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Die Menstruation gehört zu den urweiblichen physiologischen Vorgängen. Bei der Monatshygiene für "die Tage" kann frau zwischen vielen verschiedenen Möglichkeiten wählen. Die Monatshygieneartikel im Naturwarenhandel

Monatshygiene

Die Menstruation gehört zu den urweiblichen physiologischen Vorgängen. Bei der Monatshygiene für "die Tage" kann frau zwischen vielen verschiedenen Möglichkeiten wählen. Die Monatshygieneartikel im Naturwarenhandel unterscheiden sich von den konventionellen in puncto Material und Umweltfreundlichkeit.

Als der Tampon um 1950 in Deutschland auf den Markt kam, änderte er die bis dahin gängige Praxis während der Monatshygiene grundsätzlich. Endlich war Schluß mit den blutigen Einlagen, dem Bindenwaschen und eventuellen Einschränkungen bei Sport- und Freizeitaktivitäten. Die Tage konnten damit "nach innen" verlegt und die tabuisierte Angelegenheit weitgehend unsichtbar gemacht werden. Heute greifen rund 73 Prozent der insgesamt knapp 20 Millionen Verwenderinnen in Deutschland zu Tampons.

Hautfreundliche Tampons aus reiner Baumwolle
Konventionelle Tampons bestehen aus einer Mischung von Zellstoff und Baumwolle, wobei der Baumwollanteil nur bei etwa 10 bis 20 Prozent liegt. Reine Baumwolle wird bei Hygiene-Produkten nur noch selten eingesetzt. Die Gründe dafür sind der hohe Preis und die schwierige Verarbeitung auf den modernen High-Tech-Maschinen. In der Naturwarenbranche bieten die Firmen Helen Harper und BodyWise Tampons aus 100 Prozent Baumwolle an. "Wir glauben", so ein Statement der Firma Helen Harper, "daß Baumwolle sehr wohl Zellstoff-Fasern ersetzen kann und halten Baumwolle als nachwachsenden Rohstoff dem Zellstoff mit dem Ursprung 'Holz' für überlegen". Das Unternehmen, das neben den Öko-Tampons auch konventionelle fertigt, geht dabei sogar noch einen Schritt weiter: Die Baumwolle stammt zu 100 Prozent aus kontrolliert-biologischem Anbau. Sie ist ungebleicht und wird für die Verarbeitung nur entfettet und gereinigt. Ökologische Konsequenz auch beim Rückholfaden: Er ist aus farbig gewachsener Baumwolle. BodyWise verzichtet bei seinen Natracare-Baumwolltampons ebenfalls auf Chlorbleiche, optische Aufheller, Oberflächenaktivstoffe und andere mögliche Zusatzstoffe.

Falsche Anwendung kann Scheidenflora schaden
Der Griff zu Binden wird immer seltener. Einige FrauenärztInnen sehen diese Entwicklung kritisch. Vaginaltampons stehen im Verdacht, die natürliche Scheidenflora so zu schädigen, daß eine verminderte Abwehrfähigkeit in diesem sensiblen Bereich besteht. Aber auch gewisse Bestandteile von Binden und Slipeinlagen schaffen unter Umständen die Grundlage für die Vermehrung von Krankheitserregern, so die Gynäkologin Dr. Ino Grützmacher aus Bielefeld. Bei minimaler Blutung oder bei verstärktem Ausfluß angewendet, legt das Tampon die Scheide trocken. Die Folge: Es fehlt an Vaginalflüssigkeit, die für ein gesundes Gleichgewicht sorgt. Keime und Bakterien der Vulva, des Dammes und der Analgegend können einwandern. Die durch Tampons zu trocken gewordene und gereizte Vaginalhaut reagiert mit verstärkter Flüssigkeitsbildung, der Säurewert verändert sich ungünstig. Dr. Grützmacher rät Frauen, die immer wieder Probleme mit ihrer Scheidenflora haben - neben dem Ü
Ü Verzicht auf desodorierende Seifen, Lotionen, Sprays und Synthetik-Unterwäsche - zum Gebrauch von Baumwoll- oder Seidenbinden.

