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Raps nicht kontrollierbar

Dr. Christoph Then
Dr. Christoph Then hat Tiermedizin studiert und arbeitet
seit vielen Jahren als Gentechnik-Experte. Sein Verein Testbiotech fördert unabhängige Forschung im Bereich Gentechnik. www.testbiotech.de

Genfood Nein-Danke LogoGentech-Raps soll eine Importzulassung für die EU erhalten. Christoph Then von Testbiotech und weitere Organisationen warnen vor einer unkontrollierten Auswilderung. // Stephan Börnecke

In einem Brief an die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks haben Sie, der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft und andere Organisationen vor der unkontrollierten Ausbreitung von Gentech-Raps gewarnt. Warum?

Wir sehen, dass sich weltweit immer mehr gentechnisch veränderte Pflanzen über die Ackergrenzen hinaus unkontrolliert ausdehnen. Darüber gibt es mehrere Berichte aus den USA und Mexiko, aber auch aus Asien. Unter anderem sind Gräser, Baumwolle, Raps, Reis und Mais betroffen. Nun steht in der EU die Zulassung für einen Gentechnik-Raps an, der als ganzes Korn und damit in einem keimfähigen Zustand nach Europa eingeführt werden soll. Sogar die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA geht in ihrem Prüfbericht davon aus, dass Körner dieser Rapssorte beim Transport verloren gehen werden und im Freiland keimen. Damit kann es zu einer unkontrollierten Ausbreitung kommen. Das darf nicht passieren. Wir  verlangen deshalb internationale Anstrengungen, die unkontrollierte Ausbreitung von Transgenen zu verhindern. Wir verlangen deswegen auch von der EU, dass sie den Import dieser keimfähigen Saaten nicht genehmigt.

Dieser Gentech-Raps ist nicht der erste, der in der EU als Lebens- und/oder Futtermittel zugelassen werden soll. Es gibt bereits vier Gentechnik-Rapssorten. Warum Ihre Warnung jetzt?

Das ist richtig, es ist nicht der erste keimfähige Raps, der nach Europa gelangen soll. Neu ist, dass die EFSA selbst so ausdrücklich feststellt, dass es beim Transport Verluste geben wird und eine unkontrollierte Ausbreitung möglich ist. Ungewöhnlich ist auch, dass diese Raps-Pflanzen wegen der gentechnischen Manipulation ungewollte Eigenschaften wie einen veränderten Blühzeitpunkt aufweisen. Neu ist zudem, dass es immer mehr Berichte über die Ausbreitung dieser Pflanzen und deren Fähigkeit, sich in der Umwelt zu behaupten, gibt. Aus diesem Grund müssen nach unserer Ansicht die früheren Zulassungen überprüft werden. Theoretisch geht die Gefahr auch von den bereits bestehenden Zulassungen aus.

Haben Sie Kenntnisse darüber, dass und wo sich in Deutschland gentechnisch veränderter Raps ausgesät hat? In der Schweiz findet man diese Pflanzen vor allem an Bahngleisen. Ist das in Deutschland auch passiert?

Wir wissen nur, dass solche Pflanzen bei früheren Freisetzungen zu wissenschaftlichen Zwecken am Rand der Versuchsfelder gefunden worden sind – auch Jahre nach den Versuchen. Es galt damals die Auflage, diese Pflanzen zu vernichten. Ich hoffe, dass dies auch geschehen ist. Untersuchungen wie in der Schweiz gab es in Deutschland nach meiner Kenntnis bisher nicht. Es ist aber denkbar, dass auch bei uns entlang von Bahnstrecken gentechnisch veränderter Raps wächst. Es besteht aber noch ein anderes Problem in Europa: Es existierten vor vielen Jahren Genehmigungen für Saatgutvermehrungen von gentechnisch verändertem Raps der Firma Bayer. Spuren davon finden sich bis heute, also mehr als zehn Jahre nach dem Erlöschen der Zulassung, noch in den Raps-Importen in Europa. Das Problem ist aber im Vergleich zu Amerika vergleichsweise klein. In Kanada etwa findet sich in der Umwelt auch Gentechnik-Raps, der nie zugelassen war und erst durch spontane Kreuzung zwischen verschiedenen Rapsvarianten entstanden ist.

Wie groß ist denn die Gefahr? Was kann biologisch passieren? Was also ist so schlimm daran, wenn sich der Gentech-Raps mit heimischen Kreuzblütlern vermischt?

Ich möchte dieses Risiko gar nicht qualifizieren. Man kann eventuell noch ein Risiko über einen Zeitraum von vielleicht zehn Jahren abschätzen. Was langfristig passiert, wie sich die Pflanzen verhalten, wie sie sich mit wilden Pflanzen vermischen und die Ökologie beeinflussen, lässt sich überhaupt nicht vorhersagen. Da kommt die Wissenschaft an ihr Ende. Eins aber ist klar: Wenn so ein Raps erst einmal in der Umwelt ist, kann man ihn - auch wenn man das müsste, um Schäden für Mensch und Umwelt zu verhindern - nicht mehr zurückholen. Deshalb muss jede Freisetzung immer an die Auflage gekoppelt sein, dass es zu keiner Ausbreitung kommen kann.

