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Zöliakie

Wer Zöliakie hat, muss das Getreideeiweiß Gluten strikt meiden. Das ist nicht einfach, denn Gluten ist in vielen Lebensmitteln enthalten, häufig ohne auf der Verpackung angegeben zu sein. Wir geben Tipps
30.08.2006
Wer Zöliakie hat, muss das Getreideeiweiß Gluten strikt meiden. Das ist nicht einfach, denn Gluten ist in vielen Lebensmitteln enthalten, häufig ohne auf der Verpackung angegeben zu sein. Wir geben Tipps

Wenn Getreide krank macht

Wer Zöliakie hat, muss das Getreideeiweiß Gluten strikt meiden. Das ist nicht einfach, denn Gluten ist in vielen Lebensmitteln enthalten, häufig ohne auf der Verpackung angegeben zu sein. Wir geben Tipps. // Susanne Teige

Als Ellen die Ursache ihrer Darm-Beschwerden erfährt, ist sie erst einmal erleichtert. Endlich weiß sie, was mit ihr los ist und warum es ihr in den letzten Monaten immer schlechter ging. Doch die Diagnose Zöliakie – eine chronische Erkrankung des Dünndarms – ist auch ein Schock. Ellen darf nie mehr Getreide essen, sagt ihr Arzt.

Auslöser der Erkrankung, die auch Einheimische Sprue oder Glutenunverträglichkeit genannt wird, ist der Eiweißstoff Gluten. Er ist in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer enthalten und führt zu einer Entzündung der Darmschleimhaut. Die Darmzotten bilden sich zurück, die Oberfläche des Dünndarms wird immer kleiner. Die Folge: Über den Dünndarm werden nicht mehr genügend Nährstoffe aufgenommen und es kommt zu Mangelerscheinungen wie zum Beispiel Blutarmut. Zudem ist häufig die Verdauung der Nahrungsfette und des Milchzuckers stark eingeschränkt.

In Mitteleuropa erkrankt schätzungsweise eine Person pro 500 Einwohner. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Nach derzeitiger Erkenntnis handelt es sich um eine vererbbare Autoimmunerkrankung.

Selbst winzige Spuren Gluten schädigen den Dünndarm der Betroffenen. Werden glutenhaltige Lebensmittel gemieden, kann sich der Darm regenerieren und Begleiterscheinungen wie Durchfall verschwinden wieder. Doch die Krankheit wird häufig erst sehr spät erkannt, bei Erwachsenen nicht selten erst mehr als ein Jahrzehnt nachdem sich Symptome einstellten. Das liegt daran, dass die Symptome nicht eindeutig sind.

Von Zöliakie betroffene Kleinkinder leiden beispielsweise unter Blähungen, Durchfall, Erbrechen oder Schwäche. Auch ein Körpergewicht unterhalb der Altersnorm kann ein Hinweis sein. Die Symptome treten frühestens drei bis sechs Monate nach dem ersten Füttern von Getreidebrei auf. Bei älteren Kindern sind die Symptome häufig geringer ausgeprägt. Nicht selten sind nur die Wachstumsstörungen auffällig.

Zöliakie kann auch erst im Erwachsenenalter zum Ausbruch kommen. Hinweise sind Durchfälle nach dem Verzehr von milchzuckerhaltigen Produkten in Verbindung mit Gewichtsabnahme oder Anämie (Blutarmut) aufgrund eines Mangels an Eisen, Vitamin B12 und Folsäure. Da die Ursachen für die beschriebenen Symptome auch andere sein können, liegt der Verdacht auf Glutenunverträglichkeit meist nicht sofort auf der Hand. Gewissheit bringt nur eine Magenspiegelung mit Dünndarmbiopsie. Dazu wird aus dem Dünndarm ein Stück Gewebeprobe entnommen und untersucht.

