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Lachs am Limit

Warenkunde Tiefkühlfisch (© Harald Hufgard)
(© Harald Hufgard)

BIO-WISSEN Lachs ist nicht gleich Lachs: Bei Wildlachs kommt es auf die Fanggebiete an. Bei Zuchtlachs auf die Art der Haltung. – Eine Bestandsaufnahme. // Brigitte Sager-Krauss

-> Tiefkühlfisch in Ihrem Bio-Laden

Der Lachs ist ein Langstreckenschwimmer. Wenn es darauf ankommt, schafft er Hunderte von Kilometern. Flussaufwärts, ohne Nahrung, ohne Pause. Selbst kleine Wasserfälle und andere Hindernisse erklimmt er geschickt. Diese sportlichen Leistungen verlangen Kraft und Energie. Ein stattliches Muskelpaket mit entsprechenden Fettreserven macht den Lachs fit für seine Reise aus dem Nordatlantik oder Nordpazifik zu seinen Laichplätzen an den oberen Flussläufen des Festlands. Für den Fortbestand von Wildlachs ist das wesentlich.

Wegen ihrer gut aufgebauten Muskeln sind Lachse als protein- und fettreiche Fische weltweit geschätzt: Insgesamt verzehrten wir 2014 über zwei Millionen Tonnen Lachs. In Deutschland hat der Lachs sich zwischen  Alaska-Seelachs auf Platz eins und vor Hering auf Platz drei der beliebtesten Speisefische „geschwommen“. Zahlen, die einen Makel haben: Längst ist der Lachs kein freier Wanderer mehr. Die Gewässer sind verschmutzt, Flüsse durch Wehre und andere Hürden verbaut. Das und unser Hunger nach Lachs lässt die Bestände seit Jahren schrumpfen. Der atlantische Wildlachs gehört inzwischen zu den besonders schützenswerten Fischarten. Allein zertifizierter Wildlachs aus pazifischen Fanggebieten gilt noch als akzeptabel.

Die Krux mit der Aquakultur

Deshalb werden Lachse gezüchtet. Doch die Aquakulturen bergen ebenso Gefahr für Meer und Fisch. Bei der konventionellen Zucht drängen sich in Mastkäfigen von etwa fünfzig bis hundert Metern Durchmesser teils mehr als 100 000 Tiere. Die Enge macht anfällig für Krankheiten. Das erfordert den häufigen Einsatz großer Mengen von Antibiotika oder Impfungen. Lachse sind keine Vegetarier. Sie wollen tierisches Futter. Hierfür werden konventionell Kleinfische gefangen. Das bedroht die Fischbestände. Krankheiten und Parasiten wie die Lachslaus werden durch sogenannte Netzflüchtlinge auf wilde Fische übertragen. In unmittelbarer Nähe der Massen-Fischzuchtgehege leidet das ganze Ökosystem durch Fäkalien- und Schadstoffansammlung.

Auch Bio-Lachs heißt Aquakultur. Hier jedoch gelten andere Regeln als bei konventioneller Zucht: Die Netzgehege ermöglichen mit niedrigen Besatzdichten, dass die Tiere bei natürlicher Gezeitenströmung aktiv schwimmen können. Gefüttert wird mit Bio-Getreide und Fischresten aus nachhaltigem Fischfang. Synthetische Aminosäuren, Hormone und Farbstoffe sind tabu. Anstelle von Chemie wird auf natürliche Gesundheitsvorsorge gesetzt: Putzerfische, Ultraschallgeräte oder Pflanzenextrakte helfen gegen Parasiten. Eingefroren und verarbeitet wird fangfrisch vor Ort. So geht Lachs auf nachhaltig!

Warenkunde Tiefkühlfisch (© Harald Hufgard)

Omega-3-Kick

Ein wesentliches Ernährungsplus von Lachs sind seine Omega-3-Fettsäuren. Diese gelten als blutdrucksenkend, herz- und augenschützend sowie entzündungshemmend.

Gentechnisch verändert?

Gentechnisch veränderter Lachs erhielt als erstes tierisches Lebensmittel im Herbst 2015 eine Zulassung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA. Noch regt sich Widerstand gegen den „Frankenfish“, der viermal schneller wachsen soll. Es wird um Kennzeichnungsrichtlinien gestritten, sodass die ersten Gen-Lachse erst in ein paar Jahren auf dem amerikanischen Buffet landen sollten. Ist das dann der Fall, könnte er über TTIP auch auf unsere Teller kommen.

Farbstoff

Wichtig für Lachs: die richtige Farbe. Bei Wildlachs sorgen Krebstierchen auf dem Speiseplan für die typische Färbung. Lachse aus Aquakulturen bekommen den Farbstoff Astaxanthin zugefüttert: Konventionelle Fischfarmen arbeiten meist mit synthetisch hergestelltem Farbstoff. Die natürlichen Farbgeber bei Bio-Zuchtlachs sind Garnelenschrot, naturbelassene Hefen und Algen.

Vorsicht: Ethoxyquin

Im Pflanzenbau ist diese Chemikalie verboten, weil sie als erbgut- und leberschädigend gilt. Dennoch wird bei konventioneller Lachszucht Ethoxyquin als Konservierungsmittel im Fischfutter eingesetzt. Folge: Viele Zuchtlachse
weisen gesundheitlich bedenkliche Rückstandsmengen auf. Bei Bio-Lachs ist Ethoxyquin außen vor. Hier enthält das Futter allenfalls Tocopherol (Vitamin E) als Oxidationsschutz. 

Blei, Dioxin und PCBs

Fettreiche Raubfische enthalten viel Dioxin, PCB, Blei und Quecksilber. Hohe Werte wurden in Ostseelachs gemessen. Bio-Lachse sind unkritisch belastet, weil sie aus küstenfernen Zuchten mit starker Strömung stammen.

 

 

Tracking-Code

Der Tracking-Code auf der Verpackung von Bio-Fisch informiert über Aufzucht, Fangbedingungen, Herkunft und Verarbeitung des Fischs.

Erschienen in Ausgabe 11/2016
Rubrik: Ernährung

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Philipp Henneke

Wir erfahren genau, wie unappetitlich konventionelle Lachse gehalten werden (100.000 Tiere!). Nur bei den Biolachsen, da erfahren wir gar nichts. Die zulässige Besatzdichte liegt aber bei ca. 50% gegenüber der konventionellen Zucht (50.000 Tiere!). Ein Narr wer glaubt, dass diese Zahlen verschwiegen werden, damit der profitreiche Edelfisch aus den Tiefkühlschränken der Bioläden befreit wird. Gibt es eigentlich Studien zum Effekt von Omega3 auf das gute Gewissen?