Kaffee kostet - Schrot und Korn

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Kaffee kostet

© Gettyimages/Ami Vitale
Ob Arabica oder Robusta: Kaffeebohnen werden nach dem Pflücken als erstes an der frischen Luft getrocknet. © Gettyimages/Ami Vitale

 

FAIRTRADE Bodenlose Preise, verarmte Bauern, reiche Konzerne. Der Kaffeemarkt muss sich ändern. Bio-Hersteller zeigen wie es geht. Leo Frühschütz

Die Schnäppchen Anfang August: ein Kilogramm gemahlenen Kaffee für 5,98 Euro; die billigsten Espressobohnen kosteten 6,99 Euro je Kilo. Wir Deutschen lieben günstigen Kaffee. Mehr als 60 Prozent des Röstkaffees wird über Sonderangebote verkauft, haben die Marktforscher von Nielsen 2017 ermittelt. Die billigen Bohnen sind längst zum Nationalgetränk der Deutschen geworden: 162 Liter trinkt der Durchschnitts-Bürger jedes Jahr – mehr als Bier oder Wasser.

Von unserem Genuss können die Menschen, die den Kaffee anbauen und die Bohnen ernten, allerdings nicht leben. 25 Millionen Kleinbauern ernten rund drei Viertel des weltweit angebauten Kaffees von zehn Millionen Tonnen. Ein Viertel davon stammt von größeren Plantagen, von Landarbeitern im Akkord geerntet für Hungerlöhne. „Die Preise für Kaffee auf dem Weltmarkt sind seit den frühen 1980er-Jahren um zwei Drittel gesunken. Das reale Einkommen der Kaffeebauern hat sich im selben Zeitraum halbiert“. So steht es im Coffee Barometer 2018, einer Faktensammlung, die mehrere Entwicklungsorganisationen wie Oxfam und der WWF herausgegeben haben. Dabei ist Kaffee ein boomendes Geschäft. 175 Milliarden Euro geben die Menschen weltweit jedes Jahr für Kaffee aus. Weniger als zehn Prozent davon fließen in die Erzeugerländer, heißt es im Coffee Barometer. Der Bericht listet auch auf, wer am Kaffee verdient. Zehn Unternehmen rösten ein Drittel aller Kaffeebohnen, Marktführer sind der Schweizer Konzern Nestlé und Jacobs Douwe Egberts (JDE). JDE gehört zu 51 Prozent der deutschen Industriellenfamilie Reimann, 49 Prozent hält der Lebensmittelkonzern Mondēlez. Weitere Großröster sind Lavazza, Starbucks und Tchibo. Versorgt werden sie von einer handvoll Firmen, die einen Großteil des Handels mit den grünen Bohnen kontrollieren.

Der Preis für Kaffee wird an zwei großen Terminwarenbörsen in New York und London gehandelt. Die Spekulanten wollen aber gar keinen Kaffee kaufen, sondern wetten auf die künftige Preisentwicklung. Das gängige Maß für Kaffee ist der 60-Kilo-Sack mit noch ungerösteten, grünen Kaffeebohnen. Ende Juni 2019 musste ein Händler für einen Sack Arabica-Bohnen 127 Euro bezahlen. Die weniger edlen Robusta-Bohnen kosteten 80 Euro. Doch von diesem Geld kommt nur ein Teil bei den Bauern an. Sie verkaufen nur selten direkt an die großen Abnehmer, sondern sind abhängig von Zwischenhändlern, die die Ware bündeln und in die Häfen transportieren.

Fairer Handel hilft

Das Gegenmodell zu diesem globalisierten Kaffee-Geschäft ist der faire Handel. Fair bedeutet, dass die Importeure den Kaffee direkt bei den Bauern-Kooperativen oder bei zertifizierten Zwischenhändlern einkaufen. Sie zahlen zusätzlich zum Weltmarktpreis einen Fairtrade-Zuschlag, der in Projekte vor Ort fließt, und einen Aufschlag für Bio-Bohnen. Zusätzlich ist ein Mindestpreis festgelegt, der gezahlt werden muss, wenn der Weltmarktpreis im Keller ist. Bezogen auf den 60-Kilo-Sack Arabica-Bohnen wären das 164 Euro, dazu 23 Euro Fairtrade-Zuschlag und nochmal 40 Euro, wenn die Bohnen bio sind. Statt sich 127 Euro mit den Zwischenhändlern teilen zu müssen, bekommen die Bauern und ihre Kooperative also mindestens 225 Euro für den Sack biofairen Kaffee.

