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Kurz notiert 3|2017

Agrarreform 2020

Ei-Kennzeichnung (© Stockfotos-MG/Fotolia)
Eindeutig und verständlich: die Eier-Kennzeichnung (© Stockfotos-MG/Fotolia)

Klare Sache: Warum nicht auch bei Fleisch?

Beim Ei hat sich der Code bewährt: Die „0“ steht für den Öko-Landbau und die „3“ als schlechteste von vier Kategorien für Käfighaltung. Jeder Verbraucher erkennt sofort, wie es um das Ei steht. Lässt sich diese simple Kennung auf Fleisch, vielleicht sogar auf alle Lebensmittel übertragen? Ja, meinen die Agrarexperten Reinhild Benning und Tobias Reichert.

Die beiden Germanwatch-Aktivisten haben für den EU-Abgeordneten der Grünen, Martin Häusling, ein entsprechendes Modell entwickelt. Es soll für eine neue Agrarpolitik in Europa stehen. Die Ziffer „3“ stehe demnach für den gesetzlichen Mindeststandard. Bei „1“ und „2“ handele es sich um Bauernhöfe, die mit geringerem Pestizideinsatz und tierfreundlicher Weidehaltung arbeiten. Die „0“ kennzeichne wie gehabt Öko.

Benning: „So können Konsumenten am Verkaufsregal die aus ihrer Sicht besten Bauern erkennen und zu deren Wertschöpfung beitragen.“ Parallel dazu werde die Förderpolitik umgekrempelt. EU-Subventionen, derzeit 58 Milliarden Euro pro Jahr, bekommen Landwirte, um den Sprung von einer in die nächst bessere Kategorie zu erklimmen. Landwirte, die auf Stufe „3“ bleiben, gehen leer aus. Hintergrund: 2020 steht die nächste EU-Agrarreform an. Das sind zwar noch gut drei Jahre, doch wer etwas ändern will, der muss jetzt Vorschläge einbringen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks spricht sich dafür aus, dass die Agrar-Subventionen an Beiträge der Landwirte zum Natur- und Klimaschutz gekoppelt werden. Und auch der Vorstand des Bio-Dachverbandes BÖLW Jan Plagge schlägt ein Modell vor, bei dem Bauern Extraleistungen für Mensch, Umwelt, Tier und Klimaschutz entlohnt bekommen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hingegen will am bisherigen Subventionsprinzip festhalten, allerdings mehr Geld für Vieh haltende und bäuerliche Betriebe bereitstellen. sb


Wir haben es satt Logo (© PR-Material)Landwirtschaft

Demo gegen Agrarindustrie

130 Traktoren, 18 000 Menschen – zum siebten Mal demonstrierten parallel zur Grünen Woche in Berlin Bauern, Tier- und Umweltschützer für gesundes Essen, eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft und einen fairen Handel. Initiator der Demo war das „Wir haben es satt“-Bündnis, hinter dem 50 Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz stehen. Sprecher Jochen Fritz forderte Bundesagrarminister Christian Schmidt auf, „Agrarpolitik für Bauern statt für die Agrarindustrie zu machen“. Statt Subventionen für die Agrarindustrie brauche es Anreize für Bauern, die Tiere besonders artgerecht halten und umweltgerecht wirtschaften.

Für die „Wir machen euch satt“-Gegendemo gingen am selben Tag 700 Bauern auf die Straße. Sie sehen die „vorrangige Aufgabe“ der Landwirtschaft darin, Lebensmittel in ausreichender Menge und sicherer Qualität zu erzeugen. sb


Umwelthauptstadt 2017

Essen holt den Titel

Die Stadt Essen darf sich 2017 „Grüne Hauptstadt Europas“ nennen. Der Titel wird seit 2010 von der Europäischen Kommission an Städte vergeben, die nachweislich hohe Umweltstandards erreicht haben und weitere ehrgeizige Ziele für eine nachhaltige Entwicklung verfolgen. Als grüne Hauptstadt Europas wurden auch schon Stockholm, Kopen­hagen, Hamburg und Ljubljana ausgezeichnet.