Alternativ: Binden und Vaginalschwämmchen
Wer sich für Binden und Slipeinlagen entscheidet, findet im Naturwarenfachhandel einige Alternativen zu den konventionellen Produkten. Die Oberfläche der Ecoline-Damenbinde von Helen Harper bildet beispielsweise ein hautfreundliches Baumwollvlies. Als Saugkörper wird TCF-Zellstoff verwendet. TCF (Total Chlorine Free) bedeutet, daß zum Bleichen des Zellstoffs weder Elementarchlor noch andere Chlorverbindungen, also auch kein Chlordioxid, eingesetzt werden. Die Fasern dieses Zellstoffs besitzen eine sehr gute Saug- und Leitfähigkeit, die Binde wird dadurch stabil und sicher. Ihr hohes Saugvermögen bekommen Zellstoffbinden durch sogenannte Superabsorber. Das sind hochabsorbierende Saugkörper, die ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen können und sie auch unter Druck nicht oder nur zu einem kleinen Teil wieder abgeben. Rohstoff der Superabsorber ist normalerweise Polyacrylsäure. Die Ecoline Damenbinde enthält dagegen einen Superabsorber auf Zellulose-Basis. Er eignet sich besonders zur Aufnahme von Blut und ist neben seinem natürlichen Ursprung kompostierbar. Als Wäscheschutz sind die Binden mit einer Polyethylen-Folie versehen. Die Vorgängerserie, die mit einem wachsbeschichteten Viskosevlies ausgestattet war, hatte sich in der Praxis nicht bewährt. Die ökologisch schlechtere Variante ist ein Zugeständnis an die Anwendung. Ein Heißkleber sorgt dafür, daß Binden und Slipeinlagen an den Enden zusammenhalten. Dafür werden sehr geringe Mengen sogenannter Hotmelts durch haarfeine Düsen aufgetragen. Hotmelts bestehen aus Kunststoffen, für die es zur Zeit leider noch keine natürliche Alternative gibt. Der Klebestreifen wird mit Silikonpapier abgedeckt.
Slipeinlagen eignen sich für Frauen, deren Menstruation nur schwach ist oder für die Tage am Ende der Periode. Auch hier gibt es ökologisch sinnvolle Angebote im Naturwarenhandel.
Eine Alternative zum Tampon sind Menstruationsschwämmchen. Naturschwämme wurden schon im alten Ägypten während der Periode benutzt. Sie trocknen die Scheidenschleimhäute nicht aus. Die Anwendung ist einfach: Das Schwämmchen vor Gebrauch unter fließendem Wasser ausspülen, ausdrücken und in die Scheide einführen. Es paßt sich dort automatisch der natürlichen Form der Scheide an. Zu Beginn der Menstruation, wenn die Blutung besonders stark ist, sollte der Schwamm etwa alle 2-3 Stunden herausgenommen und ausgespült werden. Nach Ende der Periode wird er gut ausgewaschen und an der Luft getrocknet. Vor der nächsten Benutzung empfiehlt beispielsweise die Firma Hankiewicz eine Neutralisation in reinem Alkohol. Vom Abkochen wird abgeraten, "der Naturschwamm geht davon kaputt". Hankiewicz verarbeitet für seinen "Mensi" nur ungebleichte Schwämme. Sie sind umweltschonender und langlebiger. Das Bleichen würde außerdem die natürliche Hornschicht des Schwammes zerstören, so daß Bakterien und Pilze ein leichtes Spiel haben, sich dort einzunisten. Menstruationsschwämmchen verursachen keinen Müll, sie sind über lange Zeit nutzbar.

Ganz natürlich mit Stoffbinden
Rund zwei Millionen Tampons und Monatsbinden rauschen jährlich mit der Toilettenspülung gen Klärwerk und verursachen dort Probleme. Die Entsorgung über den Hausmüll wäre die ökologische Mindestforderung. Eine Alternative ist - neben den Menstruationsschwämmchen - die Benutzung von wiederverwendbaren Stoffbinden. Stoffbinden halten bei guter Pflege bis zu fünf Jahre. Ganz leicht ist es allerdings nicht, die Frauen von dieser Möglichkeit zu überzeugen. Die Vorbehalte reichen von "Die stinken doch" oder "Das ist ja unhygienisch" bis zu "Die sind unpraktisch, altmodisch und ich kann sie nicht mit meiner normalen Wäsche waschen". Ressentiments, die Petra Sood von KulMine vertraut sind. Das Unternehmen hat sich auf die Monatshygiene mit Stoffbinden aus Baumwolle und Seide spezialisiert. Grundsätzlich sollen positive Denkanstöße für Alternativen gegeben werden, so daß Frauen wählen und unter den verschiedenen Möglichkeiten der Monatshygiene sinnvoll kombinieren können. Zu den Kundinnen zählen, so die Erfahrungen von Petra Sood, viele Frauen, die auch sonst Naturmaterialien auf der Haut tragen. Eine kleine Broschüre gibt Auskunft zu den wichtigsten Fragen und stellt Vorurteile richtig. Zum Beispiel zum Thema Geruch: "Menstruationsblut einer gesunden Frau riecht erst dann unangenehm, wenn es mit synthetischen Materialien in Berührung kommt und wenn es von der Luft abgeschlossen ist." Aufgeräumt wird mit Bedenken in Sachen Hygiene: "Menstruationsblut ist eine natürliche, körpereigene Flüssigkeit. Es werden keine gefährlichen Stoffe ausgeschieden. Daß Monatsblut unhygienisch sei, ist eine veraltete Vorstellung. Sie dient heute unter anderem dazu, Wegwerfprodukte zu rechtfertigen", so das Unternehmen. Die benutzten Binden werden nach dem Tragen zunächst mit kaltem Wasser ausgewaschen und kommen später zur normalen Wäsche. Praktisches Zubehör rund um die Stoffbinden wie eine dekorative Tonschüssel mit Deckel, in der die gebrauchten Binden vor der Wäsche eingeweicht werden sowie ein praktisches Reiseset für unterwegs komplettieren das Angebot.
Astrid Wahrenberg

    Nichts sehen, nichts spüren - das moderne Tabu der Menstruation
    Die Werbung zeigt es klipp und klar: Die Menstruation soll sauber und diskret ablaufen. Nichts spüren, nichts sehen ist die Maxime. So, als wäre frau wie an jedem anderen Tag - eben ganz normal. Die Regel wird oft als lästig und störend empfunden, viele Frauen sind mit ihren ureigensten Körperrhythmen nicht mehr vertraut. Angst- und Schamgefühle vor den eigenen Gerüchen und Körperflüssigkeiten führen oft zu einem übertriebenen Reinlichkeitsverhalten.
    Daß Frauen vieler Kulturen sich an manchen Tagen der Menstruation auch gerne mal zurückziehen oder sich nur mit anderen Frauen umgeben, ist nicht zu verwechseln mit den Traditionen, die menstruierende Frauen vom öffentlichen Leben ausschlossen und sie zwangen, sich als "unrein" zu verbergen.

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