Oft bekommen sie noch mehr, da Hersteller wie Gepa, Sonnentor oder Lebensbaum die regionalen Unterschiede der Lebenshaltungskosten und der Erträge mit einkalkulieren. Zusätzlich zahlen sie noch Qualitätszuschläge für besonders hochwertige Bohnen. Einige Anbieter wie Rapunzel oder Gepa legen sogar ihre gesamte Preiskalkulation für den Kaffee offen. Sie zeigt, dass bei ihnen nicht nur ein Zehntel sondern über ein Viertel des Verkaufspreises an die Erzeuger geht.

Nur fünf Prozent sind fair

Das ist nur fair, schließlich steckt in so einem Sack viel Arbeit, die zumeist von Frauen geleistet wird – zu 70 Prozent, wie eine Studie der Specialty Coffee Association of America festgestellt hat. Drei Tage braucht eine Kaffeebäuerin, um die entsprechende Menge an Kaffeekirschen zu pflücken. Danach muss sie die Kirschen waschen, fermentieren, die Kerne auspulen und trocknen. Allein in der Ernte und Aufbereitung steckt eine ganze Woche Arbeit. Der faire Handel fördert ausdrücklich auch die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen – und hat dabei noch viel zu tun. Der Anteil der Frauen bei den Mitgliedern in den Kooperativen liege bei einem Viertel, schreibt die Initiative zur Förderung des fairen Handels Transfair. Noch weniger sind es in Führungspositionen. Mit konkreten Maßnahmen zur Frauenförderung vor Ort wollen die Fairhandels-Organisationen das ändern.

Diese und andere positive Wirkungen des fairen Handels sind durch zahlreiche Studien belegt. Trotzdem macht der Marktanteil von fair gehandeltem Kaffee in Deutschland gerade einmal fünf Prozent aus. Dabei könnten die
Kooperativen mehr fairen Kaffee verkaufen. Doch die großen Konzerne setzen überwiegend auf eigene Nachhaltigkeitsstandards oder auf Zertifizierungen von Rainforest Alliance oder Utz Certified. Die beiden inzwischen vereinten Organisationen geben zwar ökologische und soziale Mindeststandards vor. Dennoch erlauben sie den Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden und schreiben auch keinen Mindestpreis vor.

Vielfalt sichert Erträge

Kaffeebauern leiden aber nicht nur unter den niedrigen Preisen, sondern auch unter dem Klimawandel. Kaffeepflanzen reagieren empfindlich auf steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmengen. Sie sind dann anfälliger für Schädlinge und Krankheiten, in der Folge sinken die Erträge. Das Forum Fairer Handel fürchtet, dass bis 2050 weltweit rund 50 Prozent der Flächen, die sich für den Anbau von Kaffee eignen, verloren gehen werden. Neuere Untersuchungen würden das belegen. Klimafreundliche Anbau-Systeme könnten diesen Effekt etwas abpuffern. Zum Beispiel indem die Bauern große schattenspendende Bäume pflanzen und neben Kaffee auch andere Nutzpflanzen anbauen. Diese Vielfalt macht das Feld stabiler und die Erträge sicherer. Doch dafür braucht es Unterstützung und auch Geld, also faire Preise.      

 