Noch mal die Frage: Welche ökologischen Folgen könnte die Auswilderung dieser Gentechnik-Pflanzen haben?

Bei einer Vermischung können natürliche Populationen von Pflanzen derart durchsetzt oder verdrängt werden, dass es irgendwann die ursprüngliche wilde Pflanze gar nicht mehr gibt und die Öko-Systeme erheblichen Schaden nehmen. Das ist vorstellbar. Dazu kommen Unwägbarkeiten wie der Klimawandel: Wie verhalten sich solche Pflanzen bei Klimastress? Gibt es zudem die Bildung von giftigen Inhaltsstoffen, an die man bisher nicht dachte? Kann das wiederum Folgen für Insekten oder Wildtiere haben, die mit den Pflanzen in Kontakt kommen? Was passiert, wenn die Gentech-Konstrukte in Pflanzen eingekreuzt werden, die einen ganz anderen genetischen Hintergrund haben als die ursprünglichen Rapspflanzen? Schließlich kann die landwirtschaftliche Produktion in Gefahr geraten, wenn Gentechnik-Raps auf die Felder gerät. Das wäre dann das Ende einer gentechnik-freien Rapserzeugung in Deutschland.

Was kann man tun, um die unbeabsichtigte Freisetzung zu verhindern?

Die Europäische Kommission hat in einem anderen Fall von gentechnisch verändertem Raps als Auflage ein Monitoring an den Verkehrswegen vorgeschrieben. Das aber war eine Ausnahme. Die Kommission hat aber auch gesagt, wir überlassen das der Industrie. Und wenn die das nicht tut, dann werden das schon die Umweltverbände machen. So geht es nicht. Das ist kein verlässliches Konzept. Wir fordern, die Einfuhr keimfähiger gentechnisch veränderter Raps-Saaten grundsätzlich zu verbieten. Man kann Raps auch als Öl oder Presskuchen importieren, wenn es denn überhaupt nötig wäre.

Ende September findet in Korea eine Konferenz zur Internationalen Konvention über die biologische Vielfalt statt. Sie haben die deutsche Umweltministerin aufgefordert, sich dort für klare Verbotsregeln einzusetzen. Was genau wollen Sie verboten sehen?

Wir fordern Verbote, die eine Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen untersagen, bei denen die räumliche und zeitliche Ausbreitung nicht kontrolliert werden kann. Solche Verbote sind auf internationaler Ebene wichtig. Das Cartagena-Abkommen wäre eine Grundlage dafür. Demnach ist ein grenzüberschreitender Transport von gentechnisch veränderten Organismen nur zulässig, wenn es eine Genehmigung durch das Importland gibt. Das Problem jedoch ist: Trotz eines Importverbotes machen Pollen vor Landesgrenzen nicht halt. Sie fliegen einfach weiter und können so in Länder gelangen, die ihre Landwirtschaft gentechnikfrei halten wollen. Die Biologie der Pflanzen unterläuft damit die Vorschriften des Cartagena-Abkommens. Das Problem ist zwar erkannt, aber es geschieht zu wenig. Wir fordern die Bundesregierung auf, initiativ zu werden und zum Beispiel Länder wie Mexiko, wo es das Problem vor allem mit Mais und Baumwolle gibt, anzusprechen mit dem Ziel, eine Lösung zu finden.

Zum Verständnis: Wie genau kann so ein Verbot aussehen, das Ihnen vorschwebt?

Wenn man überhaupt solche Freisetzungen erlauben will, dann nur, wenn die gentechnisch veränderten Organismen zeitlich und räumlich kontrolliert werden können. Das könnte in internationalen Abkommen oder eben dem Cartagena-Protokoll geregelt werden. Bisher ist das Problem nicht einmal im deutschen Gentechnik-Gesetz geregelt.

Kann man Sie in Ihrer Forderung an Ministerin Hendricks unterstützen? Was können die Leser von Schrot&Korn tun?

Bei Testbiotech gibt es eine Unterschriftenliste. Man kann auch an Barbara Hendricks oder an Landwirtschaftsminister Christian Schmidt schreiben. Wir stellen dafür gerne einen Musterbrief bereit.

