Monsanto auf der Anklagebank - Schrot und Korn

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Monsanto auf der Anklagebank

Monsanto auf der Anklagebank (© dpa/Nic Bothma)
Bürger klagen Monsanto an. (© dpa/Nic Bothma)

UMWELT Ab dem 14. Oktober wird dem Konzern Monsanto in Den Haag der Prozess gemacht. Tatbestand: Ökozid. Geht das überhaupt? // Karin Heinze

Jein. Den Straftatbestand Ökozid, also Verbrechen gegen die Umwelt, gibt es bisher nicht. Darum ist dieser Prozess auch kein offizielles Gerichtsverfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Trotzdem findet dort das sogenannte Monsanto-Tribunal statt. Was hat es damit auf sich?

Das Tribunal ist zwar einerseits nur ein symbolischer Prozess gegen den Konzern Monsanto, der gentechnisch verändertes Saatgut und Herbizide produziert. Andererseits wird dieser von echten Anwälten und Richtern nach den Verfahrensregeln des Internationalen Gerichtshofs geführt. Organisiert wird er von Menschen, die sich zur NGO Monsanto-Tribunal zusammengeschlossen haben. Ihr Anliegen: ein exemplarisches Urteil gegen ein Unternehmen, das aus ihrer Sicht die Sicherheit von Erde und Menschen bedroht.

In dem Prozess soll es darum gehen, die umwelt- und gesundheitsschädigenden Tätigkeiten, die Monsanto zur Last gelegt werden, zu verurteilen. Zudem soll die Aktion dazu beitragen, den Tatbestand Ökozid in das internationale Strafrecht aufzunehmen. Dadurch könnte künftig eine Anklage wegen Umweltverbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof ermöglicht werden. Bis 16. Oktober will das Tribunal die Vorwürfe gegen Monsanto von Klägern aus der ganzen Welt bewerten. Auch Monsanto ist eingeladen, seine Argumente vorzutragen. Im Dezember soll es ein Rechtsgutachten geben. 

Von PCB bis Round-up

Die Liste von Verbrechen, die dem Konzern angelastet werden, ist lang. Ihm wird vorgeworfen, hochgiftige Produkte herzustellen, die Gesundheitsschäden und den Tod Tausender Menschen verursacht haben und noch immer verursachen. Zudem besteht der Vorwurf, die Umwelt durch diese Produkte dauerhaft zu schädigen. Als Beispiele nennt das Tribunal PCB, einen Schadstoff, der die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier beeinträchtigen soll,  sowie 2,4,5-T-Säure, einen dioxinhaltigen Bestandteil von Agent Orange, das im Vietnamkrieg eingesetzt wurde und heute noch Geburtsschäden und Krebs verursacht. Ebenfalls auf der Lis-te: das Pestizid Round-up mit dem Wirkstoff Glyphosat. 

Bei dem Tribunal steht jedoch nicht nur Monsanto, sondern das gesamte agroindustrielle System im Fokus, erklären die Initiatoren. Zu ihnen gehören die Aktivistin Vandana Shiva, die Filmemacherin Monique Robin und Olivier De Schutter, der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Unterstützt werden sie von zahlreichen Organisationen, darunter der Bio-Dachverband IFOAM, der BUND und die mitgliederstarke amerikanische Verbraucherinitiative „Organic Consumers Association. Schrot&Korn wird online von der Verhandlung aus Den Haag berichten: www.schrotundkorn.de/tribunal

Weitere Informationen gibt es unter www.monsanto-tribunal.org. Dort kann man eigene Statements posten und die Initiative mit einer Spende unterstützen.

Erschienen in Ausgabe 10/2016
Rubrik: Ernährung

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