ein Großteil aus gutem Grund in der Kritik steht, damit umbauen. Und zwar so, dass sie von der Gesellschaft akzeptiert werden kann und ohne dass Bauern um ihre Existenz fürchten müssten. Man muss nur bei der Ausgestaltung gut aufpassen, dass man nicht das Gegenteil dessen erreicht, was man beabsichtigt: Denn wenn man zum Beispiel die Mehrwertsteuer auf Fleisch pauschal erhöht, steigt besonders der Preis von teurem Fleisch. Damit wird die Nachfrage auf Produkte mit niedrigem Preis gelenkt, die unter den schwächsten Standards hergestellt werden. Wir sind hier deshalb auf eine sehr viel grundsätzlichere Diskussion angewiesen: Wie können wir unser gesamtes Steuer- und Abgabensystem so umgestalten, dass Kosten internalisiert werden? Wie können wir nachhaltige Produktion günstiger machen, sodass nicht nachhaltige Produktion unattraktiv wird? Es geht also um differenzierte Mehrwertsteuer-Sätze für Fleisch oder Antriebssysteme. Oder um Steuern für CO₂, um Abgaben auf Pestizide und um die Frage, wie der Ertrag daraus sozialverträglich an die Menschen zurückgegeben werden kann. Diese Debatte können wir beim Fleisch beginnen – es geht aber um mehr: ums Ganze !

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein  ist Bio-Bauer und Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)

©  Deutscher Tierschutzbund e.V.; PR-Material

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Erschienen in Ausgabe 01/2020
Rubrik: Ernährung

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Roland Stein

Interessant, dass sich Tierschutzbund und Biobauern unisono eine Steuer wünschen. Führt sie doch zu einer weiteren Vergrößerung des Subventionstopfes.
Statt Forderungen nach einer Änderung der EU-Landwirtschaftssubventionierung etwa dahingehend, nur noch Bioproduzenten zu suventionieren, wird die Zahl der Subventionsempfänger schnell mal erhöht. Bloss alle so lassen, wie es ist und die Zahl der Sozialhilfeempfänger und etwas anderes ist es ja nicht, schnell mal verdoppelt'? vedreifacht?.
Jeder Betrieswirtschaftsudierender im ersten Demesterlernt, dass Subventionen zu Fehlallokation führen. Es werden Dinge produziert, die sonst nicht produziert würden oder zu entsprechend höheren Preisen entstünden. Warum müssen in Deutschland zu Lasten der Umwelt und zu Lasten der Steuerzahler Subventionen an Unternehmer gezahlt werden, die Produkte zu Preisen herstellen, die selbst die Landwirtschaftsministerin als "unanständig" bezeichnet.
Wir brauchen ökologisch arbeitende Bauern, die hierfür eine Anerkennungsprämie beziehen und keine Investoren als Sozialhilfeempfänger, die mit ihren subventionierten Produkten Agrarmärkte in Entwicklungsländern zerstören.

Elke Rauer

Was soll die Steuer?!? hier gehts doch nur darum dem Steuerzahler Geld aus der Tasche zu ziehen und dem Konsumenten ein gutes Gewissen zu machen beim Fleisch essen.
- Das Tierwohlzeichen, da bekommt eine Sau links und recht 2 cm mehr, das ist doch die Menschen für blöd verkaufen, damit Aldi, Kaufland, Penny, Lidl.... ihr Fleisch unter dem Deckmantel Tierwohl verkaufen kann und der Konsument mit gutem gewissen Fleisch essen kann. Das wird mit der Steuer nicht viel anders sein.
Solange die Politik nicht endlich die Massentierhaltung verbietet, den Export von Tieren in den Nahen Osten verbietet und wir Konsumenten nicht endlich umdenken solange ist das alles mit Steuer nur eine Augenwischerei und in meinen Augen Betrug am Steuerzahler. Vielleicht sollten wir als erstes mal unsere Politiker reduzieren, den Wohlstand der Politiker kürzen da hätten wir vielleicht endlich mal ein paar Dampfplauderer weniger und wir würden uns ein haufen an Steuergeldern sparen die ja dann sinnvoller verwendet werden können. Aber da kann man lange darüber schreiben und diskutieren, das einzige was hilf einfach kein Fleisch essen bzw. den Konsum von tiereischen Produkten drastisch reduzieren, dann erreichen wir das alles von ganz alleine.

Schlomo

Besser eine Schlachtsteuer, als eine Fleischsteuer:
z.B. pro Huhn 5,-€,
pro Schaf oder Schwein 50,- €,
pro Kalb 60,- €,
pro erw. Rind 100,- €, etc.

Ja, ich bin für eine zweckgebundene Fleischsteuer, die mindestens 25 % betragen muss. Leider traue ich den Politern zu, dass sie diese Steuer auch für andere Zwecke nutzen. Fleisch darf nur zu einem Mindestpreis verkauft werden. Dafür müsste ein Gesetz erlassen werden. Diese Mehreinnahmen dürfen nur zur Unterstützung für tiergerechte Haltung verwendet werden. Die Bauern müssen streng überwacht werden. Nur so lange Tiere im Grundgesetz als "Sache oder Gegenstand" behandelt werden, wird sich wohl nicht viel ändern. Die Politiker greifen sö lasch durch, weil sie alle Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Angst und Geld regiert die Welt.

