"Ohne Saatgut können wir nicht überleben" - Schrot und Korn

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"Ohne Saatgut können wir nicht überleben"

Die Regisseure Taggart Siegel (links) und Jon Betz. (Foto: W-film)
Die Regisseure Taggart Siegel (links) und Jon Betz. (Foto: W-film)

Leuchtend farbiges Gemüse, Saatkörner wie Kunstwerke und mutige Menschen, hautnah portraitiert – Taggart Siegel hat mit „Unser Saatgut“ einen sehenswerten Film über die Beziehung zwischen Menschen und Kulturpflanzen gemacht, der heute in den Kinos startet. 

Der Originaltitel lautet "Seed – The untold story". Wie geht diese Geschichte vom Saatgut, die noch nicht erzählt wurde?

Kurz gesagt: Ohne Saatgut können wir nicht überleben. Wir haben sage und schreibe 94 Prozent unserer Saatvielfalt in den vergangenen 100 Jahren verloren! Unser Saatgut ist mittlerweile genau so gefährdet wie Pandas oder Eisbären. Der Film erzählt aber auch von der Verwundbarkeit der Saatgutbanken durch den Klimawandel und Kriege. Und zur Geschichte des Saatguts gehören außerdem Agrochemie-Konzerne wie Bayer/Monsanto, Syngenta oder Dupont. Gerade mal eine Handvoll solcher Unternehmen kontrolliert mittlerweile mehr als Zwei-Drittel des weltweiten Saatgut-Marktes – mit beispiellos hohen Gewinnen!

Welcher Mensch hat Sie im Laufe des Films am meisten berührt?

Leigh Kuwanwisiwma von den Hopi Native American hat mich mit seiner spirituellen Beziehung zum Mais sehr bewegt. Er sprach mit seinen Maispflanzen so, als wären es seine Kinder. Berührt hat mich aber auch Suman, eine junge Frau aus Ost-Indien, die sich für den Erhalt von lokalen Saatgutsorten einsetzt und die gegen die Bedrohung durch die industrielle Landwirtschaft in ihrem Dorf kämpft.

Mit welchen Gedanken und Emotionen sollen die Zuschauer das Kino verlassen?

Ich wünsche mir, dass die Zuschauer mit Ehrfurcht und Staunen an Saatgut denken. Denn diese Körner sind wie lebende Embryos und es wäre schön, wenn das Publikum durch unseren Film sich der traditionellen Kunst, Kulturpflanzen zu bewahren und weiterzugeben, bewusst wird. Das würde helfen, Tausende von bereits verschwundenen Sorten wieder zurückzubringen.

Der Film ist visuell viel künstlerischer als andere Dokumentarfilme - wieso haben Sie und ihr Regisseurkollege Jon Betz diese Form gewählt?

Weil wir beide Kunst studiert haben, wollten wir die Schönheit und die architektonischen Formen von Saatgut in den Mittelpunkt rücken. Mithilfe von Zeitrafferaufnahmen und Makro-Fotografie zeigen wir zum Beispiel, wie die Pflänzchen durch die Erde brechen oder wie kleine Saatkörner riesengroß werden. Wie unter einem Vergrößerungsglas entdeckt das Publikum dadurch die wunderschönen Formen und Farben der Saatkörner – die übrigens oft wie Planeten aussehen.

Welche politischen Forderungen haben Sie?

Schätzungsweise 20.000 Saatgutfirmen sind bereits von großen, internationalen Konzernen gekauft worden. Hier muss es endlich einen Richtungswechsel geben. Es braucht mehr Widerstand gegen die Kontrolle der Konzerne, um die Souveränität über das Saatgut zu schützen. Nur so können lokale Gemeinschaften eine regionale Nahrungsmittelsicherheit aufbauen und bewahren, die frei ist von Pestiziden und zerstörerischer industrieller Landwirtschaft.

Wie viel Hoffnung haben Sie, dass Monsanto & Co. nicht gewinnen?

Wir sollten nicht vergessen, dass Gartenarbeit unter US-Amerikanern das Hobby Nummer eins ist. Davon profitiert auch die Bewegung, die alte Sorten schützen will. Und es gibt in den USA mittlerweile über 500 sogenannter „seed libraries“, also feste Standorte, wo man alte Saatgutsorten abgeben und kostenfrei bekommen kann. Dadurch hat heimisches Saatgut eine Chance, sich an das veränderte Klima anzupassen. Daneben gibt es außerdem noch Saatgutbörsen, Märkte und eine wachsende Anzahl an Saatgut-Schulen, wo gleichgesinnte Menschen aufeinander treffen. Hoffnung macht auch die Non-Profit-Organisation Navdanya, die in Indien von der bekannten Aktivistin und Physikerin Vandana Shiva ins Leben gerufen wurde. Dadurch konnten bereits über 120 Saatgutbänke gegründet werden.

Wie hat der Film Sie selbst verändert?

Tatsächlich bin ich nicht mehr der gleiche Mensch, seitdem ich mich mit Saatgut auf einem physischen, spirituellen und emotionalen Level beschäftigt habe. Seither sehe ich die Körner als lebende Embryos, um die man sich kümmern muss. In meinen vergangenen drei Filmen ging es um Landwirtschaft, Bienen und Saatgut. Dadurch bin ich selbst zum passionierten Gärtner, Bienenfreund und Saatgutschützer geworden.

So können Sie gewinnen:

Wir verlosen 5x2 Eintrittskarten. Schicken Sie bis zum 15. Oktober, 12 Uhr eine E-Mail mit dem Betreff „Unser Saatgut“ an gewinnen@schrotundkorn.de. (Teilnahmebedingungen)

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Interview: Uta Gensichen

Veröffentlicht:
Rubrik: Ernährung

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