Erschienen in Ausgabe 09/2014
Rubrik: Leben&Umwelt

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L. Achenbach

@ Ratte-Polle
Da ist sie ja wieder, diese ideologisch-intellektuelle Verengung beim Schrot & Korn Klientel: "Zum Thema Gentechnik" heißt hier selbstredend: gegen Gentechnik! Sachliche Informationen zur Gentechnik sind völlig unerwünscht. Gentechniker sind für die Öko-Astrologen unheilverheißende Kometen der Wissenschaft, denen man nur in Form von Phobien begegnet. Schließlich sind sie ja doch alle vom kriminellen Monsanto bestochen. Den ökotrunkenen Kämpfern für die reine Lehre reichen die Dogmen, die ihnen ihre Hohepriester immer wieder vorbeten, vollkommen zur Konstruktion ihres alleinseligmachenden Weltbildes von Gut und Böse. Heiliger St. Percy-Schmeiser hilf! Erzengel Vandana Shiva beschütze uns. Seliger Seralini, Schutzpatron aller Greepeaceler: bastele uns neue Argumente. Danach begibt man sich, in solidarisch genormter Trance, auf den Petitions-Kreuzzug.
Vandana will es! Und Verhaag filmt es.

Clemens Ratte-Polle

Hei :)
Hier gibt's stets aktuelle Online-Petitionen zum Thema Gentechnik:
.
http://soli-klick.blogspot.de/2014/02/soli-klicks-gegen-gentechnik.html

L. Achenbach

@ Matthias W.
Vielen Dank für die nette Belehrung mit viel Schaum vor dem Mund.
Aber ich habe Genetik studiert und weiß, wovon ich schreibe.
Ideologische Filme sind nicht Quelle meiner Bildung und Percy Schmeiser ist, in Übereinstimmung mit den Gerichtsurteilen gegen ihn, für mich ein gescheiterter Betrüger. (Ach ja, ich vergaß, die Gerichte wurden ja vom kriminellen Monsanto bestochen.)
Alternative Nobelpreise werden nicht wegen herausragender wissenschaftlicher Leistungen vergeben, sondern aus politisch-ideologischen Gründen zur Aufpeppung sogenannter Querdenker, also überwiegend von/an Menschen, denen die gesicherten Erkenntnisse der evidenzgestützten Wissenschaft nicht in den Kram passen.
Wenn 80 % keine Gentechnik auf dem Teller haben möchten, dann seien Sie doch so tolerant, den aufgeklärteren 20 % gentechnische Produkte nicht vorzuenthalten, z. B. den Golden Rice oder den Pflanzenschutzmittel sparenden, gesundheitlich/ökologisch völlig unbedenklichen Bt-Mais.
Im Mittelalter glaubten noch 100 %, die Sonne drehe sich um die Erde. So kann man sich irren. Wahrheit findet man nicht durch Konsens oder Abstimmung!
Ich arbeite übringens weder für einen Agrokonzern noch werde ich in US-Dollar bezahlt. Ich bin einfach aufgeklärt und unideologisch!
Also: Schaum vom Mund abwischen und mal ein Gentechnik-Lehrbuch in die Hand nehmen! Oder einfach mal im Netz nachlesen. Aber dabei beachten: Nur Kamele trinken aus trüben Quellen!

Matthias W.

L.Achenbach hats nicht kapiert: ich empfehle ihnen mal einen Globus in die Hand zu nehmen und einen Blick auf die Größenverhältnisse Europa-Deutschländchen-Kanada zu werfen. Wenn schon ganz Kanada kontaminiert wurde, dann kann das mit unserem Winzling Deutschland noch viel
schneller passieren. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Percy_Schmeiser und weiterführende Links, u.a. hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Marie-Monique_Robin
Daher; Wehret den Anfängen!
Erst dann die Notbremse zu ziehen, wenn der Zug schon den Abhang hinunter ist, ist doch idiotisch!
Die deutliche Mehrheit von über 80% will keine Gentechnik auf dem Acker und Teller. Erst Recht nciht von einem kriminellen Konzern wie Monstanto, der sich schon durch Einsatz des hochgiftigen Entlaubungsmittels "Agent-Orange" im Vietnamkrieg einen unrühnmlichen Namen gemacht hat!
Percy Schmeiser hingegen, der berechtigt vor den lebensbedrohenden Genkonstrukten warnt, erhielt den alternativen Nobelpreis. Ebenso Vandana Shiva.
Einfach mal im Netz nachlesen. Wer sich informiert weiß Bescheid!

L. Achenbach

Die stupide Verteufelung der Gentechnick durch die (Schrot & Korn-) Bio-Jünger mit den immer wieder gleichen faktenfreien/faktenverdrehenden Greenpeace/BUND-Mantras entfernt mich mehr und mehr von der Bioladen-Szene.
Die Nicht-Nutzung der Grünen Gentechnik betrachte ich als ethisch verantwortungslos.

M.A. Robert R. Winter

Ich lehne Gentechnik kategorisch ab

Godric Norris

Ich spreche mich ganz klar gegen die Verwendung/den Einsatz von genmanipulierten Pflanzen aus.

Winkler, Annette

Ich spreche mich auch ganz klar gegen die Verwendung/den Einsatz von genmanipulierten Pflanzen aus.