Original Food

„Wir bleiben da!“

2003 erfährt Florian Hammerstein, dass in den letzten Urwäldern Äthiopiens wilder Kaffee wächst, die Wälder aber von Abholzung bedroht sind. Er fährt hin und beginnt, den Wildkaffee, den die Menschen in den Wäldern sammeln, zu kaufen. Für das Doppelte des Weltmarktpreises. Heute vermarktet er 360 Tonnen Wildkaffee als gesuchte Spezialität. Dabei arbeitet sein Unternehmen mit 15 000 Kleinbauern zusammen, die in über 50 Kooperativen unter zwei Dachorganisationen organisiert sind. Ein Großteil der Wälder ist unter Schutz gestellt, die Nutzung durch die Menschen vor Ort rechtlich verankert. Die Wildsammlung ist fair und bio-zertifiziert, die Kosten dafür trägt Original Food. „Wenn wir uns in einer Region engagieren, dann bleiben wir da auch und gehen mit den Bauern durch alle Schwierigkeiten“, erklärt Florian Hammerstein seinen Ansatz. „Durch diese Langfristigkeit bewegt sich was, das gibt den Menschen Sicherheit, verstetigt die Einnahmen.“ Das Geld für den Kaffee ist für die Bauern die wichtigste Einnahmequelle. „Sie investieren es vor allem in Schule und Bildung für die Kinder“, berichtet Hammerstein.

 

Florian Hammerstein
Engagiert sich mit Original Food auch in Ecuador (Kakao) und Nepal (Tee). www.originalfood.de 

Rapunzel

„Probleme gemeinsam lösen“

Der Allgäuer Naturkosthersteller hat mit Hand-in-Hand seit 27 Jahren ein eigenes Fairhandels-Programm, das auch Kaffee umfasst. In den Kooperativen Coaquil und Comisajul in Honduras bauen 110 Kleinbauern Bio-Kaffee für Rapunzel an und liefern ihn an Hawit Caffex. Das Unternehmen verarbeitet und exportiert Fairhandels-Kaffee von zahlreichen Kleinbauer-Koaoperativen in Honduras. Das gleiche macht Norandino in Peru. „Auch hier haben wir zwei Kooperativen, die uns über Norandino mit Arabica-Bohnen beliefern“, berichtet Barbara Altmann, Rohstoffexpertin bei Rapunzel. Ihr ist es wichtig, die Lieferanten und auch Bauern dahinter zu kennen, von denen die Bohnen kommen. „Nur bei einem direkten Kontakt
lassen sich Probleme auf Augenhöhe besprechen und gemeinsam lösen.“ Robusta-Bohnen bekommt Rapunzel seit 17 Jahren von der Kooperative KCU in Tansania. Durch die Zusammenarbeit ergab sich unter anderem eine Kooperation mit einer Mädchenschule, in der die Schülerinnen auch die Grundlagen der biologischen Landwirtschaft lernen – im eigenen Bio-Garten.

Barbara Altmann
leitet die strategische Rohstoffsicherung bei Rapunzel und besucht regelmäßig Anbauprojekte. www.rapunzel.de

 

Mount Hagen

„Kontinuierlich verbessert“

Vor 35 Jahren gründete sich die Wertform und begann sich für bio-fairen Kaffee zu engagieren – im Gebiet Mount Hagen in Papua Neuguinea. Von der Insel im Pazifik kommt über die Hälfte der Kaffeebohnen der hauseigenen Marke Mount Hagen. Produziert werden sie von heute 2 600 Kleinbauern im Gebiet Purosa in Papua Neuguinea. Sie verkaufen fast ihre ganze Ernte nach Hamburg, zu einem Preis, der noch zehn Prozent über Fairtrade liegt. „Wir hätten gerne noch mehr Kaffee“, sagt Wertform-Prokurist Karsten Suhr. Interessierte Bauern gebe es, „das Problem ist die schlechte Infrastruktur“. Jede Regenzeit spüle die Pisten weg und die öffentliche Hand repariere nichts. „Die Kooperative nimmt einen Teil ihres Fairtrade-Zuschlags und auch wir zahlen extra etwas drauf, um Straßen zu befestigen.“ Das Unternehmen hat auch mitgeholfen, die Schule vor Ort zu finanzieren. „Die Artenvielfalt in den Kaffeegärten hat sich erhöht, die Lebensbedingungen haben sich verbessert“, sagt Karsten Suhr.

Karsten Suhr

Ist Prokurist beim Hamburger Kaffeeröster Wertform, der seit über dreißig Jahren auf fairen Kaffee setzt. www.mounthagen.de

 

© PR-Material

Infos:

Fair gehandelten Kaffee erkennen:

www.schrotundkorn.de/faire-siegel

www. fairtrade-deutschland.de/produkte-de/kaffee/hintergrund-fairtrade-kaffee.html

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