Glutenfrei leben

Liegt eine Zöliakie vor, müssen glutenhaltige Lebensmittel ein Leben lang gemieden werden. Hierzu zählen die Getreidearten Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Grünkern, Einkorn, Emmer, Kamut und Mischzüchtungen. Verboten sind auch alle daraus hergestellten Produkte wie Grieß, Teigwaren, Müsli und Bier.

Viele Lebensmittel sind weiterhin erlaubt. Hierzu zählen alle Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Gemüse, Salate, Früchte, Eier, Milch, Hülsenfrüchte, Fleisch und Fisch. Auch Öl, Margarine, Butter, Honig und Konfitüre (Achtung: Halbfettmargarine und Light-Konfitüre können glutenhaltige Bindemittel oder Spuren davon enthalten).

Für Getreide gibt es gute Alternativen wie Amaranth, Buchweizen, Quinoa, Mais, Soja, Reis, Wildreis, Hirse, Hanf und Esskastanien.

Wer backen möchte, kann auf glutenfreie Spezialmehle oder Backmischungen für Brot und Kuchen (z. B. von Rosengarten) zurückgreifen. Glutenfreie Fertigbackwaren gibts im Naturkostladen beispielsweise von Rosengarten, Schnitzer und der Naturkornmühle Werz.

Bei verarbeiteten Produkten ist Vorsicht geboten. Hier ist man auf der sicheren Seite, wenn auf der Verpackung der Hinweis „glutenfrei“ steht. Er gewährleistet, dass kein glutenhaltiges Getreide enthalten ist, auch nicht in Spuren.

5 Tipps für den Alltag

Auch wenn auf der Zutatenliste keine der verbotenen Getreidesorten aufgelistet ist, eine Verunreinigung ist immer möglich. Auf der sicheren Seite ist, wer Produkte mit dem Hinweis „glutenfrei“ verwendet. Finger weg, wenn auf der Verpackung steht: „Kann Spuren von Gluten enthalten.“

Stärke: Kartoffelstärke ist glutenfrei und somit erlaubt, Weizenstärke hingegen nicht. Selbst die A-Sorte (so genannte Prima-Stärke) enthält zu viel des Eiweißstoffes. Ausnahme: Produkte mit Weizenstärke, die als glutenfrei gekennzeichnet sind. Ihnen wurde das Gluten entzogen.

Haushaltsgeräte wie Brotkorb, Toaster, Getreidemühle und Fritteuse separat nutzen und kennzeichnen. Dasselbe gilt für Holzlöffel (Mehl setzt sich gerne in die Ritzen). Vorsicht auch vor Mehlstaub!

Gewürzmischungen, Schokolade, Senf, Eis, Cappuccinopulver – auch diese Lebensmittel können Spuren von Gluten enthalten. Der sichere Weg: Auf Lebensmittel aus der Liste der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft zurückgreifen.

Einmal ist keinmal. Dieses Sprichwort trifft bei Zöliakie nicht zu. Bereits geringe Mengen Gluten schädigen den Darm. Daher: Außer-Haus-Essen bei Freunden oder in Cafés gut planen (z. B. selbst gebackenen Kuchen mitnehmen).

Zöliakie – Tipps und Infos

Bei der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e. V. (DZG, Filderhauptstr. 61, 70599 Stuttgart, E-Mail: info@dzg-online.de, Tel 07 11 / 45 99 81 – 0, www.dzg-online.de) gibts für Betroffene viele nützliche Informationen. Erhältlich ist eine Liste, in der geeignete, industriell hergestellte Lebensmittel aufgeführt sind. Außerdem erhältlich: Adressen von Herstellern, die auf glutenfreie Produkte spezialisiert sind und jede Menge Tipps, zum Beispiel für Restaurantbesuche oder Urlaube. Über ihre Krankheit austauschen können sich

Betroffene im Forum unter www.zoeliakie-treff.de.

Für Kinder mit Zöliakie gibt’s eine extra Website unter www.zoelikids.de

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