Astrid

Keine Steuer der Welt hat noch je auch nur ein Problem gelöst! Das Geld kommt nicht da an wo es hin müsste, kann die Problematik hier auch nicht lösen, da den Tieren Geld herzlich egal ist.
Es müssten ganz strikte Regeln her, die häufige, engmaschige strenge Kontrollen nach sich ziehen - das schafft nebenbei auch noch eine Menge Arbeitsplätze. Und diese Arbeitsplätze müssten dann eben auch bezahlt werden, was sich vermutlich in teurerem Fleisch ausdrücken würde. Das wäre eine Win-Win Situation! Alles andere ändert rein gar nichts und wäre nur wieder eine Pseudo-Hilfe.
@Gabriele: An Vegetariern gibt es doch nichts auszusetzen - die leben genauso gesund und munter unter uns. Ich kaufe auch gewisse Lebensmittel nicht, weil sie mir einfach zu teuer sind und ich dann lieber auf etwas anderes ausweiche. Da muß ein erwachsener Mensch wie immer einfach Prioritäten setzen.
Fleisch war schon einmal eine Art "Luxus-Produkt", zu einer Zeit als es noch Qualität hatte.

R.B.

Eine Fleisch-Steuer hat den Nachteil, dass hier der Staat die Hand darauf hat. Ob die dann wirklich so verteilt wird, wie man sich das wünschen würde, wage ich zu bezweifeln. Von dem ganzen bürokratischen Aufwand will ich gar nicht reden.
Was wir brauchen, das sind Fleischpreise, die den Bauern gezahlt werden, damit diese dann auch davon leben können. Klasse statt Masse. Fleisch nur für Reiche, das ist totaler Blödsinn. Es muss endlich in die Köpfe der Verbraucher, dass ein geringerer Fleischkonsum für alle von Vorteil ist.

Thomas Neubrand

Strengere Regeln für die Tierhaltung (wie Bio-Verbände) und viel mehr (unangesagte) Kontrollen bei den Betrieben, die nicht von ihren Dachverbänden kontrolliert werden, wobei die Kosten auf die Tierhalter umzulegen wären. Bei Verstößen gegen die Regeln rigorose Konsequenzen. Dadurch würden die Preise der konventionellen Fleischerzeuger deutlich steigen.

Bernhard

Wozu eigentlich immer mehr Steuern , wer soll das alles noch bezahlen. Wenn eine solche Steuer kommen würde , wäre es ja wie immer, das Geld kommt nie da an wo es hin sollte . Also warum diese Diskussion. Ich esse nicht viel Fleisch und kaufe wenn , dann das teurere . Wenn das Fleisch , sowie andere Produkte von vornherein etwas teurer wären und dies in allen Märkten ( Kaufhäusern )müßte man das teuere kaufen und hätte keine andere Wahl. Aber es sind nicht nur wir Verbraucher , sondern auch die Märkte die es immer wieder billiger machen , damit für Sie der Umsatz stimmt .

Marie Schmitz

Ich bin gegen eine Fleischsteuer. Dann bezahlt der Verbraucher höhere Preise ohne Gewissheit, dass das Fleisch besser wird. Ich bin dafür, denjenigen die Kosten aufzubürden, die die Schäden verursachen, nämlich den "Bauern" mit Massentierhaltung, wenn man diese Erzeuger überhaupt noch Bauern nennen kann. Für mich sind das Industriebetriebe wie alle anderen auch, ob sie nun Fleisch herstellen oder Schrauben. Wenn diese für die Schäden, die sie verursachen, z. B. für Nitrate im Grundwasser, zahlen müssen, wird Massentierhaltung teurer als Bio-Tierhaltung. Bei Massentierhaltung zahlen wir alle inkl. unsere Umwelt für die Schäden, bei Biotierhaltung nicht. Also muss hier Gerechtigkeit hergestellt werden. Wenn Fleisch dann allgemein teurer wird, weil die Qualität höher ist, ist allen geholfen. Wer einmal Fleisch vom Discounter und Biofleisch gebraten hat, kennt den Unterschied. Der Wasserverlust beim Braten ist so drastisch, dass statt eines 1 kg-Stückes Billigfleisch ein 500 g-Stück Biofleisch genügt hätte. Die Menge auf dem Teller ist die gleiche. Der Geschmack ist unvergleichlich besser. Man darf hier nicht die Kilogrammpreise der Rohware vergleichen, sondern muss die Kilogrammware der Fertigware berechnen. Dann hat sich die Ersparnis ganz schnell in Verlust aufgelost. Wiegen Sie doch mal Ihr Fleisch vor und nach dem Braten. Die Differenz ist Wasser bzw. Verlust und meines Erachtens Betrug am Verbraucher. Besseres Fleisch für alle und für alle bezahlbar wäre das Ergebnis.

