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Kurz notiert 4|2017

Mehr Biobauern (© gettyimages/Hinterhaus Productions)
2016 haben viele Bauern auf Bio umgestellt. (© gettyimages/Hinterhaus Productions)

Landwirtschaft

Jeder zehnte Bauer ist ein Bio-Bauer

„2016 stellten jeden Tag etwa fünf Bauern auf Bio um“, freute sich Peter Röhrig, Geschäftsführer vom Bio-Dachverband BÖLW, als dieser im Februar die aktuellen Bio-Zahlen vorstellte. Nach Schätzung des BÖLW wuchs die deutsche Öko-Anbaufläche 2016 um 8,9 Prozent auf 1 185 471 Hektar. So positiv die Zahlen klingen, bei vielen Produkten können die heimischen Bio-Bauern die Nachfrage nicht decken – Möhren zum Beispiel. Stellt man die Bio-Anbaufläche der konventionellen gegenüber, wird zudem deutlich, dass Bio noch immer ein Nischenmarkt ist. Insgesamt, so der BÖLW, werden 7,1 Prozent der deutschen Agrarflächen ökologisch bewirtschaftet. Da ist also noch viel Luft nach oben. Insbesondere zu den 20 Prozent Bio-Fläche, die sich Bundesagrarminister Christian Schmidt auf die Fahnen geschrieben hat. Dieses Ziel will er mit der ebenfalls im Februar vorgestellten „Zukunftsstrategie Öko-Landbau“ (ZÖL) erreichen.

Ein „guter Anfang“ sei gemacht, kommentiert Bioland-Präsident Jan Plagge die ZÖL. Doch leider scheue der Minister nach wie vor, eine grundlegende Veränderung der Agrarpolitik anzugehen. Was der Strategie zudem fehle, ist die Aussage, wann 20 Prozent Bio-Landbau erreicht sein sollen. Auch die Erhöhung des Budgets des Bundesprogramms Ökologischer Landbau auf 30 Millionen Euro sei zu wenig. Nötig seien 60 Millionen Euro.

Derweil wächst die Nachfrage nach Bio weiter. 9,48 Milliarden Euro wurden 2016 für Bio-Lebensmittel ausgegeben, so der „Arbeitskreis Biomarkt“. Das sind 9,9 Prozent mehr als 2015. Im Lebensmitteleinzelhandel stieg der Umsatz um 14,6 Prozent auf 5,45 Milliarden Euro, im Naturkostfachhandel um fünf Prozent auf 2,85 Milliarden Euro.

Insgesamt arbeiteten 26.855 landwirtschaftliche Betriebe ökologisch, 8,6 Prozent (2119 Betriebe) mehr als 2015. Jeder zehnte Bauer in Deutschland ist somit ein Bio-Bauer. bg


Genfood nein Danke Button

Mitmachen

EU-Initiative gegen Glyphosat

Bis Ende Juni muss die Europäische Bürgerinitiative (EBI) zum Verbot des Pestizids Glyphosat eine Million Unterschriften sammeln. Denn danach entscheiden EU-Kommission und Mitgliedstaaten über die erneute Zulassung des Pestizids. In Deutschland wird die Initiative unter anderem vom BUND, von Campact und PAN Germany unterstützt.

Mitmachen: https://aktion.bund.net sb


Zahl des Monats

Zahl des Monats 104

Euro gab im Schnitt jeder Einwohner in Deutschland 2015 für Bio-Lebensmittel aus. In Europa lag der Pro-Kopf-Umsatz bei 37 Euro, in der EU bei 53 Euro.

Quelle: Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI), 2017


Meeres-Forschung

Plastik in 2500 Meter Tiefe

Eine gruselige Entdeckung haben Forscher der norwegischen Universität Bergen Anfang Februar bei einer Obduktion gemacht: Sie holten aus dem Magen eines Cuvier-Schnabelwals, der vor der norwegischen Küste gestrandet war, 30 Plastiktüten und jede Menge Mikroplastik heraus. Der Wal war völlig abgemagert. Wahrscheinlich hatte das Plastik einen Pfropfen im Magen gebildet, vermuten die Forscher.

Selbst in der Tiefsee der Arktis finden Wissenschaftler immer mehr Plastikmüll.

Eklatante Funde haben Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) fernab der Zivilisation gemacht, und zwar in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen in einer Tiefe von 2500 Metern. In einer Studie beschreiben sie ihre Ergebnisse: Zählten die Wissenschaftler in den Jahren 2002 bis 2014 durchschnittlich 3485 Müllteile je Quadratkilometer, kamen sie 2014 bereits auf 6333 Müllstücke. An einer Messstation hat sich die Verschmutzung innerhalb von 10 Jahren sogar verzwanzigfacht.  Dort schwimmt so viel Dreck im Meer wie am Cap de Creus im nordöstlichen Mittelmeer, wo die bisher höchste Mülldichte gemessen wurde.

Die Funde in Norwegen und der Arktis spiegeln wider, was Experten seit langer Zeit beobachten: In jedem Quadratkilometer der Weltmeere schwimmen Tausende Teile Plastikmüll. Seevögel verenden qualvoll an Handyteilen in ihrem Magen, Fische verwechseln winzige Plastikteilchen mit Plankton und Schildkröten halten Plastiktüten für Quallen und fressen diese. sb

Plastik in der Tiefsee (© University of Bergen)

30 Plastiktüten fanden die Forscher im Magen des Wals. (© University of Bergen)


Bill-Gates-Stiftung

Wie viel Einfluss darf sein?

In einem offenen Brief kritisieren 30 internationale Organisationen, dass die Bill und Melinda Gates Stiftung in das höchste Entscheidungsgremium der WHO, die Weltgesundheitsversammlung, aufgenommen werden will. Die Gates-Stiftung investiere in den Pharmasektor sowie in die Nahrungs- und Getränkeindustrie. Wird sie Mitglied der WHO-Versammlung, entstehe ein erheblicher Interessenkonflikt, denn sowohl Arzneimittel als auch ungesunde Lebensmittel werden durch die WHO reguliert.

Schon bisher sponsert die Stiftung die WHO. Da die Gelder oft projektgebunden sind, bestimmt die Stiftung, wofür die Mittel fließen. Soziale Faktoren wie Ungleichheit und Menschenrechte würden dabei weitgehend ausgeblendet, schreiben die Organisationen – darunter die BUKO Pharma-Kampagne und die Menschenrechts-Organisation FIAN. sb


Mitmachen

Postkarten für Hendricks

Mit der Postkartenaktion „Der Gentechnik Grenzen setzen!“ will die Münchner Organisation Testbiotech die Politik vor einer neuen Ära der Gentechnik warnen. Dabei geht es der Organisation vor allem um die Bewahrung der biologischen Vielfalt. Schon bisher sei es zu etlichen Fällen einer unkontrollierten Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen gekommen, die nun die biologische Vielfalt in der Natur bedrohen. Jetzt kommen neuartige Verfahren hinzu, von denen ein noch unkalkulierbares Risiko ausgehe. Die Postkarten, die in vielen Bio-Läden ausliegen, sollen an Umweltministerin Barbara Hendricks geschickt werden. sb

www.testbiotech.org/gentechnik-grenzen

Erschienen in Ausgabe 04/2017
Rubrik: News

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