Pflanzliche Milch-Alternativen - Schrot und Korn

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Pflanzliche Milch-Alternativen

Soja-, Reis- und Hafergetränke können nicht nur Milch ersetzen. Für immer mehr Menschen gehören sie zu einer gesunden Ernährung einfach dazu. // Frauke Werner

Milch-Alternativen Schokoladiger Sojakakao und cremiger Hafertrunk, Reisgetränk mit Vanillenote und mild-süßer Dinkeldrink – so groß ist die Auswahl im Bio-Laden. Kein Wunder: Pflanzliche Milchalternativen sind gefragt. Schon immer bei jenen, die keine Milch vertragen oder tierische Lebensmittel meiden. Zunehmend auch bei Anderen, die auf ihre Gesundheit achten. Denn Soja- und Getreidedrinks besitzen weniger Fett als Milch, zugleich mehr wertvolle ungesättigte Fettsäuren. Sie enthalten kein Cholesterin, jedoch verdauungsfördernde Ballaststoffe.

Zwar ist nicht so viel Kalzium drin wie in Milch. Doch das können Bio-Hersteller mit einem Algenzusatz ausgleichen. Lecker sind Pflanzendrinks sowieso, ob kalt oder heiß getrunken. Kochen und Backen? Funktionieren damit auch wunderbar. Milch dürfen sie sich trotzdem nicht nennen. Denn so darf laut Gesetz nur heißen, was von Säugetieren stammt.

Bio-Sojadrinks.
Woher kommen die Bohnen?

Soja ist eine Hülsenfrucht, die ursprünglich aus China stammt. Heute wird Soja vor allem in den USA, Argentinien und Brasilien angebaut. Für den konventionellen Anbau wird dort viel Regenwald abgeholzt. Zudem überwiegt der Anbau gentechnisch veränderter (transgener) Sorten. Bio-Betriebe dürfen nur gentechnikfreie Sojabohnen verarbeiten. Die kommen meist aus Österreich, Frankreich, Italien oder Ungarn, wo kein transgenes Soja angebaut werden darf. Importieren Bio-Hersteller Ware von außerhalb der EU, achten sie darauf, dass für deren Anbau kein Regenwald gerodet wurde. Um gentechnische Verunreinigungen auszuschließen, lassen sie die Ware regelmäßig von unabhängigen Kontrollstellen untersuchen. Selbstverständlich gedeiht Bio-Soja ohne chemische Herbizide und künstliche Dünger. Um aus Soja ein milchähnliches Getränk zu bereiten, werden die ganzen Bohnen eingeweicht und gemahlen. Der Brei muss mit Wasser aufkochen, damit sich unverdauliche Stoffe zersetzen. Dann wird die Flüssigkeit filtriert. Fertig ist der Sojadrink natural. Er ist cremeweiß. Der Geschmack variiert von Hersteller zu Hersteller (siehe Tabelle).

Hafer, Reis und Dinkel.
Wie entsteht ein Drink?

Das ökologisch erzeugte Getreide für pflanzliche Drinks stammt meist aus Europa: Reis zum Beispiel aus Italien, Hafer aus Schweden, Dinkel aus Deutschland. Um daraus einen bekömmlichen Trunk zu gewinnen, wird das gemahlene oder geschrotete Korn gekocht und mit natürlichen Enzymen versetzt. Die bauen einen Teil der Pflanzenstärke zu leicht verdaulichen Zuckern ab. Daher schmecken Hafer- und Reis-, Dinkel- und Hirsedrink auch ohne Zuckerzusatz leicht süß – und ein wenig wie das jeweilige Getreide.

Nach dem Filtrieren wird der wässrige Extrakt mit Bio-Öl aus Sonnenblumen, Raps oder Disteln verrührt. So bekommt er eine ähnlich weiße Farbe wie Milch. Eine Prise Meersalz verfeinert den Geschmack.