Pfeiffer,Christiane

Wir brauchen ein grundlegendes Umdenken in unserer Gesellschaft über den Umgang mit anderen Lebewesen. Niemand, wirklich niemand benötigt Fleisch, Milch Eier etc. Produkte aus Lebewesen müssen nicht teurer, sondern abgeschafft werden.
Tiere dürfen nicht mehr als Sache betrachtet werden, sondern als Subjekte, die mit eigenen Rechten ausgestattet sind. Eine Steuer, die die Qualhaltung weiterhin ermöglicht ist nicht sachgerecht. Tierwohl gehört endlich ins Grundgesetz . Fleisch hat nichts mit "ich kann es mir leisten" zu tun. Aber man kann in einem Land, dessen Lieblingsgerichte der Bevölkerung Currywurst und Schnitzel sind, nicht erwarten, dass sich ernsthaft mit gesunder Ernährung auseinandergesetzt wird. Keine Fleischsteuer, sondern sofortige Abschaffung der Massentierhaltung!!!

Hans-Joachim Bach

Logisch, als Beitrag zur Rettung des Klimas

Mona

Ich bin total gegen eine Fleischsteuer. Wir sollten den ganzen Fleischkonsum einschränken. indem wir uns ca. 1x pro Woche ein gutes Stück Biofleisch gönnen bei einem akzeptablem Preis für die Bauern und für uns. Ständig werden wir mit neuen Steuern konfrontiert, ist allmählich unerträglich.

Selent

Nur die Unterstützung von echter Biolandwirtschaft und das Erschweren von konventioneller Landwirtschaft kann etwas verändern. Steuern haben wir genug, oft an der falschen Stelle. Die Wirkung von Besteuerung ist doch nur ein Ausweichen auf Billigkeit oder Betrug.

Gabriele

Im Grunde habe ich nichts gegen eine Fleischsteuer, da ich noch in der glücklichen Lage bin mir teureres Fleisch leisten zu können. Treibt man es auf die Spitze werden arme Menschen dann automatisch zu Vegetariern? Ist das dann der richtige Weg - Fleisch nur für Reiche?

Danke für die differenzierte Diskussion der Möglichkeiten, Umweltfolgekosten einzupreisen und ein ökologisch wie für den Tierschutz nachhaltigeres Angebot gegenüber niedrigeren Standards besser zu würdigen. Es wäre meiner Einschätzung nach eine große Chance, die von Felix Prinz zu Löwenstein (BÖLW) erwähnte sachgemäße Differenzierung der Mehrwertsteuer für zertifiziert ökologische Produkte europaweit anzugehen. das kann schrittweise für Produktgruppen erfolgen, wirkt auch auf Importprodukte, wie.z.B. Fleischimporte, und nutzt eine schon vorhandene und ohnehin reformbedürftige Steuer. Eine politische Unterstützung der dazugehörigen Kampagne wäre ich ein starkes Signal - ob zur Grünen Woche, auf der BioFach - oder als Petition in allen Bio-Supermärkten und -Läden: https://weact.campact.de/p/oekologisch-steuern - Neben der Differenzierung bei Lebensmitteln zum Verkauf - 0% für bio pflanzlich, 7% für bio tierisch und konventionell pflanzlich, 19% für konventionell tierisch - wären 7% für Bio-Kantinen und Bio-Gastronomie gegenüber 19% für konventionelle Speisen ein wichtiger Anreiz für eine noch flächendeckend fehlende Umstellung.

Karin Harlander

Ja, ich finde, so eine Steuer sollte eingeführt werden, wenn man sich klar macht, wieviele Probleme die extensive Tierhaltung zur Fleischproduktion mit sich bringt. Die Menschheit muss sich einfach (gerne auch durch einen höheren Preis) bewusster mit dem "Rohstoff" Fleisch auseinandersetzen und nicht einfach auch "Fleischeslust" und Gewohnheit unbedacht vor sich hin konsumieren.

Michael Bätjer

Eine Abgabenstaffelung nach Grad der Quälerei kann nur einem Widerling einfallen. Wir brauchen keine Steuern, sondern nur rigorose Einhaltung von artgerechter Haltung und Umweltschutz. Der sich dann einstellende Preis ist der Richtige.

Bernhard

Weiß nicht für was eine solche Steuer notwendig sein soll . Es ist dann wie immer , bei jenen wo das Geld dann ankommen sollte , kommt es nie an !!!! Wir bezahlen genug Steuer und auf dem Fleisch ist auch Mehrwertssteuer und wozu noch mehr Steuer. Man sollte sich mal um andere wichtigere Dinge kümmern, aber manche Leute haben nichts besseres zu tun. Wir in meiner Familie essen wenig Fleisch und kaufen deshalb schon das teurere und nicht das billige für 3,00 € je KG. Beste Grüße

Rita Bergfeld

Wir zahlen für sovieles an Steuern , für Lebensmittel auch. Daher finde ich es nicht gut, wenn für Fleisch auch noch Steuern berechnet werden.