Konzernatlas 2017

Karte Agrarkonzerte (© Foto: Konzernatlas 2017/Archiv/ Ellen Stockmar)

Konzentrierte Macht

Einige wenige Konzerne beherrschen den weltweiten Markt für Landwirtschaft und Lebensmittel (siehe Grafik oben). Das zeigt der Konzernatlas 2017. Die umsatzstärksten Unternehmen sind überwiegend in Nordamerika, einige auch in
Europa angesiedelt. Zu den globalen Top 5 in Handel und Industrie zählt nur ein einziger Produzent aus dem globalen Süden, der Fleischkonzern JBS aus Brasilien. 

Weitere Themen, die im Konzernatlas mit Zahlen, Fakten und Infografiken analysiert werden: Welternährung, Einzelhandel, Rohstoffe, Saatgut, Pestizide, Wasser und Agrartechnik.

Die Publikation ist ein Kooperationsprojekt, an dem unter anderem die Böll-Stiftung, der BUND und Oxfam mitgearbeitet haben. Sie ist kostenlos erhältlich unter: www.boell.de bg

(© Foto: Konzernatlas 2017/Archiv/ Ellen Stockmar)


Ernährungstrends

Vegan nervt am meisten

Welche Ernährungstrends nerven am meisten? Dies wollte das Marktforschungsinstitut YouGov wissen und hat dazu 2053 Deutsche befragt:

35 Prozent der Befragten sind am stärksten vom Veganismus genervt. Dabei lehnen Männer den kompletten Verzicht auf tierische Produkte stärker ab als Frauen (40 versus 31 Prozent). Auf Platz 2 der nervigsten Ernährungstrends folgt mit 11 Prozent die Paleo-Diät. Die auch als „Steinzeitdiät“ bekannte Ernährungsform aus naturbelassenen und rohen Produkten scheint Frauen (14 Prozent) weniger zuzusagen als Männern (9 Prozent). Grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber Ernährungstrends sind 28 Prozent der Befragten. Insbesondere Frauen (31 Prozent) und jüngere Deutsche (18 bis 24 Jahre) können sich dafür begeistern. bg 


Restaurants

App hilft beim Essenretten

Ein Berliner Start-up will die Lebensmittelverschwendung in Restaurants eindämmen und hat dafür die „Mealsaver“- App entwickelt. Was in Restaurants übrig bleibt, wird per App potenziellen Kunden angeboten. Jedes Gericht kostet zwischen einem und vier Euro.

In Berlin sind bereits 150 Gastronomen dabei. In Hamburg soll die Zahl bald auf 30 steigen, berichteten die Gründer in der Taz. 120 000 Nutzer hätten sich die App bereits heruntergeladen. Mealsaver selbst erhält pro Portion einen Euro. sb


Landwirtschaft

Zu wenig Wurm drin

Die chemie-basierte und auf starken Maschineneinsatz ausgerichtete Landwirtschaft macht Regenwürmern zu schaffen. 19 der 47 in Deutschland vorkommenden Arten stehen auf der Roten Liste und gelten damit als „sehr selten“. 

In den meisten Landbausystemen, heißt es im Regenwurm-Manifest des WWF, ist zu wenig Wurm drin. Diese Betriebe verzichten auf seine Begabungen: Der Regenwurm schafft eine günstige Bodenstruktur, verwandelt abgestorbene Pflanzen in neue Nährstoffe, holt Mineralien aus der Tiefe, schafft Kinderstuben für Nützlinge wie den Fadenwurm und
er frisst Pilze, die Nutzpflanzen gefährlich werden können. Die Folgen der Regenwurm-Armut sind unter anderem zu
kompakte, schlecht durchlüftete Böden, die zu wenig Wasser aufnehmen oder durchleiten, kritisiert der WWF.

So winzig er ist: Das Gewicht aller im Boden lebenden Regenwürmer macht fast das Doppelte der Masse aller Menschen, ihrer Rinder und Schweine aus, das hat der Forscher Otto Ehrmann für Baden-Württemberg berechnet. sb

Erschienen in Ausgabe 03/2017
Rubrik: News

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