Für ein Getränk aus Mandeln müssen die gemahlenen und gerösteten Kerne mehrere Stunden in heißem Wasser ziehen. Die abgefilterte „Milch“ ist leicht cremig und schmeckt ein wenig nach Marzipan. Bio-Mandeln kommen aus Südeuropa, wo Mandelmilch seit jeher beliebt ist. Pflanzliche Drinks werden vor dem Abfüllen ultrahocherhitzt. Daher können die Tetrapaks mehrere Monate bei Zimmertemperatur lagern. Geöffnet und gekühlt halten die Drinks drei bis fünf Tage. Vor Gebrauch stets gut schütteln!

Viel Eiweiß, wenig Fett.
Drinks im Vorteil?

Sojadrinks sind reich an pflanzlichem Eiweiß. Sie besitzen in etwa so viel Eiweiß wie Kuhmilch tierisches Protein. Deutlich weniger ist in Getreidedrinks; Hafer- und Mandelgetränke liegen vor solchen aus Dinkel und Hirse. Reistrunk hat kaum Pflanzenprotein.

Alle pflanzlichen Milchalternativen sind für Vegetarier und Veganer geeignet. Ebenso für Menschen, die auf Milcheiweiß allergisch reagieren. Wer hingegen das Klebereiweiß Gluten nicht verträgt, sollte Dinkel- und Haferprodukte meiden. Er ist mit Reis-, Hirse- oder Sojadrinks gut bedient. Manche Menschen reagieren allerdings auch auf Sojaeiweiß allergisch. Reis ist am wenigsten allergen.

Sojadrinks enthalten im Durchschnitt gut ein Drittel weniger Fett als Milch, Getreidedrinks sogar bis zu zwei Dritteln. Dabei verfügen sie jedoch über einen hohen Anteil an wertvollen ungesättigten Fettsäuren. Wer weniger Fett und mehr ungesättigte Fettsäuren verzehrt, entwickelt seltener Fettstoffwechsel-Störungen, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Das hilft Bluthochdruck und Herzkrankheiten zu vermeiden. Ebenfalls günstig für Herz und Kreislauf: Vegetarische Produkte sind frei von Cholesterin.

Zucker und Ballaststoffe.
Sind Drinks gesünder?

Sojagetränke haben von Natur aus weniger Zucker als Milch. Getreidedrinks hingegen mehr, bedingt durch ihre Herstellungsweise. Milchzucker (Laktose) ist in keinem der pflanzlichen Produkte. Sie sind daher auch ideal für Menschen mit Laktoseintoleranz, die Milchzucker nicht verdauen können.

Ballaststoffe sind nur in Pflanzendrinks enthalten, nicht in Milch. Sie fördern die Verdauung und sättigen. Hafer ist dabei reich an Beta-Glukanen. Diese wasserlöslichen Ballaststoffe können helfen, die Menge an Cholesterin im Blut zu senken. Soja ist übrigens auch wegen seiner Isoflavone bekannt. Das sind Stoffe, die dem weiblichen Hormon Östrogen ähneln. Ob sie Wechseljahres-Beschwerden lindern und Brustkrebs vorbeugen können, wie manche Experten vermuten, ist bisher nicht eindeutig belegt.

Ungesüßte Pflanzendrinks sind kalorienärmer als Milch. Ihr Energiegehalt liegt zwischen 35 und 57 Kilokalorien (kcal) pro 100 Milliliter, wobei Sojadrinks am kalorienärmsten sind. Vollmilch hat 67 Kilokalorien pro 100 Milliliter.

Drinks mit Plus.
Woher kommt das Kalzium?

Milch besitzt etwa zehn Mal so viel Kalzium wie Pflanzendrinks. Der Mineralstoff ist wichtig für stabile Knochen sowie die Funktion von Muskeln und Nerven. Deshalb setzen manche Bio-Hersteller Pflanzendrinks kalziumhaltige Algen (Litothamnium Calcareum) zu. Die Drinks enthalten dann genauso viel Kalzium wie Milch. Mit Calciumcarbonat (Kalk), das in konventionellen Soja- oder Reisgetränken zu finden ist, dürfen Bio-Firmen ihre Produkte nicht anreichern. Dennoch steht es bei manchen Bio-Getränken aus dem Discounter auf der Zutatenliste – als Säureregulator deklariert. Zu diesem Zweck darf Calciumcarbonat in Bio-Produkten nämlich verwendet werden.

Sojagetränke enthalten mehr Eisen und Magnesium als Milch; Getreidedrinks haben nicht so viel davon; lediglich Hafer erreicht einen Eisengehalt, der mit Milch vergleichbar ist. Kalziumhaltige Algen bringen auch ein Plus an Mineralien mit.

Schoko und Vanille.
Drinks zum Vernaschen.

Soja- und Getreidedrinks in Bio-Qualität gibt es – je nach Sorte und Hersteller – sowohl natural als auch leicht mit Rohrzucker oder Sirup gesüßt. Die Sorten Schoko und Vanille werden mit Bio-Vanilleextrakt und Bio-Kakao hergestellt. Damit der sich nicht am Packungsboden absetzt, setzen manche Hersteller Verdickungsmittel wie Carrageen oder Guarkernmehl zu. Sie machen die Schokogetränke zugleich leicht cremig.

Konventionellen Vanille-Drinks wird für die gelbe Farbe auch schon mal der Farbstoff Beta-Carotin zugesetzt. Das ist bei Bio-Ware nicht erlaubt. Bei fruchtigen Sorten kann der Geschmack sowohl von echten Bio-Früchten als auch von natürlichen Aromen stammen.

Vegetarische Drinks schmecken kalt und warm. Wie Milch eignen sie sich zum Kochen und Backen, für Nachtisch und Shakes mit Früchten. Man kann aus Sojadrinks sogar Joghurt bereiten. Den gibt es aber auch fertig zu kaufen. Ebenso puddingähnliche Desserts auf Sojabasis sowie pflanzliche Sahnealternativen zum Kochen.

Einige Bio-Hersteller weisen darauf hin: Pflanzliche Getränke können keine Milchnahrung für Säuglinge ersetzen! Erst wenn kleine Kinder ausreichend Obst, Gemüse und Getreide essen, kann gelegentlich ein Soja- oder Getreidedrink gegeben werden.

Drinks aus Soja und Reis.
Was bietet der Bio-Laden?

Eine altbewährte Milchalternative ist der Sojadrink Natur von Bruno Fischer. Der cremeweiße Drink ist nur aus Wasser und österreichischen Sojabohnen gemacht. Ein Merkmal, das ihn von allen anderen Drinks unterscheidet: Es gibt ihn in der Pfandflasche aus Glas.

Sojabohnen aus bio-dynamischem Anbau sind die Grundlage von Soya Alive der Marke Soyatoo. Der Hersteller, ein kleiner Bio-Betrieb aus der Vulkaneifel, keimt seine Bohnen an; das soll weitere Inhaltsstoffe aufschließen und den Geschmack verbessern. Soya Alive ist leicht gesüßt und mit Kalzium versetzt.

Ebenfalls aus Österreich bezieht die Firma Martin Evers die Bio-Bohnen für seinen ungesüßten Soja-Drink. Der Naturkost-Anbieter hat zudem eine schmackhafte Milchalternative auf Basis von Reis im Programm.

Der Rice Drink Original von Lima feierte im vergangenen Jahr seinen zwanzigsten Geburtstag als erster Reisdrink am europäischen Markt. Noch heute ist der mild-süße Drink mit einem Hauch Vanille sehr beliebt, so die belgische Firma. Den Klassiker bietet Lima auch mit Kalzium aus Meeresalgen an.

Viel Energie, wenig Fett, so preist Viana die Vorzüge seiner ungesüßten Milchalternative aus Reis. Reisactiv schmeckt sowohl pur – am besten gut gekühlt – als auch mit Früchten oder Fruchtsaft, ist auf der Packung zu lesen. Laut Viana eignet sich der Reisdrink auch ideal als Sportgetränk.

Von Hafer bis Mandel.
Drinks im Bio-Regal.

Wie Lima bietet auch Natumi Milchalternativen aus Soja und etlichen Getreidesorten an. Beliebt ist Dinkel natural, hergestellt aus deutschem Vollkorndinkel mit etwas Sonnenblumenöl und einer Prise Meersalz. Wie alle Getreidedrinks besitzt er eine milde Eigensüße.

In Schweden sind Getränke aus Hafer beliebt. Oatly bringt sie in hiesige Bio-Läden; als Haferdrink natural und mit Schoko- oder Vanillegeschmack – ab sofort im neuen Verpackungsdesign. Die Sorte Hafer plus Kalzium, auch in kleinen Tetrapaks erhältlich, enthält genauso viel Kalzium wie Kuhmilch.

Vielfältige Milchalternativen in Bio-Qualität hat auch Soyana aus der Schweiz zu bieten. Etwa den Cereal-Drink aus Hirse. Dieses glutenfreie Getreide enthält viel Kieselsäure für kräftige Knochen, Haare und Nägel. Soyana stellt all seine Pflanzendrinks mit belebtem Wasser her, weshalb sie laut Firma ein hohes energetisches Niveau besitzen.

Neu bei Provamel: Ein Drink aus Mandeln. Der lässt sich aufschäumen wie Milch, für einen leckeren Latte Macchiato mit leichtem Mandelgeschmack. Wegen seiner feinen Marzipannote funktioniert er besonders gut als Milchersatz in Gebäck und Desserts. Seit 2010 produziert Provamel all seine Pflanzendrinks CO2-neutral.

Bio-Drinks im Tetrapak

„Wir nehmen Tetrapaks für unsere Provamel-Drinks, weil sie eine bessere Öko-Bilanz als Glasflaschen haben“, begründet Michael Ohlendorf, Commercial Director der Alpro GmbH Deutschland. „Ein LKW kann Verpackungsmaterial für fast eine Million 1-Liter-Kartons liefern, für eine Million Glasflaschen wären mehr als 50 LKWs nötig. Außerdem bewahren die Kartons den Geschmack der Drinks optimal, da sie weder Sauerstoff noch Licht durchlassen.“

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LadyLila

"Zwar ist nicht so viel Kalzium drin wie in Milch." Wie lachhaft....als ob in Mich Kalzium wäre...Eiter, Blut und vieles mehr, aber sicherlich kein Kalzium.

Julia
Es ist auch sehr leicht selbst Mandelmilch herzustellen. Dazu weicht man 200g Mandeln mit Haut 24h lang in Wasser ein, wäscht sie danach gründlich ab und püriert sie mit 500-750ml frischem Wasser (Pürierstab oder starker Mixer). Wer's süß mag, kann mit Agavendicksaft oder Reissirup süßen. Mit einem Käsetuch oder einem sauberen Küchentuch filtert man anschließend die Milch. Die gemahlenen Mandeln kann man in Kuchen und anderem Gebäck weiterverarbeiten. Bei den Mandeln sollte man aber auf Bioqualität achten! :)
Verena
Da in den Drinks zu über 90% Wasser enthalten ist, wäre es für Verbraucher wichtig zu wissen, woher das Wasser stammt:

Leitungswasser, Oberflächenwasser, Quellwasser, Mineralwasser etc.?

Diese Unterschiede sind schließlich maßgeblich für die Qualität des Produktes entscheident, denn in Leitungs- und Oberflächenwasser (sogenanntes Trinkwasser) sind häufig Hormon- Pestizid- und Medikamentenrückstände sowie sonstige bedenkliche Stoffe enthalten.



Toll wäre es, wenn es einen Hersteller z.B. von Mandelmilch gäbe, der eines der Bio-Mineralwässer dafür verwendet und das auch groß auf die Packung schreibt!